Navigation

Seiten der Rubrik "Bücher"


Google Anzeigen

Anzeigen

Bücher

Preacher, Bd. 6: Rivalen unter roter Sonne


Statistiken
  • 2716 Aufrufe

Informationen zum Buch
  ISBN
  Buchreihe
  Autor
  Verlag
  Sprache
  Seiten
  Erscheinungsjahr
  Extras

Rezension von

Frank Drehmel

Rivalen unter roter Sonne Nicht nur jene Leser, die sich schon lange die Frage stellten, wie aus dem kleinen Herrn Starr – ja, auch dieser Typ war einst ein Kind – der penisköpfige, zynische, neurotische, sadomasochistische (weniger maso, mehr sado), Massen mordende große Herr Starr werden konnte, erfahren nun in dem Oneshot-Opener dieses Tradepaperbacks, „One Man's War“, die ganze schreckliche und traurige Wahrheit über Jesse Custers besonderen Fan. Starr ist Deutscher! Das erklärt vieles, aber eben nicht alles. Dass er zudem Mitglied der GSG9 – einer Anti-Terroreinheit der Bundespolizei – ist, erklärt schon etwas mehr. Sein Erweckungserlebnis hat er während einer Geiselbefreiung, in deren Verlauf ein kleines Mädchen getötet wurde. Seit diesem Zeitpunkt fühlt er sich berufen, gegen das Böse in der Welt notfalls mit Mitteln des Bösen zu kämpfen, um der Menschheit die Freuden der Ordnung zu bringen. Seine Radikalität erweckt die Aufmerksamkeit des Allvaters des Grals, D'Aronique, und führt schlussendlich den tendenziell asketischen Deutschen an die Spitze der ihrerseits korrupten und von Dekadenz gezeichneten Organisation. Eben dieser Herr Starr ist es – und ab hier findet die reguläre Preacher-Reihe ihre Fortsetzung - der seine Beziehungen in die höchsten politischen Kreise spielen lässt, um eine halbe Armee zu mobilisieren, die Custer, in der Wüste Arizonas dingfest machen soll, auf dass dieser endlich seinen ihm zugedachten Platz als neuer Messias an- und einnehme. In der Tat ist der Priester überrascht, als er sich einer beträchtlichen Anzahl von Truppen gegenübersieht, während Starr und seine Leute ihrerseits überrascht sind, als der Heilige der Killer am Ort des Showdowns auftaucht. Und dann beginnt ein formidables Gemetzel, in dessen Nachwehen Cassidy und Tulip Custer aus den Augen verlieren und Herr Starr hinterwäldlerischen Kannibalen in die Hände fällt, die sich zunächst an einem seiner Beine gütlich tun. Eingedenk der Tatsache, dass deutsche Superhelden in amerikanischen Comics eine Rarität darstellen, sollte man als Kraut schon zufrieden damit sein, wenn wenigstens ein Schurke von Format Emanuel Geibels „Am deutschen Wesen mag die Welt genesen“ alle Ehre macht. Dass Herr Starr ein solcher Kerl von Format ist, daran können angesichts seiner Platzierung im IGN(Imagine Games Network)-Ranking 2009 auf Platz 66 der größten Comic-Schurken aller Zeiten kaum Zweifel bestehen. Herr Starr ist gleichsam die fast schon satirisch überzeichnete Verkörperung jener Eigenschaften - hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder, asketisch, präzise, gefühlskalt, misanthropisch und vollkommen pervers –, die einem Deutschen selbst in entlegenen Orten der Erdballs zugeschrieben werden, und stellt damit konzeptionell den Gegenentwurf zum ungehobelten, hedonistischen, das Leben in allen Facetten und vollen Zügen genießenden Custer dar. Daran, für welche dieser beiden extremen Figuren sein Herz schlägt, lässt Ennis keine Zweifel aufkommen, denn indem er Starr im Laufe der Preacher-Reihe stückchenweise seines Körpers und seiner Würde beraubt, bezieht er eindeutig Stellung. Gleichermaßen für Erheiterung wie für Stirnrunzeln sorgen die historischen Anspielungen in „One Man's War“: hier bezieht sich Ennis zwar eindeutig auf die Entführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ im Jahre 1977 durch palästinensische Terroristen und die erfolgreiche Operation „Feuerzauber“ der GSG 9, liegt aber in den Details so weit daneben, dass es dem geschichtsbewussten deutschen Fan als Ausdruck weniger von künstlerischer Freiheit als vielmehr von Ignoranz erscheint. Abgesehen von diesen kleinen Unzulänglichkeiten wird die „ménage à trois“ zischen Jesse. Tulip und Cassidy allmählich ermüdend und beginnt, ins leicht Seifenoperhafte abzugleiten, während gleichzeitig originelle Szenarien und/oder Figuren zur Mangelware geraten und die Story eher durch – verglichen mit den ersten Alben – sparsame zotige Situationskomik, denn durch frische Ideen getragen wird. Fazit: Auch wenn sich die ersten Ermüdungserscheinungen im Storytelling am Horizont abzeichnen, ist auch dieser sechste Band böser und unterhaltsamer als die Masse des US-Comic-Mainsteams .

