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Europäische Religionsgeschichte


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Rezension von

Nicolai Hannig

Europäische Religionsgeschichte Die Religionsgeschichte erlebt in den letzten Jahren eine neuerliche Blütephase. Mit der viel beschworenen Renaissance der Religion, die man zumeist an kirchlichen Massenevents wie dem Kölner Weltjugendtag 2005 oder dem religiös inspirierten weltweiten Terrorismus festmacht, hielt auch in den Geisteswissenschaften wieder ein breiteres Interesse an der Religion Einzug. Das seit 2009 vorliegende zweibändige Handbuch zur europäischen Religionsgeschichte fasst die letzten Jahrzehnte historischer Religionsforschung nun epochenübergreifend zusammen. Grundlage dieses mit knapp 30 Beiträgen bestückten Buchprojekts waren zwei wissenschaftliche Tagungen, die am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt stattfanden, eine Einrichtung, die unter anderem mit ihrem Graduiertenkolleg „Religion in Modernisierungsprozessen“ seit längerem intensiv in der Religionsforschung arbeitet. Die Beiträger des Sammelwerkes zählen allesamt zu den erfahrendsten Experten ihres Faches und bieten in ihren Aufsätzen zumeist systematisierende Einblicke in ihre langjährigen Forschungen. Im ersten Teil bemühen sich die Autoren zunächst, der Religionsgeschichte einen europäischen Rahmen zu verleihen, indem sie vor allem auf den Transfer griechischer Kultur sowie der Religionen von Judentum, Christentum und Islam aus den Kulturen des östlichen Mittelmeerraumes in den Westen verweisen. Religionsimporte wie diese konnten zu Orientierungspunkten und Identitätsstiftern in der Kultur der Westbewohner werden, was der europäischen Religionslandschaft bis heute eine gewisse „Exzentrik“ und Pluralität verleiht. Im zweiten Teil werden daraufhin die Entwicklungspfade dieses Pluralismus nachgezeichnet. Erfreulicherweise bemühen sich die Beiträger dabei nicht nur um einen überkonfessionellen Blick, sondern auch um eine Ausgewogenheit in ihrer Perspektive auf religiöse Dispositionen. So spielen religiöse Praktiken ebenso eine wichtige Rolle wie Denkformen, Häresien und Konflikte. Der dritte Teil geht der Verortung von Religion in der Gesellschaft nach und lenkt den Blick auf Transfers zwischen verschiedenen kulturellen Systemen. Insbesondere in diesem Kapitel zeigt sich der weite Religionsbegriff des gesamten Projekts, wenn es beispielsweise um säkulare Kulte und politische Religionen geht. Insgesamt bleibt es allerdings etwas unklar, wie breit man seinen Untersuchungsrahmen letztlich abgesteckt hat. Denn konsequenterweise hätten dann auch weitere Säkularreligionen wie die „Medienreligion“ oder etwa die „Sport- und Eventreligion“ mit bedacht werden müssen, auch wenn sich hier freilich der Religionsbegriff bis zur Redundanz aufweicht. Im abschließenden vierten Teil rücken die Autoren die religiöse Kommunikation in ihr Blickfeld. Hierbei fällt auf, dass bei der Auseinandersetzung mit Repräsentations- und Vermittlungsformen nur selten zwischen religiöser Kommunikation und Kommunikation über Religion unterschieden wird. Denn auch in den außerkirchlichen Wahrnehmungen, der politischen oder massenmedialen Kommunikation über Religion liegt ein Schlüssel für die Erklärung religiösen Wandels in modernen Gesellschaften. Zweifelsohne aber setzen Hans G. Kippenberg, Jörg Rüpke und Kocku von Stuckrad mit ihrem insgesamt rund 850 Seiten starken Handbuch einen wichtigen Orientierungspfeiler in der Religionsgeschichte. Die europäische Perspektive erweist sich dabei als ein nützlicher Rahmen, der auch weiteren Auseinandersetzungen einen gehörigen Mehrwert bescheren dürfte.

