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Steine auf dem Weg


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Rezension von

Daniel Bigalke

Steine auf dem Weg Das menschliche Wissen von der Welt, den Religionen und den je erstrebenswerten Lebensweisen ist oft die Welt selber - soweit dieses Denken und Wissen in die Wirklichkeit drĂ€ngt. Mein Wissen wird zum Selbstbewußtsein, zu einer in sich selbst ruhenden Kraft der Erkenntnis meiner Außenwelt. Und so steht der Mensch oft auf seinem beschwerlichen Weg durch das Leben vor einer Wegegabelung: Entweder folgt er seiner Berufung und versucht seinem inneren GefĂŒhl und seinen persönlichen Fertigkeiten gemĂ€ĂŸ einen Beruf, einen Ort der Lebensverwirklichung in Frieden zu finden, die zugleich der notwendigen Wechselhaftigkeit des Lebens gerecht wird, oder aber er liefert sich an den Fluss des Lebens ganz aus, sucht von Zeit zu Zeit nach vermeintlich erfĂŒllenden GenĂŒssen, steht aber nicht fest in seinem Denken, seinen Überzeugungen und seinem Wirken wĂ€hrend seines Weges durch das Leben. Unsere Welt ist eine sich wandelnden Welt. Steine sind in ihr das Sinnbild des Dauerhaften und BestĂ€ndigen – innerhalb des Wechselhaften. Sie liegen entweder auf dem Weg, können umschifft und konstruktiv ĂŒberwunden werden oder sie liegen im Weg, bringen uns zum scheitern, verzweifeln, treiben uns in den Suizid. Steine erfĂŒllen eine Funktion, die ihnen allein der jeweilige Betrachter zukommen lĂ€ĂŸt, der sich damit selbst vor die beschriebene Wegegabelung stellt und eine Entscheidung fĂ€llt. Zu dieser Entscheidung können uns die Steine auf dem Weg drĂ€ngen. In einer existentiellen Krise und vor Ă€hnliche Herausforderungen der LebensbewĂ€ltigung gestellt lebt die Hauptfigur des vorliegenden Buches Harun in den Felsenhöhlen von Petra. Eine Bruderschaft nimmt sich seiner an und rettet ihn vor dem Suizid. Nach seiner Initiation wĂ€chst er in eine völlig neue Welt, bestehend aus Menschen verschiedener Kulturen und Religionen. Harun hat mit seinem alten Leben abgeschlossen. Auf dem Höhepunkt der Krise entdeckt er in den Felsentempeln, in denen er haust, merkwĂŒrdige Gestalten. Sie entpuppen sich als eine Gruppe aus ArchĂ€ologen und Einheimischen, die sich regelmĂ€ĂŸig zu Ritualen und ZusammenkĂŒnften treffen. Der Autor Werner Walter GĂŒttler, EhrenbĂŒrger des Staates Jordanien und wohnhaft in Hannover, bietet hiermit einen geschichts- und zugleich informationsgetrĂ€nkten Traumroman dar, der in sich viele Geschichten beinhaltet, welche die ethnischen HintergrĂŒnde der vorderasiatischen Kultur und Religion beleuchten und in eine wunderschön lesbare Korrelation zu der Landschaft des vorderen Orients stellen. Zugleich kommt er dabei nicht umhin, auf Vergleiche dieser kulturellen Darstellung mit laufenden Traditionen gnostischer, alchemistischer und rosenkreuzerischer Strömungen in Europa einzugehen. In dieser ErzĂ€hlung, die nunmehr erweitert und gestrafft die Fassung einer bereits 1987 erschienenen Schrift wiedergibt, werden in spannenden Dialogen religiöse Unvereinbarkeiten ĂŒberwunden. Aktuell ist das vorliegende Buch angesichts der unverĂ€ndert aufbrechenden Bruchlinien zwischen dem Orient und dem Abendland nach dem letzten Irak-Krieg. Und so lĂ€ĂŸt GĂŒttler mehrfach seine Hauptfiguren