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Der amerikanische Agent


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Rezension von

Dr. Benjamin Krenberger

Der amerikanische Agent Der „Sachroman“ als Genre zwischen echter Fiktion und Aufklärungs-Sachbuch: eine geläufige, aber bislang noch nicht häufige Buchform, die aber bei richtiger Herangehensweise durchaus fesselnd sein kann. Der Autor, Fabrizio Gatti, ist sowohl als Journalist als auch als Autor tätig und ist mehrfach ausgezeichnet worden. Dass er zwischen den benannten Kategorien wandeln kann, hat er damit bewiesen und auch das vorliegende Buch bietet das, was man von ihm erwarten kann. Hauptfigur ist der (fiktive) Simone Pace, der in Italien ein Doppelleben führt: einerseits ist er in Diensten des Staates, zuerst als Polizist, später in nicht näher aufgeklärten Funktionen. Andererseits ist er ein vom amerikanischen Geheimdienst CIA angeworbener ausländischer Zuarbeiter, der vor Ort Aufträge ausführen soll, zu denen die Amerikaner selbst entweder nicht in der Lage sind oder dies nicht selbst ausführen wollen. Immerhin ist Italien ja NATO-Verbündeter. Simone Pace, eigentlich glücklich liiert und Vater einer Tochter, lässt sich nach anfänglichem Zaudern mit Feuereifer auf das klandestine Spiel der Geheimdienste ein, das fortan zu einem wesentlichen Bestandteil seines Lebens und seiner Psyche wird. Der Verlust der Familie folgt zwangsläufig, aber er hat ja jetzt Ersatz in Form seiner Auftraggeber und Controller, obwohl diese ihn – was er sehr genau weiß – in einer Krisensituation einfach abschalten und im Stich lassen würden, ja müssten. Denn er ist für sie und alle ein namen- und gesichtsloses Rädchen im weltweiten Spionage- und Gegenspionagespiel. Dies zieht sich fort bis zum Ende, wenn er die Regeln der Geheimnistuerei so verinnerlicht hat, dass er und seine große (neue) Liebe sich nach mancher Tortur zwar wiedersehen, aber so gefangen von ihren indoktrinierten Prinzipien sind – sie ist auch (ehemalige) Mitarbeiterin der CIA –, dass sie diese Fesseln beibehalten und nicht ihr Leben fortan zusammen verbringen. Arm und armselig, was soll das noch für eine lebenswerte Existenz sein? Kern der Geschichte ist die Offenbarung Paces gegenüber einem Journalisten, dem er die „Wahrheit“ über die Machenschaften der CIA auf europäischem Boden offenbaren möchte, bevor er mit neuer Identität aus dem „offiziellen“ Dienst ausscheidet. Aus den Erzählungen kommt zwar teilweise heraus, dass er nicht wirklich auf alle Einsätze stolz ist, in denen er Recht und Völkerrecht gebrochen hat. Aber der Streifgang durch die Jahrzehnte zeigt deutlich, wie sehr ihm seine Aufgabe gefallen hat und wie wichtig es ihm war, tatsächlich ins Hauptquartier nach Langley eingeladen zu werden, um dort eine namenlose Uhr als Belobigung zu empfangen. Zum Kopfschütteln. Das Buch ist nett und flüssig zu lesen. Der Spannungsbogen der Geschichte ist aber das Problem. Zum einen nimmt er gegen Ende rapide ab, wenn es nur noch um die Abwicklung der Existenz Paces geht und auch die Kapitel über die Einsätze eher Fallberichten gleichen als den vorherigen emotionalen Erzählungen. Zum anderen wird nicht so ganz klar, was der Impetus des Werks sein soll: soll nur eine Geschichte erzählt werden oder soll wirklich etwas aufgedeckt werden? Die von Pace behaupteten Zusammenhänge zwischen seinen Aktionen und späteren Entwicklungen europäischer Geschichte sind möglich, aber nicht zwingend. Und so hat man mitunter durchaus das Gefühl, dass da ein ziemlicher Aufschneider erzählt, zu überzeugt von sich und seiner vermeintlichen Rolle im Gesamtgefüge. Insoweit ist das Versprechen der Banderole „Spannend wie ein Thriller“ maßlos übertrieben. Es ist ein gutes und interessantes Buch, dessen Lektüre man nicht zu reuen braucht. Aber mehr eben auch nicht.

