
| ISBN | 3836957728 | |
| Autoren | Leen van den Berg , Kaatje Vermeire | |
| Verlag | Gerstenberg | |
| Sprache | deutsch | |
| Seiten | 32 | |
| Erscheinungsjahr | 2014 | |
| Extras | - |

Viele Tiere und einige Menschen versammeln sich einmal im Jahr auf einem Hügel, um gemeinsam über Fragen und Schwierigkeiten nachzudenken, die aus ihrer Mitte mitgeteilt werden. Üblicherweise ist Herr Schildkröte Moderator und Protokollant der Versammlung, doch dieses Jahr darf die Ameise diese Aufgabe übernehmen, denn die Schildkröte ist krank. Gewissenhaft hat sich die Ameise vorbereitet und notiert die Antworten auf die Frage des Elefanten, was Liebe ist, akribisch in ein Buch, das sie abends der Schildkröte vorbeibringt. Auf die Frage des Elefanten melden sich zahlreiche Teilnehmer der Versammlung zu Wort und schildern in verschiedenster Weise, wie sie Liebe empfinden und zu was sie die Liebe verleitet. All diese Antworten bedienen dann verschiedene Empfindungen und kommen ohne innere Struktur bunt durcheinander von den Teilnehmern der Versammlung.

Das dahinter stehende Konzept, nämlich ein Kinderbuch zu kreieren, wird von ebendiesen Antworten aber nicht unterstützt, jedenfalls meiner Meinung nach. Es stört zwar nicht, dass nicht ausschließlich Tiere zu Wort kommen, sondern auch Menschen, Phantasiefiguren wie Schneewittchen, Dinge (Stein, Apfelbaum) oder Elemente (Wasser und Wind). Aber ein bisschen Sortierung hätte gut getan, gerade wenn man das kindliche Gehirn nicht neben der ohnehin schon schwierigen Fragestellung, die ja auch ein gewisses Meta-Denken erfordert, noch zusätzlich überfrachten will. Und für welches Alter soll das Buch denn geeignet sein, wenn kleinkindlich zu verstehende Äußerungen wie die der Maus, der Sonne oder der Schneeflocken neben solchen eines Landstreichers oder eines kranken Mannes stehen? Für deren Äußerungen braucht es eines deutlich weiteren Wissenshorizonts. Hier fehlt es also meiner Meinung schon nach an einer sinnvollen Pointierung bzw. Komposition der Äußerungen, zumal man, sofern man sich diesem Nebengedanken hingibt, ohnehin mit Stirnrunzeln diese doch eher seltsame „Versammlung“ zur Kenntnis nimmt: auch dies ist für ein Kind nicht wirklich nachvollziehbar, warum sich Tiere, Menschen, Elemente und Dinge „versammeln“ sollen. Da gibt es doch klügere Ansätze, um ein Kinderbuch zu verfassen, z.B. den weisen Erzähler.
Gut gelungen ist als Nebenstrang das Wirken der Ameise, die zur Erfüllung der Form den Inhalt gänzlich unterbewertet und sich damit der Tragweite und Schönheit der Diskussionsbeiträge und auch der Erkenntnis völlig entzieht, was auch im Schluss der Geschichte manifestiert ist.
Die Illustration ist ein weiterer Punkt, der mich an der Komposition als Kinderbuch zweifeln lässt. Die Bilder sind technisch schön und warten für Erwachsene mit zahlreichen interessanten Details und Techniken auf. Aber für Kinder sind die Bilder nicht sofort begreiflich, teilweise auch nicht auf den ersten Blick schön. Und wenn man auf ältere Kinder als Zielgruppe abstellt, sind die definitiv aus dem Bilderbuchalter heraus.
Insgesamt verbleibt also ein überwiegend zweifelnder, nicht zwingend negativer Beigeschmack. Ich würde dieses Kinderbuch nicht weiterempfehlen, respektiere aber den künstlerischen Ansatz dahinter.
geschrieben am 20.03.2014 | 438 Wörter | 2706 Zeichen
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