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Interviews

Von Vampiren und Fantasiewelten - Interview mit Patrizia Schneider


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Patrizia Schneider ist mit ihrem ersten Roman "Schöne Unsterblichkeit" bekannt geworden. Soeben ist ihr neustes Werk "Die Zwischenwelt der Juliette Lavender" erschienen. Webcritics.de hat diesen Anlass genutzt, um sich ein wenig mit der Autorin zu unterhalten.

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Jennifer Küppers: Sie haben sich schon immer mit fremden Kulturen, Legenden und Sagen beschäftigt und wurden dadurch auch angespornt, eigene Kurzgeschichten und Gedichte zu verfassen. Vom Gedicht zum eigenen 388 Seiten umfassenden Roman ist es jedoch ein weiter Weg - Woher kam die Idee für Ihren ersten Roman „Schöne Unsterblichkeit“?

Patrizia Schneider: „Schöne Unsterblichkeit“ ist ja der erste Band der „Chronik der Legenden“, die eine Chronik der Fabelwesen ist, in der Vampire die Hauptrolle spielen. Vampire waren schon zu Kinderzeiten meine Lieblingsfabelwesen. Sie haben mich nie geängstigt, sondern mich fasziniert und interessiert. Ich erträumte mir meine Vampirwelt und wollte diese Fantasien schon in diesen Kinderjahren in einem Roman niederschreiben. Mein erstes Unterfangen, um diesen Traum zu verwirklichen, startete ich mich 12 Jahren, doch damals fehlte mir die Lebenserfahrung, um die Geschichte zu Ende zu bringen. In den darauf folgenden Jahren, als sich mein Schreibstil und meine Schreibleidenschaft weiter entwickelt haben und meine Lebenserfahrungen sich mehrten, fühlte ich mich mit Ende Zwanzig dazu bereit, meinen angefangen Vampirroman wieder in Angriff zu nehmen und mir diesen lang gehegten Traum zu erfüllen. So ist „Schöne Unsterblichkeit entstanden.

Jennifer Küppers: Im Roman geht es um Fabelwesen, insbesondere jedoch um Vampire – was hat Sie gerade an den Vampiren fasziniert?

Patrizia Schneider: Vampire sind für mich die faszinierendsten und facettenreichsten Fabelwesen, die jemals aus Fantasie entstanden sind. Es gibt ja viele verschiedene Arten von Vampiren. Besonders die Vampire der heutigen Autoren unterscheiden sich doch sehr von den Blutsaugern, den lebenden Toten, die Bram Stoker einst in seinem Roman „Dracula“ beschrieben hat. Und auch die Legenden und Sagen, die sich in vielen Kulturen um dieses Fabelwesen ranken, sind so mannigfach und facettenreich, wie die unzähligen Romane moderner Fantasy-Autoren und –Autorinnen, die alle ihre eigenen Vampire und ihre Welten erfunden haben und stetig weiter erfinden, mit eigenen Gaben und eigenem Erscheinungsbildern. Und so habe auch ich mir meine Vampire, die wie ich schon erwähnt habe, seit je her meine Lieblingsfabelwesen waren, in meiner Fantasie zum Leben erweckt und mir ihre Welt erträumt. Mich fasziniert, ihre ewige Jugend, ihre wilde Schönheit, dass sie nachts zum Leben erwachen, da ich doch ein Nachtmensch bin. Sie werden niemals krank und müssen niemals sterben. Gibt es etwas Anziehenderes als der ewigen Jugend Glanz, besonders, wenn man dann noch mit so herrlichen Gaben beschenkt wird, wie Telekinese, Telepathie, fliegen zu können etc.? Aber meine Vampire sind auch sehr zerbrechlich und verletzbar und das, was sie als Mensch einst waren, und nicht nur grundschlechte lebende Tote.

Jennifer Küppers: Als die Idee zum Buch einmal geboren war – wie diszipliniert haben Sie an Ihrem Manuskript geschrieben? (Täglich eine bestimmte Seitenanzahl oder je nach Inspiration?)

Patrizia Schneider: Ich habe an meinem ersten Roman über 5 Jahre lang geschrieben, aber Sie müssen bedenken, dass ich damals ja noch Vollzeit gearbeitet habe und auch für ein Jahr nach London gegangen bin, da blieb mir oft nicht viel Zeit zum Schreiben. Natürlich hat sich das in der Zwischenzeit geändert. Ich habe meinen zweiten Roman „Schicksalsmacht“, der erste Band des Schauernovellenzyklus „Die Zwischenwelt der Juliette Lavender“, der dieses Jahr im Januar erschienen ist, in 2 Monaten geschrieben, aber ich habe auch täglich 8-10 Stunden daran gearbeitet. Und mein dritter Roman, der zweite Band der „Chronik der Legenden“, der als nächstes erscheinen wird, ist ebenfalls in wenigen Monaten entstanden. Wobei ich sagen muss, dass die Seitenzahl, die ich schreibe, von meiner Tagesform abhängig ist. Es ist nun mal nicht ein Tag wie der andere.

