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Die Kelten in Bayern - Arch?ologie und Geschichte


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Rezension von

Adrian Witt

Die Kelten in Bayern - Arch?ologie und Geschichte Die Kelten geh?ren zu jenen Volksgruppen der europ?ischen Antike, deren historische Bedeutung weit ?ber die Grenzen einzelner Regionen hinausreicht. Dennoch haftet ihnen bis heute etwas R?tselhaftes an. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sie keine zusammenh?ngende schriftliche ?berlieferung hinterlassen haben und in den wenigen erhalten gebliebenen Berichten griechischer und r?mischer Autoren h?ufig aus der Perspektive ihrer Nachbarn erscheinen. So begegnen uns die Kelten zugleich als gef?rchtete Krieger, geschickte H?ndler und eigenst?ndige Tr?ger einer vielschichtigen Kultur, deren Wirkung sich ?ber weite Teile Alteuropas erstreckt hat. Ein besonders eindrucksvolles Zentrum dieser Entwicklung lag im Gebiet des heutigen Bayern, wo sich Handelswege, politische Macht und handwerkliches K?nnen zu einem kulturell und wirtschaftlich bedeutenden Raum verdichtet hat, der eng mit den Zivilisationen des Mittelmeerraums verbunden war, ohne in ihnen aufzugehen. Zahlreiche arch?ologische Zeugnisse in ganz Europa wie Siedlungen, Befestigungsanlagen, Gr?ber und kunstvoll gearbeitete Metallobjekte er?ffnen dabei Einblicke in eine Gesellschaft, die sich nur im Zusammenspiel verschiedener Quellen erschlie?en l?sst. Gerade darin liegt der besondere Reiz der keltischen Geschichte: Sie erz?hlt nicht nur von einer vergangenen Welt, sondern auch davon, wie aus verstreuten Spuren ein differenziertes Bild menschlicher Lebensformen entstehen kann. An diesem Punkt setzt Markus Schu?mann in seinem bereits im Jahr 2022 im Friedrich Pustet Verlag erschienenen Werk ?Die Kelten in Bayern ? Arch?ologie und Geschichte? (ISBN: 978-3-791-73093-6) an. Der Autor, Privatdozent f?r Pr?historische Arch?ologie an der Freien Universit?t Berlin, richtet den Blick auf jene Region, die innerhalb der keltischen Welt eine besondere Bedeutung besa?. Dabei versteht er Bayern nicht als isolierten Schauplatz, sondern ordnet seine arch?ologischen Zeugnisse in die gr??eren r?umlichen, kulturellen und historischen Zusammenh?nge der keltischen Geschichte ein, die h?ufig ?bersehen wird. Ausgehend von den materiellen Hinterlassenschaften der keltischen Kultur entfaltet Markus Schu?mann auf 416 Seiten ein Bild der keltischen Lebenswelten, welches die Siedlungsstrukturen, Befestigungsanlagen, Bestattungsritten und handwerkliche Leistungen ebenso ber?cksichtigt wie die Beziehungen zu benachbarten Kulturen des Mittelmeerraums. Auf diese Weise verbindet die Publikation arch?ologische Detailbeobachtung mit einer ?bergreifenden historischen Perspektive und fragt danach, was sich aus den erhaltenen Spuren ?ber die keltischen Gesellschaften erschlie?en l?sst, die sie hervorbrachten. Gegliedert in zw?lf Kapitel, widmet sich Markus Schu?mann zun?chst den Grundlagen jener Besch?ftigung mit der keltischen Vergangenheit. Er stellt zun?chst die antiken Autoren vor, deren Berichte zwar wertvolle Hinweise liefern, jedoch mit dem Hinweis, dass diese stets aus der Sicht griechischer und r?mischer Beobachter zu lesen sind. Ihnen steht wiederum die Arch?ologie gegen?ber, die mit