Nicht nur jene Leser, die sich schon lange die Frage stellten, wie aus dem kleinen Herrn Starr – ja, auch dieser Typ war einst ein Kind – der penisköpfige, zynische, neurotische, sadomasochistische (weniger maso, mehr sado), Massen mordende große Herr Starr werden konnte, erfahren nun in dem Oneshot-Opener dieses Tradepaperbacks, „One Man's War“, die ganze schreckliche und traurige Wahrheit über Jesse Custers besonderen Fan.

weitere Rezensionen von Frank Drehmel

#
rezensiert seit
Buchtitel
1
18.02.2018
4
18.02.2018
5
18.02.2018

Starr ist Deutscher! Das erklärt vieles, aber eben nicht alles. Dass er zudem Mitglied der GSG9 – einer Anti-Terroreinheit der Bundespolizei – ist, erklärt schon etwas mehr. Sein Erweckungserlebnis hat er während einer Geiselbefreiung, in deren Verlauf ein kleines Mädchen getötet wurde. Seit diesem Zeitpunkt fühlt er sich berufen, gegen das Böse in der Welt notfalls mit Mitteln des Bösen zu kämpfen, um der Menschheit die Freuden der Ordnung zu bringen. Seine Radikalität erweckt die Aufmerksamkeit des Allvaters des Grals, D'Aronique, und führt schlussendlich den tendenziell asketischen Deutschen an die Spitze der ihrerseits korrupten und von Dekadenz gezeichneten Organisation.

Eben dieser Herr Starr ist es – und ab hier findet die reguläre Preacher-Reihe ihre Fortsetzung - der seine Beziehungen in die höchsten politischen Kreise spielen lässt, um eine halbe Armee zu mobilisieren, die Custer, in der Wüste Arizonas dingfest machen soll, auf dass dieser endlich seinen ihm zugedachten Platz als neuer Messias an- und einnehme.

In der Tat ist der Priester überrascht, als er sich einer beträchtlichen Anzahl von Truppen gegenübersieht, während Starr und seine Leute ihrerseits überrascht sind, als der Heilige der Killer am Ort des Showdowns auftaucht. Und dann beginnt ein formidables Gemetzel, in dessen Nachwehen Cassidy und Tulip Custer aus den Augen verlieren und Herr Starr hinterwäldlerischen Kannibalen in die Hände fällt, die sich zunächst an einem seiner Beine gütlich tun.

Eingedenk der Tatsache, dass deutsche Superhelden in amerikanischen Comics eine Rarität darstellen, sollte man als Kraut schon zufrieden damit sein, wenn wenigstens ein Schurke von Format Emanuel Geibels „Am deutschen Wesen mag die Welt genesen“ alle Ehre macht. Dass Herr Starr ein solcher Kerl von Format ist, daran können angesichts seiner Platzierung im IGN(Imagine Games Network)-Ranking 2009 auf Platz 66 der größten Comic-Schurken aller Zeiten kaum Zweifel bestehen.

Herr Starr ist gleichsam die fast schon satirisch überzeichnete Verkörperung jener Eigenschaften - hart wie Kruppstahl, zäh wie Leder, asketisch, präzise, gefühlskalt, misanthropisch und vollkommen pervers –, die einem Deutschen selbst in entlegenen Orten der Erdballs zugeschrieben werden, und stellt damit konzeptionell den Gegenentwurf zum ungehobelten, hedonistischen, das Leben in allen Facetten und vollen Zügen genießenden Custer dar. Daran, für welche dieser beiden extremen Figuren sein Herz schlägt, lässt Ennis keine Zweifel aufkommen, denn indem er Starr im Laufe der Preacher-Reihe stückchenweise seines Körpers und seiner Würde beraubt, bezieht er eindeutig Stellung.

Gleichermaßen für Erheiterung wie für Stirnrunzeln sorgen die historischen Anspielungen in „One Man's War“: hier bezieht sich Ennis zwar eindeutig auf die Entführung der Lufthansa-Maschine „Landshut“ im Jahre 1977 durch palästinensische Terroristen und die erfolgreiche Operation „Feuerzauber“ der GSG 9, liegt aber in den Details so weit daneben, dass es dem geschichtsbewussten deutschen Fan als Ausdruck weniger von künstlerischer Freiheit als vielmehr von Ignoranz erscheint.

Abgesehen von diesen kleinen Unzulänglichkeiten wird die „ménage à trois“ zischen Jesse. Tulip und Cassidy allmählich ermüdend und beginnt, ins leicht Seifenoperhafte abzugleiten, während gleichzeitig originelle Szenarien und/oder Figuren zur Mangelware geraten und die Story eher durch – verglichen mit den ersten Alben – sparsame zotige Situationskomik, denn durch frische Ideen getragen wird.

Fazit: Auch wenn sich die ersten Ermüdungserscheinungen im Storytelling am Horizont abzeichnen, ist auch dieser sechste Band böser und unterhaltsamer als die Masse des US-Comic-Mainsteams .

geschrieben am 02.11.2009 | 589 Wörter | 3651 Zeichen

Kommentare lesen Kommentar schreiben

Kommentare zur Rezension (0)

Platz für Anregungen und Ergänzungen