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Der Wolkenatlas


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Informationen zum Buch
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Rezension von

Letterschming

Der Wolkenatlas „Der Wolkenatlas“ von dem britischen Schriftsteller David Mitchell erschien 2004 in englischer Sprache, 2006 auf deutsch. PĂŒnktlich zum Kinostart der Verfilmung am 15. November 2012 erschien im rororo-Verlag nochmal eine neue Taschenbuchauflage mit dem Filmcover. „Der Wolkenatlas“ berichtet aus dem Leben von sechs verschiedenen Protagonisten. Los geht es mit dem Reisetagebuch eines gewissen Adam Ewing, der vor einigen Jahrhunderten mit dem Schiff durch Ozeanien und ĂŒber den Pazifik gefahren ist. Diesen Teil fand ich besonders spannend. Der Autor berichtet sehr eindrucksvoll und schonungslos von der Versklavung der Inselvölker durch die Maori und von den Krankheiten und Gefahren der Reise mit dem Schiff zu jener Zeit. Das Ganze ist in Tagebuchform geschrieben und in einer etwas altmodischen Schreibweise, die zunĂ€chst gewöhnungsbedĂŒrftig ist, das Leseerlebnis jedoch umso lebendiger macht. Weiter geht es mit dem angehenden Musiker Frobisher, der nach Belgien reist, wo in einem großen Landhaus bei BrĂŒgge der geniale Komponist Ayrs lebt. Frobisher ĂŒberzeugt Ayrs, ihn als Lehrling anzunehmen und hĂ€lt seinen Freund Sixsmith in Briefform ĂŒber die Ereignisse auf dem Laufenden. In diesem Kapitel ist die Sprache sehr modern und damit gut zu lesen. Danach folgt die Geschichte von der Journalistin Luisa Rey, die etwa in der heutigen Zeit spielen dĂŒrfte. Eher zufĂ€llig kommt Luisa einer Verschwörung auf die Spur. Außerhalb ihrer Heimatstadt Buenas Yerbas soll ein weiterer Kernreaktor gebaut werden. WĂ€hrend der Probephase wurden FunktionsmĂ€ngel festgestellt, die dann jedoch aus finanziellen GrĂŒnden vertuscht wurden. Als Luisa nachforscht, gerĂ€t sie selbst in Lebensgefahr. Auch dieses Kapitel ist wieder sehr spannend. Weiter geht es mit dem schon ziemlich in die Jahre gekommenen Timothy Cavendish, der, ohne es zunĂ€chst zu begreifen, von seinem Bruder in ein Altersheim gelockt wird, aus dem er sich nicht mehr selbst entlassen kann. Auch wenn in diesem Kapitel nicht viel Spannendes geschieht, verleitet einen die kauzige Art des Protagonisten auch hier zum Weiterlesen. Mit einem bissigen Humor und einer teilweise ziemlich schwarzseherischen Weltanschauung versteht Cavendish es, einen hervorragend zu unterhalten. Als nĂ€chstes kommt Sonmis Oratio zu Wort, die in einer dystopischen Welt in unbestimmter Zukunft als Klon zur Welt kommt und in einem unterirdischen Fast Food-Restaurant fĂŒr die „richtigen“ Menschen arbeiten muss. Doch dann wird Sonmis aus dem Restaurant gerettet und in eine UniversitĂ€t gebracht, wo sie nicht lĂ€nger nur als Klon betrachtet wird, sondern all das Wissen erwerben kann, nach dem sie sich gesehnt hat. Das Kapitel ist in Interviewform verfasst. Der Einstieg ist zunĂ€chst ziemlich verwirrend, doch sobald man ein GefĂŒhl fĂŒr diese futuristische Welt hat, eröffnet sich einem ein sehr interessantes, wenn auch Ă€ußerst bedrĂŒckendes Bild. Hierauf folgt die Geschichte von Zachary, der auf Hawaii in einer weit entfernten Zukunft lebt, in der die moderne Welt völlig zusammengebrochen ist und die Menschen wieder unter steinzeitlichen Bedingungen leben. Als das Kriegervolk der Kona auf der Insel einfĂ€llt, wird auch Zachary versklavt. Er kann allerdings entkommen und stĂ¶ĂŸt auf die Prescients, das einzige zivilisierte Volk, dass nach dem Angriff auf seine eigenen Leute noch ĂŒbrig ist. Die Schreibweise in diesem Kapitel wirkt sehr schlicht. Der Satzbau ist ziemlich kindisch und die Grammatik verfĂ€lscht. So steht fĂŒr das Wort „es“ nur ein „s“ oder statt „weg“ einfach „wech“. Das mag zwar zu dem Protagonisten passen, ist meiner Meinung nach aber ein wenig ĂŒbertrieben, da es die LektĂŒre dieses Kapitels Ă€ußerst schwierig macht. Anschließend kommen die Protagonisten noch einmal in genau umgekehrter Reihenfolge zu Wort, wobei die einzelnen Geschichten zu einem Ende gefĂŒhrt werden. Es geht los mit Sonmis Oratio und endet schließlich bei dem Abschluss von Adam Ewings Reisetagebuch. Das ganze Werk ist immer wieder vernetzt. So ist beispielsweise Luisa Reys Geschichte in Cavendishs ErzĂ€hlung ein Roman, den er als Verleger zugespielt bekommt. Sixsmith, an den Frobishers Briefe gerichtet sind, taucht auch in Luisas Geschichte auf. So knĂŒpft eine Geschichte an die andere. Auch davon abgesehen verstecken sich zahlreiche Anspielungen im Text, wie etwa ein gemeinsames Muttermal, das viele der Protagonisten haben. Obwohl nicht alle Geschichten kontinuierlich die Spannung halten, die etwa Ewings Tagebuch oder Luisa Reys Fall aufweisen, ĂŒbt dieses Werk einen Sog aus, dem man sich schon nach kurzer Zeit kaum noch entziehen kann. Die Charaktere sind ĂŒberzeugend, oft nicht gerade sympathisch, sondern eher etwas verschroben und sonderlich. Gerade das macht ihren Charme jedoch aus und gestaltet die LektĂŒre noch interessanter. Gut gelungen ist auch die Aufteilung. ZunĂ€chst war ich etwas irritiert, weil der Autor tatsĂ€chlich sechzig und mehr Seiten bei einem Charakter verweilt. Da es sich jedoch nicht um eine Geschichte handelt, die aus der Perspektive vieler verschiedener Personen beschrieben wird, sondern um einzelne Geschichten, ist diese Wahl definitiv die Richtige. WĂŒrde der Autor hĂ€ufiger wechseln, wĂŒrde man vollkommen den Überblick verlieren. So kann man sich voll und ganz einer Geschichte nach der anderen widmen und wartet gleichzeitig schon gespannt auf deren Abschluss. Fazit: „Der Wolkenatlas“ ist ein faszinierendes Werk, das nicht nur als Gesamtheit ĂŒberzeugt, sondern auch mit jeder der Einzelgeschichten einen interessanten Einblick in das Leben eines eindrucksvollen Charakters liefert und somit ein Mosaik ergibt, das ein ganz besonderes LesevergnĂŒgen darstellt.

