
| ISBN | 3257218885 | |
| Autor | Mark Twain | |
| Verlag | Diogenes | |
| Sprache | deutsch | |
| Seiten | 270 | |
| Erscheinungsjahr | 2010 | |
| Extras | - |

Nomen est omen: ErzÀhlungen des Meisters

Samuel Longhorne Clemens ist kein Unbekannter, auch wenn bei den meisten Lesern bei Nennung dieses an sich schon auĂergewöhnlichen Namens nicht sofort der Groschen fĂ€llt. Zahlreiche Herzen hat er, vor allen Dingen mit seinen stark autobiographisch geprĂ€gten Romanen der amerikanischen SĂŒdstaaten und ihrer sozialen und natĂŒrlichen Besonderheiten des 19. Jahrhunderts im Sturm erobert; Tom Sawyer und Huckleberry Finn sind seine berĂŒhmtesten Protagonisten jener Geschichten und der unbekannte Samuel ist kein geringerer als der groĂer amerikanische ErzĂ€hler Mark Twain, der vor allen Dingen im 20. Jahrhundert nahezu ausschlieĂlich Bewunderer zĂ€hlen darf â was auch nicht schwer ist, denn seine Sprache wird von Philologen als wohliges Beispiel in UniversitĂ€ten gerĂŒhmt, seine Prosa als Weltliteratur von Kollegen wie Lesern zutiefst geschĂ€tzt.
Mark Twain wiederum ist wörtlich ein Ausdruck aus der Seemannssprache und meint eine bestimmte Wassertiefe; etymologisches Ăberbleibsel seiner Zeit als Steuermann auf einem Mississippidampfer. Doch nicht nur dort schiffte er ein, zahlreiche Aufenthaltsorte quer durch die Vereinigten Staaten von Amerika sowie Besuche anderer Kontinente machten ihn zu einem Kenner der Kulturen seiner Zeit. Und wie herzerfrischend humorvoll und bestechend analytisch er diese ins Zentrum seiner Geschichten stellt, macht das groĂe Können dieses JahrhunderterzĂ€hlers aus; auch in seinen âMeistererzĂ€hlungenâ, die von Diogenes erstmals als Taschenbuch aufgelegt wurden und einen Vorgeschmack fĂŒr alle diejenigen bilden, die Twain noch nicht nĂ€her kennenlernen durften, und einen erfrischenden Dessert fĂŒr seine Fans und Bewunderer.
Die Zusammenstellung der Kurzgeschichten, Aphorismen und Anekdoten sind Passagen aus anderen Veröffentlichungen sowie bisher unveröffentlichte ErzĂ€hlungen und Skizzen, eine Mischung, die Lust auf mehr macht und die nicht nur lĂ€chelnd, sondern lachend, gerne auch mal kugelnd am Boden, macht. Gerade in diesen kleinen, feinen SahnehĂ€ubchen kommt Twains skurriler und feinfĂŒhliger Charme besonders originell zum Vorschein. CĂ€sars Ermordung wird zum bĂŒrokratischen Slapstick degradiert, die Millionen-Pfund-Note ist ein köstlicher Klassiker ĂŒber die Macht und die Ohnmacht des Geldes und die Geschichten von bösen und guten Jungen zeigen, wie ernst es Twain mit der Beurteilung seiner Mitmenschen nahm. Ein absurdes Kaleidoskop herrlicher Kurzgeschichten, die wir so gut nur von Richard Brautigan zur besten Zeit der Beatniks erfahren durften.
Die GroĂartigkeit seiner MajestĂ€t Twain wurde schon oft gerĂŒhmt, die MeistererzĂ€hlungen sind - nomen est omen- die ErzĂ€hlungen eines Meisters. Ein hĂ€ufig zur Schau gestelltes Bonmot seines Daseins ist die Tatsache, dass Mark Twain, damals noch als Longhorne Clemens just zu der Zeit geboren wurde, als der Halleysche Komet das erste Mal gesichtet wurde. Der berĂŒhmteste Sohn Floridas (und zwar des Ortes mit gleichnamigen Namen in dem US-Bundessstaat Missouri) sagte Zeit seines Lebens voraus, dass er diesen noch einmal zu Gesicht bekĂ€me. Wenige Tage nachdem dieses berĂŒhmte Himmelsobjekt in seinem 74. Lebensjahr wieder am Himmel stand, verstarb Mark Twain und hinterlieĂ einen nicht nur periodisch erscheinenden Glanz auf der Erde. Meisterlich!
geschrieben am 12.07.2010 | 458 Wörter | 2880 Zeichen
Kommentare zur Rezension (0)
Platz für Anregungen und Ergänzungen