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Die Inflationsfalle


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Rezension von

Gérard Bökenkamp

Die Inflationsfalle Die Analysten Roland Leuschel und Claus Vogt gehören zu den wenigen Beobachtern des Wirtschaftsgeschehens, die die Finanzkrise vorausgesagt haben. Im Buch „Das Greenspan-Dossier“ kritisierten die Autoren die Niedrigzinspolitik der US-Zentralbank und zeigten, wie diese zur Entstehung einer Immobilienblase geführt hatte, deren Platzen sie schon damals vorausgesagt hatten. Die Prognose hat sich inzwischen bestätigt. Ihr neues Buch „Die Inflationsfalle“ ist eine Fortsetzung des „Greenspan-Dossiers“ und beschäftigt sich mit den weiteren Aussichten nach dem Ausbruch der Krise und mit der Frage, wie Anleger auf die von ihnen prognostizierte Inflation reagieren sollen. Eine gewisse Genugtuung ist den Autoren anzumerken, wurden sie doch von etablierten Wirtschaftsjournalisten vor der Krise für das Greenspan-Dossier als „Crash-Propheten“ und Traumtänzer dargestellt. Sie begründen die Sicherheit ihrer Prognose damit, dass sie sich auf die Theorie der Österreichischen Schule der Nationalökonomie berufen konnten, wohingegen sie die Mehrheit der Analysten und Ökonomen bei der herrschenden Lehre des Keynsianismus verorten. Sie spielen ihre eigene Analyseleistung herunter: „Die Blase zu erkennen, ihre Folgen zu verstehen und ihr Platzen zu prognostizieren, war analytisch einfach. Die ideologischen Scheuklappen der staatsgläubigen Keynsianer verstellten ihnen allerdings den Blick.“ Sie wiederholen ihre Argumente aus den Greenspan Dossier und ergänzen sie mit der aktuellen Perspektive. Das Ansteigen der Vermögenswerte in Folge der Immobilienblase habe das Konsumverhalten der Amerikaner positiv stimuliert. Die Autoren beziehen sich auf Erkenntnisse, wonach die Preissteigerung einer Immobilie von 100 Dollar zu einer Konsumausweitung von 9 Dollar führte, bei einer gleichgroßen Steigerung von Aktien zu einer Konsumsteigerung von vier Dollar. Der Aufschwung der vergangenen Jahre vor der Krise sei nur durch diese Ausweitung des Konsums in der Größenordnung von hunderten von Milliarden Dollar möglich gewesen. Noch wichtiger sei jedoch der Effekt von „Mortgage Equity Withdrawal“ (MEW) gewesen. Die Preissteigerung der Immobilien ermöglichte zusätzliche Darlehen für Konsumentenkredite. Auch durch dieses Verfahren heizte die Immobilienblase den Konsum an: „Die Immoblienpreisinflation wurde versilbert und das Geld zu großen Teilen in den Konsum gepumpt.“ In den 90er Jahren erbrachte dieses Verfahren zusätzliche Liquidität für die Konsumenten von 25 Milliarden Dollar pro Quartal. Nachdem die Zinsen ab 2002 auf das niedrigste Niveau seit den sechziger Jahren gesenkt worden waren, stieg dieser Wert auf über 200 Milliarden Dollar pro Quartal an, was in der Spitze fast 10 Prozent des verfügbaren Einkommens entsprach. Diese wirtschaftliche Überhitzung aufgrund der Niedrigzinspolitik ist für die Autoren die eigentliche Ursache der aktuellen Krise. Das skandalöse Verhalten von Banken und Spitzenmanagern, das die Schlagzeilen beherrschte, sehen die Autoren als Folge und nicht als Ursache dieser Entwicklung. Das Ende der Fahnenstange sehen die Autoren als noch lange nicht erreicht an. Leuschel und Vogt beziehen sich auf eine Studie, die sich mit den Folgen von Finanzkrisen befasst. Danach schrumpfte bei den bekannten Fällen die Wirtschaft nach dem Ausbruch einer Finanzkrise zwei Jahre lang um mehr als neun Prozent. Die Arbeitslosenrate stieg um durchschnittlich sieben Punkte über den Tiefstwert des vorangegangenen Aufschwungs, der Kursrückgang der Aktienmärkte betrug im Durchschnitt 55 Prozent und der Preisrückgang auf den Immobilienmärkten 35 Prozent. Der Vermögensverlust seit dem Beginn der Krise wird auf 20 Billionen Dollar veranschlagt. Dies führte zu einer Verschlechterung des Verhältnisses von Schulden zu Vermögenswerten um 83 Prozent. Die Autoren schätzen, dass bislang allenfalls 10 Prozent der notwendigen Abschreibungen erfolgt ist, die immerhin seit dem Beginn der Krise eine Billion Dollar betrugen. Leuschel und Vogt rechnen nach einer durch die Rezession bedingte Phase von Preisrückgängen mit einer Phase starker Inflation. Die Ursache einer möglichen „Hyperinflation“ sehen sie in der Politik der „Quantitativen Lockerung“, zu der sich inzwischen die Zentralbanken der USA, Englands und Japans bekennen. Damit ist der Aufkauf von Wertpapieren durch die Zentralbanken gemeint. Am 18. März 2008 hatte die amerikanische Zentralbank (Fed) bekannt gegeben, länger laufende US-Staatsanleihen aufzukaufen und habe damit die Monetarisierung der Staatschuld eingeleitet. Das sehen die Autoren als entscheidenden Wendepunkt auf dem Weg zur „Hyperinflation“. Aus diesem düsteren Szenario leiten die Autoren ihre Anlageempfehlung ab. Aktien, Anleihen und Immobilien halten beide in einer inflationären Situation für eine schlechte Anlageform. Dagegen empfehlen die Leuschel und Vogt die Anlage in Rohstoffen und Gold. Das Buch bietet eine Reihe interessanter Fakten und sehr mitreißende Plädoyers für die Freiheit und den klassischen Liberalismus. Man muss aber kritisch anmerken, dass das Buch nicht wesentlich über die Argumentation des Greenspan Dossiers hinauskommt. Besonders die Kapitel über die drohende „Hyperinflation“ hätten fundierter sein können. An einigen Stellen wären weniger Polemik und die Nennung zusätzlicher Fakten wünschenswert gewesen zum Beispiel empirische Zusammenhänge zwischen Geldmenge und Preissteigerung oder historische Daten zur Inflation von 1923.

