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Verhüllt um zu verblüffen. Die Welt auf der Orange


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  Extras

Rezension von

Matthias Pierre Lubinsky

Verhüllt um zu verblüffen. Die Welt auf der Orange Etwa um 1890 begannen sizilianische Erzeuger, ihre Zitrusfrüchte in bedrucktes Einwickelpapier zu verpacken. Diente es anfänglich als Schutz der Frucht für den langen Transport in andere Länder, so verselbständigte sich dessen Nutzung, seit die Früchte chemisch behandelt wurden und so eigentlich gar keine Verpackung mehr nötig war. Nun ging es nur noch um die graphische Funktion. Das Papier war äußerst billig, sodass es auch für die vielen familiären Kleinbetriebe kein Problem darstellte, ihre Orangen mit dem Bedruckten zu umhüllen. Der Phantasie waren dabei keine Grenzen gesetzt. War es anfänglich mehr oder weniger der verzierte Name, den man auf das Papier druckte, so versuchten die Produzenten in der Folge, den Kunden in der unbekannten Ferne zu erreichen, anzusprechen. Das macht die vielfältigen Motive so interessant, die der Potsdamer Vacat Verlag nun in einem wunderschönen Buch versammelt hat. »Spanish oranges/ sweet as kisses/ are the best« steht da auf einem Papier. Auf einem anderen ist das Brandenburger Tor abgebildet: »Marke Berlin«. Dirik von Oettingen heißt der Sammler, der nach eigener Schätzung 40.000 von diesen skurrilen, witzigen und kunterbunten Papieren zusammengetragen hat. Diese wohl weltweit größte Sammlung bildet die Basis für das OrangenpaPIermuseUM (OPIUM) im Internet: www.opiummuseum.de. 500 davon haben in dieses Buch gefunden. Sie werden in Gruppen präsentiert, was zu Vergleichbarkeit führt und dem Buch eine ästhetische Übersichtlichkeit verleiht. Nicht nur die Sammlung ist beeindruckend. Beeindruckend ist, was der kleine Potsdamer Vacat Verlag hier zwischen die Buchdeckel gebunden hat. Man merkt, es waren Menschen am Werk mit einer Affinität zum Schönen, die einen besonderen Blick haben, die eine Liebe zu aufwendig gestalteten Büchern in sich tragen. Das Papier des Buches ist sehr dünn und dem Apfelsinenpapier nachempfunden. Für Kenner: Verwandt wurde 50 Gramm-Papier. Die anspruchsvolle japanische Bindung unterstreicht den bibliophilen Anspruch des Bilderbuches für Ästheten. Wer sich mit der Buchherstellung auskennt weiß, dass es nicht ganz einfach gewesen sein kann, dieses Papier fehlerfrei zu binden. Der Clou: Der Einband besteht aus orangenfarbenem Kunststoff, der der Außenhaut einer Apfelsine nachempfunden ist. Doch damit nicht genug der liebevollen Details: Als Vorlage für das Muster auf Vor- und Nachsatzpapier diente das Orangennetz. Hervorzuheben sind die Reproduktionen der Vorlagen für den Druck. Diese stellten nach Auskunft des Verlags eine Herausforderung dar, weil die meisten der abgebildeten Papiere äußerst stark geknittert waren. Den Ergebnissen sieht man noch ihre Welligkeit an, was einigen Reproduktionen fast eine gewisse Dreidimensionalität verleiht. Den abgedruckten Bildern ist Authentizität eingehaucht. Im Gegensatz zu vergleichbaren Büchern haben sich die Potsdamer die Mühe gemacht, einige der Papiere ausschnitthaft zu reproduzieren. Dadurch kann der Betrachter sich auf die Details konzentrieren. Nicht zufällig ist dieses außergewöhnlich gelungene Buch als eines der schönsten Bücher von der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet worden. Darüber hinaus ist das bibliophile Meisterwerk zum »Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2009« nominiert. Die Idee, Orangenpapiere zu sammeln, ist genauso durchgeknallt wie dieses Buch. Herrlich!

