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Mein verspieltes Land


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Rezension von

Mario Pf.

Mein verspieltes Land Innerhalb von kaum 20 Jahren hat sich das Ungarnbild in der europäischen Öffentlichkeit radikal geändert. Vom Hoffnungsträger zum Sorgenkind Europas, dem nachgesagt wird, es könnte durch eine Krise die ganze südosteuropäische Region erschüttern. Wie es dazu kommen konnte, stellt die meisten Beobachter vor eine unangenehme Frage, denn die wenigsten haben dem für die Donaumonarchie und das mitteleuropäische Machtgefüge einst so bedeutendem Land bis zu den Schreckensnachrichten um ein Aufflammen von Antisemitismus, Rassismus und einer regen Wiederverwendung von Pfeilkreuzler-Symbolik Aufmerksamkeit geschenkt. Dass Ungarn im Zuge der Wahlen des Jahres 2010 und der Finanzkrise ins Licht einer breiteren europäischen Öffentlichkeit zurückgekehrt ist, überrascht jedenfalls nicht mehr, hat sich der Musterschüler in eine für die Europäische Union recht unvorteilhafte Lage manövriert. Wie es soweit kommen konnte, beleuchtet der Osteuropa-Experte Paul Lendvai in seinem neuesten Buch, das sich mit einer Geschichte Ungarns seit der Wende bis ins Jahr 2010 auseinandersetzt und damit auch Lendvais frühere Werke über seine ursprüngliche Heimat, wie\"Ungarn: Eine tausendjährige Geschichte" fortsetzt. So manches Thema das Lendvai in seinem aktuellsten Werk über Ungarn aufarbeitet, ist dem interessierten Leser teils auch bereits in der von Lendvai mitherausgegebenen und als Chefredakteur maßgeblich mitgeprägten "Europäischen Rundscha\" begegnet. "Mein verspieltes Land" fasst diese Artikel jedoch nicht als Sammelband zusammen, sondern ist eine keineswegs selbstverständliche Eigenproduktion Lendvais, der dafür selbst zur Feder gegriffen hat, und das verleiht dem Werk gleich eine ganz besondere Note, denn es folgt damit einem deutlichen roten Faden und homogenen Stil. In "Mein verspieltes Land" zeichnet Lendvai primär die Entwicklung Ungarns seit dem Fall des Eisernen Vorhangs nach und orientiert sich dabei am Aufstieg und Fall der jeweiligen Regierungen und ihrer Ministerpräsidenten. Doch er verfolgt auch die Wurzeln der Faktoren, welche zu den Krisen der letzten Jahre und Jahrzehnte geführt haben, etwa der ungarischen Spielart von Geschichtsverklärung und Fremdenfeindlichkeit, welche sogar zur Gründung der Ungarischen Garde durch die rechtsradikale Partei Jobbik geführt hat oder die durch Viktor Orbáns Regierungsbündnis forcierte Übernahme der Medien in den letzten Jahren, sowie den Zerfall der großen Sammelpartei MDF und den Untergang der durch Korruption und interne Machtkämpfe gebeutelten Sozialisten/Postkommunisten. Was Lendvais Werk so besonders macht, er verknüpft Zeitgeschichte mit brandaktueller Politik und stützt sich dabei auf Quellen die nur jenem erlesenen Korrespondentenkreis zugänglich sind, die des Ungarischen mächtig sind, womit er sich von frei von der Leber weg philosophierenden Kollegen gleich einmal abhebt. Lendvai versteht Ungarn wie kaum ein anderer und er nutzt dieses Wissen auf die denkbar beste Art, nämlich um es an die interessierten Leser weiterzugeben. Was Lendvais "Mein verspieltes Land" auszeichnet ist, dass der Autor mehr als bloß seine Hausaufgaben gemacht und sich auf die entsprechenden Quellen gestürzt hat. Das vorliegende Buch ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen journalistischen Tätigkeit und Beschäftigung mit den Geschehnissen in Lendvais Heimatland. Somit durfte Lendvai bereits mit vielen der von ihm vorgestellten Persönlichkeiten bereits persönlich sprechen und nicht nur das eine oder andere Interview führen. Dass Lendvais Buch bei all dem dennoch sehr gut verständlich und kompakt geblieben ist, überrascht, doch darf zugleich als Einladung dienen sich mehr mit dem so fremden Nachbarn auseinanderzusetzen. Fazit: Ein eindrucksvolles Buch über Ungarns Wandel seit dem Fall des Eisernen Vorhangs. Packend erzählte Zeitgeschichte kombiniert mit höchst informativen politischen Facts.

