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Zur Ruhe kommst du, Adrian Brügge, nie


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Rezension von

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Zur Ruhe kommst du, Adrian Brügge, nie Besonders mit diesem Unglück, seinen Hintergründen und Folgen ("Nach Meinhards Unfall geriet unser Familienleben durcheinander.") setzt sich der Text auseinander, "wie es dem Jungen wohl ergangen ist, als er um sein Leben kämpfte, nachdem die Urgewalt sich gegen ihn gerichtet hat?"; dabei gleitet der Autor immer wieder in ein was-wäre-wenn ab ("Was wäre gewesen, wenn wir damals nicht nach München umgezogen wären? Ich glaube, passiert wäre es doch. Kommt die Stunde und mit ihr das Schicksal, lässt sich nichts aufhalten. Ernte folgt auf Saat. Unwiderruflich."). Immer wieder leuchtet die Verbundenheit des Vaters auf, "Ich war stolz auf den Jungen. Und Meinhard war auf seinen Vater stolz.". Berührend liest sich die Schilderung einer über den Alpen aufgehenden Sonne, für die Vater und Sohn frühmorgens zwischen Stein und Gras stakten. Nicht weniger rührend die beklemmenden Worte über das Ohnmachtsgefühl nach Benachrichtigung über Meinhards Tod. Fragen nach dem Leben nach dem Tod und der Angst vor dem Tod stehen also im Mittelpunkt. Da wundert es nicht, wenn der Autor mitteilt, er habe Schriften über menschliche Wiedergeburt gelesen, und sei dabei zunehmend skeptisch gegenüber der katholischen Kirche geworden, "Die Beschränkung auf ein Einmalgeborensein weist auf das Dogma hin, das der Christusbotschaft nicht gerecht wird. Ja, ihr widerspricht.". Diese Gedanken über DAS Verstehen und DAS Glauben nehmen viel Raum im Roman ein, \"Als Kind habe ich einmal versucht, den Begriff von Ewigkeit zu verstehen. Schwindlig war mir dabei geworden, und ich hatte mich an solche Denkvorgänge nicht mehr herangewagt, bei denen ich ins Bodenlose fiel. Zu klein fühlte ich mich, dessen war ich mir sicher, Ewigkeit zu begreifen. Grübelte ich nicht nach, war mir wesentlich wohler. Zwar funktioniert das Leben ohne Verstand nicht, doch Grübeln ist für mich kein Weg, seelisch-geistige Erkenntnisse zu gewinnen. Mache ich mich gedanklich frei, geschieht es, dass ich in einer verfahrenen Sache plötzlich weiß, wie es weitergeht. Beim Sinnieren komme ich mir vor, als stiege ich in eine Grube. Daher stammt wohl der Begriff vom Grübeln.". Um seiner neu erwachten Religiosität ganz zu frönen, besucht er schließlich Israel, er spürt \"ein Gefühl andachtsvoller Verbundenheit mit jenem Land, durch das der Gottessohn gewandelt war. [...] In erster Linie zog es mich dorthin, wo Jesus gewirkt hatte. Selbst wollte ich empfinden, was er gemeint hatte.\". Zur Ruhe kommt er dort nicht, "Immer wieder Soldaten und Panzer. Das deprimiert. [...] Wohin das Auge reicht: Stacheldraht!". "Zur Ruhe kommst Du, Adrian Bruegge, nie": an einigen Stellen aufbrausend poetisch, an anderen Stellen meditativ glitzernd, im Ganzen halbherzig, temperamentlos, lauwarm, nicht Fisch, nicht Fleisch; zweifellos ein sehr wichtiges Buch für den Autor, aber für den Leser?

Besonders mit diesem Unglück, seinen Hintergründen und Folgen ("Nach Meinhards Unfall geriet unser Familienleben durcheinander.") setzt sich der Text auseinander, "wie es dem Jungen wohl ergangen ist, als er um sein Leben kämpfte, nachdem die Urgewalt sich gegen ihn gerichtet hat?"; dabei gleitet der Autor immer wieder in ein was-wäre-wenn ab ("Was wäre gewesen, wenn wir damals nicht nach München umgezogen wären? Ich glaube, passiert wäre es doch. Kommt die Stunde und mit ihr das Schicksal, lässt sich nichts aufhalten. Ernte folgt auf Saat. Unwiderruflich.").

Immer wieder leuchtet die Verbundenheit des Vaters auf, "Ich war stolz auf den Jungen. Und Meinhard war auf seinen Vater stolz.". Berührend liest sich die Schilderung einer über den Alpen aufgehenden Sonne, für die Vater und Sohn frühmorgens zwischen Stein und Gras stakten. Nicht weniger rührend die beklemmenden Worte über das Ohnmachtsgefühl nach Benachrichtigung über Meinhards Tod. Fragen nach dem Leben nach dem Tod und der Angst vor dem Tod stehen also im Mittelpunkt. Da wundert es nicht, wenn der Autor mitteilt, er habe Schriften über menschliche Wiedergeburt gelesen, und sei dabei zunehmend skeptisch gegenüber der katholischen Kirche geworden, "Die Beschränkung auf ein Einmalgeborensein weist auf das Dogma hin, das der Christusbotschaft nicht gerecht wird. Ja, ihr widerspricht.". Diese Gedanken über DAS Verstehen und DAS Glauben nehmen viel Raum im Roman ein, \"Als Kind habe ich einmal versucht, den Begriff von Ewigkeit zu verstehen. Schwindlig war mir dabei geworden, und ich hatte mich an solche Denkvorgänge nicht mehr herangewagt, bei denen ich ins Bodenlose fiel. Zu klein fühlte ich mich, dessen war ich mir sicher, Ewigkeit zu begreifen. Grübelte ich nicht nach, war mir wesentlich wohler. Zwar funktioniert das Leben ohne Verstand nicht, doch Grübeln ist für mich kein Weg, seelisch-geistige Erkenntnisse zu gewinnen. Mache ich mich gedanklich frei, geschieht es, dass ich in einer verfahrenen Sache plötzlich weiß, wie es weitergeht. Beim Sinnieren komme ich mir vor, als stiege ich in eine Grube. Daher stammt wohl der Begriff vom Grübeln.". Um seiner neu erwachten Religiosität ganz zu frönen, besucht er schließlich Israel, er spürt \"ein Gefühl andachtsvoller Verbundenheit mit jenem Land, durch das der Gottessohn gewandelt war. [...] In erster Linie zog es mich dorthin, wo Jesus gewirkt hatte. Selbst wollte ich empfinden, was er gemeint hatte.\". Zur Ruhe kommt er dort nicht,

"Immer wieder Soldaten und Panzer. Das deprimiert. [...] Wohin das Auge reicht: Stacheldraht!". "Zur Ruhe kommst Du, Adrian Bruegge, nie": an einigen Stellen aufbrausend poetisch, an anderen Stellen meditativ glitzernd, im Ganzen halbherzig, temperamentlos, lauwarm, nicht Fisch, nicht Fleisch; zweifellos ein sehr wichtiges Buch für den Autor, aber für den Leser?

geschrieben am 27.02.2004 | 428 Wörter | 2450 Zeichen

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