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Raum: Ein interdisziplinäres Handbuch


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Rezension von

Hiram Kümper

Raum: Ein interdisziplinäres Handbuch Die noch junge Handbuch-Reihe des Metzler-Verlages hat bereits eine Anzahl wichtiger Resümees zu einschlägigen Themen der jüngeren Kulturwissenschaften vorgelegt. Jetzt also auch zum Schlüsselbegriff Raum. Als Herausgeber fungiert der Medienwissenschaftler Stephan Günzel, der sich in den letzten Jahren durch zahlreiche kleinere Beiträge sowie zwei viel zitierte Suhrkamp-Bände zum Thema bestens ausgewiesen hat. Das Buch ist in drei große Teile und einen Anhang organisiert, der neben einer Auswahlbibliographie und einem Personenregister dankenswerterweise auch einen Index von Sachstichworten mitführt. Der erste Teil („Grundlagen“) spannt in drei Basisartikeln die Rolle des Raumes in drei Naturwissenschaften (Mathematik, Physik, Optik), den Geowissenschaften und den Fächern der bildenden und darstellenden Künste auf – und damit in den jenen Fächergruppen, die sich traditionell in grundlegender Weise mit Raumphänomenen befassen. Damit ist das wissenschaftshistorische ebenso wie das epistemologische Fundament für die neueren „Raumkehren“ gelegt, denen sich der zweite Teil zuwendet. In konzise formulierten Kapiteln werden hier die großen Schlagwörter der Raumrenaissance – neben der Kopernikanischen Wende des Kantianismus und seiner Nachfolger also vor allem die zahlreichen „turns“ (spatial, topographical etc. pp.) – behandelt und gegeneinander abgegrenzt, durchaus aber auch Gemeinsamkeiten benannt. Das ist wohltuend angesichts der sich in den letzten Jahren eingeschlichenen Sprachverwirrung und -abschleifung, die große konzeptionelle „Wenden“ nun einmal mit sich bringen. Mit dem Ende des zweiten Großkapitels ist erst rund ein Drittel des gesamten Buchumfanges erreicht. Der nun folgende dritte Teil will einzelne „Themen und Perspektiven“ der Beschäftigung mit Raumphänomenen zusammentragen. In diesem Teil wird – anders als in den vorhergehenden – der eigentliche Handbuchauftrag, einen konsensfähigen status quo zu dokumentieren, weit überschritten. Das ist nicht immer, aber regelmäßig gut so, manchmal vielleicht auch kaum zu vermeiden, weil sich trotz gewisser Ermüdungserscheinungen in der Raumdiskussion der letzten Jahre durchaus noch nicht alles konsensfähig gesetzt hat. Ein gewisses stilistisches Manko dieses dritten Teiles, der angesichts seines Umfangs ohne weiteres als der Hauptteil des Handbuches angesprochen werden kann, besteht darin, dass eine Reihe von Verfasserinnen und Verfasser ihre jeweiligen Spezialbeiträge mit einer allgemeinen Einführung oder Verortung beginnen, die in der dann notwendigen Verknappung weit hinter den in den ersten Buchteilen aufgemachten Diskussionsstand zurückfällt und im Vergleich damit beinahe unausweichlich etwas flach wirken muss. Hier hätten stärkere redaktionelle Eingriffe wahrscheinlich gut getan und zu mehr Kohärenz innerhalb des Bandes beigetragen. Das schmälert aber nicht den Wert der Einzelbeiträge, die eine Fülle von Perspektiven auf den gemeinsamen Gegenstand eröffnen. Körperräume, postkoloniale Third Spaces, Archive und andere Wissensräume, Cyberspace und Mental Maps – all das und vieles mehr wird in den rund ein Dutzend Beiträge aus unterschiedlichen disziplinären Blickwinkeln auf durchweg aktuellem Diskussionsstand behandelt. Der redaktionell vorgegebene Dreischritt „Entstehung des Themenfeldes – Spektrum der Diskussion – Offene Fragen und Kontroversen“ trägt dabei sehr zur Strukturierung bei. Insgesamt liegt hier ein sehr anspruchsvolles Handbuch vor, das seinen eigenen Anspruch durchaus auch einzulösen weiß. Das Niveau der Beiträge ist durchweg hoch – inhaltlich wie vor allem auch sprachlich. Das bringt freilich mit sich, dass gerade noch wenig orientierte Leser, etwa Studierende in früheren Semestern, ihre Schwierigkeiten damit haben werden. Von einer synthetisierenden Einführung in die Diskussion kann nur sehr bedingt, in einzelnen Segmenten nämlich, gesprochen werden; übergreifend wird eher auf die Pluralität der Ansätze abgehoben. Das hat seine nachdrücklich Berechtigung und seinen Wert, schränkt aber den Leserkreis ein. So richtet sich das Handbuch eher an den transdisziplinären Diskurs und vermittelt Ansätze und Perspektiven anderer Fächer als der eigenen zwischen bereits einigermaßen orientierten, im akademischen Duktus einigermaßen geschulten Akademikerinnen und Akademikern. Für diesen Leserkreis allerdings wird das Handbuch ein hilfreicher Begleiter durch den Dschungel einer breit geführten Diskussion sein.