Die Analysten Roland Leuschel und Claus Vogt gehören zu den wenigen Beobachtern des Wirtschaftsgeschehens, die die Finanzkrise vorausgesagt haben. Im Buch „Das Greenspan-Dossier“ kritisierten die Autoren die Niedrigzinspolitik der US-Zentralbank und zeigten, wie diese zur Entstehung einer Immobilienblase geführt hatte, deren Platzen sie schon damals vorausgesagt hatten. Die Prognose hat sich inzwischen bestätigt. Ihr neues Buch „Die Inflationsfalle“ ist eine Fortsetzung des „Greenspan-Dossiers“ und beschäftigt sich mit den weiteren Aussichten nach dem Ausbruch der Krise und mit der Frage, wie Anleger auf die von ihnen prognostizierte Inflation reagieren sollen.

Eine gewisse Genugtuung ist den Autoren anzumerken, wurden sie doch von etablierten Wirtschaftsjournalisten vor der Krise für das Greenspan-Dossier als „Crash-Propheten“ und Traumtänzer dargestellt. Sie begründen die Sicherheit ihrer Prognose damit, dass sie sich auf die Theorie der Österreichischen Schule der Nationalökonomie berufen konnten, wohingegen sie die Mehrheit der Analysten und Ökonomen bei der herrschenden Lehre des Keynsianismus verorten. Sie spielen ihre eigene Analyseleistung herunter: „Die Blase zu erkennen, ihre Folgen zu verstehen und ihr Platzen zu prognostizieren, war analytisch einfach. Die ideologischen Scheuklappen der staatsgläubigen Keynsianer verstellten ihnen allerdings den Blick.“

Sie wiederholen ihre Argumente aus den Greenspan Dossier und ergänzen sie mit der aktuellen Perspektive. Das Ansteigen der Vermögenswerte in Folge der Immobilienblase habe das Konsumverhalten der Amerikaner positiv stimuliert. Die Autoren beziehen sich auf Erkenntnisse, wonach die Preissteigerung einer Immobilie von 100 Dollar zu einer Konsumausweitung von 9 Dollar führte, bei einer gleichgroßen Steigerung von Aktien zu einer Konsumsteigerung von vier Dollar. Der Aufschwung der vergangenen Jahre vor der Krise sei nur durch diese Ausweitung des Konsums in der Größenordnung von hunderten von Milliarden Dollar möglich gewesen.

