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Ex Libris


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Rezension von

Matthias Pierre Lubinsky

Ex Libris Seine Bibliothek ist der Ausweis des geistigen Menschen. Francois Rabelais war nicht der Erste, der in seinem furiosen »Gargantua und Pantagruel«, dessen erster Teil 1532 erschien, den Prototyp einer Bibliothek beschrieb. Aber Rabelais beschrieb ihn vielleicht am kompromisslosesten: Die Architektur richtete sich nach den Büchern. Die riesigen Ausmaße des Bücherraumes ließen auch die verrücktesten Gedanken zu. Über dem Eingangsportal stand in deutscher Sprache: »Tue was Du willst.« Die Affinität von Geistvollen zu schönen Büchern zieht sich durch die Geschichte des bedruckten Papiers. Dabei ist es mit dem Inhalt eines Buches nicht getan. Der Ästhet verlangt nach mehr. Er will ihn inspirierende Schriftsteller in der Erstausgabe lesen. Er sammelt signierte Exemplare; ist auf der permanenten Suche nach seltenen Vorzugsausgaben. Hat er auch einmal nichts zu essen, - eines seiner heißgeliebten Bücher zu verkaufen, ist vollkommen undenkbar. Die US-Amerikanerin Anne Fadiman befasst sich in ihrem Buch »Ex Libris« mit all den Facetten, die den Bibliomanen einerseits quälen, andererseits aber am Leben erhalten. Für seine Angehörigen trifft nur Ersteres zu. Ihr süffisantes Büchlein, das aus anderthalb Dutzend kleinen Geschichten rund um die grenzenlose Liebe zum Buch besteht, trägt den treffenden Untertitel »Bekenntnisse einer Bibliomanin«. »Ex Libris«, erläutert die Autorin ihre Motivation, »begann ich zu schreiben, als mir auffiel, wie befremdlich es ist, daß über Bücher oft so geschrieben wird, als handele es sich um Toaster.« Ein Aufsatz handelt von dem Problem, das entsteht wenn zwei Bibliotheksbesitzer heiraten. Wie die Sammlungen zusammenführen? Welches Sortiersystem? Hier kann es schnell zur Scheidung kommen, weshalb Fadiman und ihr Mann dieses Thema überhaupt erst nach fünf Jahren Ehe angegangen sind. Die Aufsätze handeln von Lieblingsbüchern, von Eintragungen, Mehrfachexemplaren oder der Bibliothek der Eltern: »Zusammen besaßen unsere Eltern an die 7000 Bücher. Jedesmal, wenn wir umzogen, baute ein Zimmermann eine Viertelmeile Regale; jedesmal wenn wir umzogen, ließen die neuen Hausbesitzer unsere Regale herausreißen. Für mich sahen die Wände in anderer Leute Wohnungen nackt aus«, konstatiert die Journalistin. In einem ernst zu nehmenden Buch über Bibliomanie darf ein Ausflug in die Sprache nicht fehlen. Der Bibliophile ist reaktionär, hält er doch an Dingen fest, die gesamtgesellschaftlich längst passé sind: »Mein reaktionäres Ich meldet sich jedoch zu Wort, wenn grammatische Schimären wie SchriftstellerInnen mein Auge beleidigen, ganz davon zu schweigen, was ich empfinde, wenn ich mir auszumalen versuche, wie man so etwas wohl korrekt auszusprechen hätte.« Und weiter: »Unbegreiflich finde ich die Feminisierung oder gar Pluralisierung des armen Jedermann (was hätte Hugo von Hofmannsthal wohl dazu gesagt?), und noch unverständlicher ist mir das Eiferertum, das in seinem blindwütigen Furor dem harmlosen Indefinitivpronomen man ein frau als gleichwertig zur Seite stellen will.« Fadiman kann über die »bildungsferne Gleichsetzung« eines Indefinitivpronomens mit einem Substantiv nur kopfschütteln. Zu all den bibliomanischen Schilderungen passt allerdings nicht, welche Behandlung die Autorin ihren Büchern angedeihen lässt. Sie hat keinerlei Verständnis für diejenigen, die ein Buch zweimal kaufen, damit sie immer im Besitz eines jungfräulichen Exemplares bleiben. Fadiman schildert offenherzig, dass sie auch in seltene, bibliophile Ausgaben ihre Eselsohren als Markierungen hinterlässt. Sie zitiert allerdings auch die andere Seite, die echten Bibliophilen. So einen Bekannten ihres Mannes, der sagt, wenn der einem seiner Bücher den Rücken dadurch breche, dass er es aufgeschlagen auf die Seiten lege, könne er auch gleich ihm selbst das Genick brechen. Das kann die Amerikanerin nicht so ganz nachvollziehen. Dennoch sind ihre kurzen Stücke über Bücher, Bücherverliebte und das Drumherum liebevolle Gedanken zu einem Leben inmitten von bedruckten Schätzen.

