Navigation

Seiten der Rubrik "Bücher"


Google Anzeigen

Anzeigen

Bücher

Preacher: Für ein paar Leichen mehr


Statistiken
  • 2641 Aufrufe

Informationen zum Buch
  ISBN
  Buchreihe
  Autor
  Verlag
  Sprache
  Seiten
  Erscheinungsjahr
  Extras

Rezension von

Frank Drehmel

FĂŒr ein paar Leichen mehr Im vierten Band der Preacher-Reihe ist der “Jesse Custer”-Fan angehalten, in sich zu gehen und in drei abgeschlossenen Geschichten kurz bei einigen jener Nebenfiguren zu verweilen, die bisher den Weg des Reverend kreuzten. Und solange wir den Heiligen der Killer, Arschgesicht und die Good Old Boys bei ihrem verstörenden Treiben beobachten, ruht der aktuelle Handlungsbogen um die Suche nach dem allmĂ€chtigen DrĂŒckeberger. Der Heilige der Killer (Preacher Special: Saint of Killers 1 - 4) Der Mann ohne Namen sehnt sich in seinem tiefsten Inneren nach Frieden, denn nach Jahren des Krieges auf Seiten der Konföderierten ist er des Tötens mĂŒde. Er findet seine große Liebe, bringt mit eigenen HĂ€nden seine Tochter zur Welt und begrĂ€bt Kind und Frau, nachdem sie am Fieber gestorben sind. Er konnte die benötigte Medizin nicht rechtzeitig nach Hause bringen, weil ihn eine Bande von Mördern aufgehalten hat. Nun ist er zurĂŒck, diese Verbrecher zu richten. WĂ€hrend des Blutbades tötet er zum ersten Mal in seinem Leben einen unschuldigen Menschen und findet selbst den Tod. Seine Seele fĂ€hrt zum Teufel, doch die KĂ€lte in ihr lĂ€sst selbst die Feuer der Hölle erlöschen. Als auch die qualvollsten Strafen das Feuer nicht zurĂŒckbringen, bietet Luzifer dem Mann ohne Namen ein GeschĂ€ft an: fortan soll er als Heiliger der Killer ĂŒber die Erde wandeln, um die Seelen der gewaltsam Getöteten einzusammeln. Unsterblich und ausgestattet mit zwei Walker-Colts, die in den Flammen der Hölle geschmiedet wurden, kehrt der Mann zurĂŒck auf die Erde, um sich seiner neuen Aufgabe zu widmen. Zuvor jedoch bringt er seine Rache endgĂŒltig zu Ende und löscht die Stadt, die den Schuldigen am Tode seines Weibes als Unterschlupf diente, bis auf die letzte Frau und das letzte Kind aus. Denn er wusste nicht, was er tat (Preacher Special: The Story of You-Know-Who) Root hat es nicht leicht: Sein Vater, der Sheriff, wartet darauf, dass Nigger vom Mars die Menschheit ĂŒberfallen, hasst Roots Musik und prĂŒgelt ihm regelmĂ€ĂŸig die Scheiße aus den dĂŒrren Gliedern, seine Mutter ist als Alkoholikern dem christlichen Fundamentalismus zugetan und in der Schule bekommt er regelmĂ€ĂŸig von den coolen Typen eins auf die Fresse. Sein einziger Freund ist Pube, ein Loser wie er, der - wie Root glaubt -aber doch irgendwie den Durchblick hat und der vor allem die Grunge-Band “Nirvana” in Roots tristes Leben brachte. Als sich Curt Cobain, der LeadsĂ€nger und Gitarrist von “Nirvana”, mit einer Schrotflinte die RĂŒbe wegblĂ€st, beschließen die beiden Jungen, die ihre Hoffnung auf eine bessere Zukunft lĂ€ngst zu Grabe getragen haben, es ihrem Idol gleich zu tun. Pube hat Erfolg, doch Root schießt sich lediglich das Gesicht weg. Good Old Boys (Preacher Special: The Good Old Boys) Jody und T.C. werden in einer