Innerhalb von kaum 20 Jahren hat sich das Ungarnbild in der europäischen Öffentlichkeit radikal geändert. Vom Hoffnungsträger zum Sorgenkind Europas, dem nachgesagt wird, es könnte durch eine Krise die ganze südosteuropäische Region erschüttern. Wie es dazu kommen konnte, stellt die meisten Beobachter vor eine unangenehme Frage, denn die wenigsten haben dem für die Donaumonarchie und das mitteleuropäische Machtgefüge einst so bedeutendem Land bis zu den Schreckensnachrichten um ein Aufflammen von Antisemitismus, Rassismus und einer regen Wiederverwendung von Pfeilkreuzler-Symbolik Aufmerksamkeit geschenkt. Dass Ungarn im Zuge der Wahlen des Jahres 2010 und der Finanzkrise ins Licht einer breiteren europäischen Öffentlichkeit zurückgekehrt ist, überrascht jedenfalls nicht mehr, hat sich der Musterschüler in eine für die Europäische Union recht unvorteilhafte Lage manövriert.

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In "Mein verspieltes Land" zeichnet Lendvai primär die Entwicklung Ungarns seit dem Fall des Eisernen Vorhangs nach und orientiert sich dabei am Aufstieg und Fall der jeweiligen Regierungen und ihrer Ministerpräsidenten. Doch er verfolgt auch die Wurzeln der Faktoren, welche zu den Krisen der letzten Jahre und Jahrzehnte geführt haben, etwa der ungarischen Spielart von Geschichtsverklärung und Fremdenfeindlichkeit, welche sogar zur Gründung der Ungarischen Garde durch die rechtsradikale Partei Jobbik geführt hat oder die durch Viktor Orbáns Regierungsbündnis forcierte Übernahme der Medien in den letzten Jahren, sowie den Zerfall der großen Sammelpartei MDF und den Untergang der durch Korruption und interne Machtkämpfe gebeutelten Sozialisten/Postkommunisten.

Was Lendvais Werk so besonders macht, er verknüpft Zeitgeschichte mit brandaktueller Politik und stützt sich dabei auf Quellen die nur jenem erlesenen Korrespondentenkreis zugänglich sind, die des Ungarischen mächtig sind, womit er sich von frei von der Leber weg philosophierenden Kollegen gleich einmal abhebt. Lendvai versteht Ungarn wie kaum ein anderer und er nutzt dieses Wissen auf die denkbar beste Art, nämlich um es an die interessierten Leser weiterzugeben. Was Lendvais "Mein verspieltes Land" auszeichnet ist, dass der Autor mehr als bloß seine Hausaufgaben gemacht und sich auf die entsprechenden Quellen gestürzt hat. Das vorliegende Buch ist das Ergebnis einer jahrzehntelangen journalistischen Tätigkeit und Beschäftigung mit den Geschehnissen in Lendvais Heimatland. Somit durfte Lendvai bereits mit vielen der von ihm vorgestellten Persönlichkeiten bereits persönlich sprechen und nicht nur das eine oder andere Interview führen. Dass Lendvais Buch bei all dem dennoch sehr gut verständlich und kompakt geblieben ist, überrascht, doch darf zugleich als Einladung dienen sich mehr mit dem so fremden Nachbarn auseinanderzusetzen.

Fazit:

Ein eindrucksvolles Buch über Ungarns Wandel seit dem Fall des Eisernen Vorhangs. Packend erzählte Zeitgeschichte kombiniert mit höchst informativen politischen Facts.

geschrieben am 25.11.2010 | 528 Wörter | 3397 Zeichen

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