„Der Wolkenatlas“ von dem britischen Schriftsteller David Mitchell erschien 2004 in englischer Sprache, 2006 auf deutsch. PĂŒnktlich zum Kinostart der Verfilmung am 15. November 2012 erschien im rororo-Verlag nochmal eine neue Taschenbuchauflage mit dem Filmcover.

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Buchtitel
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06.06.2016
4
06.06.2016

„Der Wolkenatlas“ berichtet aus dem Leben von sechs verschiedenen Protagonisten. Los geht es mit dem Reisetagebuch eines gewissen Adam Ewing, der vor einigen Jahrhunderten mit dem Schiff durch Ozeanien und ĂŒber den Pazifik gefahren ist. Diesen Teil fand ich besonders spannend. Der Autor berichtet sehr eindrucksvoll und schonungslos von der Versklavung der Inselvölker durch die Maori und von den Krankheiten und Gefahren der Reise mit dem Schiff zu jener Zeit. Das Ganze ist in Tagebuchform geschrieben und in einer etwas altmodischen Schreibweise, die zunĂ€chst gewöhnungsbedĂŒrftig ist, das Leseerlebnis jedoch umso lebendiger macht.

Weiter geht es mit dem angehenden Musiker Frobisher, der nach Belgien reist, wo in einem großen Landhaus bei BrĂŒgge der geniale Komponist Ayrs lebt. Frobisher ĂŒberzeugt Ayrs, ihn als Lehrling anzunehmen und hĂ€lt seinen Freund Sixsmith in Briefform ĂŒber die Ereignisse auf dem Laufenden. In diesem Kapitel ist die Sprache sehr modern und damit gut zu lesen.

Danach folgt die Geschichte von der Journalistin Luisa Rey, die etwa in der heutigen Zeit spielen dĂŒrfte. Eher zufĂ€llig kommt Luisa einer Verschwörung auf die Spur. Außerhalb ihrer Heimatstadt Buenas Yerbas soll ein weiterer Kernreaktor gebaut werden. WĂ€hrend der Probephase wurden FunktionsmĂ€ngel festgestellt, die dann jedoch aus finanziellen GrĂŒnden vertuscht wurden. Als Luisa nachforscht, gerĂ€t sie selbst in Lebensgefahr. Auch dieses Kapitel ist wieder sehr spannend.