nicht mehr allzu fernen Zukunft von Jesse Custer getötet, aber noch gehen sie in den SĂŒmpfen ihren eher derben FreizeitvergnĂŒgen nach: T.C. steckt seinen Schwengel in alles, was lebendig ist oder war, wĂ€hrend Jody die Haushaltskasse nach Fight-Club-Art aufbessert. Eines Tages retten sie den im Sumpf notgelandeten Detective Cal Hicks, das Fotomodell Tommi Ryder und einen kleinen Köter vor den Schergen Saddam Hoppers, welcher gerne eine gestohlene Diskette mit belastenden Daten zurĂŒckhaben möchte, die die toughe Tommi gestohlen haben soll. Da sie nichts Besseres zu tun haben, beschließen die Old Boys, den FlĂŒchtigen bis auf Weiteres beizustehen. Zwar geht gerade T.C. Cals große Klappe auf die Nerven, aber Tommi hat immerhin so große Titten, dass der psychopathische Jody seinen noch psychopathischeren Bruder vorerst um ZurĂŒckhaltung ersucht. Schon bald trifft vor Ort das nĂ€chste Team von JĂ€gern ein, gefĂŒhrt von Saddam Hopper himself, und es dauert nicht lange, bis das dunkle Wasser des Sumpfes sich blutrot fĂ€rbt. Auch wenn Reverend Custer nicht einmal eine Nebenrolle in diesem Bilderbogen aus Tristesse, Gewalt und ObszönitĂ€ten spielt, dĂŒrfte dennoch jeder Preacher-Fan von der Art hingerissen sein, wie Garth Ennis uns die Geschichte beliebter Serien-Figuren nahebringt und dabei gleichzeitig tiefe - wenn auch sehr einseitige und zum Teil klischeehafte - Einblicke in die Kultur des Landes der Freien und der Heimat der Tapferen, der Mörder und Desillusionierten, der Paranoiker, der Fundamentalisten und Sodomisten gewĂ€hrt. In seinem gewohnt rabenschwarzen und politisch vollkommen unkorrekten Stil liefert er uns mit “Der Heilige der Killer” eine Dekonstruktion des amerikanischen Western-Mythos, in der er zugleich, wie er im Vorwort erlĂ€utert, seine Begeisterung fĂŒr den Duke und Clint Eastwood verarbeitet. In “Denn er wusste nicht, was er tat” rechnet er mit der Grunge-Generation ab, deren Selbstgerechtigkeit und Egozentrik sie - trotz aller unzweifelhaft vorhandener gesellschaftlicher ZwĂ€nge und dem Mangel an Sinn gebenden “Werten” - zu Außenseitern und Verlieren macht(e). Und er malt uns das Bild eines weißen SĂŒdstaaten-Abschaums, dessen krankes, sozialdarwinistisches Wertesystem sich in zwei “Weisheiten” subsumieren lĂ€sst: Die Familie steht an erster Stelle und nur die Starken ĂŒberleben. Das Zeichnungen der beteiligten KĂŒnstler strahlen zwar nicht Steve Dillons kĂŒhle, distanzierte Klarheit aus, durch welche sich die Preacher-BĂ€nde bisher grafisch auszeichneten, und mit dem fast schon beilĂ€ufigen Zelebrieren der Gewalt wird trotz einiger “Splatter-Einlagen” signifikant zurĂŒckhaltender umgegangen, dennoch ist das klassisch-amerikanische Artwork alles in allem ausdrucksstark und scheint von der Maxime geleitet, echte Typen abzubilden. Die Koloration steht im Wesentlichen der der ersten drei BĂ€nde in nichts nach, auch wenn sie gerade in der Story “Good Old Boys” deutlich bunter und krĂ€ftiger als gewohnt daherkommt. Fazit: Einblicke in den dĂŒstersten Teil der amerikanischen Seele. FĂŒr alle, die es hart, hoffnungslos und pervers mögen.