ihren materiellen Zeugnissen eine eigenst?ndige, zugleich aber ebenso erkl?rungsbed?rftige Quellengruppe bildet. Erst aus dem Zusammenspiel beider Perspektiven entsteht ein belastbares Bild der keltischen Lebenswelt. Das zweite Kapitel zeichnet demgegen?ber nach, wie sich die wissenschaftliche Besch?ftigung mit den Kelten im Laufe der Zeit entwickelt hat. Markus Schu?mann f?hrt von den Anf?ngen der Forschung ?ber die grundlegenden Begriffe Hallstatt und La T?ne bis zu chronologischen und siedlungsarch?ologischen Untersuchungen. Dabei wird dem Leser deutlich, dass arch?ologische Kategorien nicht einfach vorgefunden werden, sondern im Laufe der Forschungsgeschichte entstanden sind und immer wieder ?berpr?ft werden m?ssen. Im dritten Kapitel verbindet der Autor die arch?ologischen Kulturstufen mit den historischen Entwicklungen von der Hallstattzeit ?ber die Fr?hlat?nezeit bis in die mittlere und sp?te Lat?nezeit. Einzelne Schaupl?tze wie der D?ttenbichl bei Oberammergau veranschaulichen, wie sich politische Ver?nderungen und milit?rische Ereignisse im arch?ologischen Befund niederschlagen k?nnen. Auch der Alpenfeldzug der R?mer und die Eingliederung des keltischen Siedlungsraums in die r?mische Provinz werden dabei behandelt. Der Blick reicht bis in die r?mische Zeit, in der keltische Traditionen keineswegs vollst?ndig verschwanden, sondern in ver?nderter Form nachwirkten. Die Frage, wie die Kelten aussahen, lebten und gesellschaftlich organisiert waren, steht im Mittelpunkt des vierten Kapitels. Die Schriftquellen werden mit arch?ologischen Funden zu Tracht, Schmuck und Bewaffnung verbunden. Einen breiten Raum nimmt hier das Kriegshandwerk ein, wobei der Autor Schwerter, Lanzen, Schleudern, Pfeile, B?gen, Dolche, Schilde, Helme und Panzer einzeln betrachtet. Dadurch entsteht ein anschauliches Bild der materiellen Voraussetzungen keltischer Kriegsf?hrung, ohne die Gesellschaft auf ihr immer wieder beschworenes kriegerisches Element zu reduzieren. Das umfangreichste Kapitel des Buches, Kapitel f?nf, gilt hingegen dem Siedlungswesen und f?hrt durch die gro?e Vielfalt keltischer Wohn- und Lebensr?ume in Bayern. Von einfachen offenen Siedlungen und einzelnen Geh?ften reicht die Darstellung der Publikation ?ber Palisadengeh?fte, Herrenh?fe und befestigte H?hensiedlungen bis zu Gro?siedlungen, Oppida und Refugien. Zahlreiche Fundorte wie der Staffelberg, der Marienberg ?ber W?rzburg, Kelheim und Manching dienen als konkrete Fallbeispiele. Auch das sp?tkeltische Landleben, die Viereckschanzen, die Nutzung von Ressourcen und die Entwicklung des Hausbaus werden einbezogen. Gerade die Vielzahl der Beispiele macht sichtbar, dass es die keltische Siedlung nicht gab, sondern unterschiedliche Formen des Wohnens, Wirtschaftens und Sicherns. Im sechsten Kapitel er?ffnen die Bestattungen und Bestattungsritten einen Zugang zu Vorstellungen von sozialem Rang, Gemeinschaft und m?glicherweise auch zum jenseits. Markus Schu?mann untersucht die Grab und Bestattungssitten von der Hallstattzeit bis in die Sp?tlat?nezeit und stellt zahlreiche Fundpl?tze aus unterschiedlichen Regionen vor. Gr?ber erscheinen dabei nicht als einfache Spiegel des Lebens, sondern als bewusst gestaltete Orte, an denen soziale Identit?t dargestellt und Erinnerung geordnet wurde. Die Ver?nderungen der