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Haus ohne Halt


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Rezension von

Dr. Benjamin Krenberger

Haus ohne Halt Der im Original 1980 erschienene Roman „Haus ohne Halt“ wurde neu ĂŒbersetzt und zusĂ€tzlich zum Text erhĂ€lt man im Abspann des Romans Informationen zu den Handelnden und zur Autorin, immerhin Pulitzer-PreistrĂ€gerin. Auf diese Weise bekommt man als Leser ein abgerundetes Gesamtbild der im Roman beschriebenen Situationen und Orte, die durch den Roman selbst schon sehr plastisch und poetisch transportiert werden. In einem kleinen Ort in den Rocky Mountains, Fingerbone genannt (in RealitĂ€t wohl Sandpoint nachempfunden, wo die Autorin selbst aufwuchs), dominiert von umliegenden Bergketten und einem großen See, wachsen zwei sehr ungleiche Schwestern auf, Ruth und Lucille. Ruth ist die Ă€ltere der beiden und die ErzĂ€hlerin. Ihre Mutter Helen setzt sie eines Tages auf der Veranda der Großmutter, also vor ihrem eigenen Elternhaus ab und begeht im nahe gelegenen See Selbstmord. Wesentlich frĂŒher war schon Helens Vater, also der Großvater der beiden Schwestern bei einem ZugunglĂŒck im See tragisch ums Leben gekommen und die beiden Schwestern von Helen sind, zunĂ€chst, außer Reichweite: die eine befindet sich zum Missionieren in Asien, die andere, Sylvie, ist an unbekanntem Ort, scheinbar verheiratet und, wie sich spĂ€ter herausstellt, zur Landstreicherin geworden. Nach dem Tod der Großmutter sorgen zunĂ€chst zwei noch lebende, aber betagte Schwestern der Großmutter fĂŒr die beiden jungen MĂ€dchen, sind aber mit der Aufgabe körperlich und geistig ĂŒberfordert. Es gelingt ihnen, Kontakt mit Sylvie aufzunehmen, diese erscheint tatsĂ€chlich in Fingerbone und kĂŒmmert sich ab dann auf ihre Weise um die beiden Schwestern. Eine Weile lang geht das gut, aber mit beginnender PubertĂ€t geht Lucille die unorganisierte und trĂ€umerische Lebensweise von Sylvie auf die Nerven, sie versucht zunĂ€chst die Familie zu leiten und das Geld zu verwalten, vor allem aber sich an den Werten der „normalen“ Leute zu orientieren. Dabei zieht Ruth aber nicht mit, denn sie tendiert vom Wesen her eher zu Sylvie und so verlĂ€sst Lucille irgendwann die Familie und wird von einer Hauswirtschaftslehrerin aufgenommen. Sylvie und Ruth leben vor sich hin und irgendwann steht eine Anhörung vor dem Vormundschaftsgericht an, weil man Sylvie nicht zutraut, fĂŒr Ruth zu sorgen. In Anbetracht dessen fliehen die beiden und Ruth wird selbst an Sylvies Seite zur Landstreicherin. Neben der großartigen, poetischen Sprache, den opulenten und imposanten Beschreibungen und Metaphern fĂŒr Natur und GefĂŒhle sorgen zahlreiche große Themen dafĂŒr, dass man von diesem Roman eingenommen wird - sofern man sich darauf einlassen kann, es ist nicht immer leichte Lesekost. Wie Familien entstehen, bestehen und auseinandergerissen werden, welche Folgen man zeitlebens mit sich herumtrĂ€gt, wie wenig man seinem Schicksal ausweichen kann, wie man mit der Natur und Sinneswahrnehmungen in Einklang geraten kann, das Alleinsein und vor allem die Freiheit, einerseits der Drang danach, andererseits die dadurch erreichte Heimatlosigkeit, sind prĂ€gende Aspekte des Romans. Bisweilen geraten die Überlegungen Ruths sehr ins religiöse, fast metaphysische, aber das passt zu ihrem Charakter, der als ununterscheidbar zwischen TrĂ€umen und Denken beschrieben wird. Das Anderssein als die Norm, gerade in einem sehr religiösen amerikanischen Nest, das Leben nach eigenen Vorstellungen, das Streben nach UnabhĂ€ngigkeit, das Loslassen von Besitz, das alles wird direkt und indirekt angesprochen und mit den handelnden Protagonistinnen des Buches wunderbar verknĂŒpft. Dabei kommen auch immer wieder Hinweise auf literarische Vorbilder zu Tage, worauf die Nachworte netterweise hinweisen, etwa auf die „huckleberries“, die Ruth verspeist und auf den großen Mark Twain Bezug nehmen. Die LektĂŒre der Nachworte hilft auch, die Bedeutung des Romans richtig einzuordnen. Besonders die letzten Zeilen des Romans sind sehr berĂŒhrend, wenn nĂ€mlich Ruth darĂŒber rĂ€soniert, dass sie ihre Schwester nie wieder sehen oder auffinden wird, sie beide auch jeweils des anderen gewĂ€hlten Lebensentwurf nicht verstehen wĂŒrden, aber sie doch einander in unertrĂ€glicher Weise vermissen, das Schicksal jeder auseinandergerissenen Familie.

