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Albert von Keller - Salons, Séancen, Secession


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Rezension von

Matthias Pierre Lubinsky

Albert von Keller - Salons, Séancen, Secession Der Maler Albert von Keller (1844-1920) war eine von solchen Persönlichkeiten, denen man heute gern den Begriff »schillernd« hinzufügt. Keller, einer der bedeutendsten Repräsentanten der deutschen Gründerzeit, seit 1882 Mitglied der Münchner Secession, trat 1886 der Münchner Psychologischen Gesellschaft bei. Der gebürtige Schweizer verbrachte den größten Teil seines Lebens in München. Hier war er eine Größe: erfolgreich, durchaus Ruf genießend und mit Zugang zu den dortigen Malerfürsten. Dennoch blieb er sein Leben lang auch unnahbar; nur ein kleiner Freundeskreis hatte Zugang zu ihm, der über seine Münchner Malerkollegen spottete, dass sie »sobald sie es zu einer eigenen Villa gebracht haben, [sich] auf ihren Lorbeeren ausruhen und immer wieder dasselbe malen«. Das jedenfalls kann man von Keller wahrlich nicht behaupten. Nimmt er die Motive seiner Zeit auch auf, so sind dabei starke, subversive Elemente erkennbar, die ihn herausheben, seinem Œuvre einen eigenen Rang zuweisen. Porträts, hauptsächlich weibliche, Akte und Teilakte, im Lichtschein changierende Diners sind es, die seiner Zeit, der sogenannten Belle Epoque, heute einen durch und durch erotisierten Zug verleihen, den sie vielleicht gar nicht gehabt hat. Selbst gefesselt und auf dem Boden kauernd bleibt die Frau bei Keller stets femme fatal. Sein Werk – ein einziger Habitus der männlichen Verführung. »Der Typus des Aristokraten« sei Albert von Keller, sagte 1899 Theodor Goering, »mit seiner Skepsis, Genussbegierde, Verfeinerung, Müdigkeit, Überlegenheit und schwankenden Stimmung – kurz den Charakterzügen, die die vornehme Lebenswelt von des Jahrhunderts Ende kennzeichnen.« Dem entspreche seine im Boden des modernen Salons wurzelnde Kunst. Sie habe in der Art ihrer Nervenreizung etwas Feminines. Goering trifft auch hundert Jahre später die Essenz Kellers, wenn er feststellte, dass die Frau den Hauptgegenstand seiner Darstellung bilde, »das moderne Salonweib mit jenem Gemisch von Grazie und Nervosität, mit seinem Parfüm und seiner Laune, mit seiner ganzen Atmosphäre von feiner Sinnlichkeit, Zigarettenduft nebst einem Schuss Morphium und Spiritismus, und mit dem ganzen Luxus, mit dem es sich zu umgeben liebt.« Es war just diese im Fin de siècle moderne Nervenkrankheit, die Joris-Karl Huysmans seinem decadenten Roman-Dandy Des Esseintes andichtete. Eine Nervenkrankheit, mit der die jungen Pariser ihren Überdruss zur Schau trugen. Die Ausstellung »Albert von Keller. Salons, Séancen, Secession« geht vom April bis Anfang Oktober 2009 im Kunsthaus Zürich. Sein Werk ist umso sehenswerter, desto weniger es der breiten Öffentlichkeit geläufig ist. Es ist nicht entweiht. So hat gerade eben eine kunsthistorisch wertvolle Öl-Studie von Kellers, ein Porträt der Hermine Bosetti, bei einer Auktion gerade 3.000 Euro erbracht. Die Ausstellung ist zu verdanken dem Sammler Oskar A. Müller, einem 1994 verstorbenen Chemiker und Kunstsammler. Er sammelte über Jahrzehnte mit großer Geduld und Umsicht über 350 Werke von Kellers. Seine Frau Hannelore Müller bewahrte das Erbe und machte es 2006 dem Kunsthaus Zürich zur Schenkung.

