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Angsterhaltende Maßnahmen (Homestories)


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Rezension von

Oliver Lippert

Angsterhaltende Maßnahmen (Homestories) Mit aufstrebenden Karrieristen, emsigen Kleinfamilien und Optimismus verbreitenden »Du bist Deutschland«-Figuren haben die Geschichten von Jan Off nichts zu tun. Sie führen uns an den Rand der Gesellschaft, an jene Orte, an denen nur die wenigsten freiwillig gestrandet sind. Seine Figuren scheren sich nicht um den allgemeinen Verhaltenskodex, vielmehr haben sie gelernt, ihren eigenen zu leben. Doch genau diese Weigerung, sich anzupassen, führt sie in manchmal absurde, manchmal gefährliche, immer aber höchst amüsante Situationen. Mit »Angsterhaltende Maßnahmen« legt Jan Off seinen dritten Erzählband vor, der den Autor abermals als Meister der Drastik und des Grotesken präsentiert. Wir begegnen Hamster mordenden Mädchen, von Sperma besudelten Lokalpolitikern und Pullunderfreaks mit Werner-Höfer-Brillen. Normal gibt es nicht, gestört ist hier jeder. Dass die Off-Existenzen dennoch liebenswert erscheinen, ist das Bestechende dieser Prosa. Wenn Off seinen Ich-Erzähler die gesamte Trostlosigkeit menschlicher Existenz ausloten lässt, verzahnen sich Ironie und Zynismus, Beklemmung und Anteilnahme zu einem Reigen berauschender Sozialabsteiger-Prosa. Hier schaut einer genau hin, wo andere längst weggesehen hätten, und macht selbst dort noch Poesie aus, wo niemand sie erwarten würde. „Ich ließ mich rücklings aufs Bett fallen, und als ich spürte, dass Anitas Finger ungeschickt am Verschluss meiner Hose herumzufingern begannen, löste das keinen Alarm mehr aus. Mein Kopf war ein aufgeplatzter Schwimmflügel im Kielwasser eines Ozeanriesen, darin nur ein Gedanke: Nur diese Hürde noch, dann würde ich endlich schlafen können.“ Meine erste Konfrontation mit Jan Off und ich muss sagen ich bin sehr verzückt, eine tolle Schreibweise legt der Herr Autor an den Tag, dieses begeisterte mich so sehr das ich das Buch innerhalb einer weniger Stunden durch hatte – mit Lust auf mehr. Wer hier aber eine scheu gegenüber einer direkten Schreibweise, Lyrik in der kein Blatt vor den Mund genommen wird, sonst könnten sich die zahlreichen Protagonisten auch nicht die zahlreichen Kaltgetränke einverleiben, der sollte sich schnellstens dran gewöhnen und sich dieses Buch zu legen. Von alkoholisierten bis zu Spermabesudelten Personen, plus zahlreiche Personengruppen dazwischen, ist vieles vertreten, vieles wo viele die Augen zu machen und nicht hinblicken wollen, Off packt all dies in eine lyrische Verpackung und führt sie werte Leserin, werter Leser, in die Abgründe der Gesellschaft ein. Toll! Sag ich da, mit starkem Verlangen nach mehr.

Mit aufstrebenden Karrieristen, emsigen Kleinfamilien und Optimismus verbreitenden »Du bist Deutschland«-Figuren haben die Geschichten von Jan Off nichts zu tun. Sie führen uns an den Rand der Gesellschaft, an jene Orte, an denen nur die wenigsten freiwillig gestrandet sind. Seine Figuren scheren sich nicht um den allgemeinen Verhaltenskodex, vielmehr haben sie gelernt, ihren eigenen zu leben. Doch genau diese Weigerung, sich anzupassen, führt sie in manchmal absurde, manchmal gefährliche, immer aber höchst amüsante Situationen.

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Mit »Angsterhaltende Maßnahmen« legt Jan Off seinen dritten Erzählband vor, der den Autor abermals als Meister der Drastik und des Grotesken präsentiert. Wir begegnen Hamster mordenden Mädchen, von Sperma besudelten Lokalpolitikern und Pullunderfreaks mit Werner-Höfer-Brillen. Normal gibt es nicht, gestört ist hier jeder. Dass die Off-Existenzen dennoch liebenswert erscheinen, ist das Bestechende dieser Prosa. Wenn Off seinen Ich-Erzähler die gesamte Trostlosigkeit menschlicher Existenz ausloten lässt, verzahnen sich Ironie und Zynismus, Beklemmung und Anteilnahme zu einem Reigen berauschender Sozialabsteiger-Prosa. Hier schaut einer genau hin, wo andere längst weggesehen hätten, und macht selbst dort noch Poesie aus, wo niemand sie erwarten würde.

„Ich ließ mich rücklings aufs Bett fallen, und als ich spürte, dass Anitas Finger ungeschickt am Verschluss meiner Hose herumzufingern begannen, löste das keinen Alarm mehr aus. Mein Kopf war ein aufgeplatzter Schwimmflügel im Kielwasser eines Ozeanriesen, darin nur ein Gedanke: Nur diese Hürde noch, dann würde ich endlich schlafen können.“

Meine erste Konfrontation mit Jan Off und ich muss sagen ich bin sehr verzückt, eine tolle Schreibweise legt der Herr Autor an den Tag, dieses begeisterte mich so sehr das ich das Buch innerhalb einer weniger Stunden durch hatte – mit Lust auf mehr.

Wer hier aber eine scheu gegenüber einer direkten Schreibweise, Lyrik in der kein Blatt vor den Mund genommen wird, sonst könnten sich die zahlreichen Protagonisten auch nicht die zahlreichen Kaltgetränke einverleiben, der sollte sich schnellstens dran gewöhnen und sich dieses Buch zu legen.

Von alkoholisierten bis zu Spermabesudelten Personen, plus zahlreiche Personengruppen dazwischen, ist vieles vertreten, vieles wo viele die Augen zu machen und nicht hinblicken wollen, Off packt all dies in eine lyrische Verpackung und führt sie werte Leserin, werter Leser, in die Abgründe der Gesellschaft ein.

Toll! Sag ich da, mit starkem Verlangen nach mehr.

Übernahme von tonguesofdestruction.com * Copyright by Oliver Lippert
geschrieben am 29.11.2007 | 366 Wörter | 2219 Zeichen

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