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Störungsorientierte Psychotherapie


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Rezension von

Dr. Hermann Joosten

Störungsorientierte Psychotherapie Beim ersten Anblick gefällt das Werk durch seine lesefreundliche Seitengestaltung. Die Herausgeber haben neben ihren eigenen Beiträgen weitere von über 60 Autoren zu einem Werk zusammengefügt. Das Buch handelt von der Idee, die Psychotherapie in nosologisch differente Bereiche zu unterteilen. Im Kern geht es darum, das Beste aus verschiedenen Schulen zu einer Methode und Technik zusammenzufügen, welche die besonderen Bedingungen einer Erkrankung berücksichtigt, aber auch möglicherweise völlig neue Methoden zu entwickeln. Der störungsspezifische Behandlungsgedanke wird damit von den störungsunspezifischen „Psychotherapie-Schulen“ abgegrenzt. Zwar weisen die Autoren an unterschiedlichen Stellen schon darauf hin, aber es muss doch betont werden, dass diese „Schulen“ sich schon früh mit der Anpassung der Behandlung an spezifische „Störungen“ auseinandergesetzt haben. Das Werk ist inhaltlich außerordentlich umfassend (natürlich fehlt immer etwas, aber dies ist bei diesem editorischen Umfang kein Einwand). Deutlich wird in den Artikeln das Bemühen um allgemeine Verständlichkeit. Damit ist das Buch auch zu empfehlen für alle Berufsgruppen, welche sich mit den einzelnen störungsspezifischen Methoden beschäftigen müssen. Allerdings ist das Buch keine leichte Kost, sondern bedarf der vertiefenden Beschäftigung mit dem Text. Was das Buch nicht liefert (und auch letztlich nicht liefern kann): Die Methoden und Techniken ausführlich darstellen: Hier kommt man um Aus- und Weiterbildungen und Literaturstudien nicht herum. Den Autoren ist es sehr gelungen, dem Leser einen Einblick in die wesentlichen Behandlungsprämissen, Techniken, Ziele und evidenzbasierten Behandlungsergebnisse zu geben. Dies gibt auch den Ärzten mit z. B. allgemeinmedizinischem Schwerpunkt eine Orientierung für die Beratung und gezielte Überweisung. Das Problem des Buches ist letztlich das Problem der Klassifikationssysteme ICD und DSM. In diesen Systemen wird die Diagnostik (d. h. hier Klassifizierung) im wesentlichen nach deskriptiven Merkmalen vorgenommen. Abgesehen von solch offensichtlichen Merkwürdigkeiten, dass nach diesen Systemen Angststörungen und affektive Störungen als Hauptgruppen unterschieden werden, so als sei Angst kein affektiver Zustand, muss man sich die Frage stellen, ob es in diesen Gruppen keine ätiologischen und pathogenetischen Subgruppen gibt, die je für sich eine noch störungsspezifischere Behandlung bedürfen. Die Vielzahl der psychodynamischen und verhaltenstherapeutischen Theorien zu Genese und Behandlung kann man zwar als Mangel der Theorien deuten, aber eben auch als Hinweis darauf, dass unterschiedliche psychologische Wirkungszusammenhänge zu einer ähnlich wirkenden symptomatischen Endstrecke – sei es z. B. Angst oder Depression – führen, ohne sich jedoch in sonstiger Hinsicht (Persönlichkeit etc.) zu gleichen. Zu diesen Fragen wäre ein umfangreiches separates Kapitel mit wissenschaftstheoretischer, philosophischer und psychologischer Erörterung und kritischer Reflexion zur kategorialen Diagnostik im Bereich der seelischen Störungen, die Folgen für eine störungsspezifische Behandlung und der Indikation für je störungsspezifische oder störungsunabhängige Behandlungen wünschenswert. Der Artikel zur Komorbidität geht zwar auf einige dieser Fragen ein. Er referiert aber zu sehr vorliegende Forschungsbefunde, ohne die Problematik der Anwendung dieses statistisch-klassifikatorischen Forschungsansatzes auf die psychische Organisation des Menschen (die Persönlichkeit), seiner Biografie, seiner aktuellen Lebenswirklichkeit und den Zusammenhang von Symptomen und deren lebensgeschichtliche Fluktuation kritisch zu analysieren. Dankenswerterweise gibt es einen Artikel über Fehlentwicklungen in der Psychotherapie, in dem der Psychotherapeut, gewissermaßen als Variable, ins Zentrum der Betrachtung rückt. Dieses Kapitel ist das letzte des Buches und gehörte doch eher an den Anfang! In summa kann das Buch jedem Interessierten mit Vorkenntnissen sehr empfohlen werden.

