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Yin Yoga


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Rezension von

Ragan Tanger

Yin Yoga Weibliche Yogaqualität Über die historischen Ursprünge der Leistungsgesellschaft zu sinnieren ist an anderer Stelle (bei psychologischen, philosophischen oder historischen Exkursen) äußerst angebracht; das es sie zuvorderst gibt und sie das Credo unserer Moderne geworden sind, darüber sollte man aber nicht streiten, sondern viel mehr schauen, wie man damit umgeht und welche Gefahren sie birgt. Das Passivität, die weibliche Intuition, die dunkle Nacht, das Verborgene und das nicht dem logischen Verstand Zugängliche negiert, missverstanden und auf die Müllhalde des Daseins geworfen werden – eine anthropologische Schande, aber leider ein Faktum. Umso wichtiger sind diejenigen, die uns den ganzheitlichen Spiegel vorhalten und Alternativen in einer allzu männlichen, schaffenden und stetig produktiven Welt anbieten. Stefanie Arend kam erst spät zum Yoga, doch ergriff es sie in seiner ganzen Fülle und die Autorin des vorliegenden Werkes wurde tief in die Materie hineingezogen. Aus- und Fortbildungen, Workshops und Kurse: In der Welt des Yoga wird sehr viel angeboten und Arend nahm es dankbar an; aufgrund einer körperlichen Beschwerde kam sie dann auch zum Yin Yoga, eine in Deutschland und der westlichen Welt nicht nur relativ unbekannte, sondern auch ungewohnte Bewegungsform. Denn die von Paul Grilley in den USA skizzierte Yogavariante verschrieb sich das Yin, also die eingangs erwähnte Passivität, zum Credo des Yoga. Im Gegensatz zu Power, Bikram, Ashtanga und vielen anderen Yogaformen (ganz zu schweigen von dem, was man in deutschen Fitness- und Gesundheitsstudios unter Yoga versteht) eine äußerst passive, entspannende und vor allen Dingen muskelschonende Bewegungsform. Arend kombiniert ihre Übungen, die einfach und nett bebildert und locker beschrieben sind, mit der Meridiantherapie. Aus asiatischer Sicht wirkt jede Asana auf bestimmte Energiepunkte, die wiederum den Kreislauf der Meridiane, also der unsichtbaren Verbindungslinien im Körper, anregen. Die dazugehörigen Organe stellt Arend in ihrem Buch vor – einfach unkompliziert, nicht für die Dogmatiker und Traditionalisten gedacht, sondern für den interessierten Anwender. Viel besser sind dennoch ihre Übungen, die sie in Entspannungsübungen (die klassischen wie Kind- und Totenstellung), Yogaübungen (hier Positionen für zwischendurch genannt), die also im klassischen Yoga eine wichtige Rolle spielen und anstrengend und aktivierend sind, und, der Großteil, die Yin-Übungen, häufig beugende, fallende und immer lösende Asanas. Am Ende, sehr gut und optimal abrundend, gibt es schön zusammengestellte Sequenzen, entweder für entsprechende Organe und Meridiane oder als ausgleichende Bewegungsfolgen. Von einem bewegungstherapeutischen Standpunkt ein unheimlich wertvolles Buch, das zwar seine Schwächen hat, die man aber dafür nicht nur gerne in Kauf nimmt, sondern wenn man so will, als vielleicht nicht beabsichtigten, sondern intuitiv richtigen Komplementäraspekt betrachten darf. So gibt es, wie Arend verkündet, keine Gelenke im menschlichen Körper, die man Dehnen könnte und auch sonst ist ihr anatomisch-biologisches Wissen eher marginal, denn auch das (Zentrum des Buchs) Verständnis von Muskelaktivität ist so ja nicht haltbar. Grundtonus und Ruhespannung sind Begriffe, die eigentlich fehlen, auch Kobra oder Sphinx als Yin-Übungen zu klassifizieren ist irgendwie seltsam, strengt man doch bei diesen zutiefst die Rückenstrecke ran. Aber, aber, aber: Das ist eines der wertvollsten Yogabücher der letzten Jahre. Warum? Weil es eine Oase im Dschungel des Müssenwollens und Könnenwollens darstellt. Weil es schon in der Einleitung darauf hinweist, dass jeder nach Eignung und Neigung sich bewegen darf, dass es keine vorgefertigten Bewegungsformen gibt, das es an der Zeit ist, loszulassen und weniger zu müssen. Dazu kommt der gerade bei diesen Übungen richtig gute Ansatz, die Asanas statisch und mehrere Minuten lang zu halten. Der Yin-Aspekt drückt sich auch in der sanften Art aus, wie Arend ihre Übungen selbst vormacht. Keine geschminkte Modelschönheit, keine extremen Verrenkungen – menschlich, weiblich, zutiefst dem göttlichen Wesen der Bewegung vertrauend. Bitte mehr von diesen Büchern und im Sinne Simone de Beauvoirs: Ein Kampf dem Yoga-Muskelschweiß! Denn das hat Pantanjali bestimmt nicht gewollt.

