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Stunde der Ökonomen


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Rezension von

Gérard Bökenkamp

Stunde der Ökonomen Alexander Nützenagels Arbeit untersucht die Schnittstelle zwischen Wirtschaftswissenschaft und Wirtschaftspolitik in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik. Eine informative Geschichte über den Übergang vom Liberalismus zum Interventionismus. Nützenagel beschreibt die Abkehr vom deutschen Sonderweg in der Disziplin der Volkswirtschaft im ersten Nachkriegsjahrzehnt. Dieser Sonderweg wurde bestimmte durch die „Historische Schule.“ Diese Schule hatte sich der Suche nach allgemein gültigen Modellen verweigert und hatte Wirtschaft als Teil der Soziologie und Kulturwissenschaften behandelt. Nach dem Krieg wurde sie von dem von Erhard verkörperten Ordoliberalismus der Freiburger Schule abgelöst, der dem Wirtschaftswunder Pate stand. Doch dieser „Neoliberalismus“ war nur ein Zwischenspiel. In rasanter Geschwindigkeit übernahm die als rückständig empfundene deutsche Wirtschaftswissenschaft vermittelt vor allem durch die USA die Lehre von Keynes. Damit gewann die Vorstellung an Boden die wirtschaftliche Entwicklung könnte vom Staat gesteuert und geplant werden. Die Politikberatung der Ökonomen erreichte dank dieser Vorstellung eine Schlüsselstellung in der Wirtschaftspolitik. Unter diesem Einfluss wurden die heute bekannten Instrumente der wirtschaftspolitischen Planung geschaffen. Der Sachverständigenrat, der Jahreswirtschaftsbericht, die Mittelfristige Finanzplanung und das Stabilitäts- und Wachstumsgesetz. Mit dieser „Magna Charta“ des Keynsianismus erlangte zum ersten Mal ein Grundpfeiler des keynsianischen Lehre, die Fiskalpolitik, Verfassungsrang und besitzt ihn bis heute. In der weiteren Entwicklung erwies sich der Planungsoptimismus der sechziger Jahre als Illusion. Der Ansatz scheiterte schlicht und einfach daran, dass die neuen mathematisch fundierten Prognosemodelle nicht hielten, was sie versprachen. Die Ökonomen konnten, dem großen Selbstbewusstsein der Disziplin zum Trotz keine verlässlichen Zahlen liefern, auf denen rationale Regierungspläne aufgebaut werden konnten. Die Mittelfristige Finanzplanung wurde so zum „Glücksspiel.“ Nützenagels Darstellung ist somit ein Beitrag zur Widerlegung der Hybris des absoluten Wissens. Die Geschichte der Bundesrepublik zeigt deutlich, dass der Verwissenschaftlichung der Politik enge Grenzen gesetzt sind. Nützenagels Studie leistet einen nützlichen Beitrag zur Geschichte der Wirtschaftspolitik der Bundesrepublik und sollte ein Appell an die Geschichtswissenschaft sein, den Sinn der „kulturalistischen Wende“ zu überdenken und zu substanziellen Fragestellung zu Politik und Wirtschaft zurückzukehren. Das Buch ist allen zu empfehlen, die sich mit der Geschichte der Bundesrepublik und wirtschaftspolitischen Fragestellungen allgemein befassen.

Alexander Nützenagels Arbeit untersucht die Schnittstelle zwischen Wirtschaftswissenschaft und Wirtschaftspolitik in den ersten Jahrzehnten der Bundesrepublik. Eine informative Geschichte über den Übergang vom Liberalismus zum Interventionismus.

Nützenagel beschreibt die Abkehr vom deutschen Sonderweg in der Disziplin der Volkswirtschaft im ersten Nachkriegsjahrzehnt. Dieser Sonderweg wurde bestimmte durch die „Historische Schule.“ Diese Schule hatte sich der Suche nach allgemein gültigen Modellen verweigert und hatte Wirtschaft als Teil der Soziologie und Kulturwissenschaften behandelt. Nach dem Krieg wurde sie von dem von Erhard verkörperten Ordoliberalismus der Freiburger Schule abgelöst, der dem Wirtschaftswunder Pate stand. Doch dieser „Neoliberalismus“ war nur ein Zwischenspiel.

In rasanter Geschwindigkeit übernahm die als rückständig empfundene deutsche Wirtschaftswissenschaft vermittelt vor allem durch die USA die Lehre von Keynes. Damit gewann die Vorstellung an Boden die wirtschaftliche Entwicklung könnte vom Staat gesteuert und geplant werden. Die Politikberatung der Ökonomen erreichte dank dieser Vorstellung eine Schlüsselstellung in der Wirtschaftspolitik.

Unter diesem Einfluss wurden die heute bekannten Instrumente der wirtschaftspolitischen Planung geschaffen. Der Sachverständigenrat, der Jahreswirtschaftsbericht, die Mittelfristige Finanzplanung und das Stabilitäts- und Wachstumsgesetz. Mit dieser „Magna Charta“ des Keynsianismus erlangte zum ersten Mal ein Grundpfeiler des keynsianischen Lehre, die Fiskalpolitik, Verfassungsrang und besitzt ihn bis heute.

In der weiteren Entwicklung erwies sich der Planungsoptimismus der sechziger Jahre als Illusion. Der Ansatz scheiterte schlicht und einfach daran, dass die neuen mathematisch fundierten Prognosemodelle nicht hielten, was sie versprachen. Die Ökonomen konnten, dem großen Selbstbewusstsein der Disziplin zum Trotz keine verlässlichen Zahlen liefern, auf denen rationale Regierungspläne aufgebaut werden konnten. Die Mittelfristige Finanzplanung wurde so zum „Glücksspiel.“

Nützenagels Darstellung ist somit ein Beitrag zur Widerlegung der Hybris des absoluten Wissens. Die Geschichte der Bundesrepublik zeigt deutlich, dass der Verwissenschaftlichung der Politik enge Grenzen gesetzt sind. Nützenagels Studie leistet einen nützlichen Beitrag zur Geschichte der Wirtschaftspolitik der Bundesrepublik und sollte ein Appell an die Geschichtswissenschaft sein, den Sinn der „kulturalistischen Wende“ zu überdenken und zu substanziellen Fragestellung zu Politik und Wirtschaft zurückzukehren.

Das Buch ist allen zu empfehlen, die sich mit der Geschichte der Bundesrepublik und wirtschaftspolitischen Fragestellungen allgemein befassen.

geschrieben am 29.07.2007 | 334 Wörter | 2395 Zeichen

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