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Wie man eine Wohnung einrichten soll


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Rezension von

Matthias Pierre Lubinsky

Wie man eine Wohnung einrichten soll Der österreichische Architekt Adolf Loos (1870-1933) gilt heute als einer der Begründer der modernen Architektur. Allgemein denkt man bei seinem Namen an seinen Vortrag »Ornament und Verbrechen«. Und daran, dass er das Ornament als architektonische Verzierung ablehnte und bekämpfte. Doch ist diese Sichtweise zu kurz. Loos Ansatz war ein umfassender. Man versteht seine Texte nur, wenn man sich auf seine Begrifflichkeit einlässt. Man versteht seine Argumentation nur, wenn man dem philosophischen Ansatz nachgeht. Der Zeitgeist um 1900 war geprägt durch die Schriften Friedrich Nietzsches. Und der scheint auch einer der großen Stichwortgeber für den Wiener Architekten gewesen zu sein. Nietzsche schrieb zur l’art pour l’art: »Der Kampf gegen den Zweck in der Kunst ist immer der Kampf gegen die MORALISIERENDE Tendenz in der Kunst, gegen ihre Unterordnung unter die Moral. L’art pour l’art: ‚Der Teufel hole die Moral!’« Der Radikalphilosoph verwahrt sich jedoch sogleich gegen falsche Schlussfolgerungen, indem er weiter schreibt: »Aber selbst noch diese Feindschaft verrät die Übergewalt des Vorurteils.« In einer Reihe von meist kürzeren Beiträgen versuchte Loos, seinen Landsleuten ein wenig Nachhilfe zu geben. Seine bevorzugten Themen waren Stil, Ästhetik, die Mode oder die Einrichtung. Der kleine Band »Adolf Loos – Wie man eine Wohnung einrichten soll« versammelt sechzehn dieser Stücke, die zwischen 1898 und 1929 - also in einer beachtlichen Spanne von über 30 Jahren - in österreichischen Zeitungen erschienen sind. Gebündelt sind hier die, die sich mit Einrichtungsfragen im Weitesten beschäftigen. Der Band korrespondiert mit dem in adäquater Aufmachung erschienen »Warum ein Mann gut angezogen sein soll« aus demselben Verlag. So wenig wie es Loos im eigentlichen darum ging, das Ornament zu kritisieren, so wenig kritisiert er »die Kunst«, obwohl es sich nach erstem Anschein anders lesen mag. »Bedenken wir doch recht: Eigentlich brauchen wir gar keine Kunst. Wir haben ja noch nicht einmal eine Kultur. Hier könnte der Staat rettend eingreifen. Statt das Pferd vom Schwanz aufzuzäumen, statt das Geld auf die Erzeugung von Kunst zu verwenden, versuche man es mit der Erzeugung einer Kultur.« Der Dandy-Architekt spricht also seiner Heimat weitgehend ab, Kultur zu besitzen. Dann könne es mit der Kunst schon erst recht nicht funktionieren. Loos will sich jedoch nicht lumpen lassen und gibt gern bildungstechnisch Unterstützung. In »Das Heim« schreibt er: »Ich will es versuchen, euch Mut zu eueren eigenen Geschmacklosigkeiten zu machen. Wer fechten lernen will, muß selbst das Rapier in die Hand nehmen. Vom Fechtenzusehen hat noch niemand fechten gelernt. Und wer sich ein Heim schaffen will, muß selbst alles angeben. Sonst lernt er es nie. Wohl wird es voller Fehler sein. Aber es sind euere eigenen Fehler.« Was zuerst wie pure Ironie klingt, - ist auch welche. Aber Loos wäre kein Dandy gewesen, wenn er es nicht doppeldeutig gemeint hätte. So folgt - in nietzscheanischer Spielfreude - der flapsigen Attitüde eine durchaus ernst gemeinte Botschaft: Jeder solle sich bewusst so einrichten, wie ER oder SIE es für richtig halte. Fatal wäre nur, sich nach irgendwelchen Moden zu richten, die nicht dem eigenen Herzen entspringen. So ist auch dieser kleine Band mit Artikeln von Adolf Loos zur Einrichtung ein schönes Kompendium seines ästhetischen Denkens. Ein nettes Geschenk für alle, die sich für das Herkommen heutiger Geschmacks- und Sehgewohnheiten interessieren.