Bestattungssitten verweisen zugleich auf tiefgreifende Wandlungen innerhalb der keltischen Gesellschaften. Demgegen?ber richtet das siebte Kapitel der Publikation den Blick auf die weitreichenden Verbindungen der keltischen Gesellschaften. Importierte Gegenst?nde wie Bernstein, griechische Keramik, italische Bronzegef??e, ostmediterranes Glas und hellenistische Gef??e belegen einen intensiven Austausch ?ber gro?e Entfernungen. Diese Funde waren nicht nur Gebrauchsgegenst?nde, sondern konnten auch Rang, Wohlstand und kulturelle Orientierung sichtbar machen. Fernbeziehungen erscheinen somit zugleich als Handelskontakte und als Ausdruck gesellschaftlicher Eliten, die fremde Formen aufnahmen und in ihre eigene Lebenswelt integrierten. Im achten Kapitel zum Wirtschaftsleben untersucht Markus Schu?mann die Grundlagen keltischer Produktion und Versorgung. Landwirtschaft, Schmiedehandwerk, Bronze und Edelmetallverarbeitung, Glas und Keramik werden hier ebenso behandelt wie M?nzwesen, Ressourcennutzung und Handel. Erg?nzt wird diese Perspektive durch Fragen nach Infrastruktur, Ma?en und Gewichten sowie nach Formen von Schriftlichkeit und Graffiti. Die Kelten treten dadurch nicht nur als Krieger oder H?ndler hervor, sondern als hoch spezialisierte Gesellschaften, deren Alltag auf vielf?ltigen handwerklichen Kenntnissen, geregelten Austauschbeziehungen und einer differenzierten Nutzung ihrer nat?rlichen Umgebung beruhte. Die keltische Kunst wird im neunten Kapitel anhand ihrer unterschiedlichen Stilphasen und Ausdrucksformen schlie?lich vorgestellt. Fibeln, G?rtelhaken, Trensen, Gef??e und weitere Gegenst?nde aus dem Alltag zeigen, wie eigenst?ndig die keltische Bildsprache war und wie aufmerksam sie zugleich auf Einfl?sse aus dem weiteren europ?ischen Kulturraum reagierte. Der sogenannte Waldalgesheimstil, der plastische und der Schwertstil markieren zum Beispiel wichtige Entwicklungslinien. Neben kleinplastischen Arbeiten aus den Oppida ber?cksichtigt der Autor auch das zweidimensionale Kunstschaffen und macht damit deutlich, dass keltische Kunst nicht auf einzelne Prestigeobjekte reduziert werden kann. Religi?se Vorstellungen lassen sich hingegen nur ?u?erst vorsichtig aus arch?ologischen Spuren erschlie?en. Das zehnte Kapitel widmet sich daher Naturheiligt?mern, Brandopferpl?tzen, Keramikdeponierungen, Kreisgr?ben, Gr?berfeldern, Tempelbezirken und Kultsch?chten. Auch Flussopfer, Amulette, religi?se Bilder, Tierplastiken und Weihungen werden dabei miteinbezogen. Markus Schu?mann behandelt zudem die schwierigen Fragen nach Menschenopfern, Jenseitsvorstellungen sowie der Rolle von G?ttern und Priestern. Dabei zeigt sich Religion als ein wandelbarer Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens, der sich nicht auf einen einheitlichen keltischen Kult oder ein geschlossenes Glaubenssystem reduzieren l?sst. Das vorletzte Kapitel greift schlie?lich eine zentrale Frage auf, die bis in die Gegenwart immer wieder gestellt wurde: Stammen die Bayern von den Kelten ab? Markus Schu?mann beantwortet sie mit dem pr?gnanten Satz ?Baiuvarii non sunt Boii?, die Bayern sind keine Boier. Damit grenzt er historische ?berlieferung, sprachliche ?hnlichkeiten und moderne Identit?tsvorstellungen voneinander ab und erinnert daran, dass kulturelle Nachwirkung nicht ohne Weiteres