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1968. Das Jahr, das die Welt veränderte


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Rezension von

Nicolai Hannig

1968. Das Jahr, das die Welt veränderte 1968 war „APO“, war „Rudi Dutschke“, war „Osterunruhen“ und „Benno Ohnesorg“, „Enteignet Springer“ und „wer zweimal mit der Selben pennt…“, war „Kommune 1“ und „Frankfurter Schule“. Aber 1968 fand nicht nur in der Bundesrepublik Deutschland, sondern auch in den USA, in Frankreich, in Schweden und Mexiko, in Italien und in der ehemaligen Tschechoslowakei, in Kanada oder Australien und vielen weiteren Nationen statt. 1968 war also auch „Tet-Offensive“, „Prager Frühling“, und „Pariser Mai“, war „Abbie Hoffman“, „Tariq Ali“ oder „Adam Michnik“. Eine globale Ereigniskette, die innerhalb eines Jahres eine derartige Dynamik entwickeln konnte, hat es etwa mit Ausnahme der großen Kriege im 19. und 20. Jahrhundert kein zweites Mal gegeben. Das faszinierende an diesem Jahr ist wohl die schlichte Tatsache, dass fast unabhängig voneinander in den entferntesten Ländern Menschen auf die Strasse gingen, um scheinbar das gleiche erreichen zu wollen. In deutschen Bibliotheken sind mittlerweile ganze Regalmeter zu finden, die Bücher zur Chiffre 1968 bereitstellen. Doch Werke, die sich dem Thema in globaler Perspektive zu nähern versuchen, sind da schon schwieriger zu finden. Eines davon hat Mark Kurlansky im Jahr 2005 bei Kiepenheuer & Witsch vorgelegt. Kurlansky, Jahrgang 1948, war 1968 zwanzig Jahre alt und nach eigener Auffassung selbst „Achtundsechziger“. Eine Tatsache, die an den Inhalten seiner etwa 450 Seiten starken Rückschau nicht ganz spurlos vorüber geht. Denn in seiner Herangehensweise bemüht sich Kurlansky um alles andere als um Objektivität. Er präsentiert vielmehr ein Kaleidoskop der Ereignisse, dass der Leser durch die Brille des Autors betrachten muss. Der New Yorker Publizist sucht dabei scheinbar dominierende Vorurteile aus dem Weg zu räumen wie etwa die weit verbreitete Auffassung, den Protestierenden sei es in erster Linie um eine Demokratisierung der Gesellschaft gegangen. Genauso erfährt der Leser, wie wenig politisiert doch die einzelnen Bewegungen waren und wie gleichgültig man mit der Gleichberechtigung umging. Eine Legende, die Kurlansky zufolge erst Jahre nach der Bewegung von Aktivisten verbreitet wurde. Kurlansky streicht in seinem ersten rein zeithistorischen Werk – zuvor publizierte er die Kulturgeschichten von „Kabeljau“ und „Salz“ – vor allem auch den jüdischen Einfluss auf die Bewegung in Frankreich, Polen oder Amerika heraus. So waren die bekannten Köpfe der Bewegung in Frankreich Daniel Cohn-Bendit, Alain Geismar und Alain Krivine Juden, genauso wie die Polen Adam Michnik und Henryk Szlajfer. Ein Einfluss, der den antisemitischen Kritikern der Bewegung, die bis heute das Erscheinungsbild der Bewegungen verzerren, nicht verborgen blieb. In der Tat bildete Deutschland dabei eine Ausnahme, verfolgten doch einzelne Gruppen selbst einen teilweise verdeckten Antisemitismus. Lange blieb diese Tatsache verdrängt, auch weil gerade die Bewegung und ihre Aktivisten selbst späterhin immer wieder propagierten, erst sie hätten einen deutschen Vergangenheits-Diskurs etablieren können. Dem New Yorker Publizisten Kurlansky ist mit seinem neuen Buch eine stimmige, gut lesbare Zusammenführung globaler Entwicklungslinien des Jahres 1968 gelungen. Die Schwerpunkte bilden jedoch unverkennbar die amerikanischen Entwicklungen und Ereignisse. So wird der Europäer an vielen Stellen wohl einen etwas genaueren transatlantischen Blick vermissen. Dennoch wird Kurlanskys Werk eines der auffälligeren unter den Massen der 68er-Literatur werden, und das nicht nur der übergroßen Lettern des Covers wegen.