Der Maler Albert von Keller (1844-1920) war eine von solchen Persönlichkeiten, denen man heute gern den Begriff »schillernd« hinzufügt. Keller, einer der bedeutendsten Repräsentanten der deutschen Gründerzeit, seit 1882 Mitglied der Münchner Secession, trat 1886 der Münchner Psychologischen Gesellschaft bei. Der gebürtige Schweizer verbrachte den größten Teil seines Lebens in München. Hier war er eine Größe: erfolgreich, durchaus Ruf genießend und mit Zugang zu den dortigen Malerfürsten.

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Dennoch blieb er sein Leben lang auch unnahbar; nur ein kleiner Freundeskreis hatte Zugang zu ihm, der über seine Münchner Malerkollegen spottete, dass sie »sobald sie es zu einer eigenen Villa gebracht haben, [sich] auf ihren Lorbeeren ausruhen und immer wieder dasselbe malen«. Das jedenfalls kann man von Keller wahrlich nicht behaupten. Nimmt er die Motive seiner Zeit auch auf, so sind dabei starke, subversive Elemente erkennbar, die ihn herausheben, seinem Œuvre einen eigenen Rang zuweisen. Porträts, hauptsächlich weibliche, Akte und Teilakte, im Lichtschein changierende Diners sind es, die seiner Zeit, der sogenannten Belle Epoque, heute einen durch und durch erotisierten Zug verleihen, den sie vielleicht gar nicht gehabt hat. Selbst gefesselt und auf dem Boden kauernd bleibt die Frau bei Keller stets femme fatal. Sein Werk – ein einziger Habitus der männlichen Verführung.

»Der Typus des Aristokraten« sei Albert von Keller, sagte 1899 Theodor Goering, »mit seiner Skepsis, Genussbegierde, Verfeinerung, Müdigkeit, Überlegenheit und schwankenden Stimmung – kurz den Charakterzügen, die die vornehme Lebenswelt von des Jahrhunderts Ende kennzeichnen.« Dem entspreche seine im Boden des modernen Salons wurzelnde Kunst. Sie habe in der Art ihrer Nervenreizung etwas Feminines. Goering trifft auch hundert Jahre später die Essenz Kellers, wenn er feststellte, dass die Frau den Hauptgegenstand seiner Darstellung bilde, »das moderne Salonweib mit jenem Gemisch von Grazie und Nervosität, mit seinem Parfüm und seiner Laune, mit seiner ganzen Atmosphäre von feiner Sinnlichkeit, Zigarettenduft nebst einem Schuss Morphium und Spiritismus, und mit dem ganzen Luxus, mit dem es sich zu umgeben liebt.« Es war just diese im Fin de siècle moderne Nervenkrankheit, die Joris-Karl Huysmans seinem decadenten Roman-Dandy Des Esseintes andichtete. Eine Nervenkrankheit, mit der die jungen Pariser ihren Überdruss zur Schau trugen.

Die Ausstellung »Albert von Keller. Salons, Séancen, Secession« geht vom April bis Anfang Oktober 2009 im Kunsthaus Zürich. Sein Werk ist umso sehenswerter, desto weniger es der breiten Öffentlichkeit geläufig ist. Es ist nicht entweiht. So hat gerade eben eine kunsthistorisch wertvolle Öl-Studie von Kellers, ein Porträt der Hermine Bosetti, bei einer Auktion gerade 3.000 Euro erbracht.

Die Ausstellung ist zu verdanken dem Sammler Oskar A. Müller, einem 1994 verstorbenen Chemiker und Kunstsammler. Er sammelte über Jahrzehnte mit großer Geduld und Umsicht über 350 Werke von Kellers. Seine Frau Hannelore Müller bewahrte das Erbe und machte es 2006 dem Kunsthaus Zürich zur Schenkung.

geschrieben am 05.05.2009 | 451 Wörter | 2668 Zeichen

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