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Handbuch der antiken Architektur


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Rezension von

Adrian Witt

Handbuch der antiken Architektur Die Baukunst der Griechen und Römer gehört zu den eindrucksvollsten Zeugnissen der antiken Welt und zieht bis heute Fachleute wie Laien in ihren Bann. Denn Kunst- und Kulturreisende stehen im 21. Jahrhundert ebenso staunend vor den griechischen Tempeln in Paestum wie einst Goethe. Doch ein Besuch in Rom zeigt, dass nicht etwa Marmor als Baustoff in der Antike dominiert, sondern schlichte Ziegelsteine. Verantwortlich dafür ist vor allem Augustus, der erste römische Kaiser und Adoptivsohn von Caesar. Dieser hat den Bürgerkriegen, die der römischen Republik seit einem halben Jahrhundert zusetzten, im Jahr 30 v. Chr. ein Ende gesetzt und im Laufe seiner 44-jährigen Herrschaft Rom zum Mittelpunkt der antiken Welt gemacht. Zwar wurde Macht von der römischen Aristokratie schon länger in Form von großen Bauprojekten zelebriert. Doch erst unter Kaiser Augustus erreichte die städtebauliche Veränderung Roms eine neue Dimension, indem er zahlreiche monomentale Bauwerke errichten ließ, durch die sich die Stadt am Tiber überhaupt erst zum Schaufenster einer extrem zentralisierten imperialen Macht im Mittelmeerraum entwickeln konnte. Diese Lektion machten sich auch Augustus Nachfolger zu Nutzen und Jahrhunderte lang gehorchten die Bauwerke der römischen Kaiser der immer gleichen Formel, die der römische Architekt und Ingenieur Vitruv (Marcus Vitruvius Pollio) wie folgt zusammengefasst hat: Skelett aus Ziegelstein mit einer Haut aus Marmor. Das Erfolgsrezept des Ziegelsteins als Grundbaustoff für Bauwerke aller Art ist dabei vor allem auf seine kostengünstige und einfache Herstellung zurückzuführen, für die es keine qualifizierten Arbeitskräfte bedarf. Für einen Ziegelstein wird einfach nur etwas Ton benötigt, den man fast überall finden kann. Lässt man die Tonerde in der Sonne trocknen, erhält man Lehmziegel. Brenn man diese in einem Ofen, erhält man wiederum Backsteine, mit denen nicht nur in Mesopotamien im Zweistromland vor tausenden von Jahren die Zikkurats, gigantische stufenförmige Tempeltürme, errichtet wurden, sondern bis heute die Gestaltung von ganzen Stadtvierteln vorgenommen wird, wie die Hamburger Speicherstadt oder die Londoner Hafencity eindrucksvoll unter Beweis stellen. Doch der vulgär und rau anmutende Charakter des schlichten Ziegelsteins war von Anfang an mit dem Malheur behaftet für das Imperium nicht ausreichend prestigeträchtig zu sein, weshalb man ihn mit anderen Baumaterialen wie Marmor verkleidete, auch wenn davon auf Grund von zahlreichen Plünderungen im Laufe der Jahrhunderte nicht mehr viel übrig geblieben ist. In diesem Kontext erweist sich das von Patrick Schollmeyer geschriebene „Handbuch der antiken Architektur“, das im wbg Philipp von Zabern Verlag erschienen ist und nun in 2. überarbeiteter und erweiterten Auflage vorliegt, als wertvolles Nachschlagewerk, wenn es darum geht, die hohe Kunst der antiken Architektur in seiner Gesamtheit in Erfahrung zu bringen. In diesem finden interessierte Leser auf 256 Seiten ein den höchsten Ansprüchen verpflichtetes Bildhandbuch über antike Bautypen und -formen, wie sie einst in der griechisch-römischen Welt vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis zum 4. Jahrhundert n. Chr. vorzufinden waren. Diesbezüglich hat der Autor aus Platzgründen Beispiele aus dem Kulturraum der Etrusker, Phönizier und Iberer, nur um einige Völker im einstigen Machtbereich der Römer zu