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Der spazierende Mann


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Informationen zum Buch
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Rezension von

Ragan Tanger

Der spazierende Mann Kohlmeisen und Bachstelzen in der Moderne Wie gut ein Comic sein kann Dem Nachwort von Andreas Platthaus soll Rechnung getragen werden: „Was übrig bleibt“, schreibt der Redakteur, „ist großes Glück“. Ja, das kann man so zusammenfassen und aus Freude strahlenden Augen teilen wir diese Einschätzung nach Lektüre dieses preisgekrönten Comics. Comic – keine Fantasiewelt, kein Ächz, Bumm, Knuff, keine Enten und keine sechsarmigen Banditen; stattdessen Japans Vorstädte, Menschen mit Mänteln und Knopf am Rever, zugelaufenen Hunden und ganz viel Natur, wie sie auch draußen vor deiner Tür das pulsierende Leben repräsentiert. „Der spazierende Mann“ ist mit Auszeichnungen und Preisen überhäuft worden, kürzlich auch in Deutschland, wo diese 1995 in Japan bereits erstmals veröffentlichte Geschichte erst 2009 im würdigen Rahmen transferiert und übersetzt wurde. Das lange Warten hat sich gelohnt. Jiro Taniguchi gelang mit dieser Story in seinem Heimatland der Durchbruch, noch heute gilt er als einer der renommiertesten und weltbesten Mangazeichner, wobei auch hier wieder Manga nicht Frisuren wie Alpengletscher und „Die wilden Kerle“ auf asiatisch meint, sondern ganz einfach der japanische Begriff für Comics ist. Können die Japaner auch nichts für, dass die im Ausland rezitierten Comics heutzutage so speziell aussehen. Taniguchis Bilder dagegen sind normal, sind echt, einfach und realistisch, schwarz und weiß, zärtlich wie ein angedeuter Kuss, eine beschlagene Fensterscheibe und ein Wiegen der Blätter im Wind. Gerade erst ins neue Wohnhaus eingezogen, schaut sich der Held unserer Geschichte in langen, ruhigen und gemütlichen Spaziergängen seine Umgebung an. Seine Frau macht derweil Bekanntschaft mit einem zugelaufenen Hund. Ein simples, unaufgeregtes Familienglück im neuen Heim. Die Spaziergänge samt ihrer Entdeckungen allerdings sind das Salz in der Suppe und die Köstlichkeit unbeschwerter Jugend. Gemächlich entdeckt der Protagonist, geleitet von Taniguchis sanften Strichen, die natürliche Umgebung, lauscht Vögeln zu, schmeckt Schnee als sähe er ihn zum ersten Mal, hat Zeit für Regen und Geräusche, für Stimmen und Gerüche. Es erschreckt nicht, wenn der Mann, der mehr als 40 Jahre alt ist, eine Kohlmeise sieht und ihr den Namen nicht zuordnen kann oder japanische Städte genau so rüberkommen, wie man es aufgrund futuristischer Filme befürchtete –synthetisch und betonisiert. Das macht aber alles nichts, weil unser Held sich die Zeit nimmt, einzutauchen und zu erleben. Gemeinsam schmecken wir mit ihm den Schnee, hören mit ihm die Vögel, riechen mit ihm den Regen, streicheln mit ihm den Hund. Das ist, der Kreis hat sich geschlossen, ganz wunderbares Glück, das uns dahin führt, wo wir herkommen. Große Unterhaltung mit großer Klasse.

Kohlmeisen und Bachstelzen in der Moderne

weitere Rezensionen von Ragan Tanger


Wie gut ein Comic sein kann

Dem Nachwort von Andreas Platthaus soll Rechnung getragen werden: „Was übrig bleibt“, schreibt der Redakteur, „ist großes Glück“. Ja, das kann man so zusammenfassen und aus Freude strahlenden Augen teilen wir diese Einschätzung nach Lektüre dieses preisgekrönten Comics. Comic – keine Fantasiewelt, kein Ächz, Bumm, Knuff, keine Enten und keine sechsarmigen Banditen; stattdessen Japans Vorstädte, Menschen mit Mänteln und Knopf am Rever, zugelaufenen Hunden und ganz viel Natur, wie sie auch draußen vor deiner Tür das pulsierende Leben repräsentiert.

„Der spazierende Mann“ ist mit Auszeichnungen und Preisen überhäuft worden, kürzlich auch in Deutschland, wo diese 1995 in Japan bereits erstmals veröffentlichte Geschichte erst 2009 im würdigen Rahmen transferiert und übersetzt wurde. Das lange Warten hat sich gelohnt. Jiro Taniguchi gelang mit dieser Story in seinem Heimatland der Durchbruch, noch heute gilt er als einer der renommiertesten und weltbesten Mangazeichner, wobei auch hier wieder Manga nicht Frisuren wie Alpengletscher und „Die wilden Kerle“ auf asiatisch meint, sondern ganz einfach der japanische Begriff für Comics ist. Können die Japaner auch nichts für, dass die im Ausland rezitierten Comics heutzutage so speziell aussehen.

Taniguchis Bilder dagegen sind normal, sind echt, einfach und realistisch, schwarz und weiß, zärtlich wie ein angedeuter Kuss, eine beschlagene Fensterscheibe und ein Wiegen der Blätter im Wind. Gerade erst ins neue Wohnhaus eingezogen, schaut sich der Held unserer Geschichte in langen, ruhigen und gemütlichen Spaziergängen seine Umgebung an. Seine Frau macht derweil Bekanntschaft mit einem zugelaufenen Hund. Ein simples, unaufgeregtes Familienglück im neuen Heim. Die Spaziergänge samt ihrer Entdeckungen allerdings sind das Salz in der Suppe und die Köstlichkeit unbeschwerter Jugend.

Gemächlich entdeckt der Protagonist, geleitet von Taniguchis sanften Strichen, die natürliche Umgebung, lauscht Vögeln zu, schmeckt Schnee als sähe er ihn zum ersten Mal, hat Zeit für Regen und Geräusche, für Stimmen und Gerüche. Es erschreckt nicht, wenn der Mann, der mehr als 40 Jahre alt ist, eine Kohlmeise sieht und ihr den Namen nicht zuordnen kann oder japanische Städte genau so rüberkommen, wie man es aufgrund futuristischer Filme befürchtete –synthetisch und betonisiert. Das macht aber alles nichts, weil unser Held sich die Zeit nimmt, einzutauchen und zu erleben. Gemeinsam schmecken wir mit ihm den Schnee, hören mit ihm die Vögel, riechen mit ihm den Regen, streicheln mit ihm den Hund. Das ist, der Kreis hat sich geschlossen, ganz wunderbares Glück, das uns dahin führt, wo wir herkommen. Große Unterhaltung mit großer Klasse.

geschrieben am 15.06.2010 | 407 Wörter | 2420 Zeichen

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