mit einer direkten Abstammung gleichgesetzt werden kann. Zum Abschluss richtet sich der Blick auf das keltische Erbe und damit auf die Frage, was von dieser vergangenen Kultur ?ber die arch?ologischen Fundst?cke hinaus fortwirkt. Dabei geht es weniger um eine ungebrochene Kontinuit?t als um die Spuren, Deutungen und Bilder, die sich mit den Kelten bis in die Gegenwart verbunden haben. Das Kapitel f?hrt so am Ende zur?ck zu einer grundlegenden Einsicht der Publikation: Vergangenheit ist nicht unmittelbar zug?nglich, sondern wird aus Quellen rekonstruiert und immer wieder aufs Neue interpretiert. Der Anhang mit Literaturverzeichnis, Register und Bildnachweisen erg?nzt die Darstellung und macht den Band zugleich als Nachschlagewerk nutzbar. Besonders das Register erleichtert den Zugang zu den zahlreichen Fundorten und Sachthemen, w?hrend die Bildnachweise die enge Verbindung von wissenschaftlicher Argumentation und arch?ologischer Anschauung unterstreichen. Insgesamt legt Markus Schu?mann mit der im Friedrich Pustet Verlag erschienenen Publikation ?Die Kelten in Bayern - Arch?ologie und Geschichte? ein eindrucksvolles und kenntnisreiches Buch vor, das die Kelten weder auf das Bild geheimnisvoller Druiden noch auf ihre Rolle als gef?rchtete Krieger reduziert. Mit gro?er fachlicher Genauigkeit und zugleich bemerkenswerter Anschaulichkeit macht er sichtbar, wie vielf?ltig, dynamisch und weit vernetzt die keltischen Gesellschaften in Bayern waren. Die Verbindung von arch?ologischen Einzelbefunden, historischen Zusammenh?ngen und zahlreichen Abbildungen verleiht dem Werk einen besonderen Wert. Er ist damit nicht nur f?r ein fachwissenschaftlich interessiertes Publikum eine gewinnbringende Lekt?re, sondern auch f?r alle, die sich einen fundierten und zugleich lebendigen Zugang zur keltischen Vergangenheit Bayerns erschlie?en m?chten.

Die Kelten geh?ren zu jenen Volksgruppen der europ?ischen Antike, deren historische Bedeutung weit ?ber die Grenzen einzelner Regionen hinausreicht. Dennoch haftet ihnen bis heute etwas R?tselhaftes an. Das liegt nicht zuletzt daran, dass sie keine zusammenh?ngende schriftliche ?berlieferung hinterlassen haben und in den wenigen erhalten gebliebenen Berichten griechischer und r?mischer Autoren h?ufig aus der Perspektive ihrer Nachbarn erscheinen.

So begegnen uns die Kelten zugleich als gef?rchtete Krieger, geschickte H?ndler und eigenst?ndige Tr?ger einer vielschichtigen Kultur, deren Wirkung sich ?ber weite Teile Alteuropas erstreckt hat. Ein besonders eindrucksvolles Zentrum dieser Entwicklung lag im Gebiet des heutigen Bayern, wo sich Handelswege, politische Macht und handwerkliches K?nnen zu einem kulturell und wirtschaftlich bedeutenden Raum verdichtet hat, der eng mit den Zivilisationen des Mittelmeerraums verbunden war, ohne in ihnen aufzugehen. Zahlreiche arch?ologische Zeugnisse in ganz Europa wie Siedlungen, Befestigungsanlagen, Gr?ber und kunstvoll gearbeitete Metallobjekte er?ffnen dabei Einblicke in eine Gesellschaft, die sich nur im Zusammenspiel verschiedener Quellen erschlie?en l?sst. Gerade darin liegt der besondere Reiz der keltischen Geschichte: Sie erz?hlt nicht nur von einer vergangenen Welt, sondern auch davon, wie aus verstreuten Spuren ein differenziertes Bild menschlicher Lebensformen entstehen kann.

