
| ISBN | 3827010667 | |
| Autor | William Boyd | |
| Verlag | Berlin Verlag | |
| Sprache | deutsch | |
| Seiten | 480 | |
| Erscheinungsjahr | 2012 | |
| Extras | - | |
| Preis | ab 16,00 Euro |

„Eine große Zeit“ von dem schottischen Autor William Boyd ist im März 2012 in gebundener Form beim Berlin Verlag erschienen.

Es ist das Jahr 1913. Lysander Rief, ein junger Schauspieler aus London, zieht nach Wien, weil er dort auf fachkundige, psychologische Hilfe hofft. Zufällig begegnet er Hettie Bull, die ihm völlig den Kopf verdreht. Ehe Rief es sich versieht, befindet er sich mitten in einer Verschwörung und damit in größter Gefahr.
„Eine große Zeit“ begeistert vor allem durch die atmosphärische Dichte. Die Kulissen, die Charaktere, die Sprache des Autors – alles ergibt zusammen ein stimmiges Gesamtbild. So wird das Wien vor dem Ersten Weltkrieg für den Leser richtig greifbar. Man fühlt selbst ein bisschen die Ruhelosigkeit, den Wandel und die Neuorientierung in dieser Zeit. Dazu tragen auch die gut durchdachten und logisch aufgebauten Charaktere bei. Ihre Worte und Handlungen lassen sich sehr gut nachvollziehen, sodass man vollständig in der Geschichte versinken kann.
Auch die Spionagegeschichte ist dem Autor hervorragend gelungen. Der ganze Fall ist so verzwickt, dass man keine Chance hat, vor dem Ende die Auflösung herauszubekommen. Dennoch tauchen immer wieder neue Figuren und Aspekte auf, sodass man als Leser gerne dabeibleiben möchte und die Geschichte sich stetig entwickelt. Zum Schluss war ich dann ziemlich überrascht, wie das Ganze ausgegangen ist.
Gut gefallen haben mir außerdem die vielen Anekdoten und Zusatzinformationen, die der Autor ganz am Rande in die Geschichte eingeflochten hat. Ohne dass man beim Lesen ins Stocken gerät, lernt man so eine Menge über die Zeit, in der sich diese Handlung ereignet. Man erfährt etwas darüber, was die Wissenschaft und die Kultur zu jener Zeit ausgemacht hat, aber auch was die Menschen angetrieben hat, worauf sie hofften oder vor was sie sich fürchteten. So wirkt diese Epoche noch näher und realer.
Fazit: „Eine große Zeit“ ist ein wirklich spannender Spionageroman, dessen eigentlich Stärke aber in der lebendigen Beschreibung einer Zeit liegt, die wohl kaum einer der Leser selbst erlebt haben dürfte. Die gut aufgebauten Charaktere und die vielen Hintergrundinformationen führen einen so nah an das Geschehen heran, dass man das Gefühl hat, selbst in der Zeit zurückgereist zu sein.
geschrieben am 08.06.2012 | 351 Wörter | 1920 Zeichen
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