Navigation

Seiten der Rubrik "Bücher"


Google Anzeigen

Anzeigen

Bücher

Die Wunder des Morgenlandes


Statistiken
  • 1757 Aufrufe

Informationen zum Buch
  ISBN
  Herausgeber
  Autor
  Verlag
  Sprache
  Seiten
  Erscheinungsjahr
  Extras

Rezension von

Hiram Kümper

Die Wunder des Morgenlandes 1325 bricht der Marokkaner Ibn Battuta von Tanger auf, um die Pilgerfahrt nach Mekka, den Hadsch, zu unternehmen. Er kehrt erst 1352 endgültig in seine Heimat zurück. Was er in den fast dreißig Jahren seiner Reisen erlebt haben will, hat er in einem Reisebericht hinterlassen, den 1355 der andalusische Literat Ibn Dschuzayy im Auftrag des marrokanischen Sultans Abu Inan nach Ibn Battutas eigenen Erzählungen verfasste. So jedenfalls will es die Überlieferung. 1368 oder 1377 – die wenigen Zeugnisse, die uns über seine Person überliefert sind, widersprechen sich hier – ist der Weitgereiste dann gestorben. Der Bericht, den er hinterließ, ist ein faszinierendes Stück Literatur. Nicht nur fast die gesamte islamische Welt seiner Zeit will Ibn Battuta bereist haben; auch über China, Indien und Java lesen wir vieles in seinen farbenprächtigen Berichten. In gewisser Weise fühlt sich der westliche Leser an Marco Polos Reisen und unglaubliche Berichte erinnert. Und natürlich stellen sich auch hier wie dort Zweifel ein, ob wirklich alles so erlebt und getreulich berichtet worden ist. Der Herausgeber Ralf Elger weist dann auch in seinem knappen, aber auch für den Nicht-Orientalisten gut verständlichen Nachwort auf zahlreiche mögliche und gesicherte Quellen Ibn Battutas hin, wägt die kritischen Punkte der Überlieferung ab und zeichnet ein Umrissbild vom Platz dieses Werkes in der Kulturgeschichte des mittelalterlichen orientalischen Reiseschrifttums. Die zahlreichen Anmerkungen, die lesefreundlich in einen Endnotenapparat einfließen, tun dazu ein Übriges. Neben eigenen Beobachtungen zur Verfassung und Wirtschaft der fremden Länder notiert Ibn Battuta vor allem (z. T. religiöse) Bräuche, Sitten und tradierte Erzählungen, wie etwa die Verbrennung der Ehefrau mit dem verstorbenen Ehemann in Adschudhan (S. 86) oder die Erzählung vom Übertritt der Malediven zum Islam (S. 125ff.) – eine Geschichte, die auffallend an frühchristliche Bekehrungsgeschichten erinnert. Immer wieder interessiert er sich für den Lebenswandel der Einheimischen. Immer wieder hebt er auch lobend Reinlichkeit, Strenge des Gesetzes und andere Tugenden hervor – auch dann, wenn er mit anderen Sitten nicht einverstanden ist. Dieser zutiefst fromme Grundton begleitet den gesamten Bericht. Daraus mag sich auch erklären, dass Ibn Battuta niemals das christliche Europa bereist hat. Ja, man könnte fast sagen, es habe ihn schlicht nicht interessiert. Denn wo immer er sich befindet, selbst in China, wo die Muslime eine kleine Minderheit darstellten, interessiert er sich stets für die Lebensumstände seiner Glaubensgenossen. Dieser spannende Bericht liegt nun erstmals in deutscher Übersetzung vor. Oder vielmehr: eine Fassung dieses Berichtes. Zugrunde liegt der Übersetzung nämlich die aus dem 17. Jahrhundert stammende Ausgabe des syrischen Gelehrten Muhammad ibn Fath Allah al-Bailuni, der rund dreihundert Jahre nach dessen Abfassung eine Zusammenfassung des Berichts Ibn Battutas schuf. Er hat weitgehende Kürzungen an seiner Vorlage vorgenommen, vor allem die länglichen Beschreibungen der heiligen Stätten zu Mekka und Medina sind hier stark gestrafft. Insgesamt aber, so versicht der Herausgeber, habe al-Bailuni einen sehr repräsentativen Querschnitt durch die ausführlichen Reiseberichte angesetzt. Dennoch: Warum liegt dieser und nicht die von Defrémery und Sanguinetti bereits 1853/59 auf handschriftlicher Grundlage edierte und ins Französische übersetzte Langfassung dieser neuen deutschen Übersetzung zu Grunde? Übersetzer und Herausgeber Ralf Elgers begründet das einleuchtend: es ist diese Fassung, mittels derer Ibn Battutas Reisen – freilich dann erst im 19. Jahrhundert – überhaupt erstmals in Europa bekannt wurden. So sind nun beide Fassungen in modernen europäischen Übersetzungen greifbar: die Langfassung in französischer, der kürze Auszug al-Bailunis in deutscher. Das ist eine gute Grundlage, um dem faszinierenden Bericht Ibn Battutas künftig noch mehr Beachtung zu schenken.