nennen, unberücksichtigt gelassen, da bereits im Mittelalter die monumentalen Ruinen der griechisch-römischen Welt im kulturellen Gedächtnis ihren Platz fanden und sich viele Menschen bis heute hierüber austauschen. Gegliedert in sechs Kapitel geht Patrick Schollmeyer zu Beginn seines umfangreichen Werkes zunächst auf die Quellenlage ein, erläutert anschließend im weiteren Verlauf den Baubetrieb, stellt die einzelnen Bauglieder vor, liefert Details zum Baudekor, informiert über die Bauaufgaben, wobei er zwischen Sakralarchitektur und Memorialbauten unterscheidet, um danach auf interessante und vielfältige Einzelheiten zu Hallen- und Versammlungsbauten, zu Stätten der Unterhaltung und Bildung, zur Wasserkultur und zu Wohnbauten einzugehen, bevor er auch auf die Infrastruktur und Grabbauten ausführlich Bezug nimmt. Demgegenüber findet sich im letzten Kapitel, das sich thematisch der Urbanistik widmet, eine detaillierte Darstellung der römischen Stadtplanung und Stadtentwicklung, während den abschließenden Seiten Karten und Kartenausschnitte, Angaben zu Epochen der griechisch-römischen Welt, Literaturhinweise, ein Register der Begriffe, Orte und Personennamen, die im Buch eine Erwähnung finden, sowie ein umfangreicher Abbildungsnachweis der über 650 detaillierten schwarz-weiß Abbildungen bzw. Zeichnungen zu entnehmen sind. Mit Blick auf die maßgeblichen Quellen kann man neben den wenigen schriftlichen Überlieferungen, wie die zehn Bücher des römische Architekten und Ingenieur Vitruv (Marcus Vitruvius Pollio), insbesondere auf die zahlreichen antiken Ruinen zurückgreifen, um sich einen Eindruck davon zu verschaffen, wie die Römer einst ihre Bauwerke errichtet und ausgeschmückt haben. Sehr aufschlussreich erweist sich hier vor allem das Kapitel über den Baubetrieb, in welchem die Leser auf knappen Raum interessante Details der Entwicklung des antiken Bauhandwerks bis zum Ende des römischen Reichs erfahren. So wurde nämlich zunächst hauptsächlich Holz als Baumaterial verwendet, das schnell vergänglich ist und nach und nach durch steinerne Bauelemente ersetzt wurde. Von herausragender Bedeutung war aber auch die Entwicklung des sogenannten opus caementitium, ein Material, das zusammen mit gebrannten Ziegeln riesige Bauprogramme zuließ. Doch auch auf dem Gebiet der Werkzeuge gab es im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Fortschritte, wie Patrick Schollmeyer zeigt. Diese und viele weitere Einzelheiten über die griechisch-römische Architektur, die der Autor in seinen Ausführungen eindrucksvoll und wissenschaftlich fundiert offenbart und mit über 650 detaillierten schwarz-weiß Abbildungen bzw. Zeichnungen sehr anschaulich zur Schau stellt, machen das Bildhandbuch für all jene zu einem wertvollen Nachschlagewerk, die sich schon immer einmal mit der antiken Baukunst befassen wollten. Mit der Veröffentlichung der Publikation „Handbuch der antiken Architektur“ hat Patrick Schollmeyer ein beeindruckendes Werk geschaffen, das Architekten, Bauhistorikern und Archäologen auf hohem Niveau die vielfältigen Ausprägungen der antiken Bautypen und -formen der griechisch-römischen Welt textuell und bildlich offenbart und zugleich deren Entwicklung vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis zum 4. Jahrhundert n. Chr. aufzeigt. In seiner Gesamtheit handelt es sich hier um eines von wenigen Werk das in jüngster Zeit über die Antike erschienen ist, das die Trockenheit des zu Grunde liegenden Themas aufzubrechen vermag und zugleich die Schönheit der antiken Baukunst der städtebaulichen Einfallslosigkeit unserer modernen Wohnquartiere gegenüberstellt.