Im vierten Band der Preacher-Reihe ist der “Jesse Custer”-Fan angehalten, in sich zu gehen und in drei abgeschlossenen Geschichten kurz bei einigen jener Nebenfiguren zu verweilen, die bisher den Weg des Reverend kreuzten. Und solange wir den Heiligen der Killer, Arschgesicht und die Good Old Boys bei ihrem verstörenden Treiben beobachten, ruht der aktuelle Handlungsbogen um die Suche nach dem allmĂ€chtigen DrĂŒckeberger.

weitere Rezensionen von Frank Drehmel

#
rezensiert seit
Buchtitel
1
18.02.2018
4
18.02.2018
5
18.02.2018

Der Heilige der Killer (Preacher Special: Saint of Killers 1 - 4)

Der Mann ohne Namen sehnt sich in seinem tiefsten Inneren nach Frieden, denn nach Jahren des Krieges auf Seiten der Konföderierten ist er des Tötens mĂŒde. Er findet seine große Liebe, bringt mit eigenen HĂ€nden seine Tochter zur Welt und begrĂ€bt Kind und Frau, nachdem sie am Fieber gestorben sind. Er konnte die benötigte Medizin nicht rechtzeitig nach Hause bringen, weil ihn eine Bande von Mördern aufgehalten hat.

Nun ist er zurĂŒck, diese Verbrecher zu richten. WĂ€hrend des Blutbades tötet er zum ersten Mal in seinem Leben einen unschuldigen Menschen und findet selbst den Tod. Seine Seele fĂ€hrt zum Teufel, doch die KĂ€lte in ihr lĂ€sst selbst die Feuer der Hölle erlöschen. Als auch die qualvollsten Strafen das Feuer nicht zurĂŒckbringen, bietet Luzifer dem Mann ohne Namen ein GeschĂ€ft an: fortan soll er als Heiliger der Killer ĂŒber die Erde wandeln, um die Seelen der gewaltsam Getöteten einzusammeln.

Unsterblich und ausgestattet mit zwei Walker-Colts, die in den Flammen der Hölle geschmiedet wurden, kehrt der Mann zurĂŒck auf die Erde, um sich seiner neuen Aufgabe zu widmen. Zuvor jedoch bringt er seine Rache endgĂŒltig zu Ende und löscht die Stadt, die den Schuldigen am Tode seines Weibes als Unterschlupf diente, bis auf die letzte Frau und das letzte Kind aus.

Denn er wusste nicht, was er tat (Preacher Special: The Story of You-Know-Who)

Root hat es nicht leicht: Sein Vater, der Sheriff, wartet darauf, dass Nigger vom Mars die Menschheit ĂŒberfallen, hasst Roots Musik und prĂŒgelt ihm regelmĂ€ĂŸig die Scheiße aus den dĂŒrren Gliedern, seine Mutter ist als Alkoholikern dem christlichen Fundamentalismus zugetan und in der Schule bekommt er regelmĂ€ĂŸig von den coolen Typen eins auf die Fresse. Sein einziger Freund ist Pube, ein Loser wie er, der - wie Root glaubt -aber doch irgendwie den Durchblick hat und der vor allem die Grunge-Band “Nirvana” in Roots tristes Leben brachte.

Als sich Curt Cobain, der LeadsĂ€nger und Gitarrist von “Nirvana”, mit einer Schrotflinte die RĂŒbe wegblĂ€st, beschließen die beiden Jungen, die ihre Hoffnung auf eine bessere Zukunft lĂ€ngst zu Grabe getragen haben, es ihrem Idol gleich zu tun.

Pube hat Erfolg, doch Root schießt sich lediglich das Gesicht weg.

