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Rezension von

Matthias Pierre Lubinsky

Gegen alle Joris-Karl Huysmans’ Roman »A rebours« schildert den exzentrischen jungen Adligen Jean Floressas Duc des Esseintes, der, angeödet von seinen mediokren Mitmenschen, das pulsierende Paris verlässt, um sich inkognito sein Refugium außerhalb der Kapitale einzurichten. Dieser Roman, dessen französische Erstausgabe 1884 erschien, hatte mehr Einfluss auf Generationen junger Gentlemen, als sämtliche Stilführer jemals zusammen. »Es war das merkwürdigste Buch, das er je gelesen hatte. Es war ihm, als ob darin in zierlichen Gewändern, beim Klang lieblicher Flöten, die Sünden der ganzen Welt in stummer Schau an ihm vorüberglitten«, jubelte Oscar Wilde sechs Jahre später in seinem einzigen eigenen Roman »The Picture of Dorian Gray«. Oscar Wilde, bis heute wohl der berühmteste Dandy schlechthin, machte aus seiner Begeisterung keinen Hehl: »Dinge, von denen er unbestimmt geträumt hatte, wurden ihm plötzlich in die Wirklichkeit gerückt. Dinge, von denen er nie geträumt hatte, wurden langsam entschleiert. Es war ein Roman ohne eine Handlung und mit nur einer Figur. Es war einfach eine psychologische Studie über einen jungen Pariser, der sein Leben mit dem Versuch verbrachte, alle Leidenschaften und Gedankenformen, die je einem Jahrhundert angehört hatten, im neunzehnten Jahrhundert zu verwirklichen und so in sich all die verschiedenen Stimmungen, die die Weltseele je durchgemacht hatte, zu vereinigen. Ihrer bloßen Künstlichkeit wegen liebte er alle Entsagungen, die die unweisen Menschen Tugenden genannt haben, und alles natürliche Sichauflehnen, das weise Menschen noch heute Sünde nennen.« Huysmans spitzt in der Figur seines Protagonisten den DANDYSME ironisch zu, indem er Des Esseintes eine damals modische Nervenkrankheit verpasst. Der Duc ist hyper-nervös, extrem empfindsam und neurotisch; blutarm und hohlwangig. Jean hat einen zugleich gelangweilten und gerissenen Ausdruck. Wie es sich für einen echten Dandy gehört, war Des Esseintes’ Kindheit eine einzige Hölle der Einsamkeit. Auch Huysmans’ Held muß sich erst ans Leben gewöhnen: »Er las oder träumte, löschte seinen Durst bis zum Ausbruch der Nacht mit Einsamkeit.« Die Ausschweifungen, die das Leben bietet, können ihn nur kurzzeitig ablenken. Vor allem Frauen und Drogen sind es, die den jungen Dandy sein aufkommendes ENNUI vorübergehend verdrängen lassen. Charles Baudelaire beschrieb diese Zerrissenheit: »Gefühl der Einsamkeit, seit meiner Kindheit. Trotz der Familie, - und vor allem inmitten der Gefährten, - immer das Gefühl eines in alle Ewigkeit einsamen Schicksals.« Seinen hohen geschmacklichen Anspruch unterstreicht der junge Herzog anfänglich durch seine Kleidung. Durch seine weißsamtenen Anzüge und Westen aus goldenem Stoff erwirbt er sich den Ruf eines Exzentrikers. Beim ästhetischen Spättypus, den Des Esseintes repräsentiert, ist die Langeweile, der tiefe Überdruss im Vergleich zum Urdandy Beau Brummell noch gesteigert. Konnte Brummell sich noch in die Gesellschaft begeben, um sich seiner Überlegenheit zu versichern und damit kurzzeitige Befriedigung zu holen, so reizt auch dies den Dandy im Übergang zum Dekadenten nicht mehr. »Seine Verachtung für die Menschheit wuchs; er begriff schließlich, dass sich die Welt zum Großteil aus Maulhelden und Dummköpfen zusammensetzte. Er durfte entschieden nicht die geringste Hoffnung hegen, bei anderen die gleichen Sehnsüchte, die gleichen Abneigungen zu entdecken, nicht die geringste Hoffnung, sich mit einer Intelligenz zusammenzutun, die sich, gleich der seinen, in einer regen Abgelegenheit gefiele, nicht die geringste Hoffnung, einen solch scharfen und ausschweifenden Geist wie den seinen mit dem eines Schriftstellers oder Gelehrten zu verbinden.