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Unsterblich! Der Kult des Künstlers


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Rezension von

Matthias Pierre Lubinsky

Unsterblich! Der Kult des Künstlers »Kunst ist die einzige Möglichkeit, wahnsinnig zu werden, ohne seine bürgerlichen Rechte zu verlieren«, sagt der Maler Markus Lüpertz. Die Künstler hätten Gott geholfen, die Erde zu gestalten. Und die Künstler würden den Menschen helfen, die Welt zu sehen. »Der Künstler, der Kult des Künstlers oder der Kult um den Künstler ist Kommunikation und ein Versuch, ihn zu begreifen.« In einem Interview-Film drückt der deutsche Maler-Dandy es anders aus. Er verwahrt sich, über den Tod zu reden: »Er kommt nicht vor.« Lüpertz ist ein beredtes Beispiel für die Unsterblichkeit des Künstlers. Für den Kult, den das Publikum um die Künstler macht. Ihre Kreativität, Phantasie, Abstraktionsfähigkeit, ihre mentale und physische Energie scheint dem Publikum unbegreiflich, - un-greifbar. Auf der anderen Seite natürlich: Selbstinszenierung, Selbstdarstellung. Dandyismus bedeutet, das eigene Leben als Kunstwerk zu führen,- und wenn es nur in der Öffentlichkeit geschieht. Eine Ausstellung in der Berliner Kunstbibliothek widmet sich dem Phänomen dieser Unsterblichkeit. Der Künstler ist bestrebt, durch seine Kunst Unsterblichkeit zu erlangen. Und das Publikum scheint gern gewillt, ihm diese - zumindest in bestimmten Grenzen und in jeweils festgelegter Anschauung - zuzubilligen. Vielleicht, so das Motiv des Museums-Besuchers, lässt ihn ja die Betrachtung der museal gewordenen Artefakte auch selbst ein wenig länger leben. Gott wird es sehen. Das Einlassen auf Kunst als Fenster zur Unendlichkeit. In der Ausstellungs-Konzeption figuriert Unsterblichkeit im Sinne einer vom Menschen erdachten Ewigkeit. Auch der Verweis auf Mythisches ist intendiert. Der Katalog zur Ausstellung dokumentiert die gezeigten Werke und Dokumente aus 2.000 Jahren. Darüber hinaus bietet der eindrucksvolle Band über ein Dutzend Beiträge – unter anderen von Archäologen, Ägyptologen, Ethnologen und Kunsthistorikern. Ein kunstwissenschaftliches Werk, das aus der Masse der hochwertigen Kunstkataloge heraussticht, weil es nicht nur den Forschungsstand zeigt. Vielmehr ist der in Quantität und Qualität besondere Ausstellungszyklus sowohl Forschungs- wie Präsentations-Leistung sui generis. Ernst H. Gombrich schrieb 1953 in seinem zum Welterfolg gewordenen Buch »Die Geschichte der Kunst«: »Genau genommen gibt es ‚die Kunst’ gar nicht. Es gibt nur Künstler. Einstmals waren das Leute, die farbigen Lehm nahmen und die rohen Umrisse eines Büffels auf eine Höhlenwand malten. Heute kaufen sie ihre Farben und machen Plakate für Fleischextrakt; dazwischen taten sie noch manches andere.« Es ist dieses Buch und einige wenige andere, auf die sich Peter-Klaus Schuster beruft. Der scheidende Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin und Direktor der Nationalgalerie hat sich den Ausstellungszyklus mit der Dachmarke »Kult des Künstlers« quasi selbst zum Abschied geschenkt. An diesem Großprojekt sind 10 Museen in Berlin beteiligt. Es zeigt, wozu die Stadt, man könnte sogar sagen, wozu Deutschland in der Lage ist. Denn es war in der Vorbereitung bei weitem nicht damit getan, die Alte Nationalgalerie auf der Museumsinsel, die Neue Nationalgalerie und all die anderen renommierten Häuser unter die sogenannte Dachmarke zu kriegen. Dieses Projekt auf Weltniveau hätte nicht gelingen können, wenn nicht alle Beteiligten bis an die Grenzen ihrer Möglichkeiten gegangen wären. So gingen bereits die Planungen wesentlich weiter, als nur in den vorhandenen Beständen geeignete Kunstwerke auszuwählen. In einer fulminanten Expeditionskampagne reisten Mitarbeiter der Staatlichen Museen Berlins zu den Schöpfungsstätten ihrer Sammlungen, um herauszufinden, inwieweit die Artefakte ihrer Sammlungen in ihren Ursprungskulturen Gegenstand einer personenbezogenen Zuschreibung sind. Die Beiräte von beteiligten Museen stimmten einhellig für Neuerwerbungen, die das Vorhandene kunsthistorisch substantiell ergänzen. Das Außergewöhnliche des ansehnlichen Katalogbuches liegt in der Kombination von dokumentierten Ausstellungsstücken mit up-to-date-Analysen, die im Rahmen der Ausstellungs-Konzeption entstanden und dem Kunststandort Deutschland zur Ehre gereichen. So bleibt der großformatige Band noch lange nach der Ausstellung geistige Projektions- und Erinnerungs-Basis. Er ist ein Zeugnis für die Leistungsfähigkeit Deutschlands als Kunst-Standort.

