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Michael Kohlhaas


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Rezension von

Ragan Tanger

Michael Kohlhaas Ehre dem Wort, Huldigung der Kunst Das Erste, was einem Betrachter bei dem Internetauftritt des onomato-Hörbuchverlages entgegentritt, ist genau das, was auch dem Hörer jener literarischen Großereignisse auffĂ€llt. Das VerstĂ€ndlichste an der Sprache sei eben nicht das Wort, so wird Nietzsche zitiert, sondern die Modulation, das Tempo und die StĂ€rke. Wie wahr und wer Axel Grube, dem GeschĂ€ftsfĂŒhrer, Verleger und Sprecher in Personalunion, bei seinen ersten ZungenschlĂ€gen verfolgt, wird verstehen, welche Bedeutung die Methodik des Sprechens bekommt. Förmlich trifft hier jemand den Nagel auf den Kopf, redet wie Kohlhaas mit der Dialektik des frĂŒhen 19. Jahrhunderts und spricht aus dieser klar und verstĂ€ndlich. Die Produktion also und die Hingabe, mit der hier klassische Literatur aufbereitet und prĂ€sentiert wird, sind vor aller inhaltlichen Kritik erwĂ€hnenswert. Die Verbeugung vor der Kraft jener Werke ist der Produktion und dem Sprecher anzumerken, sie tut gut, denn sie nimmt einen genau auf jene intensive Reise mit, die in solch monumentalen Hinterlassenschaften möglich ist. Schachteln mit Samtauflagen oder mp3-Volltext-CDs, wie jene hier vom Kleistschen Roman, in einfacher und zugleich edler Verpackung erinnern an DelikatessenhĂ€ndler im DĂŒsseldorfer Karschhaus, die wohlverlesen das Beste fĂŒr die Konsumenten feilbieten. Warum wir bislang noch gar nicht von Kohlhaas und Kleist gesprochen haben, liegt auf der Hand. Wie will man einen unzweifelbaren Klassiker deutscher Literatur, der sprachlich gekonnt und methodisch grandios das Thema der Selbstjustiz in einem Rechtsstaatsystem in Betracht zieht, weil er mit den mittelalterlichen Strukturen so gar nicht konform gehen kann, im 21. Jahrhundert kritisieren? Man kann sich ja höchstens nur anschließen neben der fiktiven Kraft auch noch die historische Bedeutung zu goutieren, die jedem KlassikstĂŒck deutscher Literatur zu Eigen ist. Ein doppeltes Geschenk also, was nicht mehr zur Debatte stehen muss und deswegen empfohlen werden muss. Heinrich von Kleist selbst ist darĂŒber hinaus einer der interessantesten, ambivalentesten und tragischsten Figuren jener BlĂŒtezeit literarischen Schaffens. GebĂŒrtig ein hoher preußischer Adelsmann, trat er zunĂ€chst in den fĂŒr ihn vorgesehenen Staatsdienst, versagte jenem aber nach kĂŒnstlerischer und politischer Doppelbelastung zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Ehre. Von da an widmete er sich ausschließlich der Schriftstellerei, was - auch aufgrund verschĂ€rfter Zensurbestimmungen in Preußen - vor allen Dingen finanziell nicht ausreichen sollte. Auch inhaltich war der starke Selbstzweifel Kleists zu ausgeprĂ€gt, so dass er sich und seine damalige Begleiterin 1811 in Wannsee erschoss. Ein dramatisches Ende eines ruhelosen, abenteuerlichen und wandelbaren Lebens, hin- und hergerissen zwischen Ideologien, Leidenschaft und der Strenge staatlicher WillkĂŒr, ein Motiv, das wir auch bei Michael Kohlhaas wiederfinden. Die mp3-Volltextlesung benötigt neben einem GerĂ€t, das eben jenes Format abspielen kann (mittlerweile jedes Autoradio, jeder Computer etc.) nur noch ein offenes Ohr, vielleicht ein Glas Wein, einen Lehnsessel und die FĂ€higkeit, sich ganz und gar der Fiktion des Wirklichen hinzugeben. Literarischer Hochgenuss auf allen Ebenen.