An diesem Punkt setzt Markus Schu?mann in seinem bereits im Jahr 2022 im Friedrich Pustet Verlag erschienenen Werk ?Die Kelten in Bayern ? Arch?ologie und Geschichte? (ISBN: 978-3-791-73093-6) an. Der Autor, Privatdozent f?r Pr?historische Arch?ologie an der Freien Universit?t Berlin, richtet den Blick auf jene Region, die innerhalb der keltischen Welt eine besondere Bedeutung besa?. Dabei versteht er Bayern nicht als isolierten Schauplatz, sondern ordnet seine arch?ologischen Zeugnisse in die gr??eren r?umlichen, kulturellen und historischen Zusammenh?nge der keltischen Geschichte ein, die h?ufig ?bersehen wird. Ausgehend von den materiellen Hinterlassenschaften der keltischen Kultur entfaltet Markus Schu?mann auf 416 Seiten ein Bild der keltischen Lebenswelten, welches die Siedlungsstrukturen, Befestigungsanlagen, Bestattungsritten und handwerkliche Leistungen ebenso ber?cksichtigt wie die Beziehungen zu benachbarten Kulturen des Mittelmeerraums. Auf diese Weise verbindet die Publikation arch?ologische Detailbeobachtung mit einer ?bergreifenden historischen Perspektive und fragt danach, was sich aus den erhaltenen Spuren ?ber die keltischen Gesellschaften erschlie?en l?sst, die sie hervorbrachten. Gegliedert in zw?lf Kapitel, widmet sich Markus Schu?mann zun?chst den Grundlagen jener Besch?ftigung mit der keltischen Vergangenheit. Er stellt zun?chst die antiken Autoren vor, deren Berichte zwar wertvolle Hinweise liefern, jedoch mit dem Hinweis, dass diese stets aus der Sicht griechischer und r?mischer Beobachter zu lesen sind. Ihnen steht wiederum die Arch?ologie gegen?ber, die mit ihren materiellen Zeugnissen eine eigenst?ndige, zugleich aber ebenso erkl?rungsbed?rftige Quellengruppe bildet. Erst aus dem Zusammenspiel beider Perspektiven entsteht ein belastbares Bild der keltischen Lebenswelt. Das zweite Kapitel zeichnet demgegen?ber nach, wie sich die wissenschaftliche Besch?ftigung mit den Kelten im Laufe der Zeit entwickelt hat. Markus Schu?mann f?hrt von den Anf?ngen der Forschung ?ber die grundlegenden Begriffe Hallstatt und La T?ne bis zu chronologischen und siedlungsarch?ologischen Untersuchungen. Dabei wird dem Leser deutlich, dass arch?ologische Kategorien nicht einfach vorgefunden werden, sondern im Laufe der Forschungsgeschichte entstanden sind und immer wieder ?berpr?ft werden m?ssen. Im dritten Kapitel verbindet der Autor die arch?ologischen Kulturstufen mit den historischen Entwicklungen von der Hallstattzeit ?ber die Fr?hlat?nezeit bis in die mittlere und sp?te Lat?nezeit. Einzelne Schaupl?tze wie der D?ttenbichl bei Oberammergau veranschaulichen, wie sich politische Ver?nderungen und milit?rische Ereignisse im arch?ologischen Befund niederschlagen k?nnen. Auch der Alpenfeldzug der R?mer und die Eingliederung des keltischen Siedlungsraums in die r?mische Provinz werden dabei behandelt. Der Blick reicht bis in die r?mische Zeit, in der keltische Traditionen keineswegs vollst?ndig verschwanden, sondern in ver?nderter Form nachwirkten. Die Frage, wie die Kelten aussahen, lebten und gesellschaftlich organisiert waren, steht im Mittelpunkt des vierten Kapitels. Die Schriftquellen werden mit arch?ologischen Funden zu Tracht, Schmuck und Bewaffnung verbunden. Einen breiten Raum nimmt hier das Kriegshandwerk ein, wobei der Autor Schwerter, Lanzen, Schleudern, Pfeile, B?gen, Dolche, Schilde, Helme und Panzer einzeln betrachtet. Dadurch