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Lateinamerikanische Literaturgeschichte


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Rezension von

Anna Kneisel

Lateinamerikanische Literaturgeschichte Eine Geschichte der Lateinamerikanischen Literatur birgt zwangsweise einige Probleme in sich, wie der Herausgeber Michael Rössner, Professor für Romanische und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München, ganz richtig in seinem Vorwort zur ersten Ausgabe schreibt. Ist es ein zu großes Wagnis, Lateinamerika mit seinen so verschiedenen Republiken als ein Ganzes darzustellen? So ist die bei Metzler erschienene Literaturgeschichte im Geiste einer Emanzipierung der lateinamerikanischen Welt von ehemaligen Kolonialmächten entstanden. Zwar gab es in Lateinamerika keine dem europäischen Mittelalter entsprechende Epoche, aber es waren auch die indigenen Kulturen mit zu behandeln. Die Epocheneinteilung macht es deutlich: es steht nicht mehr eine von Europa geprägte Geschichte im Zentrum, sondern eine eigenständige, „echt lateinamerikanische“, wenn man sie überhaupt so nennen kann. Das Werk ist nach sieben Großräumen gegliedert und erstreckt sich bis zur portugiesisch-sprachigen Literatur Brasiliens. Es stellt sich unwillkürlich die Frage, ob eine Hinzunahme Brasiliens wegen all der Differenzen zum Rest von Lateinamerika sinnvoll ist, wenn man bedenkt, dass sich hispanoamerikanische und brasilianische Literatur praktisch bis in die 60er hinein mit Nichtbeachtung straften. Gleichzeitig hatten sie jedoch über eine lange Zeit hinweg einen ähnlichen Entstehensrahmen. Rössner stellte die benutzerfreundliche Anforderung an diese Literaturgeschichte, „überschaubar zu bleiben“ und den Text auch für nichtakademische Leser verständlich zu halten. Das Konzept von Metzler ist dem sehr zuträglich: statt Fußnoten stehen am Rand hilfreiche „Abschnittsüberschriften“ und es wird auf eine nach Epochen gegliederte Bibliographie verwiesen. Kultur und Geschichte werden eng verzahnt präsentiert und Kausalzusammenhänge verständlich gemacht. Dreizehn Autoren steuerten für dieses Projekt vierzig Einzeltexte bei. Zunächst wird auf die Literatur der Inka, Maya und Azteken eingegangen, es folgt eine ausführliche Schilderung der Kolonialzeit und man bewegt sich so durch die Jahrhunderte bis zur heutigen Zeit fort. Dabei liegt der Schwerpunkt eindeutig bei den aktuelleren Entwicklungen. Mit der 2. Auflage wurde der Überblick sogar bis ins 21. Jahrhundert erweitert, mit den Eckdaten 1989, also dem Mauerfall und dem Zusammenbruch des Sozialismus, sowie 2001, als am 11. September die ganze Welt nach Amerika blickte. Der Übersichtlichkeit wegen beschränkt sich das Werk auf ausgewählte Literatur, was aber der Qualität und Aussagekraft in keiner Weise abträglich ist. Nicht umsonst wurde diese Literaturgeschichte nun zum dritten Mal aufgelegt, diesmal nur geringfügig erweitert aufgrund des kürzeren zeitlichen Abstands. Michael Rössner hat mit der Herausgabe dieses Buchs seinen deutschsprachigen Lesern die Welt der lateinamerikanischen Literatur geöffnet und einen Blick auf ihre Eigenarten ermöglicht. Informativ und, wenn auch wegen der großen Anzahl an Autoren in sich stilistisch inhomogen, definitiv lesenswert und als Nachschlagewerk zu empfehlen.

Eine Geschichte der Lateinamerikanischen Literatur birgt zwangsweise einige Probleme in sich, wie der Herausgeber Michael Rössner, Professor für Romanische und Vergleichende Literaturwissenschaft an der Ludwig-Maximilians-Universität München, ganz richtig in seinem Vorwort zur ersten Ausgabe schreibt.

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Ist es ein zu großes Wagnis, Lateinamerika mit seinen so verschiedenen Republiken als ein Ganzes darzustellen? So ist die bei Metzler erschienene Literaturgeschichte im Geiste einer Emanzipierung der lateinamerikanischen Welt von ehemaligen Kolonialmächten entstanden. Zwar gab es in Lateinamerika keine dem europäischen Mittelalter entsprechende Epoche, aber es waren auch die indigenen Kulturen mit zu behandeln. Die Epocheneinteilung macht es deutlich: es steht nicht mehr eine von Europa geprägte Geschichte im Zentrum, sondern eine eigenständige, „echt lateinamerikanische“, wenn man sie überhaupt so nennen kann. Das Werk ist nach sieben Großräumen gegliedert und erstreckt sich bis zur portugiesisch-sprachigen Literatur Brasiliens. Es stellt sich unwillkürlich die Frage, ob eine Hinzunahme Brasiliens wegen all der Differenzen zum Rest von Lateinamerika sinnvoll ist, wenn man bedenkt, dass sich hispanoamerikanische und brasilianische Literatur praktisch bis in die 60er hinein mit Nichtbeachtung straften. Gleichzeitig hatten sie jedoch über eine lange Zeit hinweg einen ähnlichen Entstehensrahmen.

Rössner stellte die benutzerfreundliche Anforderung an diese Literaturgeschichte, „überschaubar zu bleiben“ und den Text auch für nichtakademische Leser verständlich zu halten. Das Konzept von Metzler ist dem sehr zuträglich: statt Fußnoten stehen am Rand hilfreiche „Abschnittsüberschriften“ und es wird auf eine nach Epochen gegliederte Bibliographie verwiesen. Kultur und Geschichte werden eng verzahnt präsentiert und Kausalzusammenhänge verständlich gemacht. Dreizehn Autoren steuerten für dieses Projekt vierzig Einzeltexte bei.

Zunächst wird auf die Literatur der Inka, Maya und Azteken eingegangen, es folgt eine ausführliche Schilderung der Kolonialzeit und man bewegt sich so durch die Jahrhunderte bis zur heutigen Zeit fort. Dabei liegt der Schwerpunkt eindeutig bei den aktuelleren Entwicklungen. Mit der 2. Auflage wurde der Überblick sogar bis ins 21. Jahrhundert erweitert, mit den Eckdaten 1989, also dem Mauerfall und dem Zusammenbruch des Sozialismus, sowie 2001, als am 11. September die ganze Welt nach Amerika blickte.

Der Übersichtlichkeit wegen beschränkt sich das Werk auf ausgewählte Literatur, was aber der Qualität und Aussagekraft in keiner Weise abträglich ist. Nicht umsonst wurde diese Literaturgeschichte nun zum dritten Mal aufgelegt, diesmal nur geringfügig erweitert aufgrund des kürzeren zeitlichen Abstands.

Michael Rössner hat mit der Herausgabe dieses Buchs seinen deutschsprachigen Lesern die Welt der lateinamerikanischen Literatur geöffnet und einen Blick auf ihre Eigenarten ermöglicht. Informativ und, wenn auch wegen der großen Anzahl an Autoren in sich stilistisch inhomogen, definitiv lesenswert und als Nachschlagewerk zu empfehlen.

geschrieben am 11.11.2008 | 411 Wörter | 2684 Zeichen

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