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Zweiwasser


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Informationen zum Buch
  ISBN
  Autor
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  Seiten
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  Extras

Rezension von

Dr. Benjamin Krenberger

Zweiwasser Vor gut 15 Jahren war ich von Thomas Lehrs Novelle „FrĂŒhling“ restlos begeistert, hatte den Autor dann aber aus dem Blick verloren. Nun erschien 2014 im Hanser-Verlag eine Neuauflage seines bereits 1992 erschienenen ersten und mehrfach ausgezeichneten Romans „Zweiwasser oder die Bibliothek der Gnade“. Dass der Roman schon so frĂŒh erschienen war, muss man wissen, wenn gewisse technische Elemente beschrieben werden (z.B. Computertypen, Automarken) oder auch die Mark wie selbstverstĂ€ndlich das Zahlungsmittel ist. Die Vorabbeschreibung las sich ein bisschen mysteriös, was sich dann auch wĂ€hrend der LektĂŒre bestĂ€tigte. Thomas Lehr selbst war ja nicht von Beginn an Schriftsteller, sondern kam neudeutsch aus dem MINT-Bereich, d.h. er studierte Biochemie und war danach zunĂ€chst als Programmierer tĂ€tig. Dies erklĂ€rt auch einige Passagen im Roman, in denen er ganz selbstverstĂ€ndlich BezĂŒge zu wissenschaftlichen Themen herstellt, die gĂ€nzlich außerhalb des griechisch-philosophischen Kosmos liegen, der im Roman leidenschaftlich bedient wird. Zweiwasser ist der Protagonist des Romans, arbeitet zum Broterwerb in einem ArchitekturbĂŒro, obwohl er kein Architekt ist. Er hatte eine unrĂŒhmliche Geburt, eine durchaus schwierige Kindheit samt verschrobenen Eltern. Sein persönlicher Trojanischer Krieg, zehn Jahre dauernd, ist der Versuch, mit eigenen Texten bei Verlagen zu reĂŒssieren, was aber stets mit denselben pauschalisierten Ablehnungsschreiben scheitert. Nun aber hat ein Bekannter, Meinhardt, der sich selbst mehr schlecht als recht als Publizist ĂŒber Wasser hĂ€lt, einen Text von Zweiwasser (versehentlich oder bewusst, man mag es nicht so recht wissen) bei einem Wettbewerb eingereicht und ist nunmehr damit der heißeste Kandidat fĂŒr den dort auch zu vergebenden Literaturpreis. Eine spĂ€te Genugtuung fĂŒr Zweiwasser, die er anfangs gar nicht fĂŒr sich beanspruchen möchte, sondern Meinhardt soll selbst bei diesem Wettbewerb auftreten – und Zweiwassers Trojanisches Pferd sein. Wie auch sonst die Helden und Statisten der Ilias zuhauf diesen Roman bevölkern. Parallel hat Zweiwasser aber einen Hang zu AffĂ€ren, drei Frauen pro Jahr dĂŒrfen und mĂŒssen es sein, und nun begehrt er ausgerechnet eine Kundin des ArchitekturbĂŒros, die wiederum eng mit dem Verlagswesen verbunden ist. Ins Spiel kommen zudem eine Lektorin, ein Maler, ein Verlagschef, ein Feuilletonkritiker, die ErzĂ€hl- und HandlungsfĂ€den spinnen sich untereinander und ĂŒbereinander, es gibt Liebe, Verrat, Verkehr, Tote, das ganze dramatische und tragische Sammelsurium, das bereits die ErzĂ€hlungen der alten Griechen mit Leben erfĂŒllte. Und auch das Ende des Romans passt zu diesem durchaus bombastischen Stil, der im Widerspruch zum Klein-Klein steht, in dem die psychisch stets schwer hadernden Personen tĂ€glich mit dem Überleben beschĂ€ftigt sind. Dieses Werk war leider eines, durch das ich mich hindurch gezwungen habe. Es war trotz der hochgeistigen AnsĂ€tze und Lehrs intellektueller Brillanz kein VergnĂŒgen, selbst wenn sich immer wieder aufblitzende sprachliche KabinettstĂŒckchen gefunden haben, ĂŒber die man trefflich sinnieren konnte. Auch der stete Rekurs auf Heraklit, Platon und die anderen hellenistischen GeistesgrĂ¶ĂŸen hat mir ĂŒber den Verdruss beim Lesen nicht hinweggeholfen. Der Inhalt war mir zu sehr durchsetzt von Anspielungen, RĂŒckblenden und Verklausulierungen, ohne dass die eigentliche Geschichte merklich vorankommt. Wie bei Faust II kann man das durchaus bewundern, aber ohne Lexikon und Auslegungshilfe nebenbei nicht verstehen. Zudem enthĂ€lt der Roman einfach viel zu viel Geschlechtsverkehr, das ödet jedenfalls mich nach kurzer Zeit einfach nur an. Es mag ja sein, dass der (damals?) so durch- und hintertriebene Literaturbetrieb all diese KuriositĂ€ten und VulgaritĂ€ten hervorgebracht hat und das Ausnutzen jeder Art von auch körperlicher Unterlegenheit zum guten Ton des Miteinanders gehörte. Aber in dem Roman wirkt das auf mich alles nur aufgesetzt und knirschend kombiniert. NatĂŒrlich mögen sich Zyniker, Freunde des Surrealen und Hobby-Philosophen an dem Werk delektieren, ich konnte es nicht. Das Fazit am Ende beruht deshalb lediglich auf meinen persönlichen EindrĂŒcken bei der LektĂŒre, denn das Werk selbst ist ja - wie bereits gesagt - von durchaus beeindruckender QualitĂ€t. Es gefĂ€llt mir aber einfach nicht. Um es in den Worten der im Buch erscheinenden Lektorin Pinsel zu sagen: ich habe das Buch (nur) ertragen.