entsteht ein anschauliches Bild der materiellen Voraussetzungen keltischer Kriegsf?hrung, ohne die Gesellschaft auf ihr immer wieder beschworenes kriegerisches Element zu reduzieren. Das umfangreichste Kapitel des Buches, Kapitel f?nf, gilt hingegen dem Siedlungswesen und f?hrt durch die gro?e Vielfalt keltischer Wohn- und Lebensr?ume in Bayern. Von einfachen offenen Siedlungen und einzelnen Geh?ften reicht die Darstellung der Publikation ?ber Palisadengeh?fte, Herrenh?fe und befestigte H?hensiedlungen bis zu Gro?siedlungen, Oppida und Refugien. Zahlreiche Fundorte wie der Staffelberg, der Marienberg ?ber W?rzburg, Kelheim und Manching dienen als konkrete Fallbeispiele. Auch das sp?tkeltische Landleben, die Viereckschanzen, die Nutzung von Ressourcen und die Entwicklung des Hausbaus werden einbezogen. Gerade die Vielzahl der Beispiele macht sichtbar, dass es die keltische Siedlung nicht gab, sondern unterschiedliche Formen des Wohnens, Wirtschaftens und Sicherns. Im sechsten Kapitel er?ffnen die Bestattungen und Bestattungsritten einen Zugang zu Vorstellungen von sozialem Rang, Gemeinschaft und m?glicherweise auch zum jenseits. Markus Schu?mann untersucht die Grab und Bestattungssitten von der Hallstattzeit bis in die Sp?tlat?nezeit und stellt zahlreiche Fundpl?tze aus unterschiedlichen Regionen vor. Gr?ber erscheinen dabei nicht als einfache Spiegel des Lebens, sondern als bewusst gestaltete Orte, an denen soziale Identit?t dargestellt und Erinnerung geordnet wurde. Die Ver?nderungen der Bestattungssitten verweisen zugleich auf tiefgreifende Wandlungen innerhalb der keltischen Gesellschaften. Demgegen?ber richtet das siebte Kapitel der Publikation den Blick auf die weitreichenden Verbindungen der keltischen Gesellschaften. Importierte Gegenst?nde wie Bernstein, griechische Keramik, italische Bronzegef??e, ostmediterranes Glas und hellenistische Gef??e belegen einen intensiven Austausch ?ber gro?e Entfernungen. Diese Funde waren nicht nur Gebrauchsgegenst?nde, sondern konnten auch Rang, Wohlstand und kulturelle Orientierung sichtbar machen. Fernbeziehungen erscheinen somit zugleich als Handelskontakte und als Ausdruck gesellschaftlicher Eliten, die fremde Formen aufnahmen und in ihre eigene Lebenswelt integrierten. Im achten Kapitel zum Wirtschaftsleben untersucht Markus Schu?mann die Grundlagen keltischer Produktion und Versorgung. Landwirtschaft, Schmiedehandwerk, Bronze und Edelmetallverarbeitung, Glas und Keramik werden hier ebenso behandelt wie M?nzwesen, Ressourcennutzung und Handel. Erg?nzt wird diese Perspektive durch Fragen nach Infrastruktur, Ma?en und Gewichten sowie nach Formen von Schriftlichkeit und Graffiti. Die Kelten treten dadurch nicht nur als Krieger oder H?ndler hervor, sondern als hoch spezialisierte Gesellschaften, deren Alltag auf vielf?ltigen handwerklichen Kenntnissen, geregelten Austauschbeziehungen und einer differenzierten Nutzung ihrer nat?rlichen Umgebung beruhte. Die keltische Kunst wird im neunten Kapitel anhand ihrer unterschiedlichen Stilphasen und Ausdrucksformen schlie?lich vorgestellt. Fibeln, G?rtelhaken, Trensen, Gef??e und weitere Gegenst?nde aus dem Alltag zeigen, wie eigenst?ndig die keltische Bildsprache war und wie aufmerksam sie zugleich auf Einfl?sse aus dem weiteren europ?ischen Kulturraum reagierte. Der sogenannte Waldalgesheimstil, der plastische und der Schwertstil markieren zum Beispiel