Die noch junge Handbuch-Reihe des Metzler-Verlages hat bereits eine Anzahl wichtiger Resümees zu einschlägigen Themen der jüngeren Kulturwissenschaften vorgelegt. Jetzt also auch zum Schlüsselbegriff Raum. Als Herausgeber fungiert der Medienwissenschaftler Stephan Günzel, der sich in den letzten Jahren durch zahlreiche kleinere Beiträge sowie zwei viel zitierte Suhrkamp-Bände zum Thema bestens ausgewiesen hat.

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Das Buch ist in drei große Teile und einen Anhang organisiert, der neben einer Auswahlbibliographie und einem Personenregister dankenswerterweise auch einen Index von Sachstichworten mitführt. Der erste Teil („Grundlagen“) spannt in drei Basisartikeln die Rolle des Raumes in drei Naturwissenschaften (Mathematik, Physik, Optik), den Geowissenschaften und den Fächern der bildenden und darstellenden Künste auf – und damit in den jenen Fächergruppen, die sich traditionell in grundlegender Weise mit Raumphänomenen befassen. Damit ist das wissenschaftshistorische ebenso wie das epistemologische Fundament für die neueren „Raumkehren“ gelegt, denen sich der zweite Teil zuwendet. In konzise formulierten Kapiteln werden hier die großen Schlagwörter der Raumrenaissance – neben der Kopernikanischen Wende des Kantianismus und seiner Nachfolger also vor allem die zahlreichen „turns“ (spatial, topographical etc. pp.) – behandelt und gegeneinander abgegrenzt, durchaus aber auch Gemeinsamkeiten benannt. Das ist wohltuend angesichts der sich in den letzten Jahren eingeschlichenen Sprachverwirrung und -abschleifung, die große konzeptionelle „Wenden“ nun einmal mit sich bringen.

Mit dem Ende des zweiten Großkapitels ist erst rund ein Drittel des gesamten Buchumfanges erreicht. Der nun folgende dritte Teil will einzelne „Themen und Perspektiven“ der Beschäftigung mit Raumphänomenen zusammentragen. In diesem Teil wird – anders als in den vorhergehenden – der eigentliche Handbuchauftrag, einen konsensfähigen status quo zu dokumentieren, weit überschritten. Das ist nicht immer, aber regelmäßig gut so, manchmal vielleicht auch kaum zu vermeiden, weil sich trotz gewisser Ermüdungserscheinungen in der Raumdiskussion der letzten Jahre durchaus noch nicht alles konsensfähig gesetzt hat. Ein gewisses stilistisches Manko dieses dritten Teiles, der angesichts seines Umfangs ohne weiteres als der Hauptteil des Handbuches angesprochen werden kann, besteht darin, dass eine Reihe von Verfasserinnen und Verfasser ihre jeweiligen Spezialbeiträge mit einer allgemeinen Einführung oder Verortung beginnen, die in der dann notwendigen Verknappung weit hinter den in den ersten Buchteilen aufgemachten Diskussionsstand zurückfällt und im Vergleich damit beinahe unausweichlich etwas flach wirken muss. Hier hätten stärkere redaktionelle Eingriffe wahrscheinlich gut getan und zu mehr Kohärenz innerhalb des Bandes beigetragen.

Das schmälert aber nicht den Wert der Einzelbeiträge, die eine Fülle von Perspektiven auf den gemeinsamen Gegenstand eröffnen. Körperräume, postkoloniale Third Spaces, Archive und andere Wissensräume, Cyberspace und Mental Maps – all das und vieles mehr wird in den rund ein Dutzend Beiträge aus unterschiedlichen disziplinären Blickwinkeln auf durchweg aktuellem Diskussionsstand behandelt. Der redaktionell vorgegebene Dreischritt „Entstehung des Themenfeldes – Spektrum der Diskussion – Offene Fragen und Kontroversen“ trägt dabei sehr zur Strukturierung bei.

Insgesamt liegt hier ein sehr anspruchsvolles Handbuch vor, das seinen eigenen Anspruch durchaus auch einzulösen weiß. Das Niveau der Beiträge ist durchweg hoch – inhaltlich wie vor allem auch sprachlich. Das bringt freilich mit sich, dass gerade noch wenig orientierte Leser, etwa Studierende in früheren Semestern, ihre Schwierigkeiten damit haben werden. Von einer synthetisierenden Einführung in die Diskussion kann nur sehr bedingt, in einzelnen Segmenten nämlich, gesprochen werden; übergreifend wird eher auf die Pluralität der Ansätze abgehoben. Das hat seine nachdrücklich Berechtigung und seinen Wert, schränkt aber den Leserkreis ein. So richtet sich das Handbuch eher an den transdisziplinären Diskurs und vermittelt Ansätze und Perspektiven anderer Fächer als der eigenen zwischen bereits einigermaßen orientierten, im akademischen Duktus einigermaßen geschulten Akademikerinnen und Akademikern. Für diesen Leserkreis allerdings wird das Handbuch ein hilfreicher Begleiter durch den Dschungel einer breit geführten Diskussion sein.

geschrieben am 08.01.2011 | 586 Wörter | 3960 Zeichen

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