
| ISBN | 3929345412 | |
| Autoren | Banine , Umm El-Banu Asadullayeva | |
| Verlag | Maurer | |
| Sprache | deutsch | |
| Seiten | 297 | |
| Erscheinungsjahr | 2008 | |
| Extras | - |

»Banine« IST DAS ERSTE WORT im letzten regulären Buch Ernst Jüngers, dem Tagebuchband »Siebzig verweht V«. »Banine«, notiert Jünger unter dem Datum des 3. Januar 1991, »macht mich darauf aufmerksam, daß mit dem neuen Jahr neben anderen Eigentümlichkeiten auch ein Palindrom begonnen hat. Das kommt ein Mal in jedem Jahrhundert vor. Palindrom ist das ‚Zurücklaufende’: eine Zahlen- oder Buchstabenreihe, die vor- und rückwärts gelesen sich wiederholt, etwa 1991 und 1001«, eröffnet Jünger sein veröffentlichtes Tagebuch fürs neue Jahr.

Banine, seiner alten aserbaidschanischen Freundin und Beraterin aus Pariser Tagen, räumt der Schriftsteller prominenten Platz ein. Das bedeutet bei Jünger eine Adelung. Doch wer war diese Banine? Bekannt ist, dass sie zu den engsten Vertrauten Jüngers gehörte. Jedoch hat der über sie nur selten öffentlich berichtet. Ihre Person findet sich in Jüngers Tagebuch stets nur in sachlichem Zusammenhang. Über die Frau selbst hat Jünger über alle Jahrzehnte geschwiegen. Dabei war ihr Verhältnis wohl kein unproblematisches. Viele Jahre lang betreute sie im Auftrage des in Frankreich großes Ansehen genießenden Jünger dessen französische Leserpost.
ERSTAUNLICH OFFEN hingegen äußert sich Jünger über Banine in einem Brief an den Schriftsteller Helmut Krausser. Nach dem französischen Schriftstellerkollegen Celine befragt, berichtet Jünger, er habe Celine in den »Strahlungen« als »Merline« bezeichnet, um diesen nicht zu gefährden. Jünger schreibt: »Höchst ärgerlich war es mir nun, daß ausgerechnet in der französischen Übersetzung Merline durch Celine übersetzt worden war. Verantwortlich dafür war Banine: sie hatte den Text redigiert. Daß sie Celine nicht leiden konnte, hatte sie mir oft genug gesagt.« Dies führte in Frankreich zu erheblichen Irritationen und Unmut über Jünger. Celine strengte eine Verleumdungsklage an. Zu der Verhandlung musste Jünger eigens nach Paris reisen.
In dem kleinen Freiburger Verlag Hans-Jürger Maurer ist nun das lange nicht mehr lieferbare Erinnerungsbuch Banines »Kaukasische Tage« wieder erschienen. Das Vorwort von Ernst Jünger aus einer älteren Ausgabe ist enthalten. Die 1905 geborene Umm el-Banu Asadullayeva, die sich selbst Banine nannte, wurde in eine Familie mit ungeheurem Reichtum geboren. Ihr Großvater hatte es vom armen Bauern zum Multimillionär gebracht. Dafür hatte das Erdöl gesorgt, das auf seinem Land gefunden wurde. Unmittelbar nach der Russischen Revolution spaltete sich Aserbaidschan von Russland ab und erklärte seine Unabhängigkeit. Man hatte die Gunst der Stunde, sprich: die Wirren des Bürgerkrieges dort genutzt. Am 28. Mai 1918 gründete sich die Demokratische Republik Aserbaidschan als erste Republik im islamischen Orient. Im Dezember wurden freie Wahlen abgehalten, die die Sozialdemokraten gewannen. Banines Vater wurde Wirtschaftsminister. Doch exakt 23 Monate nach Gründung der Republik, am 28. April 1920, beendete die Rote Armee diesen Traum und okkupierte das Land. Banines Familie ging nach Paris. Sie selbst reiste jedoch erst vier Jahre später aus, da sie zwischendurch – als Fünfzehnjährige – in Baku verheiratet worden war.
In ihren »Kaukasischen Aufzeichnungen« schildert sie offen ihre Kindheit in Aserbaidschan. In einer zutiefst orientalisch geprägten Kultur, in der aufgrund des unerhörten Reichtums die Moderne in Form westlicher Lebensart in die Ölfamilien einbricht. Doch sollte dies nicht von langer Dauer sein. Denn mit der Okkupation durch das sowjetisch gewordene Russland musste die Familie das große Haus verlassen und den Grundbesitz aufgeben. Als Banine nach Paris kam, war sie völlig mittellos.
Banines Erinnerungen schließen nicht mit Groll, den man ihr nachsehen würde bei dem Ausmaß ihres materiellen Verlustes. Stattdessen äußert sie in buddhistischer Gelassenheit: »Man muss das Leben nehmen, wie es ist. Nichts ist Zufall. In jedem Dasein steckt Logik. Man tut etwas, weil man nicht anders kann. Aber warum soll man sich von angeblich verfehlten Dingen quälen lassen? Wer sich zu dieser Philosophie bekennt, macht alles, wie er es machen muss. Seine Seele bleibt ruhig. Wenn die Dinge schlecht ausgehen, dann war es so bestimmt.«
geschrieben am 03.12.2008 | 606 Wörter | 3664 Zeichen
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