Navigation

Seiten der Rubrik "Bücher"


Google Anzeigen

Anzeigen

Bücher

Gottes Häuser oder die Kunst, Kirchen zu bauen und zu verstehen


Statistiken
  • 2390 Aufrufe

Informationen zum Buch
  ISBN
  Autor
  Verlag
  Sprache
  Seiten
  Erscheinungsjahr
  Extras

Rezension von

Hiram Kümper

Gottes Häuser oder die Kunst, Kirchen zu bauen und zu verstehen Dieses Buch ist wunderschön zu lesen. Auf nicht ganz dreihundert gefällig gesetzten und hübsch, wenn auch nur schwarz-weiß illustrierten Seiten, die wie im Flug vergehen, spaziert der Leser mit dem Theologen Claussen durch die Geschichte des christlichen Sakralbaus. Von der Katakombenkunst der frühen Christen über die Pracht der Hagia Sophia und des Petersdoms bis hin zur modernen Vision der Kathedrale von Brasilia lernen wir prominente Beispiele wichtiger Baustile kennen, erfahren mehr über ihre Entstehung und Baugeschichte. Das alles wird kundig und mit Liebe zu Details, vor allem aber in angenehm ruhigem Stil erzählt, der weder spröde-belehrend wirkt noch künstliche Spannungsmomente nötig hat. Und es bleibt eben nicht beim Beispiel stehen: auch die Einbettung in die großen historischen Erzähllinien kommt nicht zu kurz, wenn etwa der Bau der Kathedrale von Amiens in die große Diskussion der Zeitgenossen über die libido aedificandi, die sündige Bau-Lust, eingeordnet wird, oder wenn Claussen mit berechtigter Verärgerung über die Unsummen berichtet, die Notre Dame de la Paix, die Petersdomkopie des elfenbeinküstischen Diktators Félix Houphouet-Boigny, verschlang. Wenn Heinrich IV. seinen Dom zu Speyer in eine neue Bauphase überführt, erfahren wir eben nicht nur längst Bekanntes von seinem Bußgang nach Canossa, sondern auch Wichtiges von den Umbruchprozessen seiner Zeit und von den wenig spektakulären, aber doch so wirkmächtigen Strukturwandlungen, wie etwa der flächendeckenden Durchsetzung der Pfarrei als Organisationssystem. Auch des Verfassers eigene „Amtsheimat“, die architektonisch beeindruckende Hauptkirche St. Nikolai zu Hamburg, ist im Übrigen als eigenständiges Kapitel vertreten. Den Band beschließt – abgesehen von einem vernünftigen Literaturverzeichnis und einem Personenindex – ein besonders lesenswertes Kapitel: auf rund zehn Seiten begleiten wir den Verfasser auf einem Rundgang durch eine fiktive Kirche, in der innenarchitektonische und Einrichtungselemente unterschiedlicher Konfessionen miteinander verbunden werden. „In Wirklichkeit kann es eine solche Kirche natürlich nicht geben. Sie müsste wegen Überfüllung geschlossen werden“ (S. 267). Dieses Kapitel ist ein wunderbarer Einfall gewesen. Es ist ja in der Tat so, wie Claussen eingangs feststellt, dass häufig die Faszination eines Gotteshauses recht bald nach dem Betreten wieder verfliegt – auch aus dem schlichten Grund, weil man vieles nicht versteht oder sogar übersieht: „das Genießen ist ein flüchtiges Gefühl, wenn es nicht von einem Wissen begleitet wird“ (S. 13). Allerspätestens dieses letzte Kapitel löst die eingangs geweckte Hoffnung, dieser Mangel könne behoben werden, dann auch ein. Was sich in den einzelnen Sätzen, in den einzelnen Ruhepausen und Betrachtungen dieses gedanklichen Rundganges so unspektakulär aneinanderreiht, schafft im Ganzen ein solides Verständnis vom Innenraum einer christlichen Kirche und der Bedeutung seiner Elemente. Und während man so im Geiste mitschlendert, erinnert man sich an einzelne dieser Elemente aus den vorhergehenden Kapiteln und lernt dabei, ganz nebenbei, im Besonderen auch das Allgemeine wieder zu erkennen. Manch ein Leser dürfte nach der Lektüre die nächste Kirche, die er oder sie betritt, mit anderen Augen wahrnehmen. Und das ganz ohne die Mühen tief schürfender Belehrung und gänzlich losgelöst von ihrer oder seiner persönlichen Einstellung gegenüber Religion und Konfession. Das ist eine Leistung, für die dem Verfasser großer Respekt gebührt.