1325 bricht der Marokkaner Ibn Battuta von Tanger auf, um die Pilgerfahrt nach Mekka, den Hadsch, zu unternehmen. Er kehrt erst 1352 endgültig in seine Heimat zurück. Was er in den fast dreißig Jahren seiner Reisen erlebt haben will, hat er in einem Reisebericht hinterlassen, den 1355 der andalusische Literat Ibn Dschuzayy im Auftrag des marrokanischen Sultans Abu Inan nach Ibn Battutas eigenen Erzählungen verfasste. So jedenfalls will es die Überlieferung. 1368 oder 1377 – die wenigen Zeugnisse, die uns über seine Person überliefert sind, widersprechen sich hier – ist der Weitgereiste dann gestorben.

weitere Rezensionen von Hiram Kümper


Der Bericht, den er hinterließ, ist ein faszinierendes Stück Literatur. Nicht nur fast die gesamte islamische Welt seiner Zeit will Ibn Battuta bereist haben; auch über China, Indien und Java lesen wir vieles in seinen farbenprächtigen Berichten. In gewisser Weise fühlt sich der westliche Leser an Marco Polos Reisen und unglaubliche Berichte erinnert. Und natürlich stellen sich auch hier wie dort Zweifel ein, ob wirklich alles so erlebt und getreulich berichtet worden ist. Der Herausgeber Ralf Elger weist dann auch in seinem knappen, aber auch für den Nicht-Orientalisten gut verständlichen Nachwort auf zahlreiche mögliche und gesicherte Quellen Ibn Battutas hin, wägt die kritischen Punkte der Überlieferung ab und zeichnet ein Umrissbild vom Platz dieses Werkes in der Kulturgeschichte des mittelalterlichen orientalischen Reiseschrifttums. Die zahlreichen Anmerkungen, die lesefreundlich in einen Endnotenapparat einfließen, tun dazu ein Übriges.

Neben eigenen Beobachtungen zur Verfassung und Wirtschaft der fremden Länder notiert Ibn Battuta vor allem (z. T. religiöse) Bräuche, Sitten und tradierte Erzählungen, wie etwa die Verbrennung der Ehefrau mit dem verstorbenen Ehemann in Adschudhan (S. 86) oder die Erzählung vom Übertritt der Malediven zum Islam (S. 125ff.) – eine Geschichte, die auffallend an frühchristliche Bekehrungsgeschichten erinnert. Immer wieder interessiert er sich für den Lebenswandel der Einheimischen. Immer wieder hebt er auch lobend Reinlichkeit, Strenge des Gesetzes und andere Tugenden hervor – auch dann, wenn er mit anderen Sitten nicht einverstanden ist. Dieser zutiefst fromme Grundton begleitet den gesamten Bericht. Daraus mag sich auch erklären, dass Ibn Battuta niemals das christliche Europa bereist hat. Ja, man könnte fast sagen, es habe ihn schlicht nicht interessiert. Denn wo immer er sich befindet, selbst in China, wo die Muslime eine kleine Minderheit darstellten, interessiert er sich stets für die Lebensumstände seiner Glaubensgenossen.

Dieser spannende Bericht liegt nun erstmals in deutscher Übersetzung vor. Oder vielmehr: eine Fassung dieses Berichtes. Zugrunde liegt der Übersetzung nämlich die aus dem 17. Jahrhundert stammende Ausgabe des syrischen Gelehrten Muhammad ibn Fath Allah al-Bailuni, der rund dreihundert Jahre nach dessen Abfassung eine Zusammenfassung des Berichts Ibn Battutas schuf. Er hat weitgehende Kürzungen an seiner Vorlage vorgenommen, vor allem die länglichen Beschreibungen der heiligen Stätten zu Mekka und Medina sind hier stark gestrafft. Insgesamt aber, so versicht der Herausgeber, habe al-Bailuni einen sehr repräsentativen Querschnitt durch die ausführlichen Reiseberichte angesetzt. Dennoch: Warum liegt dieser und nicht die von Defrémery und Sanguinetti bereits 1853/59 auf handschriftlicher Grundlage edierte und ins Französische übersetzte Langfassung dieser neuen deutschen Übersetzung zu Grunde? Übersetzer und Herausgeber Ralf Elgers begründet das einleuchtend: es ist diese Fassung, mittels derer Ibn Battutas Reisen – freilich dann erst im 19. Jahrhundert – überhaupt erstmals in Europa bekannt wurden.

So sind nun beide Fassungen in modernen europäischen Übersetzungen greifbar: die Langfassung in französischer, der kürze Auszug al-Bailunis in deutscher. Das ist eine gute Grundlage, um dem faszinierenden Bericht Ibn Battutas künftig noch mehr Beachtung zu schenken.

geschrieben am 11.09.2010 | 566 Wörter | 3487 Zeichen

Kommentare lesen Kommentar schreiben

Kommentare zur Rezension (0)

Platz für Anregungen und Ergänzungen