Beim ersten Anblick gefällt das Werk durch seine lesefreundliche Seitengestaltung. Die Herausgeber haben neben ihren eigenen Beiträgen weitere von über 60 Autoren zu einem Werk zusammengefügt. Das Buch handelt von der Idee, die Psychotherapie in nosologisch differente Bereiche zu unterteilen. Im Kern geht es darum, das Beste aus verschiedenen Schulen zu einer Methode und Technik zusammenzufügen, welche die besonderen Bedingungen einer Erkrankung berücksichtigt, aber auch möglicherweise völlig neue Methoden zu entwickeln. Der störungsspezifische Behandlungsgedanke wird damit von den störungsunspezifischen „Psychotherapie-Schulen“ abgegrenzt. Zwar weisen die Autoren an unterschiedlichen Stellen schon darauf hin, aber es muss doch betont werden, dass diese „Schulen“ sich schon früh mit der Anpassung der Behandlung an spezifische „Störungen“ auseinandergesetzt haben.

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Das Werk ist inhaltlich außerordentlich umfassend (natürlich fehlt immer etwas, aber dies ist bei diesem editorischen Umfang kein Einwand). Deutlich wird in den Artikeln das Bemühen um allgemeine Verständlichkeit. Damit ist das Buch auch zu empfehlen für alle Berufsgruppen, welche sich mit den einzelnen störungsspezifischen Methoden beschäftigen müssen. Allerdings ist das Buch keine leichte Kost, sondern bedarf der vertiefenden Beschäftigung mit dem Text. Was das Buch nicht liefert (und auch letztlich nicht liefern kann): Die Methoden und Techniken ausführlich darstellen: Hier kommt man um Aus- und Weiterbildungen und Literaturstudien nicht herum. Den Autoren ist es sehr gelungen, dem Leser einen Einblick in die wesentlichen Behandlungsprämissen, Techniken, Ziele und evidenzbasierten Behandlungsergebnisse zu geben. Dies gibt auch den Ärzten mit z. B. allgemeinmedizinischem Schwerpunkt eine Orientierung für die Beratung und gezielte Überweisung.

Das Problem des Buches ist letztlich das Problem der Klassifikationssysteme ICD und DSM. In diesen Systemen wird die Diagnostik (d. h. hier Klassifizierung) im wesentlichen nach deskriptiven Merkmalen vorgenommen. Abgesehen von solch offensichtlichen Merkwürdigkeiten, dass nach diesen Systemen Angststörungen und affektive Störungen als Hauptgruppen unterschieden werden, so als sei Angst kein affektiver Zustand, muss man sich die Frage stellen, ob es in diesen Gruppen keine ätiologischen und pathogenetischen Subgruppen gibt, die je für sich eine noch störungsspezifischere Behandlung bedürfen. Die Vielzahl der psychodynamischen und verhaltenstherapeutischen Theorien zu Genese und Behandlung kann man zwar als Mangel der Theorien deuten, aber eben auch als Hinweis darauf, dass unterschiedliche psychologische Wirkungszusammenhänge zu einer ähnlich wirkenden symptomatischen Endstrecke – sei es z. B. Angst oder Depression – führen, ohne sich jedoch in sonstiger Hinsicht (Persönlichkeit etc.) zu gleichen. Zu diesen Fragen wäre ein umfangreiches separates Kapitel mit wissenschaftstheoretischer, philosophischer und psychologischer Erörterung und kritischer Reflexion zur kategorialen Diagnostik im Bereich der seelischen Störungen, die Folgen für eine störungsspezifische Behandlung und der Indikation für je störungsspezifische oder störungsunabhängige Behandlungen wünschenswert.

Der Artikel zur Komorbidität geht zwar auf einige dieser Fragen ein. Er referiert aber zu sehr vorliegende Forschungsbefunde, ohne die Problematik der Anwendung dieses statistisch-klassifikatorischen Forschungsansatzes auf die psychische Organisation des Menschen (die Persönlichkeit), seiner Biografie, seiner aktuellen Lebenswirklichkeit und den Zusammenhang von Symptomen und deren lebensgeschichtliche Fluktuation kritisch zu analysieren.

Dankenswerterweise gibt es einen Artikel über Fehlentwicklungen in der Psychotherapie, in dem der Psychotherapeut, gewissermaßen als Variable, ins Zentrum der Betrachtung rückt.

Dieses Kapitel ist das letzte des Buches und gehörte doch eher an den Anfang! In summa kann das Buch jedem Interessierten mit Vorkenntnissen sehr empfohlen werden.

geschrieben am 17.04.2009 | 517 Wörter | 3493 Zeichen

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