« Um dem Schmutz des Mittelmaßes zu entfliehen, richtet Des Esseintes sich sein Refugium in Fonteney vor den Toren von Paris vollständig nach seinem auserlesenen Geschmack ein. Er überlässt nicht das kleinste Detail dem Zufall. Das Haus wird Gesamtkunstwerk und ästhetizistische Umhüllung zugleich. Als einer seiner wenigen Besucher eines seiner Bilder bewundert, nimmt er es sofort nach dessen Verlassen ab. Es ist entweiht. Eine vorübergehende Impotenz feiert er mit einem Diner, zu dem er mit Einladungskarten lädt, die im Stil von Trauerkarten mit schwarzem Rand gestaltet sind. Die Wege und Bäume seines Anwesens sind mit Kohle bestäubt. Das Speisezimmer ist vollständig schwarz ausgeschlagen. Es werden nur Speisen und Getränke gereicht, die schwarz oder fast schwarz sind. Aus schwarz umrandeten Tellern lässt der decadent Schildkrötensuppe kredenzen. Dazu gibt es russisches Roggenbrot, reife Oliven, geräucherte Blutwurst. Aus dunklen Gläsern werden schwere Weine gereicht. »Während ein verborgenes Orchester Trauermärsche spielte, wurden die Gäste von nackten Negerinnen bedient, die Pantoffel und Strümpfe aus silbernem, mit Perlen besticktem Stoff trugen.« Des Esseintes ist sein eigener arbiter elegantiarum. Er ist derart ästhetisch-empfindsam, dass die Farbgebung der Räume mit den unterschiedlichen Lichteinfällen des Tages harmonieren muss. Die gottgeschaffene Natur genügt seinen Ansprüchen nicht; er betrachtet sie als Gegensatz zur Kunst. Seine eigene, vollständig individualistische Welt steigert er durch die Einnahme verschiedner Rauschmittel. Der Duc experimentiert mit den verschiedensten Parfüms; er kreiert völlig neue Geruchsstoffe, züchtet seine eigenen Blumenarten. So vermischen sich in Des Esseintes’ artifiziellem Refugium wahre Welt und Traumzustände. Wie jeder echte Dandy besitzt der Herzog eine umfangreiche Bibliothek. Von Büchern, die ihm besonders am Herzen liegen, hat er die Erstausgaben in verschiedenfarbiges Leder einbinden lassen. So kann er jeweils nach unterschiedlicher Tagesverfassung zu ihnen greifen. Den von ihm am meisten bewunderten Baudelaire hat der Exzentriker gar vollständig neu drucken lassen. Der Gipfel der Exklusivität: Es gibt von dieser Werkausgabe nur ein einziges Exemplar. Um seine Verehrung kompromisslos zu zelebrieren, gab er den Bänden das Format von Messbüchern. Das Ausnahmeschöne ist letztlich überhaupt das einzige, was der Dandy akzeptiert und an sich heranlässt. Und einem schönen Inhalt hat eine schöne Form zu entsprechen. So wie Huysmans das Wissen aus den verschiedensten Bereichen aus damals aktuellen wissenschaftlichen Handbüchern abgekupfert hat, so ist auch die Entwicklung, die sein Dandyheld nimmt, bis ins Detail dem Krankheitsverlauf abgeschaut, der in einem medizinischen Werk beschrieben wurde. Dies hat Huysmans später in einem Brief an Emile Zola zugegeben. Huysmans war selbst alles andere als ein Dandy; er verbrachte sein Berufsleben als unauffälliger Beamter im Innenministerium. Der Haffmans Verlag, der unter dem Dach von Zweitausendeins weiterexistiert, hat zum 100. Todestag von Huysmans nun diesen furiosen, großartigen Roman neu herausgebracht. Kritisiert worden ist an dieser Neuausgabe einiges. Die Übertragung von Caroline Vollmann erfrischt den Text vorsichtig und ersetzt so manche Formulierung der deutschen Erstfassung von Hans Jacob von 1921, die nicht optimal war. An mancher Stelle ziehen wir die Erstübertragung vor; das mag aber Gewohnheit sein. Problematisch dagegen ist die Umbenennung eines bekannten Romans, der unter seinem bisherigen Titel in den Kanon eingegangen ist. Es gibt eine Reihe von Beispielen, wo die Verlage - glücklicherweise - bei ihrer Neuübersetzung davon Abstand genommen haben, einem berühmten Buch einen neuen Titel zu geben, - auch wenn der alte falsch gewesen ist. Hier hätte Zweitausendeins gut daran getan bei »Gegen den Strich« zu bleiben. Ansonsten: Diesen Roman gab es in den vergangenen Jahren nur als Paperback. Die Jacobsche Übertragung kam 1999 noch einmal bei Ullstein heraus. Sie wurde abgelöst durch die deutlich modernere von Brigitta Restorff bei dtv. Nun also endlich wieder gebunden! Aber nicht nur das. Zweitausendeins gab sich mit Haffmans die Ehre und spendierte dem Buch zum erstaunlich günstigen Preis sogar noch einen Goldschnitt. Das schwarze Lesebändchen harmoniert zum weißen Satin-Bezug. Den meisten Kritikern ist entgangen, dass dieser den Anzug von Des Esseintes symbolisiert. Was an dem Kopfgoldschnitt, wie die FAZ kritisierte, »bedenklich« sein soll, ist nicht nachvollziehbar. Dem ästhetischen Band fehlt weder das Inhaltsverzeichnis, das die Themen der einzelnen Kapitel auflistet, noch ein ausführlicher Anhang mit Beiträgen von zeitgenössischen Kollegen Huysmans’ und einem Stück von Victor Klemperer über »À rebours« aus dessen Geschichte der französischen Literatur. Bravo Zweitausendeins!

