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Das Bildnis der Geliebten


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Rezension von

Hiram Kümper

Das Bildnis der Geliebten In berühmten Versen voll zartfühlender Leidenschaft pries Francesco Petrarca seine Laura, die sich in der Reihe der großen Angebeteten der Weltliteratur nicht hinter Helena von Troja, Don Quixotes Dulcinea oder Heines Diotima zu verstecken braucht. Da ist es dann auch bei­nahe gleichgültig, ob Laura tatsächlich jemals existiert hat. Walter und Zapperi, nebenbei be­merkt, bezweifeln das. Und mit ihnen wohl ein Großteil der modernen Literaturwissenschaft. Mit dem „Bildnis der Geliebten“ hat das Ehepaar Walter-Zapperi, die bislang jeder für sich, Ingeborg Walter auch als Übersetzerin der Werke ihres Mannes, auf dem Buchmarkt in Er­scheinung getreten sind, erstmals eine Gemeinschaftsarbeit vorgelegt. Gemeinschaftlich und doch formal separiert, denn die ersten vier Kapitel stammen aus der Feder der Romanistin Walter, die anderen fünf hat der Literatur- und Kunsthistoriker Zapperi verfasst. Dass diese Trennung sich natürlich auch stilistisch widerspiegelt, was eine gewisse Umgewöhnung aus­gerechnet auf der Buchmitte erfordert, darf am Rande vermerkt werden. Insgesamt aber liest sich der Band, der ohnehin mit glücklicher Hand Wert auf leichte Verdaulichkeit legt, ohne Hindernisse als ausgesprochen rundes, an manchen Stellen vielleicht gar zu rundes Sit­tengemälde. Den Ausgang nimmt dieses Sittengemälde mit Petrarca und der sich verzehrenden, uner­füllten Liebe zu seiner Laura. Was bei Petrarca noch verhohlen und in vorsichtigen Andeu­tungen bestenfalls anklingt, ist die andere Seite des Verlangens: das Körperliche, das Sexuelle. Die Projektion solcher Sehnsüchte auf eine unerreichbare Frau, die jeweils eigene „Laura“, wurde, das zeichnen Walter und Zapperi in dicht gemalten Bildern, von der italienischen Aris­tokratie der Renaissance zu einem gesellschaftlichen Ritual überhöht, das zugleich das Drän­gen der Zeit nach Erotik und sexuellem Erleben in gesellschaftlich akzeptierte Bahnen zu ka­nalisieren vermochte. Aber nicht nur literari­schen Niederschlag hat dieses gesellschaftlich verordnete und domestizierte Sehnen gefunden, bald wuchs auch das Bedürfnis, die An­ge­betete im Bild zu verewigen. Allerdings traten an die Stelle der erdachten nun sehr reale Da­men aus Fleisch und Blut. Freilich: Schon Petrarca hatte der Versuchung nicht widerstehen können und sich selbst im Nachhinein für diesen „Wahn­sinn“ gegeißelt. In einem fiktiven Dialog mit dem Kirchenvater Augustin geht der in späten Jahren zum Priester Geweihte harsch mit sich ins Gericht, dass er so viel Zeit seines Lebens mit der Sehnsucht nach einer Frau vergeudet habe. Die Konsumenten und Nacheiferer seiner Dichtkunst haben das anders gesehen. Und so können Walter und Zapperi den Leser auf eine bunte Reise durch das Italien der Renaissance mitnehmen, die von Absonderlichem und Skurrilem genug zu bieten hat. Skandalöses inbe­griffen. Geschichten von der Liebe wollen Walter und Zapperi erzählen und haben dabei eine ganz be­sondere, eigensinnige Form der Liebe wieder entdeckt. Liebe haben auch die Autoren für das Thema aufgebracht. Das merkt man.

In berühmten Versen voll zartfühlender Leidenschaft pries Francesco Petrarca seine Laura, die sich in der Reihe der großen Angebeteten der Weltliteratur nicht hinter Helena von Troja, Don Quixotes Dulcinea oder Heines Diotima zu verstecken braucht. Da ist es dann auch bei­nahe gleichgültig, ob Laura tatsächlich jemals existiert hat. Walter und Zapperi, nebenbei be­merkt, bezweifeln das. Und mit ihnen wohl ein Großteil der modernen Literaturwissenschaft.

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Mit dem „Bildnis der Geliebten“ hat das Ehepaar Walter-Zapperi, die bislang jeder für sich, Ingeborg Walter auch als Übersetzerin der Werke ihres Mannes, auf dem Buchmarkt in Er­scheinung getreten sind, erstmals eine Gemeinschaftsarbeit vorgelegt. Gemeinschaftlich und doch formal separiert, denn die ersten vier Kapitel stammen aus der Feder der Romanistin Walter, die anderen fünf hat der Literatur- und Kunsthistoriker Zapperi verfasst. Dass diese Trennung sich natürlich auch stilistisch widerspiegelt, was eine gewisse Umgewöhnung aus­gerechnet auf der Buchmitte erfordert, darf am Rande vermerkt werden. Insgesamt aber liest sich der Band, der ohnehin mit glücklicher Hand Wert auf leichte Verdaulichkeit legt, ohne Hindernisse als ausgesprochen rundes, an manchen Stellen vielleicht gar zu rundes Sit­tengemälde.

Den Ausgang nimmt dieses Sittengemälde mit Petrarca und der sich verzehrenden, uner­füllten Liebe zu seiner Laura. Was bei Petrarca noch verhohlen und in vorsichtigen Andeu­tungen bestenfalls anklingt, ist die andere Seite des Verlangens: das Körperliche, das Sexuelle. Die Projektion solcher Sehnsüchte auf eine unerreichbare Frau, die jeweils eigene „Laura“, wurde, das zeichnen Walter und Zapperi in dicht gemalten Bildern, von der italienischen Aris­tokratie der Renaissance zu einem gesellschaftlichen Ritual überhöht, das zugleich das Drän­gen der Zeit nach Erotik und sexuellem Erleben in gesellschaftlich akzeptierte Bahnen zu ka­nalisieren vermochte. Aber nicht nur literari­schen Niederschlag hat dieses gesellschaftlich verordnete und domestizierte Sehnen gefunden, bald wuchs auch das Bedürfnis, die An­ge­betete im Bild zu verewigen. Allerdings traten an die Stelle der erdachten nun sehr reale Da­men aus Fleisch und Blut. Freilich: Schon Petrarca hatte der Versuchung nicht widerstehen können und sich selbst im Nachhinein für diesen „Wahn­sinn“ gegeißelt. In einem fiktiven Dialog mit dem Kirchenvater Augustin geht der in späten Jahren zum Priester Geweihte harsch mit sich ins Gericht, dass er so viel Zeit seines Lebens mit der Sehnsucht nach einer Frau vergeudet habe. Die Konsumenten und Nacheiferer seiner Dichtkunst haben das anders gesehen. Und so können Walter und Zapperi den Leser auf eine bunte Reise durch das Italien der Renaissance mitnehmen, die von Absonderlichem und Skurrilem genug zu bieten hat. Skandalöses inbe­griffen.

Geschichten von der Liebe wollen Walter und Zapperi erzählen und haben dabei eine ganz be­sondere, eigensinnige Form der Liebe wieder entdeckt. Liebe haben auch die Autoren für das Thema aufgebracht. Das merkt man.

geschrieben am 14.03.2008 | 429 Wörter | 2680 Zeichen

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