Noch wichtiger sei jedoch der Effekt von „Mortgage Equity Withdrawal“ (MEW) gewesen. Die Preissteigerung der Immobilien ermöglichte zusätzliche Darlehen für Konsumentenkredite. Auch durch dieses Verfahren heizte die Immobilienblase den Konsum an: „Die Immoblienpreisinflation wurde versilbert und das Geld zu großen Teilen in den Konsum gepumpt.“ In den 90er Jahren erbrachte dieses Verfahren zusätzliche Liquidität für die Konsumenten von 25 Milliarden Dollar pro Quartal. Nachdem die Zinsen ab 2002 auf das niedrigste Niveau seit den sechziger Jahren gesenkt worden waren, stieg dieser Wert auf über 200 Milliarden Dollar pro Quartal an, was in der Spitze fast 10 Prozent des verfügbaren Einkommens entsprach. Diese wirtschaftliche Überhitzung aufgrund der Niedrigzinspolitik ist für die Autoren die eigentliche Ursache der aktuellen Krise. Das skandalöse Verhalten von Banken und Spitzenmanagern, das die Schlagzeilen beherrschte, sehen die Autoren als Folge und nicht als Ursache dieser Entwicklung.

Das Ende der Fahnenstange sehen die Autoren als noch lange nicht erreicht an. Leuschel und Vogt beziehen sich auf eine Studie, die sich mit den Folgen von Finanzkrisen befasst. Danach schrumpfte bei den bekannten Fällen die Wirtschaft nach dem Ausbruch einer Finanzkrise zwei Jahre lang um mehr als neun Prozent. Die Arbeitslosenrate stieg um durchschnittlich sieben Punkte über den Tiefstwert des vorangegangenen Aufschwungs, der Kursrückgang der Aktienmärkte betrug im Durchschnitt 55 Prozent und der Preisrückgang auf den Immobilienmärkten 35 Prozent. Der Vermögensverlust seit dem Beginn der Krise wird auf 20 Billionen Dollar veranschlagt. Dies führte zu einer Verschlechterung des Verhältnisses von Schulden zu Vermögenswerten um 83 Prozent. Die Autoren schätzen, dass bislang allenfalls 10 Prozent der notwendigen Abschreibungen erfolgt ist, die immerhin seit dem Beginn der Krise eine Billion Dollar betrugen.

Leuschel und Vogt rechnen nach einer durch die Rezession bedingte Phase von Preisrückgängen mit einer Phase starker Inflation. Die Ursache einer möglichen „Hyperinflation“ sehen sie in der Politik der „Quantitativen Lockerung“, zu der sich inzwischen die Zentralbanken der USA, Englands und Japans bekennen. Damit ist der Aufkauf von Wertpapieren durch die Zentralbanken gemeint. Am 18. März 2008 hatte die amerikanische Zentralbank (Fed) bekannt gegeben, länger laufende US-Staatsanleihen aufzukaufen und habe damit die Monetarisierung der Staatschuld eingeleitet. Das sehen die Autoren als entscheidenden Wendepunkt auf dem Weg zur „Hyperinflation“. Aus diesem düsteren Szenario leiten die Autoren ihre Anlageempfehlung ab. Aktien, Anleihen und Immobilien halten beide in einer inflationären Situation für eine schlechte Anlageform. Dagegen empfehlen die Leuschel und Vogt die Anlage in Rohstoffen und Gold.

Das Buch bietet eine Reihe interessanter Fakten und sehr mitreißende Plädoyers für die Freiheit und den klassischen Liberalismus. Man muss aber kritisch anmerken, dass das Buch nicht wesentlich über die Argumentation des Greenspan Dossiers hinauskommt. Besonders die Kapitel über die drohende „Hyperinflation“ hätten fundierter sein können. An einigen Stellen wären weniger Polemik und die Nennung zusätzlicher Fakten wünschenswert gewesen zum Beispiel empirische Zusammenhänge zwischen Geldmenge und Preissteigerung oder historische Daten zur Inflation von 1923.

geschrieben am 26.02.2010 | 737 Wörter | 4679 Zeichen

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