1968 war „APO“, war „Rudi Dutschke“, war „Osterunruhen“ und „Benno Ohnesorg“, „Enteignet Springer“ und „wer zweimal mit der Selben pennt…“, war „Kommune 1“ und „Frankfurter Schule“. Aber 1968 fand nicht nur in der Bundesrepublik Deutschland, sondern auch in den USA, in Frankreich, in Schweden und Mexiko, in Italien und in der ehemaligen Tschechoslowakei, in Kanada oder Australien und vielen weiteren Nationen statt. 1968 war also auch „Tet-Offensive“, „Prager Frühling“, und „Pariser Mai“, war „Abbie Hoffman“, „Tariq Ali“ oder „Adam Michnik“. Eine globale Ereigniskette, die innerhalb eines Jahres eine derartige Dynamik entwickeln konnte, hat es etwa mit Ausnahme der großen Kriege im 19. und 20. Jahrhundert kein zweites Mal gegeben. Das faszinierende an diesem Jahr ist wohl die schlichte Tatsache, dass fast unabhängig voneinander in den entferntesten Ländern Menschen auf die Strasse gingen, um scheinbar das gleiche erreichen zu wollen. In deutschen Bibliotheken sind mittlerweile ganze Regalmeter zu finden, die Bücher zur Chiffre 1968 bereitstellen. Doch Werke, die sich dem Thema in globaler Perspektive zu nähern versuchen, sind da schon schwieriger zu finden. Eines davon hat Mark Kurlansky im Jahr 2005 bei Kiepenheuer & Witsch vorgelegt.

Kurlansky, Jahrgang 1948, war 1968 zwanzig Jahre alt und nach eigener Auffassung selbst „Achtundsechziger“. Eine Tatsache, die an den Inhalten seiner etwa 450 Seiten starken Rückschau nicht ganz spurlos vorüber geht. Denn in seiner Herangehensweise bemüht sich Kurlansky um alles andere als um Objektivität. Er präsentiert vielmehr ein Kaleidoskop der Ereignisse, dass der Leser durch die Brille des Autors betrachten muss. Der New Yorker Publizist sucht dabei scheinbar dominierende Vorurteile aus dem Weg zu räumen wie etwa die weit verbreitete Auffassung, den Protestierenden sei es in erster Linie um eine Demokratisierung der Gesellschaft gegangen. Genauso erfährt der Leser, wie wenig politisiert doch die einzelnen Bewegungen waren und wie gleichgültig man mit der Gleichberechtigung umging. Eine Legende, die Kurlansky zufolge erst Jahre nach der Bewegung von Aktivisten verbreitet wurde.

Kurlansky streicht in seinem ersten rein zeithistorischen Werk – zuvor publizierte er die Kulturgeschichten von „Kabeljau“ und „Salz“ – vor allem auch den jüdischen Einfluss auf die Bewegung in Frankreich, Polen oder Amerika heraus. So waren die bekannten Köpfe der Bewegung in Frankreich Daniel Cohn-Bendit, Alain Geismar und Alain Krivine Juden, genauso wie die Polen Adam Michnik und Henryk Szlajfer. Ein Einfluss, der den antisemitischen Kritikern der Bewegung, die bis heute das Erscheinungsbild der Bewegungen verzerren, nicht verborgen blieb. In der Tat bildete Deutschland dabei eine Ausnahme, verfolgten doch einzelne Gruppen selbst einen teilweise verdeckten Antisemitismus. Lange blieb diese Tatsache verdrängt, auch weil gerade die Bewegung und ihre Aktivisten selbst späterhin immer wieder propagierten, erst sie hätten einen deutschen Vergangenheits-Diskurs etablieren können.

Dem New Yorker Publizisten Kurlansky ist mit seinem neuen Buch eine stimmige, gut lesbare Zusammenführung globaler Entwicklungslinien des Jahres 1968 gelungen. Die Schwerpunkte bilden jedoch unverkennbar die amerikanischen Entwicklungen und Ereignisse. So wird der Europäer an vielen Stellen wohl einen etwas genaueren transatlantischen Blick vermissen. Dennoch wird Kurlanskys Werk eines der auffälligeren unter den Massen der 68er-Literatur werden, und das nicht nur der übergroßen Lettern des Covers wegen.

geschrieben am 03.02.2006 | 502 Wörter | 3149 Zeichen

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