Joris-Karl Huysmans’ Roman »A rebours« schildert den exzentrischen jungen Adligen Jean Floressas Duc des Esseintes, der, angeödet von seinen mediokren Mitmenschen, das pulsierende Paris verlässt, um sich inkognito sein Refugium außerhalb der Kapitale einzurichten. Dieser Roman, dessen französische Erstausgabe 1884 erschien, hatte mehr Einfluss auf Generationen junger Gentlemen, als sämtliche Stilführer jemals zusammen. »Es war das merkwürdigste Buch, das er je gelesen hatte. Es war ihm, als ob darin in zierlichen Gewändern, beim Klang lieblicher Flöten, die Sünden der ganzen Welt in stummer Schau an ihm vorüberglitten«, jubelte Oscar Wilde sechs Jahre später in seinem einzigen eigenen Roman »The Picture of Dorian Gray«.

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Oscar Wilde, bis heute wohl der berühmteste Dandy schlechthin, machte aus seiner Begeisterung keinen Hehl: »Dinge, von denen er unbestimmt geträumt hatte, wurden ihm plötzlich in die Wirklichkeit gerückt. Dinge, von denen er nie geträumt hatte, wurden langsam entschleiert. Es war ein Roman ohne eine Handlung und mit nur einer Figur. Es war einfach eine psychologische Studie über einen jungen Pariser, der sein Leben mit dem Versuch verbrachte, alle Leidenschaften und Gedankenformen, die je einem Jahrhundert angehört hatten, im neunzehnten Jahrhundert zu verwirklichen und so in sich all die verschiedenen Stimmungen, die die Weltseele je durchgemacht hatte, zu vereinigen. Ihrer bloßen Künstlichkeit wegen liebte er alle Entsagungen, die die unweisen Menschen Tugenden genannt haben, und alles natürliche Sichauflehnen, das weise Menschen noch heute Sünde nennen.«