Die Baukunst der Griechen und Römer gehört zu den eindrucksvollsten Zeugnissen der antiken Welt und zieht bis heute Fachleute wie Laien in ihren Bann. Denn Kunst- und Kulturreisende stehen im 21. Jahrhundert ebenso staunend vor den griechischen Tempeln in Paestum wie einst Goethe. Doch ein Besuch in Rom zeigt, dass nicht etwa Marmor als Baustoff in der Antike dominiert, sondern schlichte Ziegelsteine.

Verantwortlich dafür ist vor allem Augustus, der erste römische Kaiser und Adoptivsohn von Caesar. Dieser hat den Bürgerkriegen, die der römischen Republik seit einem halben Jahrhundert zusetzten, im Jahr 30 v. Chr. ein Ende gesetzt und im Laufe seiner 44-jährigen Herrschaft Rom zum Mittelpunkt der antiken Welt gemacht. Zwar wurde Macht von der römischen Aristokratie schon länger in Form von großen Bauprojekten zelebriert. Doch erst unter Kaiser Augustus erreichte die städtebauliche Veränderung Roms eine neue Dimension, indem er zahlreiche monomentale Bauwerke errichten ließ, durch die sich die Stadt am Tiber überhaupt erst zum Schaufenster einer extrem zentralisierten imperialen Macht im Mittelmeerraum entwickeln konnte. Diese Lektion machten sich auch Augustus Nachfolger zu Nutzen und Jahrhunderte lang gehorchten die Bauwerke der römischen Kaiser der immer gleichen Formel, die der römische Architekt und Ingenieur Vitruv (Marcus Vitruvius Pollio) wie folgt zusammengefasst hat: Skelett aus Ziegelstein mit einer Haut aus Marmor. Das Erfolgsrezept des Ziegelsteins als Grundbaustoff für Bauwerke aller Art ist dabei vor allem auf seine kostengünstige und einfache Herstellung zurückzuführen, für die es keine qualifizierten Arbeitskräfte bedarf. Für einen Ziegelstein wird einfach nur etwas Ton benötigt, den man fast überall finden kann. Lässt man die Tonerde in der Sonne trocknen, erhält man Lehmziegel. Brenn man diese in einem Ofen, erhält man wiederum Backsteine, mit denen nicht nur in Mesopotamien im Zweistromland vor tausenden von Jahren die Zikkurats, gigantische stufenförmige Tempeltürme, errichtet wurden, sondern bis heute die Gestaltung von ganzen Stadtvierteln vorgenommen wird, wie die Hamburger Speicherstadt oder die Londoner Hafencity eindrucksvoll unter Beweis stellen. Doch der vulgär und rau anmutende Charakter des schlichten Ziegelsteins war von Anfang an mit dem Malheur behaftet für das Imperium nicht ausreichend prestigeträchtig zu sein, weshalb man ihn mit anderen Baumaterialen wie Marmor verkleidete, auch wenn davon auf Grund von zahlreichen Plünderungen im Laufe der Jahrhunderte nicht mehr viel übrig geblieben ist.

