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Menschenmedizin – Für eine kluge Heilkunst


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Rezension von

Lesefreund

Menschenmedizin – Für eine kluge Heilkunst In dem für die Reihe 'Suhrkamp medizinHuman' neu aufgelegten Band von Christian Hess und Annina Hess-Cabalzar ist neben den Ausführungen des Chefarztes und der Psychotherapeutin zum Thema Gesundheit noch eine weitere Stimme zu vernehmen. Es ist Wilhelm Schmid mit seiner Philosophie der Lebenskunst, die er diesmal in klinisch-medizinschem Zusammenhang erprobt. Bei der 'Menschenmedizin' geht insgesamt um die Frage, wie den stetig steigenden Kosten im Gedundheitswesen am besten beizukommen ist. Auch in der Schweiz ist das Thema Gesundheit wohl vor allem ein teures Thema. Und so zäumen die Autoren denn auch das Pferd von vorne auf, indem sie nach einem kurzen Überblick zur gegenwärtigen (Kosten-)Situation unmittelbar zu den Grundbegriffen des medizinischen Wissens Stellung nehmen. Es sind dies in erster Line: Krankheit und Gesundheit, Leben und Tod – wobei sich zeigen wird, dass der komplementäre Begriff zum Leben treffender mit Sterben bezeichnet werden kann, und der Gegensatz von Tod in der Geburt am besten zum Ausdruck kommt. Was bei der Lektüre bald auffällt, ist die angenehme Verquickung von medizischen Fachausdrücken mit philosophisch-theoretischem Vokabular, wobei beide Ausdrucksweisen in diesem Band für den Laien gerade noch verständlich gemacht werden können. Es ist jedoch in erster Linie wohl ein Buch für Mediziner und Angehörige anderer Heilberufe. Das Neue und Ungewöhnliche an den Überlegungen von Hess und Hess-Cabalzar ist die Art ihres Reflektierens über das medizinische Bild vom Menschen. Im Gegensatz zur häufig voherrschenden polaren Sichtweise – welche auf der einen Seite das Wohlbefinden und auf der anderen das Unwohlsein sieht – befürworten die beiden Autoren ein eher zyklisch-umfassend orientiertes Denkmuster. In Anlehnung an einige philosophsichene Standpunkte, wie zum Beispiel die Sichtweisen des legendenhaft fassbaren Lao-tse mit seinen Lehren des 'Tao-te-king', vertreten Hess und Hess-Cabalzar eine einheitsbetonende Sichtweise bei der Betrachtung des Menschen und seiner Zustände. In dieser Perspektive ist Gesundheit nicht die – graduell mehr oder weniger starke – Abwesenheit von Krankheit, sondern vielmehr deren Gegenüber. Gemeinsam machen sie das Gesamtbefinden des Menschen aus, wobei dieses wiederum nicht als Zustand – den man zu einem bestimmten Zeitpunkt fixieren könnte – gedacht wird, sondern als ein Werden. Wer einen Patienten behandelt, wirkt demnach auf dessen momentanes Werden ein – er verändert also den Prozess des jeweils individuellen Lebens in eine bestimmte Richtung. Es mag zunächst befremdlich erscheinen, sich den Begriff Krankheit nicht als Gegensatz zur Gesundheit vorzustellen; geht mit der Besserung einer Krankheit im Allgemeinen doch ein gesteigertes Wohlbefinden einher. Wie jedoch bereits Platon wusste, handelt es sich dabei eher um das Wiedererlangen einer mittleren Befindlichkeit – die zwischen Gesundheit und Krankheit situiert ist – als um das Erreichen 'der' Gesundheit. Der weniger kranke Zustand führt den Patienten also wieder ein Stück weit in Richtung Gesundheit – näher zum Ausgleich, jedoch nicht zu einer absoluten Gesundheit. Das Ziel einer medizinischen Behandlung kann daher eigentlich nicht – von einem übergeordneten Standpunkt aus gesehen – die vollkommene Gesundheit des Menschen sein, sondern vielmehr dessen Wieder-Balancierung zwischen den Lebenspolen Gesundheit und Krankheit. Krankheit und Gesundheit, beide bilden nach Hess und Hess-Cabalzar das Leben ab. Ohne Leben gibt es weder Krankheit noch Gesundheit, da beide elementare Bestandteile des Werdens eines Menschen sind. Wo der Mensch aufhört zu werden, stirbt er. Dies ist auch die Antwort der beiden Autoren auf die Frage nach dem – medizinisch verwirklichbaren – ewigen Leben: Es existiert nicht, da Leben immer Werden und Vergehen in sich einschließt, und die Ausschaltung der einen Seite immer auch die Negation der anderen Seite nach sich ziehen würde. Ein Stein wäre demnach vielleicht als ewig lebend zu bezeichnen, da er aufgrund seines fehlenden Werdens auch keinen Tod zu gewärtigen hat. Dass aber im Laufe der Zeit auch er Veränderungen erfährt, etwa indem er vom Wasser abgeschliffen oder von Druck in seiner Gestalt verändert wird, ist ein anderes Thema – hier geht es zunächst um den Menschen und nicht um Steine. Mit der von Hess und Hess-Cabalzar stark gemachten Perspektive des werdenden Lebens tun sich eine Fülle neuer Möglichkeiten und Zugangsweisen für die Genesung von Patienten auf. Im Verbund mit dem Lebensphilosophen Wilhelm Schmid und den Grundlagen der Kunst sowie der Psychologie und der Psychoanalyse wagen sich die Autoren auf ein hochgradig fruchtbares Feld, das bisher wenig bestellt wurde und daher einiges an Ertrag verspricht. Wer sich als medizinisch Interessierter oder etwa als selbst von Krankheit Betroffener über die Verwirklichngsmöglichkeiten dieses neuen Denkansatzes in der Medizin informieren möchte, der findet bei Hess, Hess-Cabalzar und Schmid eine theoretisch-praktische Zusammenstellung vor, die neben Erfahrungsberichten aus dem klinischen Alltag eigene Forschungsthesen formuliert und dem Leser im Ganzen einen vielversprechenden Einblick in den medizinsichen Betrieb gewährt.