Huysmans spitzt in der Figur seines Protagonisten den DANDYSME ironisch zu, indem er Des Esseintes eine damals modische Nervenkrankheit verpasst. Der Duc ist hyper-nervös, extrem empfindsam und neurotisch; blutarm und hohlwangig. Jean hat einen zugleich gelangweilten und gerissenen Ausdruck. Wie es sich für einen echten Dandy gehört, war Des Esseintes’ Kindheit eine einzige Hölle der Einsamkeit. Auch Huysmans’ Held muß sich erst ans Leben gewöhnen: »Er las oder träumte, löschte seinen Durst bis zum Ausbruch der Nacht mit Einsamkeit.« Die Ausschweifungen, die das Leben bietet, können ihn nur kurzzeitig ablenken. Vor allem Frauen und Drogen sind es, die den jungen Dandy sein aufkommendes ENNUI vorübergehend verdrängen lassen. Charles Baudelaire beschrieb diese Zerrissenheit: »Gefühl der Einsamkeit, seit meiner Kindheit. Trotz der Familie, - und vor allem inmitten der Gefährten, - immer das Gefühl eines in alle Ewigkeit einsamen Schicksals.« Seinen hohen geschmacklichen Anspruch unterstreicht der junge Herzog anfänglich durch seine Kleidung. Durch seine weißsamtenen Anzüge und Westen aus goldenem Stoff erwirbt er sich den Ruf eines Exzentrikers. Beim ästhetischen Spättypus, den Des Esseintes repräsentiert, ist die Langeweile, der tiefe Überdruss im Vergleich zum Urdandy Beau Brummell noch gesteigert. Konnte Brummell sich noch in die Gesellschaft begeben, um sich seiner Überlegenheit zu versichern und damit kurzzeitige Befriedigung zu holen, so reizt auch dies den Dandy im Übergang zum Dekadenten nicht mehr. »Seine Verachtung für die Menschheit wuchs; er begriff schließlich, dass sich die Welt zum Großteil aus Maulhelden und Dummköpfen zusammensetzte. Er durfte entschieden nicht die geringste Hoffnung hegen, bei anderen die gleichen Sehnsüchte, die gleichen Abneigungen zu entdecken, nicht die geringste Hoffnung, sich mit einer Intelligenz zusammenzutun, die sich, gleich der seinen, in einer regen Abgelegenheit gefiele, nicht die geringste Hoffnung, einen solch scharfen und ausschweifenden Geist wie den seinen mit dem eines Schriftstellers oder Gelehrten zu verbinden.«

Um dem Schmutz des Mittelmaßes zu entfliehen, richtet Des Esseintes sich sein Refugium in Fonteney vor den Toren von Paris vollständig nach seinem auserlesenen Geschmack ein. Er überlässt nicht das kleinste Detail dem Zufall. Das Haus wird Gesamtkunstwerk und ästhetizistische Umhüllung zugleich. Als einer seiner wenigen Besucher eines seiner Bilder bewundert, nimmt er es sofort nach dessen Verlassen ab. Es ist entweiht. Eine vorübergehende Impotenz feiert er mit einem Diner, zu dem er mit Einladungskarten lädt, die im Stil von Trauerkarten mit schwarzem Rand gestaltet sind. Die Wege und Bäume seines Anwesens sind mit Kohle bestäubt. Das Speisezimmer ist vollständig schwarz ausgeschlagen. Es werden nur Speisen und Getränke gereicht, die schwarz oder fast schwarz sind. Aus schwarz umrandeten Tellern lässt der decadent Schildkrötensuppe kredenzen. Dazu gibt es russisches Roggenbrot, reife Oliven, geräucherte Blutwurst. Aus dunklen Gläsern werden schwere Weine gereicht. »Während ein verborgenes Orchester Trauermärsche spielte, wurden die Gäste von nackten Negerinnen bedient, die Pantoffel und Strümpfe aus silbernem, mit Perlen besticktem Stoff trugen.«