»Kunst ist die einzige Möglichkeit, wahnsinnig zu werden, ohne seine bürgerlichen Rechte zu verlieren«, sagt der Maler Markus Lüpertz. Die Künstler hätten Gott geholfen, die Erde zu gestalten. Und die Künstler würden den Menschen helfen, die Welt zu sehen. »Der Künstler, der Kult des Künstlers oder der Kult um den Künstler ist Kommunikation und ein Versuch, ihn zu begreifen.«

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In einem Interview-Film drückt der deutsche Maler-Dandy es anders aus. Er verwahrt sich, über den Tod zu reden: »Er kommt nicht vor.« Lüpertz ist ein beredtes Beispiel für die Unsterblichkeit des Künstlers. Für den Kult, den das Publikum um die Künstler macht. Ihre Kreativität, Phantasie, Abstraktionsfähigkeit, ihre mentale und physische Energie scheint dem Publikum unbegreiflich, - un-greifbar. Auf der anderen Seite natürlich: Selbstinszenierung, Selbstdarstellung. Dandyismus bedeutet, das eigene Leben als Kunstwerk zu führen,- und wenn es nur in der Öffentlichkeit geschieht.

Eine Ausstellung in der Berliner Kunstbibliothek widmet sich dem Phänomen dieser Unsterblichkeit. Der Künstler ist bestrebt, durch seine Kunst Unsterblichkeit zu erlangen. Und das Publikum scheint gern gewillt, ihm diese - zumindest in bestimmten Grenzen und in jeweils festgelegter Anschauung - zuzubilligen. Vielleicht, so das Motiv des Museums-Besuchers, lässt ihn ja die Betrachtung der museal gewordenen Artefakte auch selbst ein wenig länger leben. Gott wird es sehen. Das Einlassen auf Kunst als Fenster zur Unendlichkeit. In der Ausstellungs-Konzeption figuriert Unsterblichkeit im Sinne einer vom Menschen erdachten Ewigkeit. Auch der Verweis auf Mythisches ist intendiert.

Der Katalog zur Ausstellung dokumentiert die gezeigten Werke und Dokumente aus 2.000 Jahren. Darüber hinaus bietet der eindrucksvolle Band über ein Dutzend Beiträge – unter anderen von Archäologen, Ägyptologen, Ethnologen und Kunsthistorikern. Ein kunstwissenschaftliches Werk, das aus der Masse der hochwertigen Kunstkataloge heraussticht, weil es nicht nur den Forschungsstand zeigt. Vielmehr ist der in Quantität und Qualität besondere Ausstellungszyklus sowohl Forschungs- wie Präsentations-Leistung sui generis.

Ernst H. Gombrich schrieb 1953 in seinem zum Welterfolg gewordenen Buch »Die Geschichte der Kunst«: »Genau genommen gibt es ‚die Kunst’ gar nicht. Es gibt nur Künstler. Einstmals waren das Leute, die farbigen Lehm nahmen und die rohen Umrisse eines Büffels auf eine Höhlenwand malten. Heute kaufen sie ihre Farben und machen Plakate für Fleischextrakt; dazwischen taten sie noch manches andere.« Es ist dieses Buch und einige wenige andere, auf die sich Peter-Klaus Schuster beruft. Der scheidende Generaldirektor der Staatlichen Museen zu Berlin und Direktor der Nationalgalerie hat sich den Ausstellungszyklus mit der Dachmarke »Kult des Künstlers« quasi selbst zum Abschied geschenkt. An diesem Großprojekt sind 10 Museen in Berlin beteiligt. Es zeigt, wozu die Stadt, man könnte sogar sagen, wozu Deutschland in der Lage ist. Denn es war in der Vorbereitung bei weitem nicht damit getan, die Alte Nationalgalerie auf der Museumsinsel, die Neue Nationalgalerie und all die anderen renommierten Häuser unter die sogenannte Dachmarke zu kriegen. Dieses Projekt auf Weltniveau hätte nicht gelingen können, wenn nicht alle Beteiligten bis an die Grenzen ihrer Möglichkeiten gegangen wären. So gingen bereits die Planungen wesentlich weiter, als nur in den vorhandenen Beständen geeignete Kunstwerke auszuwählen. In einer fulminanten Expeditionskampagne reisten Mitarbeiter der Staatlichen Museen Berlins zu den Schöpfungsstätten ihrer Sammlungen, um herauszufinden, inwieweit die Artefakte ihrer Sammlungen in ihren Ursprungskulturen Gegenstand einer personenbezogenen Zuschreibung sind. Die Beiräte von beteiligten Museen stimmten einhellig für Neuerwerbungen, die das Vorhandene kunsthistorisch substantiell ergänzen.

Das Außergewöhnliche des ansehnlichen Katalogbuches liegt in der Kombination von dokumentierten Ausstellungsstücken mit up-to-date-Analysen, die im Rahmen der Ausstellungs-Konzeption entstanden und dem Kunststandort Deutschland zur Ehre gereichen. So bleibt der großformatige Band noch lange nach der Ausstellung geistige Projektions- und Erinnerungs-Basis. Er ist ein Zeugnis für die Leistungsfähigkeit Deutschlands als Kunst-Standort.

geschrieben am 09.02.2009 | 586 Wörter | 3730 Zeichen

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