Weiter geht es mit dem schon ziemlich in die Jahre gekommenen Timothy Cavendish, der, ohne es zunÀchst zu begreifen, von seinem Bruder in ein Altersheim gelockt wird, aus dem er sich nicht mehr selbst entlassen kann. Auch wenn in diesem Kapitel nicht viel Spannendes geschieht, verleitet einen die kauzige Art des Protagonisten auch hier zum Weiterlesen. Mit einem bissigen Humor und einer teilweise ziemlich schwarzseherischen Weltanschauung versteht Cavendish es, einen hervorragend zu unterhalten.

Als nĂ€chstes kommt Sonmis Oratio zu Wort, die in einer dystopischen Welt in unbestimmter Zukunft als Klon zur Welt kommt und in einem unterirdischen Fast Food-Restaurant fĂŒr die „richtigen“ Menschen arbeiten muss. Doch dann wird Sonmis aus dem Restaurant gerettet und in eine UniversitĂ€t gebracht, wo sie nicht lĂ€nger nur als Klon betrachtet wird, sondern all das Wissen erwerben kann, nach dem sie sich gesehnt hat. Das Kapitel ist in Interviewform verfasst. Der Einstieg ist zunĂ€chst ziemlich verwirrend, doch sobald man ein GefĂŒhl fĂŒr diese futuristische Welt hat, eröffnet sich einem ein sehr interessantes, wenn auch Ă€ußerst bedrĂŒckendes Bild.

Hierauf folgt die Geschichte von Zachary, der auf Hawaii in einer weit entfernten Zukunft lebt, in der die moderne Welt völlig zusammengebrochen ist und die Menschen wieder unter steinzeitlichen Bedingungen leben. Als das Kriegervolk der Kona auf der Insel einfĂ€llt, wird auch Zachary versklavt. Er kann allerdings entkommen und stĂ¶ĂŸt auf die Prescients, das einzige zivilisierte Volk, dass nach dem Angriff auf seine eigenen Leute noch ĂŒbrig ist. Die Schreibweise in diesem Kapitel wirkt sehr schlicht. Der Satzbau ist ziemlich kindisch und die Grammatik verfĂ€lscht. So steht fĂŒr das Wort „es“ nur ein „s“ oder statt „weg“ einfach „wech“. Das mag zwar zu dem Protagonisten passen, ist meiner Meinung nach aber ein wenig ĂŒbertrieben, da es die LektĂŒre dieses Kapitels Ă€ußerst schwierig macht.

Anschließend kommen die Protagonisten noch einmal in genau umgekehrter Reihenfolge zu Wort, wobei die einzelnen Geschichten zu einem Ende gefĂŒhrt werden. Es geht los mit Sonmis Oratio und endet schließlich bei dem Abschluss von Adam Ewings Reisetagebuch.

Das ganze Werk ist immer wieder vernetzt. So ist beispielsweise Luisa Reys Geschichte in Cavendishs ErzĂ€hlung ein Roman, den er als Verleger zugespielt bekommt. Sixsmith, an den Frobishers Briefe gerichtet sind, taucht auch in Luisas Geschichte auf. So knĂŒpft eine Geschichte an die andere. Auch davon abgesehen verstecken sich zahlreiche Anspielungen im Text, wie etwa ein gemeinsames Muttermal, das viele der Protagonisten haben.

Obwohl nicht alle Geschichten kontinuierlich die Spannung halten, die etwa Ewings Tagebuch oder Luisa Reys Fall aufweisen, ĂŒbt dieses Werk einen Sog aus, dem man sich schon nach kurzer Zeit kaum noch entziehen kann. Die Charaktere sind ĂŒberzeugend, oft nicht gerade sympathisch, sondern eher etwas verschroben und sonderlich. Gerade das macht ihren Charme jedoch aus und gestaltet die LektĂŒre noch interessanter.

Gut gelungen ist auch die Aufteilung. ZunĂ€chst war ich etwas irritiert, weil der Autor tatsĂ€chlich sechzig und mehr Seiten bei einem Charakter verweilt. Da es sich jedoch nicht um eine Geschichte handelt, die aus der Perspektive vieler verschiedener Personen beschrieben wird, sondern um einzelne Geschichten, ist diese Wahl definitiv die Richtige. WĂŒrde der Autor hĂ€ufiger wechseln, wĂŒrde man vollkommen den Überblick verlieren. So kann man sich voll und ganz einer Geschichte nach der anderen widmen und wartet gleichzeitig schon gespannt auf deren Abschluss.

Fazit: „Der Wolkenatlas“ ist ein faszinierendes Werk, das nicht nur als Gesamtheit ĂŒberzeugt, sondern auch mit jeder der Einzelgeschichten einen interessanten Einblick in das Leben eines eindrucksvollen Charakters liefert und somit ein Mosaik ergibt, das ein ganz besonderes LesevergnĂŒgen darstellt.

geschrieben am 05.12.2012 | 829 Wörter | 4897 Zeichen

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