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Apulien - eine italienische Kunstlandschaft


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Rezension von

Matthias Pierre Lubinsky

Apulien - eine italienische Kunstlandschaft Rolf Legler, Kunsthistoriker und Autor des Bildbandes »Apulien – eine italienische Kunstlandschaft«, erzählt im Vorwort, wie seine Liebe zu der süd-östlichsten Region des italienischen Festlandes entstand: »Die erste Begegnung erfolgte ungeplant, spontan und unter ungünstigen Umständen.« Das war 1970, und Legler reiste mit einem Studienkollegen in einem VW Käfer durch das südliche Italien. Da das Wetter am Fuße des Monte Conero miserabel war, fuhren sie über das Gebirge und gelangten so eigentlich ungewollt nach Apulien. Der Südosten Italiens hat sich seit dieser Zeit grundlegend verändert, ist er doch vom Tourismus erschlossen worden. Heute unvorstellbar mutet es an, dass es vor vier Jahrzehnten dort praktisch keine Ferienhäuser oder Campingplätze gegeben hat. Verwunderlich ist die Erschließung Apuliens durch Reisende allerdings nicht. Die Region ist durch ihre vorhandenen Baudenkmale lebendige Geschichte. Am bekanntesten ist sicher die Burg Castel del Monte, die der römisch-deutsche Kaiser Friedrich II. (1194-1250) gegen Ende seines Lebens bei Andria errichtete. Der zweite Teil des Titels ist Hinweis auf die Ambition des großformatigen Bandes: Legler möchte Apulien als Kunstlandschaft verstanden wissen. Der in der Kunstwissenschaft nicht einhellig benutzte Begriff der Kunstlandschaft legt besonderes Augenmerk auf den Einfluss einer Landschaft auf die in ihr entstehende Kunst. Legler argumentiert, für das Verständnis einer Kunstlandschaft sei es unverzichtbar, »sich die auffälligen Konstanten eines Langzeitkontinuums zu vergegenwärtigen. Erst in der langen Perspektive werden die Zusammenhänge zwischen Artefakt, ethnischer Besonderheit und Vorlieben für bestimmte Materialien, Formen und Konstellationen als spezifische Ausprägungen ersichtlich«. Durch seine umfassende Kenntnis der Kulturgeschichte der beschriebenen Region kann der Autor den Bogen spannen zwischen der Geschichte und der geographischen Beschaffenheit ihres Ortes Apulien. Den Ort Otranto und seine Küste nennt Legler einen »Teppich aus Stein«. Hier, am Capo d’Otranto, hat die Adria ihre schmalste Stelle. Albanien ist von Apulien nur noch etwa 70 Kilometer getrennt. »Bei extremer Bora kann man vom Domcampanile von Otranto aus die Gipfel der gegenüberliegenden Küstenberge mit bloßem Auge erkennen, sozusagen Albanien in Sichtweite.« Legler resümiert: »Die geographische Nähe bringt es fast von selbst mit sich, daß illyrische, peloponnesische oder ägäische Seefahrer hier erstmals mit Apulien in Kontakt traten.« Auch noch später sei die Ostküste des Stiefelabsatzes griechisch beeinflusst geblieben. Die Stärke des Buches ist aber auch zugleich seine Schwäche. Leglers Bemühen, Apulien als Kunstlandschaft darzustellen, ist nachvollziehbar und findet auf hohem Niveau statt. Der Lesbarkeit und Spannung des Textes allerdings hätte weniger ‚Wissenschaftlichkeit’ gut getan. Dass sich der Autor seit Jahrzehnten mit der Kunstgeschichte Süditaliens beschäftigt, wird deutlich. Sein Abriss der Historie und seine Ableitungen sind analytisch und profund. Was macht jedoch den Menschenschlag in Apulien aus? Wie haben Landschaft und Wetter sie geprägt? Was ist der spezielle Reiz, der die Reisenden heute gerade hierher kommen lässt? Dennoch schließt der opulent gestaltete Band eine Lücke in der Literatur über Süditalien.