zu der Erkenntnis gelangen, daß Toleranz zuvorderst VerstĂ€ndnis fĂŒr kulturelle HintergrĂŒnde braucht. Damit kann dieses Buch als zauberhaftes PlĂ€doyer fĂŒr eine PhĂ€nomenologie der jeweiligen Kulturen gelesen werden, als großartige denkerische und erzĂ€hlerische Leistung, die in der Felsenwelt der alten NabatĂ€er-Hauptstadt Petra im heutigen Jordanien spielt. Mit sorgfĂ€ltiger AuthentizitĂ€t werden freimaurerische Ideen und Rituale dargestellt und in logischer Tiefe entwickelt. Der Hauptakteur Harun wĂ€chst innerlich von einem vorurteilvollen Eiferer heran zu einem toleranten und selbstbewußten Kosmopoliten. KapitelĂŒberschriften wie „Die Berufung zum Beruf“ (166), „Die Erziehung des Zweiflers“ (213), „Die VertrĂ€glichkeit des Seins“ (357), „Die FĂ€ule im Fleisch“ (371) oder „Der Abschied des Lebens“ (535) reizen förmlich den suchenden Leser dazu, ununterbrochen weiter zu lesen, weiter zu ergrĂŒnden, der Frage nach dem Wie und Warum des Lebens ĂŒber dieses Buch die individuelle Antwort zukommen zu lassen. Er erkennt zugleich, seinen eigenen Geist und sein Streben im Leben von dem trennen zu können, was andere von ihm als gut erachten. Der eigentlich lebende Mensch lebt und denkt auf individuelle Weise integral – sowohl auf kultureller als auch religiöser Ebene. Er findet diesen Weg selbst, ĂŒber alle Hindernisse und selbst auferlegte Martyrien – ĂŒber alle „Steine auf dem Weg“ - hinweg und gelangt zu höherem Bewußtsein. DafĂŒr bietet GĂŒttler schließlich sogar Lösungen im Umgang mit Religionen an: „Nenn ihn, wie du willst: Allah, Gott oder mit verschiedenen Namen aller Religionen und Philosophien der Menschen. Löse ihn zuerst von dem erfundenen Namen, verstehe ihn wirklich in seiner Macht, dann ist auch seine ordnende Kraft, das VĂ€terliche, das uns helfend und dienend Zugestellte.“ Oder: „Gott ist nicht mit unseren Sinnen zu fassen. Gelingt es dir aber, von Allah so schlicht zu denken, dann bist du fĂ€hig, jeden anderen Menschen in seiner Religion zu wĂŒrdigen.“ ErgĂ€nzt werden diese Lebensweisheiten durch bildliche Veranschaulichungen darĂŒber, welche Vorstellungen aus AltĂ€gypten, Mesopotamien sich mit altsemitischen und hethitischen Philosophien vermischten. Was diese Traumlegende ausmacht, ist ihr Kenntnisreichtum altweltlicher Religion und SpiritualitĂ€t. Sie ergibt das praktizierte Bild einer fruchtbaren Konvergenz von rationaler Wissenschaft und zugleich trĂ€umerisch-narrativer Leidenschaft, um schließlich als Meisterwerk des Denkens ĂŒberhaupt eine Bastion menschlicher Lebens- und Realienkunde in Romanform zu werden, wie sie der eingeweihte Leser nur noch von dem Urtypus dieses Genres, nĂ€mlich von Baltasar GraciĂĄns „Kritikon“ (1651), kennt. Ganz klar hierbei, daß existenzielle Lebenserkenntnisse konsequent auszuleben anempfohlen werden: „Unser Sein ist zwischen Entstehen und Vergehen eingefĂŒgt, darum kann es nicht verharren, sondern muß fortschreiten, Erwartung aufnehmen und Verzicht entlassen, bis es vor der letzten, höchsten Erwartung ankommt, dort, wo es dann auf alles verzichten muss, was es handelnd lebte, erlebte.“ Dieses Buch ist jenen Denkenden und Suchenden zu empfehlen, die sich endgĂŒltig von partikularer BedrĂ€ngnis im Geiste befreit haben und das Ganze konsequent selbst zu denken wagen.