Etwa um 1890 begannen sizilianische Erzeuger, ihre Zitrusfrüchte in bedrucktes Einwickelpapier zu verpacken. Diente es anfänglich als Schutz der Frucht für den langen Transport in andere Länder, so verselbständigte sich dessen Nutzung, seit die Früchte chemisch behandelt wurden und so eigentlich gar keine Verpackung mehr nötig war. Nun ging es nur noch um die graphische Funktion. Das Papier war äußerst billig, sodass es auch für die vielen familiären Kleinbetriebe kein Problem darstellte, ihre Orangen mit dem Bedruckten zu umhüllen.

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Der Phantasie waren dabei keine Grenzen gesetzt. War es anfänglich mehr oder weniger der verzierte Name, den man auf das Papier druckte, so versuchten die Produzenten in der Folge, den Kunden in der unbekannten Ferne zu erreichen, anzusprechen. Das macht die vielfältigen Motive so interessant, die der Potsdamer Vacat Verlag nun in einem wunderschönen Buch versammelt hat. »Spanish oranges/ sweet as kisses/ are the best« steht da auf einem Papier. Auf einem anderen ist das Brandenburger Tor abgebildet: »Marke Berlin«.

Dirik von Oettingen heißt der Sammler, der nach eigener Schätzung 40.000 von diesen skurrilen, witzigen und kunterbunten Papieren zusammengetragen hat. Diese wohl weltweit größte Sammlung bildet die Basis für das OrangenpaPIermuseUM (OPIUM) im Internet: www.opiummuseum.de. 500 davon haben in dieses Buch gefunden. Sie werden in Gruppen präsentiert, was zu Vergleichbarkeit führt und dem Buch eine ästhetische Übersichtlichkeit verleiht.

Nicht nur die Sammlung ist beeindruckend. Beeindruckend ist, was der kleine Potsdamer Vacat Verlag hier zwischen die Buchdeckel gebunden hat. Man merkt, es waren Menschen am Werk mit einer Affinität zum Schönen, die einen besonderen Blick haben, die eine Liebe zu aufwendig gestalteten Büchern in sich tragen. Das Papier des Buches ist sehr dünn und dem Apfelsinenpapier nachempfunden. Für Kenner: Verwandt wurde 50 Gramm-Papier. Die anspruchsvolle japanische Bindung unterstreicht den bibliophilen Anspruch des Bilderbuches für Ästheten. Wer sich mit der Buchherstellung auskennt weiß, dass es nicht ganz einfach gewesen sein kann, dieses Papier fehlerfrei zu binden. Der Clou: Der Einband besteht aus orangenfarbenem Kunststoff, der der Außenhaut einer Apfelsine nachempfunden ist. Doch damit nicht genug der liebevollen Details: Als Vorlage für das Muster auf Vor- und Nachsatzpapier diente das Orangennetz.

Hervorzuheben sind die Reproduktionen der Vorlagen für den Druck. Diese stellten nach Auskunft des Verlags eine Herausforderung dar, weil die meisten der abgebildeten Papiere äußerst stark geknittert waren. Den Ergebnissen sieht man noch ihre Welligkeit an, was einigen Reproduktionen fast eine gewisse Dreidimensionalität verleiht. Den abgedruckten Bildern ist Authentizität eingehaucht. Im Gegensatz zu vergleichbaren Büchern haben sich die Potsdamer die Mühe gemacht, einige der Papiere ausschnitthaft zu reproduzieren. Dadurch kann der Betrachter sich auf die Details konzentrieren.

Nicht zufällig ist dieses außergewöhnlich gelungene Buch als eines der schönsten Bücher von der Stiftung Buchkunst ausgezeichnet worden. Darüber hinaus ist das bibliophile Meisterwerk zum »Designpreis der Bundesrepublik Deutschland 2009« nominiert.

Die Idee, Orangenpapiere zu sammeln, ist genauso durchgeknallt wie dieses Buch. Herrlich!

geschrieben am 01.07.2008 | 467 Wörter | 2922 Zeichen

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