Des Esseintes ist sein eigener arbiter elegantiarum. Er ist derart ästhetisch-empfindsam, dass die Farbgebung der Räume mit den unterschiedlichen Lichteinfällen des Tages harmonieren muss. Die gottgeschaffene Natur genügt seinen Ansprüchen nicht; er betrachtet sie als Gegensatz zur Kunst. Seine eigene, vollständig individualistische Welt steigert er durch die Einnahme verschiedner Rauschmittel. Der Duc experimentiert mit den verschiedensten Parfüms; er kreiert völlig neue Geruchsstoffe, züchtet seine eigenen Blumenarten. So vermischen sich in Des Esseintes’ artifiziellem Refugium wahre Welt und Traumzustände. Wie jeder echte Dandy besitzt der Herzog eine umfangreiche Bibliothek. Von Büchern, die ihm besonders am Herzen liegen, hat er die Erstausgaben in verschiedenfarbiges Leder einbinden lassen. So kann er jeweils nach unterschiedlicher Tagesverfassung zu ihnen greifen. Den von ihm am meisten bewunderten Baudelaire hat der Exzentriker gar vollständig neu drucken lassen. Der Gipfel der Exklusivität: Es gibt von dieser Werkausgabe nur ein einziges Exemplar. Um seine Verehrung kompromisslos zu zelebrieren, gab er den Bänden das Format von Messbüchern. Das Ausnahmeschöne ist letztlich überhaupt das einzige, was der Dandy akzeptiert und an sich heranlässt. Und einem schönen Inhalt hat eine schöne Form zu entsprechen.

So wie Huysmans das Wissen aus den verschiedensten Bereichen aus damals aktuellen wissenschaftlichen Handbüchern abgekupfert hat, so ist auch die Entwicklung, die sein Dandyheld nimmt, bis ins Detail dem Krankheitsverlauf abgeschaut, der in einem medizinischen Werk beschrieben wurde. Dies hat Huysmans später in einem Brief an Emile Zola zugegeben. Huysmans war selbst alles andere als ein Dandy; er verbrachte sein Berufsleben als unauffälliger Beamter im Innenministerium.

Der Haffmans Verlag, der unter dem Dach von Zweitausendeins weiterexistiert, hat zum 100. Todestag von Huysmans nun diesen furiosen, großartigen Roman neu herausgebracht. Kritisiert worden ist an dieser Neuausgabe einiges. Die Übertragung von Caroline Vollmann erfrischt den Text vorsichtig und ersetzt so manche Formulierung der deutschen Erstfassung von Hans Jacob von 1921, die nicht optimal war. An mancher Stelle ziehen wir die Erstübertragung vor; das mag aber Gewohnheit sein. Problematisch dagegen ist die Umbenennung eines bekannten Romans, der unter seinem bisherigen Titel in den Kanon eingegangen ist. Es gibt eine Reihe von Beispielen, wo die Verlage - glücklicherweise - bei ihrer Neuübersetzung davon Abstand genommen haben, einem berühmten Buch einen neuen Titel zu geben, - auch wenn der alte falsch gewesen ist. Hier hätte Zweitausendeins gut daran getan bei »Gegen den Strich« zu bleiben.

Ansonsten: Diesen Roman gab es in den vergangenen Jahren nur als Paperback. Die Jacobsche Übertragung kam 1999 noch einmal bei Ullstein heraus. Sie wurde abgelöst durch die deutlich modernere von Brigitta Restorff bei dtv. Nun also endlich wieder gebunden! Aber nicht nur das. Zweitausendeins gab sich mit Haffmans die Ehre und spendierte dem Buch zum erstaunlich günstigen Preis sogar noch einen Goldschnitt. Das schwarze Lesebändchen harmoniert zum weißen Satin-Bezug. Den meisten Kritikern ist entgangen, dass dieser den Anzug von Des Esseintes symbolisiert. Was an dem Kopfgoldschnitt, wie die FAZ kritisierte, »bedenklich« sein soll, ist nicht nachvollziehbar. Dem ästhetischen Band fehlt weder das Inhaltsverzeichnis, das die Themen der einzelnen Kapitel auflistet, noch ein ausführlicher Anhang mit Beiträgen von zeitgenössischen Kollegen Huysmans’ und einem Stück von Victor Klemperer über »À rebours« aus dessen Geschichte der französischen Literatur.

Bravo Zweitausendeins!

geschrieben am 03.05.2008 | 1203 Wörter | 7509 Zeichen

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Kommentare zur Rezension (1)

Platz für Anregungen und Ergänzungen

19.05.2008 10:57:00 Detlef Korus schrieb:
Chapeau - dem Rezensenten, der ein echter Dandy zu sein scheint. Bleibt zu hoffen, daß er "sich nicht abhängt", nur weil er hier bewundert wurde .. ;-)