Das menschliche Wissen von der Welt, den Religionen und den je erstrebenswerten Lebensweisen ist oft die Welt selber - soweit dieses Denken und Wissen in die Wirklichkeit drĂ€ngt. Mein Wissen wird zum Selbstbewußtsein, zu einer in sich selbst ruhenden Kraft der Erkenntnis meiner Außenwelt. Und so steht der Mensch oft auf seinem beschwerlichen Weg durch das Leben vor einer Wegegabelung: Entweder folgt er seiner Berufung und versucht seinem inneren GefĂŒhl und seinen persönlichen Fertigkeiten gemĂ€ĂŸ einen Beruf, einen Ort der Lebensverwirklichung in Frieden zu finden, die zugleich der notwendigen Wechselhaftigkeit des Lebens gerecht wird, oder aber er liefert sich an den Fluss des Lebens ganz aus, sucht von Zeit zu Zeit nach vermeintlich erfĂŒllenden GenĂŒssen, steht aber nicht fest in seinem Denken, seinen Überzeugungen und seinem Wirken wĂ€hrend seines Weges durch das Leben.

Unsere Welt ist eine sich wandelnden Welt. Steine sind in ihr das Sinnbild des Dauerhaften und BestĂ€ndigen – innerhalb des Wechselhaften. Sie liegen entweder auf dem Weg, können umschifft und konstruktiv ĂŒberwunden werden oder sie liegen im Weg, bringen uns zum scheitern, verzweifeln, treiben uns in den Suizid. Steine erfĂŒllen eine Funktion, die ihnen allein der jeweilige Betrachter zukommen lĂ€ĂŸt, der sich damit selbst vor die beschriebene Wegegabelung stellt und eine Entscheidung fĂ€llt. Zu dieser Entscheidung können uns die Steine auf dem Weg drĂ€ngen.

In einer existentiellen Krise und vor Ă€hnliche Herausforderungen der LebensbewĂ€ltigung gestellt lebt die Hauptfigur des vorliegenden Buches Harun in den Felsenhöhlen von Petra. Eine Bruderschaft nimmt sich seiner an und rettet ihn vor dem Suizid. Nach seiner Initiation wĂ€chst er in eine völlig neue Welt, bestehend aus Menschen verschiedener Kulturen und Religionen. Harun hat mit seinem alten Leben abgeschlossen. Auf dem Höhepunkt der Krise entdeckt er in den Felsentempeln, in denen er haust, merkwĂŒrdige Gestalten. Sie entpuppen sich als eine Gruppe aus ArchĂ€ologen und Einheimischen, die sich regelmĂ€ĂŸig zu Ritualen und ZusammenkĂŒnften treffen.

Der Autor Werner Walter GĂŒttler, EhrenbĂŒrger des Staates Jordanien und wohnhaft in Hannover, bietet hiermit einen geschichts- und zugleich informationsgetrĂ€nkten Traumroman dar, der in sich viele Geschichten beinhaltet, welche die ethnischen HintergrĂŒnde der vorderasiatischen Kultur und Religion beleuchten und in eine wunderschön lesbare Korrelation zu der Landschaft des vorderen Orients stellen. Zugleich kommt er dabei nicht umhin, auf Vergleiche dieser kulturellen Darstellung mit laufenden Traditionen gnostischer, alchemistischer und rosenkreuzerischer Strömungen in Europa einzugehen.

In dieser ErzĂ€hlung, die nunmehr erweitert und gestrafft die Fassung einer bereits 1987 erschienenen Schrift wiedergibt, werden in spannenden Dialogen religiöse Unvereinbarkeiten ĂŒberwunden. Aktuell ist das vorliegende Buch angesichts der unverĂ€ndert aufbrechenden Bruchlinien zwischen dem Orient und dem Abendland nach dem letzten Irak-Krieg. Und so lĂ€ĂŸt GĂŒttler mehrfach seine Hauptfiguren zu der Erkenntnis gelangen, daß Toleranz zuvorderst VerstĂ€ndnis fĂŒr kulturelle HintergrĂŒnde braucht. Damit kann dieses Buch als zauberhaftes PlĂ€doyer fĂŒr eine PhĂ€nomenologie der jeweiligen Kulturen gelesen werden, als großartige denkerische und erzĂ€hlerische Leistung, die in der Felsenwelt der alten NabatĂ€er-Hauptstadt Petra im heutigen Jordanien spielt.

