Navigation

Seiten der Rubrik "Bücher"


Google Anzeigen

Anzeigen

Bücher

Warum Architektur keine Kunst ist


Statistiken
  • 4834 Aufrufe

Informationen zum Buch
  ISBN
  Autor
  Verlag
  Sprache
  Seiten
  Erscheinungsjahr
  Extras

Rezension von

Matthias Pierre Lubinsky

Warum Architektur keine Kunst ist »Der Mensch unserer Zeit«, schrieb der österreichische Architekt Adolf Loos, »der in seinem inneren Drange die Wände mit erotischen Symbolen beschmiert, ist ein Verbrecher oder ein Degenerierter.« Diese Zeilen entstammen seinem vielleicht legendärsten Aufsatz »Ornament und Verbrechen«, 1908 als Vortrag gehalten und erst 21 Jahre später in der Frankfurter Zeitung erstmalig gedruckt. Adolf Loos, geboren 1870 in Brünn; gestorben 1933 in Kalksburg, das heute zu Wien gehört, ist nach seinem Tode zu einem der bedeutendsten österreichischen Architekten und Kulturtheoretiker avanciert. Er gilt als einer der Pioniere der Moderne in der mitteleuropäischen Architektur. Seine Sozialisation war die eines Dandys. Häufiger Schulwechsel, keine Verwurzelung. Er studierte jeweils nur kurz in Wien und Dresden. Ausgestattet mit einem Schiffsbillet und 50 Dollar, reiste er in die USA, wo ein Bruder seines Vaters lebte. Er blieb drei Jahre und schlug sich mit verschiedenen Tätigkeiten durch: Hilfsarbeiter, Tellerwäscher, Musikkritiker und im letzten Jahr seines Aufenthaltes als Möbelzeichner und Architekt. Bevor er nach Wien zurück reiste, kleidete er sich in London komplett neu ein, elegant, modern und teuer. 1896 begann er dort als Journalist und Architekt. Bevor er allerdings als Architekt Anerkennung erlangte, wurde er durch seine Artikelserie in der »Neue Freie Presse« bekannt. Hier hatte er die Möglichkeit, dandyesk zu unterschiedlichen Geschmacksfragen Stellung zu nehmen. Kleidung, Benehmen, der Unterschied der nationalen Kulturen, die Einrichtung oder die Gestaltung eines Hauses waren die Themen, in denen er ungefragt seinen Landsleuten Nachhilfe gab. Loos war mit einer Reihe von Künstlern eng befreundet. Dass Arnold Schönberg, Oskar Kokoschka, Peter Altenberg und Karl Kraus nicht die Anerkennung fanden, die sie verdient hätten, machte ihn rasend. Er worb unablässig für sie und fand sich mit ihnen in dem Der-Zeit-Voraus-Sein verbunden. In den 1920er Jahren lebte der Dandy überwiegend in Paris. Hier pflegte er enge Kontakte zur Künstleravantgarde. Für Tristan Tzara und Josephine Baker entwarf er individuell maßgeschneiderte Villen. »Evolution der Kultur«, schreibt Loos in dem berühmten Artikel weiter, »ist gleichbedeutend mit dem Entfernen des Ornamentes aus dem Gebrausgegenstande.« Der in seinem Denken zutiefst moderne Architekt argumentiert in einem anderen Stück, das Haus habe allen zu gefallen. Es unterscheide sich diesbezüglich vom Kunstwerk, das niemandem zu gefallen habe. Das Kunstwerk wolle die Menschen aus ihrer Bequemlichkeit reißen. Das Haus habe genau dieser zu dienen. Häufig ist Loos’ radikale Ablehnung von Verzierungen mit einer Sympathie für einen Stil der Kälte verwechselt worden. Loos ging es aber bei seiner Architektur um eine ästhetische Reinheit, die im Rahmen des Wohlfühlauftrages des Architekten stattzufinden habe. Sie nahm die Moderne vorweg. »Ornament und Verbrechen« ist nun wiederveröffentlicht in einem kleinen, schön gestalteten Bändchen mit dem Titel »Warum Architektur keine Kunst ist«. Der Wiener Metroverlag fasst hierin etwa ein Dutzend Artikel des Provokateurs zusammen, die die Gestaltung von Häusern und Städten zum Thema haben. Der Band folgt in Gestaltung und thematischer Bündelung den zwei bereits erschienenen Büchern »Warum ein Mann gut angezogen sein soll« und »Wie man eine Wohnung einrichten soll«. Zusammen bilden sie eine Sammlung der wichtigsten Artikel von Loos zu Fragen von Stil, Eleganz und Lebensqualität für Ästeten.