Jennifer Küppers: Hat das Schreiben der Bücher Sie selbst verändert? (Beim Schreiben reflektiert man ja auch viel oder verarbeitet eigene Erfahrungen)

Patrizia Schneider: Ja, ich verarbeite meine Erlebnisse in meinen Büchern, verändere mich somit auch und wachse von Buch zu Buch. In jeder Figur, die ich erfinde, steckt auch ein wenig von mir, manchmal mehr manchmal weniger, und viele Erlebnisse resultieren aus meinen Hoffnungen, Träumen und Wünschen oder aus Begebenheiten und Erlebnissen, die mir in ähnlicher Form widerfahren sind. Natürlich spielen aber auch Beobachtungen, Menschen und deren Leben, um mich herum, eine große Rolle.

Jennifer Küppers: Oftmals lehnt man Personen aus Romanen ja an real existierende Personen an – gibt es da schon mal Beschwerden aus dem Freundeskreis etc., die sich in Ihren Büchern wieder erkennen?

Patrizia Schneider: Nein, das Gegenteil ist der Fall. Viele meiner Freunde und Bekannte würden gerne mal in einem meiner Romane auftauchen, aber ich setze meine Figuren aus vielen Menschen zusammen, damit sich niemand wirklich darin erkennt. Ich würde nie einen Menschen 1 zu 1 übertragen, denn jeder Mensch, der sich gerne in meinen Romanen sehen würde, möchte sich natürlich dort so erkennen, wie er sich sieht, was aber nicht zwangsläufig mit meiner Sichtweise übereinstimmt, und somit finde ich es nicht wirklich sinnvoll, einen Freund, einen Bekannten oder ein Familienmitglied in meinen Geschichten darzustellen, dass er sich in meiner Sichtweise von Ihm oder ihr wieder erkennen würde. Das könnte zu sinnlosen Konflikten führen.

Jennifer Küppers: Einen Roman zu schreiben ist sicherlich sehr zeitaufwändig, nebenbei kümmern Sie sich noch um eine sehr fantasievolle Internetpräsentation und legen großen Wert auf Lesermeinungen und Diskussionen im Forum, an denen Sie aktiv teilnehmen. Wie bekommen Sie das alles unter einen Hut?

Patrizia Schneider: Ich muss gestehen, dass ich mich das manchmal selber frage, aber irgendwie schaffe ich es noch, auch wenn der Zeitaufwand, um all den von Ihnen genannten Aktivitäten nachzugehen mit jedem Roman steigt. Es macht auch Spaß, was sicherlich hilfreich ist, ich schränke bewusst andere Aktivitäten ein und ich bin froh, dass ich eine Familie habe, die mich unterstützt und mir die Möglichkeit gibt, mich meiner Leidenschaft zu widmen.

Jennifer Küppers: Sie haben sich seit Ihrem ersten Roman ganz der Schriftstellerei verschrieben – im Gegensatz zur Bürokauffrau sind Sie ja nun viel „abhängiger“ von Lesermeinungen und müssen sich viel selbst vermarkten (in Interviews etc) oder von sich preisgeben –gibt es Momente, in denen Sie sich ihr „altes Leben“ zurückwünschen?

Patrizia Schneider: Natürlich gab es solche Momente schon. Sei es, wenn ich eine schlechte Kritik bekomme oder mir die Arbeit als Autorin wenig Zeit für meine Familie, für Freunde und Bekannte oder für andere Aktivitäten lässt, die ich zuvor gerne gemacht habe. Ich habe ein Hobby von mir zum Beruf gemacht und meine anderen Hobbys weitestgehend eingestellt. Und doch macht mir die Arbeit als Autor Spaß, erfüllt mich sehr und bereichert mein Leben.

Jennifer Küppers: Bücher verlieren gerade heute – in Zeiten von Internet, Fernsehen… - an Bedeutung? Worin liegt Ihrer Meinung nach der Reiz von Büchern?