Weibliche Yogaqualität

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Über die historischen Ursprünge der Leistungsgesellschaft zu sinnieren ist an anderer Stelle (bei psychologischen, philosophischen oder historischen Exkursen) äußerst angebracht; das es sie zuvorderst gibt und sie das Credo unserer Moderne geworden sind, darüber sollte man aber nicht streiten, sondern viel mehr schauen, wie man damit umgeht und welche Gefahren sie birgt. Das Passivität, die weibliche Intuition, die dunkle Nacht, das Verborgene und das nicht dem logischen Verstand Zugängliche negiert, missverstanden und auf die Müllhalde des Daseins geworfen werden – eine anthropologische Schande, aber leider ein Faktum. Umso wichtiger sind diejenigen, die uns den ganzheitlichen Spiegel vorhalten und Alternativen in einer allzu männlichen, schaffenden und stetig produktiven Welt anbieten.

Stefanie Arend kam erst spät zum Yoga, doch ergriff es sie in seiner ganzen Fülle und die Autorin des vorliegenden Werkes wurde tief in die Materie hineingezogen. Aus- und Fortbildungen, Workshops und Kurse: In der Welt des Yoga wird sehr viel angeboten und Arend nahm es dankbar an; aufgrund einer körperlichen Beschwerde kam sie dann auch zum Yin Yoga, eine in Deutschland und der westlichen Welt nicht nur relativ unbekannte, sondern auch ungewohnte Bewegungsform. Denn die von Paul Grilley in den USA skizzierte Yogavariante verschrieb sich das Yin, also die eingangs erwähnte Passivität, zum Credo des Yoga. Im Gegensatz zu Power, Bikram, Ashtanga und vielen anderen Yogaformen (ganz zu schweigen von dem, was man in deutschen Fitness- und Gesundheitsstudios unter Yoga versteht) eine äußerst passive, entspannende und vor allen Dingen muskelschonende Bewegungsform.

Arend kombiniert ihre Übungen, die einfach und nett bebildert und locker beschrieben sind, mit der Meridiantherapie. Aus asiatischer Sicht wirkt jede Asana auf bestimmte Energiepunkte, die wiederum den Kreislauf der Meridiane, also der unsichtbaren Verbindungslinien im Körper, anregen. Die dazugehörigen Organe stellt Arend in ihrem Buch vor – einfach unkompliziert, nicht für die Dogmatiker und Traditionalisten gedacht, sondern für den interessierten Anwender. Viel besser sind dennoch ihre Übungen, die sie in Entspannungsübungen (die klassischen wie Kind- und Totenstellung), Yogaübungen (hier Positionen für zwischendurch genannt), die also im klassischen Yoga eine wichtige Rolle spielen und anstrengend und aktivierend sind, und, der Großteil, die Yin-Übungen, häufig beugende, fallende und immer lösende Asanas. Am Ende, sehr gut und optimal abrundend, gibt es schön zusammengestellte Sequenzen, entweder für entsprechende Organe und Meridiane oder als ausgleichende Bewegungsfolgen.

Von einem bewegungstherapeutischen Standpunkt ein unheimlich wertvolles Buch, das zwar seine Schwächen hat, die man aber dafür nicht nur gerne in Kauf nimmt, sondern wenn man so will, als vielleicht nicht beabsichtigten, sondern intuitiv richtigen Komplementäraspekt betrachten darf. So gibt es, wie Arend verkündet, keine Gelenke im menschlichen Körper, die man Dehnen könnte und auch sonst ist ihr anatomisch-biologisches Wissen eher marginal, denn auch das (Zentrum des Buchs) Verständnis von Muskelaktivität ist so ja nicht haltbar. Grundtonus und Ruhespannung sind Begriffe, die eigentlich fehlen, auch Kobra oder Sphinx als Yin-Übungen zu klassifizieren ist irgendwie seltsam, strengt man doch bei diesen zutiefst die Rückenstrecke ran. Aber, aber, aber: Das ist eines der wertvollsten Yogabücher der letzten Jahre. Warum? Weil es eine Oase im Dschungel des Müssenwollens und Könnenwollens darstellt. Weil es schon in der Einleitung darauf hinweist, dass jeder nach Eignung und Neigung sich bewegen darf, dass es keine vorgefertigten Bewegungsformen gibt, das es an der Zeit ist, loszulassen und weniger zu müssen. Dazu kommt der gerade bei diesen Übungen richtig gute Ansatz, die Asanas statisch und mehrere Minuten lang zu halten.

Der Yin-Aspekt drückt sich auch in der sanften Art aus, wie Arend ihre Übungen selbst vormacht. Keine geschminkte Modelschönheit, keine extremen Verrenkungen – menschlich, weiblich, zutiefst dem göttlichen Wesen der Bewegung vertrauend. Bitte mehr von diesen Büchern und im Sinne Simone de Beauvoirs: Ein Kampf dem Yoga-Muskelschweiß! Denn das hat Pantanjali bestimmt nicht gewollt.

geschrieben am 19.12.2011 | 610 Wörter | 3699 Zeichen

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