Dieses Buch ist wunderschön zu lesen. Auf nicht ganz dreihundert gefällig gesetzten und hübsch, wenn auch nur schwarz-weiß illustrierten Seiten, die wie im Flug vergehen, spaziert der Leser mit dem Theologen Claussen durch die Geschichte des christlichen Sakralbaus.

weitere Rezensionen von Hiram Kümper


Von der Katakombenkunst der frühen Christen über die Pracht der Hagia Sophia und des Petersdoms bis hin zur modernen Vision der Kathedrale von Brasilia lernen wir prominente Beispiele wichtiger Baustile kennen, erfahren mehr über ihre Entstehung und Baugeschichte. Das alles wird kundig und mit Liebe zu Details, vor allem aber in angenehm ruhigem Stil erzählt, der weder spröde-belehrend wirkt noch künstliche Spannungsmomente nötig hat. Und es bleibt eben nicht beim Beispiel stehen: auch die Einbettung in die großen historischen Erzähllinien kommt nicht zu kurz, wenn etwa der Bau der Kathedrale von Amiens in die große Diskussion der Zeitgenossen über die libido aedificandi, die sündige Bau-Lust, eingeordnet wird, oder wenn Claussen mit berechtigter Verärgerung über die Unsummen berichtet, die Notre Dame de la Paix, die Petersdomkopie des elfenbeinküstischen Diktators Félix Houphouet-Boigny, verschlang. Wenn Heinrich IV. seinen Dom zu Speyer in eine neue Bauphase überführt, erfahren wir eben nicht nur längst Bekanntes von seinem Bußgang nach Canossa, sondern auch Wichtiges von den Umbruchprozessen seiner Zeit und von den wenig spektakulären, aber doch so wirkmächtigen Strukturwandlungen, wie etwa der flächendeckenden Durchsetzung der Pfarrei als Organisationssystem. Auch des Verfassers eigene „Amtsheimat“, die architektonisch beeindruckende Hauptkirche St. Nikolai zu Hamburg, ist im Übrigen als eigenständiges Kapitel vertreten.

Den Band beschließt – abgesehen von einem vernünftigen Literaturverzeichnis und einem Personenindex – ein besonders lesenswertes Kapitel: auf rund zehn Seiten begleiten wir den Verfasser auf einem Rundgang durch eine fiktive Kirche, in der innenarchitektonische und Einrichtungselemente unterschiedlicher Konfessionen miteinander verbunden werden. „In Wirklichkeit kann es eine solche Kirche natürlich nicht geben. Sie müsste wegen Überfüllung geschlossen werden“ (S. 267). Dieses Kapitel ist ein wunderbarer Einfall gewesen. Es ist ja in der Tat so, wie Claussen eingangs feststellt, dass häufig die Faszination eines Gotteshauses recht bald nach dem Betreten wieder verfliegt – auch aus dem schlichten Grund, weil man vieles nicht versteht oder sogar übersieht: „das Genießen ist ein flüchtiges Gefühl, wenn es nicht von einem Wissen begleitet wird“ (S. 13). Allerspätestens dieses letzte Kapitel löst die eingangs geweckte Hoffnung, dieser Mangel könne behoben werden, dann auch ein. Was sich in den einzelnen Sätzen, in den einzelnen Ruhepausen und Betrachtungen dieses gedanklichen Rundganges so unspektakulär aneinanderreiht, schafft im Ganzen ein solides Verständnis vom Innenraum einer christlichen Kirche und der Bedeutung seiner Elemente. Und während man so im Geiste mitschlendert, erinnert man sich an einzelne dieser Elemente aus den vorhergehenden Kapiteln und lernt dabei, ganz nebenbei, im Besonderen auch das Allgemeine wieder zu erkennen.

Manch ein Leser dürfte nach der Lektüre die nächste Kirche, die er oder sie betritt, mit anderen Augen wahrnehmen. Und das ganz ohne die Mühen tief schürfender Belehrung und gänzlich losgelöst von ihrer oder seiner persönlichen Einstellung gegenüber Religion und Konfession. Das ist eine Leistung, für die dem Verfasser großer Respekt gebührt.

geschrieben am 08.01.2011 | 495 Wörter | 3099 Zeichen

Kommentare lesen Kommentar schreiben

Kommentare zur Rezension (0)

Platz für Anregungen und Ergänzungen