wichtige Entwicklungslinien. Neben kleinplastischen Arbeiten aus den Oppida ber?cksichtigt der Autor auch das zweidimensionale Kunstschaffen und macht damit deutlich, dass keltische Kunst nicht auf einzelne Prestigeobjekte reduziert werden kann. Religi?se Vorstellungen lassen sich hingegen nur ?u?erst vorsichtig aus arch?ologischen Spuren erschlie?en. Das zehnte Kapitel widmet sich daher Naturheiligt?mern, Brandopferpl?tzen, Keramikdeponierungen, Kreisgr?ben, Gr?berfeldern, Tempelbezirken und Kultsch?chten. Auch Flussopfer, Amulette, religi?se Bilder, Tierplastiken und Weihungen werden dabei miteinbezogen. Markus Schu?mann behandelt zudem die schwierigen Fragen nach Menschenopfern, Jenseitsvorstellungen sowie der Rolle von G?ttern und Priestern. Dabei zeigt sich Religion als ein wandelbarer Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens, der sich nicht auf einen einheitlichen keltischen Kult oder ein geschlossenes Glaubenssystem reduzieren l?sst. Das vorletzte Kapitel greift schlie?lich eine zentrale Frage auf, die bis in die Gegenwart immer wieder gestellt wurde: Stammen die Bayern von den Kelten ab? Markus Schu?mann beantwortet sie mit dem pr?gnanten Satz ?Baiuvarii non sunt Boii?, die Bayern sind keine Boier. Damit grenzt er historische ?berlieferung, sprachliche ?hnlichkeiten und moderne Identit?tsvorstellungen voneinander ab und erinnert daran, dass kulturelle Nachwirkung nicht ohne Weiteres mit einer direkten Abstammung gleichgesetzt werden kann. Zum Abschluss richtet sich der Blick auf das keltische Erbe und damit auf die Frage, was von dieser vergangenen Kultur ?ber die arch?ologischen Fundst?cke hinaus fortwirkt. Dabei geht es weniger um eine ungebrochene Kontinuit?t als um die Spuren, Deutungen und Bilder, die sich mit den Kelten bis in die Gegenwart verbunden haben. Das Kapitel f?hrt so am Ende zur?ck zu einer grundlegenden Einsicht der Publikation: Vergangenheit ist nicht unmittelbar zug?nglich, sondern wird aus Quellen rekonstruiert und immer wieder aufs Neue interpretiert. Der Anhang mit Literaturverzeichnis, Register und Bildnachweisen erg?nzt die Darstellung und macht den Band zugleich als Nachschlagewerk nutzbar. Besonders das Register erleichtert den Zugang zu den zahlreichen Fundorten und Sachthemen, w?hrend die Bildnachweise die enge Verbindung von wissenschaftlicher Argumentation und arch?ologischer Anschauung unterstreichen.

Insgesamt legt Markus Schu?mann mit der im Friedrich Pustet Verlag erschienenen Publikation ?Die Kelten in Bayern - Arch?ologie und Geschichte? ein eindrucksvolles und kenntnisreiches Buch vor, das die Kelten weder auf das Bild geheimnisvoller Druiden noch auf ihre Rolle als gef?rchtete Krieger reduziert. Mit gro?er fachlicher Genauigkeit und zugleich bemerkenswerter Anschaulichkeit macht er sichtbar, wie vielf?ltig, dynamisch und weit vernetzt die keltischen Gesellschaften in Bayern waren. Die Verbindung von arch?ologischen Einzelbefunden, historischen Zusammenh?ngen und zahlreichen Abbildungen verleiht dem Werk einen besonderen Wert. Er ist damit nicht nur f?r ein fachwissenschaftlich interessiertes Publikum eine gewinnbringende Lekt?re, sondern auch f?r alle, die sich einen fundierten und zugleich lebendigen Zugang zur keltischen Vergangenheit Bayerns erschlie?en m?chten.

geschrieben am 04.09.2026 | 1446 Wörter | 10080 Zeichen

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