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Woher ich komme


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Rezension von

Paul Niemeyer

Woher ich komme Zum einen nutzt Alexa Hennig von Lange, in ihrem inzwischen vierten Roman "Woher ich komme", betont plastische Sätze ("Meine Mutter sitzt vor dem Kuhstall, beißt auf der Hornhaut ihres Daumens herum." , "Nach dem Essen mäht Papa unseren Rasen. Kräftig muss er sich gegen die hellgrüne Mähmaschine stemmen, damit sich die verrostete Trommel mit den scharfen Klingen über den unebenen Boden bewegt.", "Wenn sie im Bett lagen, mein Bruder schlief, ging ich raus auf die Veranda, riss mir manchmal einen Splitter ein, das Holz war roh, der Himmel über dem Meer sehr hell.".). Zum anderen hält von Lange die Stimmung und das Ziel des Romans vage; das erreicht sie über ein Splitting des Geschehens in vier Ebenen. Diese "Verebnung" (Zeit- und Raumsprünge) entpuppt sich allerdings als Kunstgriff. Langes Roman fehlt die Substanz, um in vier Sphären wirken zu können. In "Woher ich komme" versucht die 30jährige Ich-Erzählerin, sich über ihre Vergangenheit klar zu werden; Vergangenheit, das war und ist in ihrem Fall Familie, und da die Mutter ("Es gibt kein festes Bild von meiner Mutter, das immer wieder aus der Erinnerung auftaucht. Es sind eher Körperpartien, die ich sehr genau vor Augen habe.") und der um Jahre jüngere Bruder ("Ich war süchtig danach, ihn anzufassen. Komm her. Seine weiche, duftende Haut. Mein Bruder. Ich hätte ihn immer umarmen, immer fassen, fangen mögen, um ihn am mich zu drücken. Genauso ging es meiner Mutter.") bei einem Unglück im Watt ("und plötzlich füllten sich die Priele. Mein Vater kam allein zurück.") ums Leben kamen, bleibt ihr nur ihr Vater; der allerdings "sieht müde aus - der Ehering scheint viel zu eng", er wirkt abgelebt, ratlos, im Stillstand, verstummt, weit weg, ein erster Dialog über die Geschehnisse vor einem viertel Jahrhundert will nicht aufkommen. Die gemeinsame Fahrt im Auto samt Ankunft im Ferienhaus ist geprägt von gegenseitiger Hilflosigkeit; die Tochter, d. h. die Ich-Erzählerin, fühlt sehr viele Fragen in sich, sogleich merkt sie, ihr Vater ist nicht mehr der Vater von damals; Ungewissheiten bestehen weiter. Dieses mit-ihren-Fragen-alleine-bleiben bei parallelem Erinnerungsstrom bildet eines der nostalgischen Momente im Roman. Andere Momente folgen folgenden Themen: Schlachten von Schafen, die erste Schulstunde, Autogenes Training, Tschernobyl, Pädophilie. Ich war etwas verwirrt bei der Lektüre, denn in "Woher ich komme" treffen schlichtes Thema und schwer nachvollziehbare Aufmachung aufeinander. Unglücklich machte mich auch das verzweifelte Fährten-Legen von Langes, z. B. "sie hatte viele Sommersprossen, im Gesicht und auf den Armen". Von Langes Roman ist in autobiografischen Ton gefasst, ja; mit seiner Autorin hat er nichts zu tun, nein. Zwar bietet die Lektüre Unterhaltsames, aber nichts Nachhaltiges; nach dem Buch ist vor dem Buch.

Zum einen nutzt Alexa Hennig von Lange, in ihrem inzwischen vierten Roman "Woher ich komme", betont plastische Sätze ("Meine Mutter sitzt vor dem Kuhstall, beißt auf der Hornhaut ihres Daumens herum." , "Nach dem Essen mäht Papa unseren Rasen. Kräftig muss er sich gegen die hellgrüne Mähmaschine stemmen, damit sich die verrostete Trommel mit den scharfen Klingen über den unebenen Boden bewegt.", "Wenn sie im Bett lagen, mein Bruder schlief, ging ich raus auf die Veranda, riss mir manchmal einen Splitter ein, das Holz war roh, der Himmel über dem Meer sehr hell.".). Zum anderen hält von Lange die Stimmung und das Ziel des Romans vage; das erreicht sie über ein Splitting des Geschehens in vier Ebenen.

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24.03.2004
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20.03.2004

Diese "Verebnung" (Zeit- und Raumsprünge) entpuppt sich allerdings als Kunstgriff. Langes Roman fehlt die Substanz, um in vier Sphären wirken zu können. In "Woher ich komme" versucht die 30jährige Ich-Erzählerin, sich über ihre Vergangenheit klar zu werden; Vergangenheit, das war und ist in ihrem Fall Familie, und da die Mutter ("Es gibt kein festes Bild von meiner Mutter, das immer wieder aus der Erinnerung auftaucht. Es sind eher Körperpartien, die ich sehr genau vor Augen habe.") und der um Jahre jüngere Bruder ("Ich war süchtig danach, ihn anzufassen. Komm her. Seine weiche, duftende Haut. Mein Bruder. Ich hätte ihn immer umarmen, immer fassen, fangen mögen, um ihn am mich zu drücken. Genauso ging es meiner Mutter.") bei einem Unglück im Watt ("und plötzlich füllten sich die Priele. Mein Vater kam allein zurück.") ums Leben kamen, bleibt ihr nur ihr Vater; der allerdings "sieht müde aus - der Ehering scheint viel zu eng", er wirkt abgelebt, ratlos, im Stillstand, verstummt, weit weg, ein erster Dialog über die Geschehnisse vor einem viertel Jahrhundert will nicht aufkommen. Die gemeinsame Fahrt im Auto samt Ankunft im Ferienhaus ist geprägt von gegenseitiger Hilflosigkeit; die Tochter, d. h. die Ich-Erzählerin, fühlt sehr viele Fragen in sich, sogleich merkt sie, ihr Vater ist nicht mehr der Vater von damals; Ungewissheiten bestehen weiter. Dieses mit-ihren-Fragen-alleine-bleiben bei parallelem Erinnerungsstrom bildet eines der nostalgischen Momente im Roman. Andere Momente folgen folgenden Themen: Schlachten von Schafen, die erste Schulstunde, Autogenes Training, Tschernobyl, Pädophilie.

Ich war etwas verwirrt bei der Lektüre, denn in "Woher ich komme" treffen schlichtes Thema und schwer nachvollziehbare Aufmachung aufeinander. Unglücklich machte mich auch das verzweifelte Fährten-Legen von Langes, z. B. "sie hatte viele Sommersprossen, im Gesicht und auf den Armen". Von Langes Roman ist in autobiografischen Ton gefasst, ja; mit seiner Autorin hat er nichts zu tun, nein.

Zwar bietet die Lektüre Unterhaltsames, aber nichts Nachhaltiges; nach dem Buch ist vor dem Buch.

geschrieben am 20.03.2004 | 431 Wörter | 2385 Zeichen

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