Ehre dem Wort, Huldigung der Kunst

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Das Erste, was einem Betrachter bei dem Internetauftritt des onomato-Hörbuchverlages entgegentritt, ist genau das, was auch dem Hörer jener literarischen Großereignisse auffĂ€llt. Das VerstĂ€ndlichste an der Sprache sei eben nicht das Wort, so wird Nietzsche zitiert, sondern die Modulation, das Tempo und die StĂ€rke. Wie wahr und wer Axel Grube, dem GeschĂ€ftsfĂŒhrer, Verleger und Sprecher in Personalunion, bei seinen ersten ZungenschlĂ€gen verfolgt, wird verstehen, welche Bedeutung die Methodik des Sprechens bekommt. Förmlich trifft hier jemand den Nagel auf den Kopf, redet wie Kohlhaas mit der Dialektik des frĂŒhen 19. Jahrhunderts und spricht aus dieser klar und verstĂ€ndlich.

Die Produktion also und die Hingabe, mit der hier klassische Literatur aufbereitet und prĂ€sentiert wird, sind vor aller inhaltlichen Kritik erwĂ€hnenswert. Die Verbeugung vor der Kraft jener Werke ist der Produktion und dem Sprecher anzumerken, sie tut gut, denn sie nimmt einen genau auf jene intensive Reise mit, die in solch monumentalen Hinterlassenschaften möglich ist. Schachteln mit Samtauflagen oder mp3-Volltext-CDs, wie jene hier vom Kleistschen Roman, in einfacher und zugleich edler Verpackung erinnern an DelikatessenhĂ€ndler im DĂŒsseldorfer Karschhaus, die wohlverlesen das Beste fĂŒr die Konsumenten feilbieten.

Warum wir bislang noch gar nicht von Kohlhaas und Kleist gesprochen haben, liegt auf der Hand. Wie will man einen unzweifelbaren Klassiker deutscher Literatur, der sprachlich gekonnt und methodisch grandios das Thema der Selbstjustiz in einem Rechtsstaatsystem in Betracht zieht, weil er mit den mittelalterlichen Strukturen so gar nicht konform gehen kann, im 21. Jahrhundert kritisieren? Man kann sich ja höchstens nur anschließen neben der fiktiven Kraft auch noch die historische Bedeutung zu goutieren, die jedem KlassikstĂŒck deutscher Literatur zu Eigen ist. Ein doppeltes Geschenk also, was nicht mehr zur Debatte stehen muss und deswegen empfohlen werden muss.

Heinrich von Kleist selbst ist darĂŒber hinaus einer der interessantesten, ambivalentesten und tragischsten Figuren jener BlĂŒtezeit literarischen Schaffens. GebĂŒrtig ein hoher preußischer Adelsmann, trat er zunĂ€chst in den fĂŒr ihn vorgesehenen Staatsdienst, versagte jenem aber nach kĂŒnstlerischer und politischer Doppelbelastung zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Ehre. Von da an widmete er sich ausschließlich der Schriftstellerei, was - auch aufgrund verschĂ€rfter Zensurbestimmungen in Preußen - vor allen Dingen finanziell nicht ausreichen sollte. Auch inhaltich war der starke Selbstzweifel Kleists zu ausgeprĂ€gt, so dass er sich und seine damalige Begleiterin 1811 in Wannsee erschoss.

Ein dramatisches Ende eines ruhelosen, abenteuerlichen und wandelbaren Lebens, hin- und hergerissen zwischen Ideologien, Leidenschaft und der Strenge staatlicher WillkĂŒr, ein Motiv, das wir auch bei Michael Kohlhaas wiederfinden. Die mp3-Volltextlesung benötigt neben einem GerĂ€t, das eben jenes Format abspielen kann (mittlerweile jedes Autoradio, jeder Computer etc.) nur noch ein offenes Ohr, vielleicht ein Glas Wein, einen Lehnsessel und die FĂ€higkeit, sich ganz und gar der Fiktion des Wirklichen hinzugeben. Literarischer Hochgenuss auf allen Ebenen.

geschrieben am 20.08.2010 | 453 Wörter | 2839 Zeichen

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