Der im Original 1980 erschienene Roman „Haus ohne Halt“ wurde neu ĂŒbersetzt und zusĂ€tzlich zum Text erhĂ€lt man im Abspann des Romans Informationen zu den Handelnden und zur Autorin, immerhin Pulitzer-PreistrĂ€gerin. Auf diese Weise bekommt man als Leser ein abgerundetes Gesamtbild der im Roman beschriebenen Situationen und Orte, die durch den Roman selbst schon sehr plastisch und poetisch transportiert werden.

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In einem kleinen Ort in den Rocky Mountains, Fingerbone genannt (in RealitĂ€t wohl Sandpoint nachempfunden, wo die Autorin selbst aufwuchs), dominiert von umliegenden Bergketten und einem großen See, wachsen zwei sehr ungleiche Schwestern auf, Ruth und Lucille. Ruth ist die Ă€ltere der beiden und die ErzĂ€hlerin. Ihre Mutter Helen setzt sie eines Tages auf der Veranda der Großmutter, also vor ihrem eigenen Elternhaus ab und begeht im nahe gelegenen See Selbstmord. Wesentlich frĂŒher war schon Helens Vater, also der Großvater der beiden Schwestern bei einem ZugunglĂŒck im See tragisch ums Leben gekommen und die beiden Schwestern von Helen sind, zunĂ€chst, außer Reichweite: die eine befindet sich zum Missionieren in Asien, die andere, Sylvie, ist an unbekanntem Ort, scheinbar verheiratet und, wie sich spĂ€ter herausstellt, zur Landstreicherin geworden. Nach dem Tod der Großmutter sorgen zunĂ€chst zwei noch lebende, aber betagte Schwestern der Großmutter fĂŒr die beiden jungen MĂ€dchen, sind aber mit der Aufgabe körperlich und geistig ĂŒberfordert. Es gelingt ihnen, Kontakt mit Sylvie aufzunehmen, diese erscheint tatsĂ€chlich in Fingerbone und kĂŒmmert sich ab dann auf ihre Weise um die beiden Schwestern. Eine Weile lang geht das gut, aber mit beginnender PubertĂ€t geht Lucille die unorganisierte und trĂ€umerische Lebensweise von Sylvie auf die Nerven, sie versucht zunĂ€chst die Familie zu leiten und das Geld zu verwalten, vor allem aber sich an den Werten der „normalen“ Leute zu orientieren. Dabei zieht Ruth aber nicht mit, denn sie tendiert vom Wesen her eher zu Sylvie und so verlĂ€sst Lucille irgendwann die Familie und wird von einer Hauswirtschaftslehrerin aufgenommen. Sylvie und Ruth leben vor sich hin und irgendwann steht eine Anhörung vor dem Vormundschaftsgericht an, weil man Sylvie nicht zutraut, fĂŒr Ruth zu sorgen. In Anbetracht dessen fliehen die beiden und Ruth wird selbst an Sylvies Seite zur Landstreicherin.

Neben der großartigen, poetischen Sprache, den opulenten und imposanten Beschreibungen und Metaphern fĂŒr Natur und GefĂŒhle sorgen zahlreiche große Themen dafĂŒr, dass man von diesem Roman eingenommen wird - sofern man sich darauf einlassen kann, es ist nicht immer leichte Lesekost. Wie Familien entstehen, bestehen und auseinandergerissen werden, welche Folgen man zeitlebens mit sich herumtrĂ€gt, wie wenig man seinem Schicksal ausweichen kann, wie man mit der Natur und Sinneswahrnehmungen in Einklang geraten kann, das Alleinsein und vor allem die Freiheit, einerseits der Drang danach, andererseits die dadurch erreichte Heimatlosigkeit, sind prĂ€gende Aspekte des Romans. Bisweilen geraten die Überlegungen Ruths sehr ins religiöse, fast metaphysische, aber das passt zu ihrem Charakter, der als ununterscheidbar zwischen TrĂ€umen und Denken beschrieben wird. Das Anderssein als die Norm, gerade in einem sehr religiösen amerikanischen Nest, das Leben nach eigenen Vorstellungen, das Streben nach UnabhĂ€ngigkeit, das Loslassen von Besitz, das alles wird direkt und indirekt angesprochen und mit den handelnden Protagonistinnen des Buches wunderbar verknĂŒpft. Dabei kommen auch immer wieder Hinweise auf literarische Vorbilder zu Tage, worauf die Nachworte netterweise hinweisen, etwa auf die „huckleberries“, die Ruth verspeist und auf den großen Mark Twain Bezug nehmen. Die LektĂŒre der Nachworte hilft auch, die Bedeutung des Romans richtig einzuordnen.

Besonders die letzten Zeilen des Romans sind sehr berĂŒhrend, wenn nĂ€mlich Ruth darĂŒber rĂ€soniert, dass sie ihre Schwester nie wieder sehen oder auffinden wird, sie beide auch jeweils des anderen gewĂ€hlten Lebensentwurf nicht verstehen wĂŒrden, aber sie doch einander in unertrĂ€glicher Weise vermissen, das Schicksal jeder auseinandergerissenen Familie.

geschrieben am 15.03.2013 | 604 Wörter | 3618 Zeichen

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