In diesem Kontext erweist sich das von Patrick Schollmeyer geschriebene „Handbuch der antiken Architektur“, das im wbg Philipp von Zabern Verlag erschienen ist und nun in 2. überarbeiteter und erweiterten Auflage vorliegt, als wertvolles Nachschlagewerk, wenn es darum geht, die hohe Kunst der antiken Architektur in seiner Gesamtheit in Erfahrung zu bringen. In diesem finden interessierte Leser auf 256 Seiten ein den höchsten Ansprüchen verpflichtetes Bildhandbuch über antike Bautypen und -formen, wie sie einst in der griechisch-römischen Welt vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis zum 4. Jahrhundert n. Chr. vorzufinden waren. Diesbezüglich hat der Autor aus Platzgründen Beispiele aus dem Kulturraum der Etrusker, Phönizier und Iberer, nur um einige Völker im einstigen Machtbereich der Römer zu nennen, unberücksichtigt gelassen, da bereits im Mittelalter die monumentalen Ruinen der griechisch-römischen Welt im kulturellen Gedächtnis ihren Platz fanden und sich viele Menschen bis heute hierüber austauschen. Gegliedert in sechs Kapitel geht Patrick Schollmeyer zu Beginn seines umfangreichen Werkes zunächst auf die Quellenlage ein, erläutert anschließend im weiteren Verlauf den Baubetrieb, stellt die einzelnen Bauglieder vor, liefert Details zum Baudekor, informiert über die Bauaufgaben, wobei er zwischen Sakralarchitektur und Memorialbauten unterscheidet, um danach auf interessante und vielfältige Einzelheiten zu Hallen- und Versammlungsbauten, zu Stätten der Unterhaltung und Bildung, zur Wasserkultur und zu Wohnbauten einzugehen, bevor er auch auf die Infrastruktur und Grabbauten ausführlich Bezug nimmt. Demgegenüber findet sich im letzten Kapitel, das sich thematisch der Urbanistik widmet, eine detaillierte Darstellung der römischen Stadtplanung und Stadtentwicklung, während den abschließenden Seiten Karten und Kartenausschnitte, Angaben zu Epochen der griechisch-römischen Welt, Literaturhinweise, ein Register der Begriffe, Orte und Personennamen, die im Buch eine Erwähnung finden, sowie ein umfangreicher Abbildungsnachweis der über 650 detaillierten schwarz-weiß Abbildungen bzw. Zeichnungen zu entnehmen sind. Mit Blick auf die maßgeblichen Quellen kann man neben den wenigen schriftlichen Überlieferungen, wie die zehn Bücher des römische Architekten und Ingenieur Vitruv (Marcus Vitruvius Pollio), insbesondere auf die zahlreichen antiken Ruinen zurückgreifen, um sich einen Eindruck davon zu verschaffen, wie die Römer einst ihre Bauwerke errichtet und ausgeschmückt haben. Sehr aufschlussreich erweist sich hier vor allem das Kapitel über den Baubetrieb, in welchem die Leser auf knappen Raum interessante Details der Entwicklung des antiken Bauhandwerks bis zum Ende des römischen Reichs erfahren. So wurde nämlich zunächst hauptsächlich Holz als Baumaterial verwendet, das schnell vergänglich ist und nach und nach durch steinerne Bauelemente ersetzt wurde. Von herausragender Bedeutung war aber auch die Entwicklung des sogenannten opus caementitium, ein Material, das zusammen mit gebrannten Ziegeln riesige Bauprogramme zuließ. Doch auch auf dem Gebiet der Werkzeuge gab es im Laufe der Jahrhunderte immer wieder Fortschritte, wie Patrick Schollmeyer zeigt. Diese und viele weitere Einzelheiten über die griechisch-römische Architektur, die der Autor in seinen Ausführungen eindrucksvoll und wissenschaftlich fundiert offenbart und mit über 650 detaillierten schwarz-weiß Abbildungen bzw. Zeichnungen sehr anschaulich zur Schau stellt, machen das Bildhandbuch für all jene zu einem wertvollen Nachschlagewerk, die sich schon immer einmal mit der antiken Baukunst befassen wollten.

Mit der Veröffentlichung der Publikation „Handbuch der antiken Architektur“ hat Patrick Schollmeyer ein beeindruckendes Werk geschaffen, das Architekten, Bauhistorikern und Archäologen auf hohem Niveau die vielfältigen Ausprägungen der antiken Bautypen und -formen der griechisch-römischen Welt textuell und bildlich offenbart und zugleich deren Entwicklung vom 1. Jahrhundert v. Chr. bis zum 4. Jahrhundert n. Chr. aufzeigt. In seiner Gesamtheit handelt es sich hier um eines von wenigen Werk das in jüngster Zeit über die Antike erschienen ist, das die Trockenheit des zu Grunde liegenden Themas aufzubrechen vermag und zugleich die Schönheit der antiken Baukunst der städtebaulichen Einfallslosigkeit unserer modernen Wohnquartiere gegenüberstellt.

geschrieben am 16.04.2022 | 952 Wörter | 5989 Zeichen

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