Mit sorgfĂ€ltiger AuthentizitĂ€t werden freimaurerische Ideen und Rituale dargestellt und in logischer Tiefe entwickelt. Der Hauptakteur Harun wĂ€chst innerlich von einem vorurteilvollen Eiferer heran zu einem toleranten und selbstbewußten Kosmopoliten. KapitelĂŒberschriften wie „Die Berufung zum Beruf“ (166), „Die Erziehung des Zweiflers“ (213), „Die VertrĂ€glichkeit des Seins“ (357), „Die FĂ€ule im Fleisch“ (371) oder „Der Abschied des Lebens“ (535) reizen förmlich den suchenden Leser dazu, ununterbrochen weiter zu lesen, weiter zu ergrĂŒnden, der Frage nach dem Wie und Warum des Lebens ĂŒber dieses Buch die individuelle Antwort zukommen zu lassen. Er erkennt zugleich, seinen eigenen Geist und sein Streben im Leben von dem trennen zu können, was andere von ihm als gut erachten. Der eigentlich lebende Mensch lebt und denkt auf individuelle Weise integral – sowohl auf kultureller als auch religiöser Ebene. Er findet diesen Weg selbst, ĂŒber alle Hindernisse und selbst auferlegte Martyrien – ĂŒber alle „Steine auf dem Weg“ - hinweg und gelangt zu höherem Bewußtsein.

DafĂŒr bietet GĂŒttler schließlich sogar Lösungen im Umgang mit Religionen an: „Nenn ihn, wie du willst: Allah, Gott oder mit verschiedenen Namen aller Religionen und Philosophien der Menschen. Löse ihn zuerst von dem erfundenen Namen, verstehe ihn wirklich in seiner Macht, dann ist auch seine ordnende Kraft, das VĂ€terliche, das uns helfend und dienend Zugestellte.“ Oder: „Gott ist nicht mit unseren Sinnen zu fassen. Gelingt es dir aber, von Allah so schlicht zu denken, dann bist du fĂ€hig, jeden anderen Menschen in seiner Religion zu wĂŒrdigen.“ ErgĂ€nzt werden diese Lebensweisheiten durch bildliche Veranschaulichungen darĂŒber, welche Vorstellungen aus AltĂ€gypten, Mesopotamien sich mit altsemitischen und hethitischen Philosophien vermischten. Was diese Traumlegende ausmacht, ist ihr Kenntnisreichtum altweltlicher Religion und SpiritualitĂ€t. Sie ergibt das praktizierte Bild einer fruchtbaren Konvergenz von rationaler Wissenschaft und zugleich trĂ€umerisch-narrativer Leidenschaft, um schließlich als Meisterwerk des Denkens ĂŒberhaupt eine Bastion menschlicher Lebens- und Realienkunde in Romanform zu werden, wie sie der eingeweihte Leser nur noch von dem Urtypus dieses Genres, nĂ€mlich von Baltasar GraciĂĄns „Kritikon“ (1651), kennt.

Ganz klar hierbei, daß existenzielle Lebenserkenntnisse konsequent auszuleben anempfohlen werden: „Unser Sein ist zwischen Entstehen und Vergehen eingefĂŒgt, darum kann es nicht verharren, sondern muß fortschreiten, Erwartung aufnehmen und Verzicht entlassen, bis es vor der letzten, höchsten Erwartung ankommt, dort, wo es dann auf alles verzichten muss, was es handelnd lebte, erlebte.“ Dieses Buch ist jenen Denkenden und Suchenden zu empfehlen, die sich endgĂŒltig von partikularer BedrĂ€ngnis im Geiste befreit haben und das Ganze konsequent selbst zu denken wagen.

geschrieben am 07.10.2007 | 880 Wörter | 5575 Zeichen

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