
| ISBN | 3935684037 | |
| Autoren | Wolfgang Bauer , Clemens Zerling | |
| Verlag | Second Sight Books | |
| Sprache | deutsch | |
| Seiten | 260 | |
| Erscheinungsjahr | 2002 | |
| Extras | broschierte Ausgabe |

„Rabengeschrei“ – eine Auswahl von Texten aus Mythologie und Lyrik, die allesamt den schwarzen Vogel zum Thema haben, sei es als Begleiter Odins, als Haus- und Schlossrabe, als Todesbote, als Sternbild, als Dieb oder lockerer Geselle.

Ein Gedicht aus der Edda und Varianten von Grimms Märchen "Die drei Raben" sind ebenso vertreten wie Edgar Allen Poes "Der Rabe", aber auch zahlreiche moderne Beiträge, u. a. ein Essay des Wiener Psychoanalytikers und Performance-Künstlers Josef Dvorak und ein Theaterstück von Duke Meyer vom Rabenclan. Der Leser erhält außerdem aufschlussreiches Hintergrundwissen zu den alten Texten und zum Wesen der Rabenvögel. Auf kurzweilige Art wird gezeigt, dass der Rabe keineswegs nur Unheilsverkünder und Todesbote ist.
Ergänzt werden die Texte durch zahlreiche Rabenillustrationen und faszinierende Holzstiche von Gustave Doré.
Eine alte Legende aus der Ukraine liest sich wie folgt: "Die Raben waren ursprünglich die schönsten Vögel, die Gott in seiner Gnade mit einer besonderen Freude schuf. Ihr Gefieder glänzte und schimmerte in der Pracht des Regenbogens. Erst als durch die Sünde von Adam und Eva der Tod durch die Welt zog, begannen sich die Raben mit dem Aas der Leichen zu ernähren und ihr Gefieder wurde dunkler und dunkler."
Ich benutze diese Einleitung, weil ich sie mag und sie ein guter Start dafür ist, einem einen tieferen Sinn des Buchs, das „Rabengeschrei“ heißt, zu geben. Das Buch erzählt von einigen Religionen, in denen Raben einen sehr viel größeren Sinn oder als eine Allegorie auftauchen. Buddhismus, Hinduismus, Christentum und ebenso die alten Glauben der Griechen und deutschen Stämme und auch das Denken der Schamanen, um einige zu nennen. Richtig, das erste lange Kapitel von "Hans Helmut Dörner" handelt gänzlich von dem deutschen Heidentum. Abgesehen von den beiden Raben von Odin (Hugin: Gedanke und Munin: Erinnerung), erfährt man viel über das Heidentum und oftmals sind sie Verwandte zu der Edda. Dieses erste Kapitel „explodiert“ wegen seiner Menge an Informationen, zum Beispiel: Wusstest du, dass ein Rabe einen Banner der Wikinger zierte?
"Odins Rabenzauber" ist dann wieder ein Kapitel, das von einem „Gedicht“ handelt, das aus der Edda genommen wurde.
"Das Sternbild Rabe" erzählt von dem Sternenbild mitunter des „Zeichens“ des Raben, die Information hier ist auch nicht gekürzt und langsam, wie man es aus „Rabengeschrei“ kennt, es gibt dort viele kleine Kapitel, die eingebaut sind.
Duke Meyer übernimmt seinen Teil mit "Rabenrat" und stellt eine Kurzgeschichte über Odin bereit, der einen seiner Raben vermisst und er bekommt Hilfe in der Heimat einer weiblichen Schamanin oder wenigstens hofft er es. Die Geschichte geht von ihrem Startpunkt in einer netten Weise aus weiter und sie geht auch in andere Themen, wie Nazis, über.
Wie es sich klar im Buch herausstellt, hat der Rabe viele Geheimnisse und bekommt viele Vorurteile. In "Des Raben Herz" von Martin Kühn, veranschaulicht er, weshalb der Rabe auch als ein Überbringer des Unglücks ist. Dies geht bis in uralte Zeiten zurück und auch einige wichtige Anhaltspunkte sind darin involviert.
Jetzt möchte ich eine von vielen Kurzgeschichten erwähnen, die in „Rabengeschrei“ beinhaltet sind. "Quote the raven" (sinngemäß „zitiert der Rabe“) versieht eine schöne Novelle von Bruder und Schwester, die mit den Eskimos aus Alaska verwandt sind. Es ist ziemlich erstaunlich, wie viele Nationen ihren Weg in das Buch gefunden haben.
Sehr interessant ist auch "Der Rabe in der isländischen Folklore", wo zum Beispiel Geschichten über Raben einbezogen sind.
Mit dem Gedicht "Rabenliebe" bekommt der Vogel wieder eine andere Bedeutung. In "Rabengeschrei" ist es klar, dass diese Tiere auch ihre eigenen guten Seiten, Interpretationen und Verhalten besitzen. Diese sind auch in diesen verschiedenen Kapiteln mit vielen Beispielen entstanden.
Insgesamt könnten diese Kurzgeschichten genauso gut als Einzelbücher veröffentlicht werden, weil es viele Geschichten für jedermann gibt, der mehr an Wissen über den Raben bekommen möchte. Die Gedichte sind auch sehr schön, und hier möchte ich Edgar Allan Poes „The Raven“ empfehlen.
Sehr positiv ist die Sache, dass auch Quellen am Ende eines jeden Kapitels erwähnt werden, die es ermöglichen, eigenes Wissen über diese Themen zu erweitern.
Ein negativer Punkt in "Rabengeschrei" ist die Tatsache, dass dieses Buch nicht so einfach gelesen werden kann. Ein "Laie" mag denken, dass dies eine Spur zu schwierig ist und sein Interesse verloren geht. Ich kann nur empfehlen: Bevor man mit dem Buch zu lesen beginnt sich Informationen von anderen Quellen zu holen, sozusagen Hintergrundwissen oder Grundwissen oder einen kurzen Blick zu nehmen, ob man mit dem Zusammenhang und der Information umgehen kann. Ich musste einen Blick in andere Bücher nehmen, während ich eine spezielle Passage las.
Manchmal gibt es einen Punkt, an dem die professionelle Kenntnis überwiegt und dann ist es viel zu schwierig, aber wenn man wirklich interessiert ist, wird man dieses Buch mögen.
geschrieben am 21.02.2008 | 773 Wörter | 4356 Zeichen
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