Der „Sachroman“ als Genre zwischen echter Fiktion und Aufklärungs-Sachbuch: eine geläufige, aber bislang noch nicht häufige Buchform, die aber bei richtiger Herangehensweise durchaus fesselnd sein kann. Der Autor, Fabrizio Gatti, ist sowohl als Journalist als auch als Autor tätig und ist mehrfach ausgezeichnet worden. Dass er zwischen den benannten Kategorien wandeln kann, hat er damit bewiesen und auch das vorliegende Buch bietet das, was man von ihm erwarten kann.

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Hauptfigur ist der (fiktive) Simone Pace, der in Italien ein Doppelleben führt: einerseits ist er in Diensten des Staates, zuerst als Polizist, später in nicht näher aufgeklärten Funktionen. Andererseits ist er ein vom amerikanischen Geheimdienst CIA angeworbener ausländischer Zuarbeiter, der vor Ort Aufträge ausführen soll, zu denen die Amerikaner selbst entweder nicht in der Lage sind oder dies nicht selbst ausführen wollen. Immerhin ist Italien ja NATO-Verbündeter. Simone Pace, eigentlich glücklich liiert und Vater einer Tochter, lässt sich nach anfänglichem Zaudern mit Feuereifer auf das klandestine Spiel der Geheimdienste ein, das fortan zu einem wesentlichen Bestandteil seines Lebens und seiner Psyche wird. Der Verlust der Familie folgt zwangsläufig, aber er hat ja jetzt Ersatz in Form seiner Auftraggeber und Controller, obwohl diese ihn – was er sehr genau weiß – in einer Krisensituation einfach abschalten und im Stich lassen würden, ja müssten. Denn er ist für sie und alle ein namen- und gesichtsloses Rädchen im weltweiten Spionage- und Gegenspionagespiel. Dies zieht sich fort bis zum Ende, wenn er die Regeln der Geheimnistuerei so verinnerlicht hat, dass er und seine große (neue) Liebe sich nach mancher Tortur zwar wiedersehen, aber so gefangen von ihren indoktrinierten Prinzipien sind – sie ist auch (ehemalige) Mitarbeiterin der CIA –, dass sie diese Fesseln beibehalten und nicht ihr Leben fortan zusammen verbringen. Arm und armselig, was soll das noch für eine lebenswerte Existenz sein?

Kern der Geschichte ist die Offenbarung Paces gegenüber einem Journalisten, dem er die „Wahrheit“ über die Machenschaften der CIA auf europäischem Boden offenbaren möchte, bevor er mit neuer Identität aus dem „offiziellen“ Dienst ausscheidet. Aus den Erzählungen kommt zwar teilweise heraus, dass er nicht wirklich auf alle Einsätze stolz ist, in denen er Recht und Völkerrecht gebrochen hat. Aber der Streifgang durch die Jahrzehnte zeigt deutlich, wie sehr ihm seine Aufgabe gefallen hat und wie wichtig es ihm war, tatsächlich ins Hauptquartier nach Langley eingeladen zu werden, um dort eine namenlose Uhr als Belobigung zu empfangen. Zum Kopfschütteln.

Das Buch ist nett und flüssig zu lesen. Der Spannungsbogen der Geschichte ist aber das Problem. Zum einen nimmt er gegen Ende rapide ab, wenn es nur noch um die Abwicklung der Existenz Paces geht und auch die Kapitel über die Einsätze eher Fallberichten gleichen als den vorherigen emotionalen Erzählungen. Zum anderen wird nicht so ganz klar, was der Impetus des Werks sein soll: soll nur eine Geschichte erzählt werden oder soll wirklich etwas aufgedeckt werden? Die von Pace behaupteten Zusammenhänge zwischen seinen Aktionen und späteren Entwicklungen europäischer Geschichte sind möglich, aber nicht zwingend. Und so hat man mitunter durchaus das Gefühl, dass da ein ziemlicher Aufschneider erzählt, zu überzeugt von sich und seiner vermeintlichen Rolle im Gesamtgefüge. Insoweit ist das Versprechen der Banderole „Spannend wie ein Thriller“ maßlos übertrieben. Es ist ein gutes und interessantes Buch, dessen Lektüre man nicht zu reuen braucht. Aber mehr eben auch nicht.

geschrieben am 10.08.2020 | 545 Wörter | 3085 Zeichen

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