Vor gut 15 Jahren war ich von Thomas Lehrs Novelle „FrĂŒhling“ restlos begeistert, hatte den Autor dann aber aus dem Blick verloren. Nun erschien 2014 im Hanser-Verlag eine Neuauflage seines bereits 1992 erschienenen ersten und mehrfach ausgezeichneten Romans „Zweiwasser oder die Bibliothek der Gnade“. Dass der Roman schon so frĂŒh erschienen war, muss man wissen, wenn gewisse technische Elemente beschrieben werden (z.B. Computertypen, Automarken) oder auch die Mark wie selbstverstĂ€ndlich das Zahlungsmittel ist.

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Die Vorabbeschreibung las sich ein bisschen mysteriös, was sich dann auch wĂ€hrend der LektĂŒre bestĂ€tigte. Thomas Lehr selbst war ja nicht von Beginn an Schriftsteller, sondern kam neudeutsch aus dem MINT-Bereich, d.h. er studierte Biochemie und war danach zunĂ€chst als Programmierer tĂ€tig. Dies erklĂ€rt auch einige Passagen im Roman, in denen er ganz selbstverstĂ€ndlich BezĂŒge zu wissenschaftlichen Themen herstellt, die gĂ€nzlich außerhalb des griechisch-philosophischen Kosmos liegen, der im Roman leidenschaftlich bedient wird.