In dem für die Reihe 'Suhrkamp medizinHuman' neu aufgelegten Band von Christian Hess und Annina Hess-Cabalzar ist neben den Ausführungen des Chefarztes und der Psychotherapeutin zum Thema Gesundheit noch eine weitere Stimme zu vernehmen. Es ist Wilhelm Schmid mit seiner Philosophie der Lebenskunst, die er diesmal in klinisch-medizinschem Zusammenhang erprobt.

Bei der 'Menschenmedizin' geht insgesamt um die Frage, wie den stetig steigenden Kosten im Gedundheitswesen am besten beizukommen ist. Auch in der Schweiz ist das Thema Gesundheit wohl vor allem ein teures Thema. Und so zäumen die Autoren denn auch das Pferd von vorne auf, indem sie nach einem kurzen Überblick zur gegenwärtigen (Kosten-)Situation unmittelbar zu den Grundbegriffen des medizinischen Wissens Stellung nehmen. Es sind dies in erster Line: Krankheit und Gesundheit, Leben und Tod – wobei sich zeigen wird, dass der komplementäre Begriff zum Leben treffender mit Sterben bezeichnet werden kann, und der Gegensatz von Tod in der Geburt am besten zum Ausdruck kommt.

Was bei der Lektüre bald auffällt, ist die angenehme Verquickung von medizischen Fachausdrücken mit philosophisch-theoretischem Vokabular, wobei beide Ausdrucksweisen in diesem Band für den Laien gerade noch verständlich gemacht werden können. Es ist jedoch in erster Linie wohl ein Buch für Mediziner und Angehörige anderer Heilberufe. Das Neue und Ungewöhnliche an den Überlegungen von Hess und Hess-Cabalzar ist die Art ihres Reflektierens über das medizinische Bild vom Menschen. Im Gegensatz zur häufig voherrschenden polaren Sichtweise – welche auf der einen Seite das Wohlbefinden und auf der anderen das Unwohlsein sieht – befürworten die beiden Autoren ein eher zyklisch-umfassend orientiertes Denkmuster.

In Anlehnung an einige philosophsichene Standpunkte, wie zum Beispiel die Sichtweisen des legendenhaft fassbaren Lao-tse mit seinen Lehren des 'Tao-te-king', vertreten Hess und Hess-Cabalzar eine einheitsbetonende Sichtweise bei der Betrachtung des Menschen und seiner Zustände. In dieser Perspektive ist Gesundheit nicht die – graduell mehr oder weniger starke – Abwesenheit von Krankheit, sondern vielmehr deren Gegenüber. Gemeinsam machen sie das Gesamtbefinden des Menschen aus, wobei dieses wiederum nicht als Zustand – den man zu einem bestimmten Zeitpunkt fixieren könnte – gedacht wird, sondern als ein Werden.

Wer einen Patienten behandelt, wirkt demnach auf dessen momentanes Werden ein – er verändert also den Prozess des jeweils individuellen Lebens in eine bestimmte Richtung. