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1:1: Fußballidole im Gespräch


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Rezension von

Ragan Tanger

1:1: Fußballidole im Gespräch Überzeugender Sportjournalismus Die Bayern haben gerade abgestimmt; und auch wenn es nicht einmal ein Viertel der bajuwarischen Bevölkerung war, die daran teilgenommen hat, war das Ergebnis jedenfalls eindeutig: Totales Rauchverbot und somit aufgrund demokratischer Elektion eine Einschränkung der persönlichen Freiheit. Was hat das mit dem hervorragenden und äußerst lesenswerten Buch „1:1 – 30 Fußballidole im Gespräch“ von Klaus Smentek, dem Kicker-Chefredakteur, und seinem kongenialen Fotograf Dirk von Nayhauß zu tun? Weil es überrascht und der Freiheit, die der Fußball trotz aller modernen Taktiktüfteleien immer noch hat, ziemlich nahe kommt, wenn einleitend die beiden Herausgeber, wahrscheinlich ohne sich groß darüber Gedanken zu machen (das Rauchverbot in Bayern kam ja erst später!), nach ihrem ersten Gespräch mit Udo Lattek über das nächtliche Warten an Bahnhöfen berichten und dabei Zigaretten rauchend in der Abendluft stehen. Und trotzdem über Fußball reden, ihn kennen und lieben. Der versteckte Rest anachronistischer Freiheit; so herrlich echt, wie die Gespräche selbst. Fußballidole einzuladen und auszuwählen ist an sich schon eine sehr subjektive Tatsache, denn für den einen ist vielleicht Hans Schmitz, der im Verbandsligateam das Heimatdorf zum Aufstieg geschossen hat, der große Held, für den anderen Onkel Walter, der einem die ersten Fußballschuhe kaufte. Dennoch gibt es in Deutschland einen bekannten common sense und den kann jeder Ballverliebte herunterbeten: 1972er-Mannschaft, Vollmond in Rom 1990, Sommermärchen und, nicht zu vergessen, die Helden von Bern. Mit letzteren Protagonisten kann man zumeist leider nicht mehr so intensiv reden, einzig Horst Eckel, dafür aber umso wortgewaltiger und herzlicher, steht den Interviewern zur Verfügung. Von allen anderen Großereignissen sind wirklich die wichtigsten Kandidaten vertreten: Beckenbauer, Meier, Müller und Netzer; Matthäus, Völler sowie Ballack und Podolski. Hinzu kommen Trainerlegenden wie Udo Lattek, Ottmar Hitzfeld und Felix Magath und als besonderes Schmankerl, fußballpolitisch völlig korrekt, Silvia Neid, Steffi Jones und Birgt Prinz aus Reihen des Frauenfußballs. Die Idee war es, so die Autoren, nicht nur über Fußball zu reden, sondern auch Dinge ins Gespräch zu bringen, die im Kicker oder bei Sport 1 nicht zur Rede kommen. Das ist ihnen bestens gelungen, denn die Tiefe, die Ehrlichkeit, die Authentizität – Netzer O-Ton – sind hervorragend erfragt und löblich transkribiert. Stichwort Netzer: „Ich verbiete es jedem, mich Weltmeister zu nennen.“ Nicht nur im Fernsehen macht diese Legende eine gute Figur, denn er gab ein witziges, ein höchst amüsantes Interview, das einen beim Lesen laut auflachen lässt. Sowie manche Aussagen offensichtlich erstaunen oder in ihrer Deutlichkeit fröhlich frappieren: Ballacks Atheismus macht sozialhistorisch Sinn, Paul Breitners nicht und ist umso eindringlicher. Neben dem Fließtext des Interviews und „elf Metern“ (das sind elf Entweder-Oder-Fragen, die im Stakkatostil dem Interview anbei gegeben sind) besticht dieser Band durch klare, einfache Fotografien, aufgenommen vor weißem Hintergrund. Herausgekommen sind Bilder ohne Ablenkung, pure Mimik, eine lebendige Anschaulichkeit des Menschlichen. Alles in allem also das perfekte Geschenk für Fußballfreunde und ein herausragendes Beispiel hochprofessionellen Journalismus. Nur Jens Lehmann stört, aber das ist, wie so oft, subjektiv. Warum ausgerechnet er ein Idol sein soll, neben den ganz Großen steht, weiß ich nicht, gehe aber davon aus, dass jeder andere Leser auch so ein kleines schwarzes Schaf entdeckt, Kaiser Franz und Müllergerd sind natürlich dabei außen vor. Abschießend kann man nur Felix Magath zitierten: „Ob jemand raucht oder nicht, interessiert mich nicht! Die Leistung auf dem Platz ist entscheidend.“ Danke für die Offenheit, könnte die auch jemand den Bayern beibringen?