Die Religionsgeschichte erlebt in den letzten Jahren eine neuerliche Blütephase. Mit der viel beschworenen Renaissance der Religion, die man zumeist an kirchlichen Massenevents wie dem Kölner Weltjugendtag 2005 oder dem religiös inspirierten weltweiten Terrorismus festmacht, hielt auch in den Geisteswissenschaften wieder ein breiteres Interesse an der Religion Einzug. Das seit 2009 vorliegende zweibändige Handbuch zur europäischen Religionsgeschichte fasst die letzten Jahrzehnte historischer Religionsforschung nun epochenübergreifend zusammen. Grundlage dieses mit knapp 30 Beiträgen bestückten Buchprojekts waren zwei wissenschaftliche Tagungen, die am Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt stattfanden, eine Einrichtung, die unter anderem mit ihrem Graduiertenkolleg „Religion in Modernisierungsprozessen“ seit längerem intensiv in der Religionsforschung arbeitet.

Die Beiträger des Sammelwerkes zählen allesamt zu den erfahrendsten Experten ihres Faches und bieten in ihren Aufsätzen zumeist systematisierende Einblicke in ihre langjährigen Forschungen. Im ersten Teil bemühen sich die Autoren zunächst, der Religionsgeschichte einen europäischen Rahmen zu verleihen, indem sie vor allem auf den Transfer griechischer Kultur sowie der Religionen von Judentum, Christentum und Islam aus den Kulturen des östlichen Mittelmeerraumes in den Westen verweisen. Religionsimporte wie diese konnten zu Orientierungspunkten und Identitätsstiftern in der Kultur der Westbewohner werden, was der europäischen Religionslandschaft bis heute eine gewisse „Exzentrik“ und Pluralität verleiht. Im zweiten Teil werden daraufhin die Entwicklungspfade dieses Pluralismus nachgezeichnet. Erfreulicherweise bemühen sich die Beiträger dabei nicht nur um einen überkonfessionellen Blick, sondern auch um eine Ausgewogenheit in ihrer Perspektive auf religiöse Dispositionen. So spielen religiöse Praktiken ebenso eine wichtige Rolle wie Denkformen, Häresien und Konflikte. Der dritte Teil geht der Verortung von Religion in der Gesellschaft nach und lenkt den Blick auf Transfers zwischen verschiedenen kulturellen Systemen. Insbesondere in diesem Kapitel zeigt sich der weite Religionsbegriff des gesamten Projekts, wenn es beispielsweise um säkulare Kulte und politische Religionen geht. Insgesamt bleibt es allerdings etwas unklar, wie breit man seinen Untersuchungsrahmen letztlich abgesteckt hat. Denn konsequenterweise hätten dann auch weitere Säkularreligionen wie die „Medienreligion“ oder etwa die „Sport- und Eventreligion“ mit bedacht werden müssen, auch wenn sich hier freilich der Religionsbegriff bis zur Redundanz aufweicht. Im abschließenden vierten Teil rücken die Autoren die religiöse Kommunikation in ihr Blickfeld. Hierbei fällt auf, dass bei der Auseinandersetzung mit Repräsentations- und Vermittlungsformen nur selten zwischen religiöser Kommunikation und Kommunikation über Religion unterschieden wird. Denn auch in den außerkirchlichen Wahrnehmungen, der politischen oder massenmedialen Kommunikation über Religion liegt ein Schlüssel für die Erklärung religiösen Wandels in modernen Gesellschaften.

Zweifelsohne aber setzen Hans G. Kippenberg, Jörg Rüpke und Kocku von Stuckrad mit ihrem insgesamt rund 850 Seiten starken Handbuch einen wichtigen Orientierungspfeiler in der Religionsgeschichte. Die europäische Perspektive erweist sich dabei als ein nützlicher Rahmen, der auch weiteren Auseinandersetzungen einen gehörigen Mehrwert bescheren dürfte.

geschrieben am 11.03.2010 | 434 Wörter | 3031 Zeichen

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