Seine Bibliothek ist der Ausweis des geistigen Menschen. Francois Rabelais war nicht der Erste, der in seinem furiosen »Gargantua und Pantagruel«, dessen erster Teil 1532 erschien, den Prototyp einer Bibliothek beschrieb. Aber Rabelais beschrieb ihn vielleicht am kompromisslosesten: Die Architektur richtete sich nach den Büchern. Die riesigen Ausmaße des Bücherraumes ließen auch die verrücktesten Gedanken zu. Über dem Eingangsportal stand in deutscher Sprache: »Tue was Du willst.«

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Die Affinität von Geistvollen zu schönen Büchern zieht sich durch die Geschichte des bedruckten Papiers. Dabei ist es mit dem Inhalt eines Buches nicht getan. Der Ästhet verlangt nach mehr. Er will ihn inspirierende Schriftsteller in der Erstausgabe lesen. Er sammelt signierte Exemplare; ist auf der permanenten Suche nach seltenen Vorzugsausgaben. Hat er auch einmal nichts zu essen, - eines seiner heißgeliebten Bücher zu verkaufen, ist vollkommen undenkbar.

Die US-Amerikanerin Anne Fadiman befasst sich in ihrem Buch »Ex Libris« mit all den Facetten, die den Bibliomanen einerseits quälen, andererseits aber am Leben erhalten. Für seine Angehörigen trifft nur Ersteres zu. Ihr süffisantes Büchlein, das aus anderthalb Dutzend kleinen Geschichten rund um die grenzenlose Liebe zum Buch besteht, trägt den treffenden Untertitel »Bekenntnisse einer Bibliomanin«.

»Ex Libris«, erläutert die Autorin ihre Motivation, »begann ich zu schreiben, als mir auffiel, wie befremdlich es ist, daß über Bücher oft so geschrieben wird, als handele es sich um Toaster.« Ein Aufsatz handelt von dem Problem, das entsteht wenn zwei Bibliotheksbesitzer heiraten. Wie die Sammlungen zusammenführen? Welches Sortiersystem? Hier kann es schnell zur Scheidung kommen, weshalb Fadiman und ihr Mann dieses Thema überhaupt erst nach fünf Jahren Ehe angegangen sind. Die Aufsätze handeln von Lieblingsbüchern, von Eintragungen, Mehrfachexemplaren oder der Bibliothek der Eltern: »Zusammen besaßen unsere Eltern an die 7000 Bücher. Jedesmal, wenn wir umzogen, baute ein Zimmermann eine Viertelmeile Regale; jedesmal wenn wir umzogen, ließen die neuen Hausbesitzer unsere Regale herausreißen. Für mich sahen die Wände in anderer Leute Wohnungen nackt aus«, konstatiert die Journalistin.

In einem ernst zu nehmenden Buch über Bibliomanie darf ein Ausflug in die Sprache nicht fehlen. Der Bibliophile ist reaktionär, hält er doch an Dingen fest, die gesamtgesellschaftlich längst passé sind: »Mein reaktionäres Ich meldet sich jedoch zu Wort, wenn grammatische Schimären wie SchriftstellerInnen mein Auge beleidigen, ganz davon zu schweigen, was ich empfinde, wenn ich mir auszumalen versuche, wie man so etwas wohl korrekt auszusprechen hätte.« Und weiter: »Unbegreiflich finde ich die Feminisierung oder gar Pluralisierung des armen Jedermann (was hätte Hugo von Hofmannsthal wohl dazu gesagt?), und noch unverständlicher ist mir das Eiferertum, das in seinem blindwütigen Furor dem harmlosen Indefinitivpronomen man ein frau als gleichwertig zur Seite stellen will.« Fadiman kann über die »bildungsferne Gleichsetzung« eines Indefinitivpronomens mit einem Substantiv nur kopfschütteln.

Zu all den bibliomanischen Schilderungen passt allerdings nicht, welche Behandlung die Autorin ihren Büchern angedeihen lässt. Sie hat keinerlei Verständnis für diejenigen, die ein Buch zweimal kaufen, damit sie immer im Besitz eines jungfräulichen Exemplares bleiben. Fadiman schildert offenherzig, dass sie auch in seltene, bibliophile Ausgaben ihre Eselsohren als Markierungen hinterlässt. Sie zitiert allerdings auch die andere Seite, die echten Bibliophilen. So einen Bekannten ihres Mannes, der sagt, wenn der einem seiner Bücher den Rücken dadurch breche, dass er es aufgeschlagen auf die Seiten lege, könne er auch gleich ihm selbst das Genick brechen.

Das kann die Amerikanerin nicht so ganz nachvollziehen. Dennoch sind ihre kurzen Stücke über Bücher, Bücherverliebte und das Drumherum liebevolle Gedanken zu einem Leben inmitten von bedruckten Schätzen.

geschrieben am 18.06.2008 | 564 Wörter | 3528 Zeichen

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