Der österreichische Architekt Adolf Loos (1870-1933) gilt heute als einer der Begründer der modernen Architektur. Allgemein denkt man bei seinem Namen an seinen Vortrag »Ornament und Verbrechen«. Und daran, dass er das Ornament als architektonische Verzierung ablehnte und bekämpfte.

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Doch ist diese Sichtweise zu kurz. Loos Ansatz war ein umfassender. Man versteht seine Texte nur, wenn man sich auf seine Begrifflichkeit einlässt. Man versteht seine Argumentation nur, wenn man dem philosophischen Ansatz nachgeht. Der Zeitgeist um 1900 war geprägt durch die Schriften Friedrich Nietzsches. Und der scheint auch einer der großen Stichwortgeber für den Wiener Architekten gewesen zu sein. Nietzsche schrieb zur l’art pour l’art: »Der Kampf gegen den Zweck in der Kunst ist immer der Kampf gegen die MORALISIERENDE Tendenz in der Kunst, gegen ihre Unterordnung unter die Moral. L’art pour l’art: ‚Der Teufel hole die Moral!’« Der Radikalphilosoph verwahrt sich jedoch sogleich gegen falsche Schlussfolgerungen, indem er weiter schreibt: »Aber selbst noch diese Feindschaft verrät die Übergewalt des Vorurteils.«

In einer Reihe von meist kürzeren Beiträgen versuchte Loos, seinen Landsleuten ein wenig Nachhilfe zu geben. Seine bevorzugten Themen waren Stil, Ästhetik, die Mode oder die Einrichtung. Der kleine Band »Adolf Loos – Wie man eine Wohnung einrichten soll« versammelt sechzehn dieser Stücke, die zwischen 1898 und 1929 - also in einer beachtlichen Spanne von über 30 Jahren - in österreichischen Zeitungen erschienen sind. Gebündelt sind hier die, die sich mit Einrichtungsfragen im Weitesten beschäftigen. Der Band korrespondiert mit dem in adäquater Aufmachung erschienen »Warum ein Mann gut angezogen sein soll« aus demselben Verlag.

So wenig wie es Loos im eigentlichen darum ging, das Ornament zu kritisieren, so wenig kritisiert er »die Kunst«, obwohl es sich nach erstem Anschein anders lesen mag. »Bedenken wir doch recht: Eigentlich brauchen wir gar keine Kunst. Wir haben ja noch nicht einmal eine Kultur. Hier könnte der Staat rettend eingreifen. Statt das Pferd vom Schwanz aufzuzäumen, statt das Geld auf die Erzeugung von Kunst zu verwenden, versuche man es mit der Erzeugung einer Kultur.« Der Dandy-Architekt spricht also seiner Heimat weitgehend ab, Kultur zu besitzen. Dann könne es mit der Kunst schon erst recht nicht funktionieren. Loos will sich jedoch nicht lumpen lassen und gibt gern bildungstechnisch Unterstützung. In »Das Heim« schreibt er: »Ich will es versuchen, euch Mut zu eueren eigenen Geschmacklosigkeiten zu machen. Wer fechten lernen will, muß selbst das Rapier in die Hand nehmen. Vom Fechtenzusehen hat noch niemand fechten gelernt. Und wer sich ein Heim schaffen will, muß selbst alles angeben. Sonst lernt er es nie. Wohl wird es voller Fehler sein. Aber es sind euere eigenen Fehler.« Was zuerst wie pure Ironie klingt, - ist auch welche. Aber Loos wäre kein Dandy gewesen, wenn er es nicht doppeldeutig gemeint hätte. So folgt - in nietzscheanischer Spielfreude - der flapsigen Attitüde eine durchaus ernst gemeinte Botschaft: Jeder solle sich bewusst so einrichten, wie ER oder SIE es für richtig halte. Fatal wäre nur, sich nach irgendwelchen Moden zu richten, die nicht dem eigenen Herzen entspringen.

So ist auch dieser kleine Band mit Artikeln von Adolf Loos zur Einrichtung ein schönes Kompendium seines ästhetischen Denkens. Ein nettes Geschenk für alle, die sich für das Herkommen heutiger Geschmacks- und Sehgewohnheiten interessieren.

geschrieben am 12.02.2009 | 525 Wörter | 2967 Zeichen

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