Überzeugender Sportjournalismus

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Die Bayern haben gerade abgestimmt; und auch wenn es nicht einmal ein Viertel der bajuwarischen Bevölkerung war, die daran teilgenommen hat, war das Ergebnis jedenfalls eindeutig: Totales Rauchverbot und somit aufgrund demokratischer Elektion eine Einschränkung der persönlichen Freiheit. Was hat das mit dem hervorragenden und äußerst lesenswerten Buch „1:1 – 30 Fußballidole im Gespräch“ von Klaus Smentek, dem Kicker-Chefredakteur, und seinem kongenialen Fotograf Dirk von Nayhauß zu tun? Weil es überrascht und der Freiheit, die der Fußball trotz aller modernen Taktiktüfteleien immer noch hat, ziemlich nahe kommt, wenn einleitend die beiden Herausgeber, wahrscheinlich ohne sich groß darüber Gedanken zu machen (das Rauchverbot in Bayern kam ja erst später!), nach ihrem ersten Gespräch mit Udo Lattek über das nächtliche Warten an Bahnhöfen berichten und dabei Zigaretten rauchend in der Abendluft stehen. Und trotzdem über Fußball reden, ihn kennen und lieben. Der versteckte Rest anachronistischer Freiheit; so herrlich echt, wie die Gespräche selbst.

Fußballidole einzuladen und auszuwählen ist an sich schon eine sehr subjektive Tatsache, denn für den einen ist vielleicht Hans Schmitz, der im Verbandsligateam das Heimatdorf zum Aufstieg geschossen hat, der große Held, für den anderen Onkel Walter, der einem die ersten Fußballschuhe kaufte. Dennoch gibt es in Deutschland einen bekannten common sense und den kann jeder Ballverliebte herunterbeten: 1972er-Mannschaft, Vollmond in Rom 1990, Sommermärchen und, nicht zu vergessen, die Helden von Bern. Mit letzteren Protagonisten kann man zumeist leider nicht mehr so intensiv reden, einzig Horst Eckel, dafür aber umso wortgewaltiger und herzlicher, steht den Interviewern zur Verfügung. Von allen anderen Großereignissen sind wirklich die wichtigsten Kandidaten vertreten: Beckenbauer, Meier, Müller und Netzer; Matthäus, Völler sowie Ballack und Podolski. Hinzu kommen Trainerlegenden wie Udo Lattek, Ottmar Hitzfeld und Felix Magath und als besonderes Schmankerl, fußballpolitisch völlig korrekt, Silvia Neid, Steffi Jones und Birgt Prinz aus Reihen des Frauenfußballs.

Die Idee war es, so die Autoren, nicht nur über Fußball zu reden, sondern auch Dinge ins Gespräch zu bringen, die im Kicker oder bei Sport 1 nicht zur Rede kommen. Das ist ihnen bestens gelungen, denn die Tiefe, die Ehrlichkeit, die Authentizität – Netzer O-Ton – sind hervorragend erfragt und löblich transkribiert. Stichwort Netzer: „Ich verbiete es jedem, mich Weltmeister zu nennen.“ Nicht nur im Fernsehen macht diese Legende eine gute Figur, denn er gab ein witziges, ein höchst amüsantes Interview, das einen beim Lesen laut auflachen lässt. Sowie manche Aussagen offensichtlich erstaunen oder in ihrer Deutlichkeit fröhlich frappieren: Ballacks Atheismus macht sozialhistorisch Sinn, Paul Breitners nicht und ist umso eindringlicher.

Neben dem Fließtext des Interviews und „elf Metern“ (das sind elf Entweder-Oder-Fragen, die im Stakkatostil dem Interview anbei gegeben sind) besticht dieser Band durch klare, einfache Fotografien, aufgenommen vor weißem Hintergrund. Herausgekommen sind Bilder ohne Ablenkung, pure Mimik, eine lebendige Anschaulichkeit des Menschlichen. Alles in allem also das perfekte Geschenk für Fußballfreunde und ein herausragendes Beispiel hochprofessionellen Journalismus. Nur Jens Lehmann stört, aber das ist, wie so oft, subjektiv. Warum ausgerechnet er ein Idol sein soll, neben den ganz Großen steht, weiß ich nicht, gehe aber davon aus, dass jeder andere Leser auch so ein kleines schwarzes Schaf entdeckt, Kaiser Franz und Müllergerd sind natürlich dabei außen vor.

Abschießend kann man nur Felix Magath zitierten: „Ob jemand raucht oder nicht, interessiert mich nicht! Die Leistung auf dem Platz ist entscheidend.“ Danke für die Offenheit, könnte die auch jemand den Bayern beibringen?

geschrieben am 12.07.2010 | 554 Wörter | 3423 Zeichen

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