Good Old Boys (Preacher Special: The Good Old Boys)

Jody und T.C. werden in einer nicht mehr allzu fernen Zukunft von Jesse Custer getötet, aber noch gehen sie in den SĂŒmpfen ihren eher derben FreizeitvergnĂŒgen nach: T.C. steckt seinen Schwengel in alles, was lebendig ist oder war, wĂ€hrend Jody die Haushaltskasse nach Fight-Club-Art aufbessert. Eines Tages retten sie den im Sumpf notgelandeten Detective Cal Hicks, das Fotomodell Tommi Ryder und einen kleinen Köter vor den Schergen Saddam Hoppers, welcher gerne eine gestohlene Diskette mit belastenden Daten zurĂŒckhaben möchte, die die toughe Tommi gestohlen haben soll.

Da sie nichts Besseres zu tun haben, beschließen die Old Boys, den FlĂŒchtigen bis auf Weiteres beizustehen. Zwar geht gerade T.C. Cals große Klappe auf die Nerven, aber Tommi hat immerhin so große Titten, dass der psychopathische Jody seinen noch psychopathischeren Bruder vorerst um ZurĂŒckhaltung ersucht.

Schon bald trifft vor Ort das nĂ€chste Team von JĂ€gern ein, gefĂŒhrt von Saddam Hopper himself, und es dauert nicht lange, bis das dunkle Wasser des Sumpfes sich blutrot fĂ€rbt.

Auch wenn Reverend Custer nicht einmal eine Nebenrolle in diesem Bilderbogen aus Tristesse, Gewalt und ObszönitĂ€ten spielt, dĂŒrfte dennoch jeder Preacher-Fan von der Art hingerissen sein, wie Garth Ennis uns die Geschichte beliebter Serien-Figuren nahebringt und dabei gleichzeitig tiefe - wenn auch sehr einseitige und zum Teil klischeehafte - Einblicke in die Kultur des Landes der Freien und der Heimat der Tapferen, der Mörder und Desillusionierten, der Paranoiker, der Fundamentalisten und Sodomisten gewĂ€hrt.

In seinem gewohnt rabenschwarzen und politisch vollkommen unkorrekten Stil liefert er uns mit “Der Heilige der Killer” eine Dekonstruktion des amerikanischen Western-Mythos, in der er zugleich, wie er im Vorwort erlĂ€utert, seine Begeisterung fĂŒr den Duke und Clint Eastwood verarbeitet.

In “Denn er wusste nicht, was er tat” rechnet er mit der Grunge-Generation ab, deren Selbstgerechtigkeit und Egozentrik sie - trotz aller unzweifelhaft vorhandener gesellschaftlicher ZwĂ€nge und dem Mangel an Sinn gebenden “Werten” - zu Außenseitern und Verlieren macht(e).

Und er malt uns das Bild eines weißen SĂŒdstaaten-Abschaums, dessen krankes, sozialdarwinistisches Wertesystem sich in zwei “Weisheiten” subsumieren lĂ€sst: Die Familie steht an erster Stelle und nur die Starken ĂŒberleben.

Das Zeichnungen der beteiligten KĂŒnstler strahlen zwar nicht Steve Dillons kĂŒhle, distanzierte Klarheit aus, durch welche sich die Preacher-BĂ€nde bisher grafisch auszeichneten, und mit dem fast schon beilĂ€ufigen Zelebrieren der Gewalt wird trotz einiger “Splatter-Einlagen” signifikant zurĂŒckhaltender umgegangen, dennoch ist das klassisch-amerikanische Artwork alles in allem ausdrucksstark und scheint von der Maxime geleitet, echte Typen abzubilden.

Die Koloration steht im Wesentlichen der der ersten drei BĂ€nde in nichts nach, auch wenn sie gerade in der Story “Good Old Boys” deutlich bunter und krĂ€ftiger als gewohnt daherkommt.

Fazit: Einblicke in den dĂŒstersten Teil der amerikanischen Seele. FĂŒr alle, die es hart, hoffnungslos und pervers mögen.

geschrieben am 01.10.2008 | 883 Wörter | 5084 Zeichen

Kommentare lesen Kommentar schreiben

Kommentare zur Rezension (0)

Platz für Anregungen und Ergänzungen