Patrizia Schneider: Für mich macht der Reiz, ein Buch zu lesen, aus, dass man seine eigene Fantasie einbringen kann und man ein Teil der Geschichte wird, während man zum Beispiel einen Film nur als Zuschauer erlebt. So kann man mit seinem Geist jedes noch so fantastische Abenteuer erleben, lässt die Geschichte in seinem Kopf entstehen und entschwindet aus dem Alltag in eine aufregende Welt, ist jemand anderes und nimmt eine kleine Auszeit. Deswegen ist man, wenn man ein Buch liest und sich dann den Film dazu anschaut meistens enttäuscht, weil man die Geschichte in seinem Kopf anders erlebt hat, weil man ein Teil davon geworden ist, den man auf der Leinwand nicht erkennt.

Jennifer Küppers: Gerade ist ihr neustes Werk „Die Zwischenwelt der Juliette Lavender“ erschienen. Es geht um Schicksal und Zwischenwelten – glauben Sie selbst an das Schicksal?

Patrizia Schneider: Sicherlich. Ich glaube, dass unser Schicksal, wenn wir geboren werden, auf uns wartet. Alles ist vorher bestimmt und mit unseren Lebensentscheidungen, den großen und den kleinen, wählen wir auch unser Schicksal. Und in diesem Roman wollte ich das verdeutlichen, wenn auch mit viel Fantasie und Abenteuer ausgeschmückt. Wie es nun eben meine Art ist, die Realität mit meiner Fantasie ein wenig aufregender und interessanter zu gestalten.

Jennifer Küppers: In Ihrem neuen Werk verwenden Sie eine sehr anspruchsvolle Sprache mit teilweise langen schwierigen Sätzen oder auch vielen Metaphern – an welche Leser richten Sie sich damit, wen möchten Sie damit ansprechen?

Patrizia Schneider: Alle, die gerne intensive und gefühlvolle Geschichten lesen möchten und die Menschen, die selber etwas weniger Fantasie mit auf den Weg bekommen haben und denen meine Bildsprache hilft, sich auch in meine Fantasiewelten zu versetzen. Es wird mir oft von Lesern geschildert: „Selbst ich konnte mir das Vorstellen. Es war, als ob ein Film in meinem Kopf abläuft.“ Das ist das größte Kompliment für mich. Mehr kann man sich doch nicht wünschen als Autorin, wenn man durch seine Art zu schreiben, andere aus dem Alltag entführen und deren Alltag etwas interessanter gestalten darf.

Jennifer Küppers: Warum haben Sie nun mit einem ganz neuen Projekt begonnen, wo doch sicher viele Leser auf die Fortsetzung der Chronik der Legenden warten?

Patrizia Schneider: Wie erwähnt, der zweite Band der „Chronik der Legenden“ wird als nächstes veröffentlicht. Und dann wird erst der erste Band meiner Fantasie-Saga folgen. Mir ist es wichtig, auf die Wünsche meiner Leser, soweit mir das möglich ist, einzugehen und da ich oft, nach dem zweiten Band der „Chronik der Legenden“ gefragt werde, aber auch schon nach dem zweiten Band des Schauernovellenzyklus, den ich als übernächstes schreiben werde, hatte das oberste Priorität für mich.

Jennifer Küppers: Woran arbeiten Sie im Moment? Gibt es schon Ideen für die Fortsetzungen?

Patrizia Schneider: In ein paar Tagen werde ich den ersten Band meiner Fantasy-Saga mit 22 Bänden (1 Einführungsband und 7 Trilogien) beginnen. Da werde ich meine eigene Welt erfinden - mit Fauna und Flora und einer feudalen Kultur -, in der Heldengeschichten spielen. Das ist auch schon lange ein Wunsch von mir, den ich mir erfüllen werde. Man darf gespannt sein.

Jennifer Küppers: Haben Sie Tipps für „junge Autoren“, die auch gerne ein Buch verfassen möchten?

Patrizia Schneider: Man soll immer an seine Träume glauben, sich auf seinem Weg nicht beirren lassen, und seine Gedanken mit positiver Energie schwängern, dann kann jeder Wunsch Realität werden. Ich bin das Beste Beispiel, dass man seine Träume verwirklichen kann. Und man soll seinen eigenen Stil verfolgen, sich durch Originalität von anderen Unterscheiden und den Mut haben anders zu sein, denn den Mutigen gehört die Welt - lieber an der eigenen Legende arbeiten, als andere Legenden zu imitieren.

Jennifer Küppers: Vielen Dank für Ihre Zeit und die besten Wünsche für alle weiteren Werke!

Patrizia Schneider: Ich danke Ihnen vielmals!