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Hundert-Dollar-Küsse


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Rezension von

Dr. Benjamin Krenberger

Hundert-Dollar-Küsse Kurt Vonnegut ist einer der bekanntesten amerikanischen Autoren der Gegenwart und Bezugspunkt für zahlreiche junge Autoren, sei es als Vorbild, sei es als Referenz. Abseits großer Romane und gesellschaftlicher Auseinandersetzungen, bei Vonnegut waren es u.a. seine Kriegserfahrungen, muss ein Autor aber manchmal mit seinen Geschichten einfach nur seinen Lebensunterhalt bestreiten. Der vorliegende Band mit frühen Erzählungen, die von ebendiesem Charakter sind, ist der dritte einer posthum erschienen Reihe und vereint 16 mehr oder weniger kurze Geschichten, die alle den Stil gemeinsam haben: eine überraschende Wendung und eine Pointe oder Weisung für den Leser. Im Vorwort benennt Dave Eggers diesen Geschichtentyp als Mausefallen-Story, die den Leser austrickst. Viel wichtiger als dieser handwerkliche Vorzug der Geschichten, die in so krassem Gegensatz zu vielen deskriptiven und kraftlosen Romanen der letzten Jahre steht, ist der moralische Fingerzeig, den der Autor dem Leser zur gedanklichen Vertiefung mit auf den Weg gibt: ein Mahnen, ein Schmunzeln, ein Grübeln, eine Konfliktsituation. Auch diese Positionierung eines Autors ist vielen Werken der letzten Jahre fremd geworden, als wolle der moderne aufgeklärte Leser nicht mehr belehrt werden. Dabei hat es nie geschadet, den Spiegel vorgehalten zu bekommen, gerade wenn die Gedanken schon in eine bestimmte Richtung abzuwandern drohten. Beispiele für die oben genannten Stilelemente können aus den vielen Geschichten problemlos herangezogen werden. In der Geschichte über den „Mädels-Pool“ etwa wird der Leser mit der unerwarteten Menschlichkeit einer vorher wunderbar unsympathischen Sekretärinnen-Aufseherin konfrontiert. Die Tragik des Erfinders, der seine Ehefrau als Abbild für einen Roboter hernimmt und sich dann in den Roboter verliebt, ist der Einstieg des Buches. Das Verständnis für einen Gewaltausbruch wird am Ende der Geschichte „Hundert-Dollar-Küsse“ geprüft. Und das Aufsichnehmen eines zukünftig psychisch höchst beschwerlichen Lebens beschreibt die Erzählung „Ruth“. Daneben gibt es aber natürlich auch schwächere Erzählungen, etwa die über die fiktive Epizootie oder über den enttäuschten Vormund im Zeitpunkt der Volljährigkeit seines Mündels. Ebenso findet man schlichte Momentaufnahmen, in denen ohnehin trostlose Charaktere ihrem Schicksal wie vorhersehbar gerade keine Wendung zum Positiven geben, so in der Geschichte „Die Hand immer am Regler“, wobei aber die Dialoge vor wunderbarer Ironie nur so bersten. Verschmitzte, den Leser nicht ganz aufklärende Episoden sind aber auch vorhanden, etwa in der Geschichte über den Weihnachtshasser Hackleman, der nur scheinbar zum Besseren bekehrt wurde, aber letzten Endes dann doch den Weihnachtsgedanken gelebt hat. Insgesamt ist dieses reichhaltige Buch ein höchst abwechslungsreicher Lesegenuss, der den Leser immer wieder geistig fordert und verblüfft.

Kurt Vonnegut ist einer der bekanntesten amerikanischen Autoren der Gegenwart und Bezugspunkt für zahlreiche junge Autoren, sei es als Vorbild, sei es als Referenz. Abseits großer Romane und gesellschaftlicher Auseinandersetzungen, bei Vonnegut waren es u.a. seine Kriegserfahrungen, muss ein Autor aber manchmal mit seinen Geschichten einfach nur seinen Lebensunterhalt bestreiten. Der vorliegende Band mit frühen Erzählungen, die von ebendiesem Charakter sind, ist der dritte einer posthum erschienen Reihe und vereint 16 mehr oder weniger kurze Geschichten, die alle den Stil gemeinsam haben: eine überraschende Wendung und eine Pointe oder Weisung für den Leser. Im Vorwort benennt Dave Eggers diesen Geschichtentyp als Mausefallen-Story, die den Leser austrickst. Viel wichtiger als dieser handwerkliche Vorzug der Geschichten, die in so krassem Gegensatz zu vielen deskriptiven und kraftlosen Romanen der letzten Jahre steht, ist der moralische Fingerzeig, den der Autor dem Leser zur gedanklichen Vertiefung mit auf den Weg gibt: ein Mahnen, ein Schmunzeln, ein Grübeln, eine Konfliktsituation. Auch diese Positionierung eines Autors ist vielen Werken der letzten Jahre fremd geworden, als wolle der moderne aufgeklärte Leser nicht mehr belehrt werden. Dabei hat es nie geschadet, den Spiegel vorgehalten zu bekommen, gerade wenn die Gedanken schon in eine bestimmte Richtung abzuwandern drohten.

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Beispiele für die oben genannten Stilelemente können aus den vielen Geschichten problemlos herangezogen werden. In der Geschichte über den „Mädels-Pool“ etwa wird der Leser mit der unerwarteten Menschlichkeit einer vorher wunderbar unsympathischen Sekretärinnen-Aufseherin konfrontiert. Die Tragik des Erfinders, der seine Ehefrau als Abbild für einen Roboter hernimmt und sich dann in den Roboter verliebt, ist der Einstieg des Buches. Das Verständnis für einen Gewaltausbruch wird am Ende der Geschichte „Hundert-Dollar-Küsse“ geprüft. Und das Aufsichnehmen eines zukünftig psychisch höchst beschwerlichen Lebens beschreibt die Erzählung „Ruth“.

Daneben gibt es aber natürlich auch schwächere Erzählungen, etwa die über die fiktive Epizootie oder über den enttäuschten Vormund im Zeitpunkt der Volljährigkeit seines Mündels. Ebenso findet man schlichte Momentaufnahmen, in denen ohnehin trostlose Charaktere ihrem Schicksal wie vorhersehbar gerade keine Wendung zum Positiven geben, so in der Geschichte „Die Hand immer am Regler“, wobei aber die Dialoge vor wunderbarer Ironie nur so bersten. Verschmitzte, den Leser nicht ganz aufklärende Episoden sind aber auch vorhanden, etwa in der Geschichte über den Weihnachtshasser Hackleman, der nur scheinbar zum Besseren bekehrt wurde, aber letzten Endes dann doch den Weihnachtsgedanken gelebt hat.

Insgesamt ist dieses reichhaltige Buch ein höchst abwechslungsreicher Lesegenuss, der den Leser immer wieder geistig fordert und verblüfft.

geschrieben am 26.01.2013 | 399 Wörter | 2493 Zeichen

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