
| ISBN | 3406555020 | |
| Autoren | Ingeborg Walter , Roberto Zapperi | |
| Verlag | C.H.Beck | |
| Sprache | deutsch | |
| Seiten | 160 | |
| Erscheinungsjahr | 2006 | |
| Extras | gebundene Ausgabe |

In berühmten Versen voll zartfühlender Leidenschaft pries Francesco Petrarca seine Laura, die sich in der Reihe der großen Angebeteten der Weltliteratur nicht hinter Helena von Troja, Don Quixotes Dulcinea oder Heines Diotima zu verstecken braucht. Da ist es dann auch beiÂnahe gleichgültig, ob Laura tatsächlich jemals existiert hat. Walter und Zapperi, nebenbei beÂmerkt, bezweifeln das. Und mit ihnen wohl ein Großteil der modernen Literaturwissenschaft.

Mit dem „Bildnis der Geliebten“ hat das Ehepaar Walter-Zapperi, die bislang jeder für sich, Ingeborg Walter auch als Übersetzerin der Werke ihres Mannes, auf dem Buchmarkt in ErÂscheinung getreten sind, erstmals eine Gemeinschaftsarbeit vorgelegt. Gemeinschaftlich und doch formal separiert, denn die ersten vier Kapitel stammen aus der Feder der Romanistin Walter, die anderen fünf hat der Literatur- und Kunsthistoriker Zapperi verfasst. Dass diese Trennung sich natürlich auch stilistisch widerspiegelt, was eine gewisse Umgewöhnung ausÂgerechnet auf der Buchmitte erfordert, darf am Rande vermerkt werden. Insgesamt aber liest sich der Band, der ohnehin mit glücklicher Hand Wert auf leichte Verdaulichkeit legt, ohne Hindernisse als ausgesprochen rundes, an manchen Stellen vielleicht gar zu rundes SitÂtengemälde.
Den Ausgang nimmt dieses Sittengemälde mit Petrarca und der sich verzehrenden, unerÂfüllten Liebe zu seiner Laura. Was bei Petrarca noch verhohlen und in vorsichtigen AndeuÂtungen bestenfalls anklingt, ist die andere Seite des Verlangens: das Körperliche, das Sexuelle. Die Projektion solcher Sehnsüchte auf eine unerreichbare Frau, die jeweils eigene „Laura“, wurde, das zeichnen Walter und Zapperi in dicht gemalten Bildern, von der italienischen ArisÂtokratie der Renaissance zu einem gesellschaftlichen Ritual überhöht, das zugleich das DränÂgen der Zeit nach Erotik und sexuellem Erleben in gesellschaftlich akzeptierte Bahnen zu kaÂnalisieren vermochte. Aber nicht nur literariÂschen Niederschlag hat dieses gesellschaftlich verordnete und domestizierte Sehnen gefunden, bald wuchs auch das Bedürfnis, die AnÂgeÂbetete im Bild zu verewigen. Allerdings traten an die Stelle der erdachten nun sehr reale DaÂmen aus Fleisch und Blut. Freilich: Schon Petrarca hatte der Versuchung nicht widerstehen können und sich selbst im Nachhinein für diesen „WahnÂsinn“ gegeißelt. In einem fiktiven Dialog mit dem Kirchenvater Augustin geht der in späten Jahren zum Priester Geweihte harsch mit sich ins Gericht, dass er so viel Zeit seines Lebens mit der Sehnsucht nach einer Frau vergeudet habe. Die Konsumenten und Nacheiferer seiner Dichtkunst haben das anders gesehen. Und so können Walter und Zapperi den Leser auf eine bunte Reise durch das Italien der Renaissance mitnehmen, die von Absonderlichem und Skurrilem genug zu bieten hat. Skandalöses inbeÂgriffen.
Geschichten von der Liebe wollen Walter und Zapperi erzählen und haben dabei eine ganz beÂsondere, eigensinnige Form der Liebe wieder entdeckt. Liebe haben auch die Autoren für das Thema aufgebracht. Das merkt man.
geschrieben am 14.03.2008 | 429 Wörter | 2680 Zeichen
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