Rolf Legler, Kunsthistoriker und Autor des Bildbandes »Apulien – eine italienische Kunstlandschaft«, erzählt im Vorwort, wie seine Liebe zu der süd-östlichsten Region des italienischen Festlandes entstand: »Die erste Begegnung erfolgte ungeplant, spontan und unter ungünstigen Umständen.« Das war 1970, und Legler reiste mit einem Studienkollegen in einem VW Käfer durch das südliche Italien. Da das Wetter am Fuße des Monte Conero miserabel war, fuhren sie über das Gebirge und gelangten so eigentlich ungewollt nach Apulien.

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Der Südosten Italiens hat sich seit dieser Zeit grundlegend verändert, ist er doch vom Tourismus erschlossen worden. Heute unvorstellbar mutet es an, dass es vor vier Jahrzehnten dort praktisch keine Ferienhäuser oder Campingplätze gegeben hat. Verwunderlich ist die Erschließung Apuliens durch Reisende allerdings nicht. Die Region ist durch ihre vorhandenen Baudenkmale lebendige Geschichte. Am bekanntesten ist sicher die Burg Castel del Monte, die der römisch-deutsche Kaiser Friedrich II. (1194-1250) gegen Ende seines Lebens bei Andria errichtete.

Der zweite Teil des Titels ist Hinweis auf die Ambition des großformatigen Bandes: Legler möchte Apulien als Kunstlandschaft verstanden wissen. Der in der Kunstwissenschaft nicht einhellig benutzte Begriff der Kunstlandschaft legt besonderes Augenmerk auf den Einfluss einer Landschaft auf die in ihr entstehende Kunst. Legler argumentiert, für das Verständnis einer Kunstlandschaft sei es unverzichtbar, »sich die auffälligen Konstanten eines Langzeitkontinuums zu vergegenwärtigen. Erst in der langen Perspektive werden die Zusammenhänge zwischen Artefakt, ethnischer Besonderheit und Vorlieben für bestimmte Materialien, Formen und Konstellationen als spezifische Ausprägungen ersichtlich«.

Durch seine umfassende Kenntnis der Kulturgeschichte der beschriebenen Region kann der Autor den Bogen spannen zwischen der Geschichte und der geographischen Beschaffenheit ihres Ortes Apulien. Den Ort Otranto und seine Küste nennt Legler einen »Teppich aus Stein«. Hier, am Capo d’Otranto, hat die Adria ihre schmalste Stelle. Albanien ist von Apulien nur noch etwa 70 Kilometer getrennt. »Bei extremer Bora kann man vom Domcampanile von Otranto aus die Gipfel der gegenüberliegenden Küstenberge mit bloßem Auge erkennen, sozusagen Albanien in Sichtweite.« Legler resümiert: »Die geographische Nähe bringt es fast von selbst mit sich, daß illyrische, peloponnesische oder ägäische Seefahrer hier erstmals mit Apulien in Kontakt traten.« Auch noch später sei die Ostküste des Stiefelabsatzes griechisch beeinflusst geblieben.

Die Stärke des Buches ist aber auch zugleich seine Schwäche. Leglers Bemühen, Apulien als Kunstlandschaft darzustellen, ist nachvollziehbar und findet auf hohem Niveau statt. Der Lesbarkeit und Spannung des Textes allerdings hätte weniger ‚Wissenschaftlichkeit’ gut getan. Dass sich der Autor seit Jahrzehnten mit der Kunstgeschichte Süditaliens beschäftigt, wird deutlich. Sein Abriss der Historie und seine Ableitungen sind analytisch und profund. Was macht jedoch den Menschenschlag in Apulien aus? Wie haben Landschaft und Wetter sie geprägt? Was ist der spezielle Reiz, der die Reisenden heute gerade hierher kommen lässt?

Dennoch schließt der opulent gestaltete Band eine Lücke in der Literatur über Süditalien.

geschrieben am 21.09.2009 | 454 Wörter | 2865 Zeichen

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