»Der Mensch unserer Zeit«, schrieb der österreichische Architekt Adolf Loos, »der in seinem inneren Drange die Wände mit erotischen Symbolen beschmiert, ist ein Verbrecher oder ein Degenerierter.« Diese Zeilen entstammen seinem vielleicht legendärsten Aufsatz »Ornament und Verbrechen«, 1908 als Vortrag gehalten und erst 21 Jahre später in der Frankfurter Zeitung erstmalig gedruckt.

weitere Rezensionen von Matthias Pierre Lubinsky


Adolf Loos, geboren 1870 in Brünn; gestorben 1933 in Kalksburg, das heute zu Wien gehört, ist nach seinem Tode zu einem der bedeutendsten österreichischen Architekten und Kulturtheoretiker avanciert. Er gilt als einer der Pioniere der Moderne in der mitteleuropäischen Architektur. Seine Sozialisation war die eines Dandys. Häufiger Schulwechsel, keine Verwurzelung. Er studierte jeweils nur kurz in Wien und Dresden. Ausgestattet mit einem Schiffsbillet und 50 Dollar, reiste er in die USA, wo ein Bruder seines Vaters lebte. Er blieb drei Jahre und schlug sich mit verschiedenen Tätigkeiten durch: Hilfsarbeiter, Tellerwäscher, Musikkritiker und im letzten Jahr seines Aufenthaltes als Möbelzeichner und Architekt. Bevor er nach Wien zurück reiste, kleidete er sich in London komplett neu ein, elegant, modern und teuer. 1896 begann er dort als Journalist und Architekt. Bevor er allerdings als Architekt Anerkennung erlangte, wurde er durch seine Artikelserie in der »Neue Freie Presse« bekannt. Hier hatte er die Möglichkeit, dandyesk zu unterschiedlichen Geschmacksfragen Stellung zu nehmen. Kleidung, Benehmen, der Unterschied der nationalen Kulturen, die Einrichtung oder die Gestaltung eines Hauses waren die Themen, in denen er ungefragt seinen Landsleuten Nachhilfe gab. Loos war mit einer Reihe von Künstlern eng befreundet. Dass Arnold Schönberg, Oskar Kokoschka, Peter Altenberg und Karl Kraus nicht die Anerkennung fanden, die sie verdient hätten, machte ihn rasend. Er worb unablässig für sie und fand sich mit ihnen in dem Der-Zeit-Voraus-Sein verbunden. In den 1920er Jahren lebte der Dandy überwiegend in Paris. Hier pflegte er enge Kontakte zur Künstleravantgarde. Für Tristan Tzara und Josephine Baker entwarf er individuell maßgeschneiderte Villen.

»Evolution der Kultur«, schreibt Loos in dem berühmten Artikel weiter, »ist gleichbedeutend mit dem Entfernen des Ornamentes aus dem Gebrausgegenstande.« Der in seinem Denken zutiefst moderne Architekt argumentiert in einem anderen Stück, das Haus habe allen zu gefallen. Es unterscheide sich diesbezüglich vom Kunstwerk, das niemandem zu gefallen habe. Das Kunstwerk wolle die Menschen aus ihrer Bequemlichkeit reißen. Das Haus habe genau dieser zu dienen. Häufig ist Loos’ radikale Ablehnung von Verzierungen mit einer Sympathie für einen Stil der Kälte verwechselt worden. Loos ging es aber bei seiner Architektur um eine ästhetische Reinheit, die im Rahmen des Wohlfühlauftrages des Architekten stattzufinden habe. Sie nahm die Moderne vorweg.

»Ornament und Verbrechen« ist nun wiederveröffentlicht in einem kleinen, schön gestalteten Bändchen mit dem Titel »Warum Architektur keine Kunst ist«. Der Wiener Metroverlag fasst hierin etwa ein Dutzend Artikel des Provokateurs zusammen, die die Gestaltung von Häusern und Städten zum Thema haben. Der Band folgt in Gestaltung und thematischer Bündelung den zwei bereits erschienenen Büchern »Warum ein Mann gut angezogen sein soll« und »Wie man eine Wohnung einrichten soll«. Zusammen bilden sie eine Sammlung der wichtigsten Artikel von Loos zu Fragen von Stil, Eleganz und Lebensqualität für Ästeten.

geschrieben am 23.07.2009 | 501 Wörter | 3007 Zeichen

Kommentare lesen Kommentar schreiben

Kommentare zur Rezension (0)

Platz für Anregungen und Ergänzungen