Zweiwasser ist der Protagonist des Romans, arbeitet zum Broterwerb in einem ArchitekturbĂŒro, obwohl er kein Architekt ist. Er hatte eine unrĂŒhmliche Geburt, eine durchaus schwierige Kindheit samt verschrobenen Eltern. Sein persönlicher Trojanischer Krieg, zehn Jahre dauernd, ist der Versuch, mit eigenen Texten bei Verlagen zu reĂŒssieren, was aber stets mit denselben pauschalisierten Ablehnungsschreiben scheitert. Nun aber hat ein Bekannter, Meinhardt, der sich selbst mehr schlecht als recht als Publizist ĂŒber Wasser hĂ€lt, einen Text von Zweiwasser (versehentlich oder bewusst, man mag es nicht so recht wissen) bei einem Wettbewerb eingereicht und ist nunmehr damit der heißeste Kandidat fĂŒr den dort auch zu vergebenden Literaturpreis. Eine spĂ€te Genugtuung fĂŒr Zweiwasser, die er anfangs gar nicht fĂŒr sich beanspruchen möchte, sondern Meinhardt soll selbst bei diesem Wettbewerb auftreten – und Zweiwassers Trojanisches Pferd sein. Wie auch sonst die Helden und Statisten der Ilias zuhauf diesen Roman bevölkern.

Parallel hat Zweiwasser aber einen Hang zu AffĂ€ren, drei Frauen pro Jahr dĂŒrfen und mĂŒssen es sein, und nun begehrt er ausgerechnet eine Kundin des ArchitekturbĂŒros, die wiederum eng mit dem Verlagswesen verbunden ist. Ins Spiel kommen zudem eine Lektorin, ein Maler, ein Verlagschef, ein Feuilletonkritiker, die ErzĂ€hl- und HandlungsfĂ€den spinnen sich untereinander und ĂŒbereinander, es gibt Liebe, Verrat, Verkehr, Tote, das ganze dramatische und tragische Sammelsurium, das bereits die ErzĂ€hlungen der alten Griechen mit Leben erfĂŒllte. Und auch das Ende des Romans passt zu diesem durchaus bombastischen Stil, der im Widerspruch zum Klein-Klein steht, in dem die psychisch stets schwer hadernden Personen tĂ€glich mit dem Überleben beschĂ€ftigt sind.

Dieses Werk war leider eines, durch das ich mich hindurch gezwungen habe. Es war trotz der hochgeistigen AnsĂ€tze und Lehrs intellektueller Brillanz kein VergnĂŒgen, selbst wenn sich immer wieder aufblitzende sprachliche KabinettstĂŒckchen gefunden haben, ĂŒber die man trefflich sinnieren konnte. Auch der stete Rekurs auf Heraklit, Platon und die anderen hellenistischen GeistesgrĂ¶ĂŸen hat mir ĂŒber den Verdruss beim Lesen nicht hinweggeholfen. Der Inhalt war mir zu sehr durchsetzt von Anspielungen, RĂŒckblenden und Verklausulierungen, ohne dass die eigentliche Geschichte merklich vorankommt. Wie bei Faust II kann man das durchaus bewundern, aber ohne Lexikon und Auslegungshilfe nebenbei nicht verstehen. Zudem enthĂ€lt der Roman einfach viel zu viel Geschlechtsverkehr, das ödet jedenfalls mich nach kurzer Zeit einfach nur an. Es mag ja sein, dass der (damals?) so durch- und hintertriebene Literaturbetrieb all diese KuriositĂ€ten und VulgaritĂ€ten hervorgebracht hat und das Ausnutzen jeder Art von auch körperlicher Unterlegenheit zum guten Ton des Miteinanders gehörte. Aber in dem Roman wirkt das auf mich alles nur aufgesetzt und knirschend kombiniert. NatĂŒrlich mögen sich Zyniker, Freunde des Surrealen und Hobby-Philosophen an dem Werk delektieren, ich konnte es nicht. Das Fazit am Ende beruht deshalb lediglich auf meinen persönlichen EindrĂŒcken bei der LektĂŒre, denn das Werk selbst ist ja - wie bereits gesagt - von durchaus beeindruckender QualitĂ€t. Es gefĂ€llt mir aber einfach nicht. Um es in den Worten der im Buch erscheinenden Lektorin Pinsel zu sagen: ich habe das Buch (nur) ertragen.

geschrieben am 10.05.2015 | 632 Wörter | 3862 Zeichen

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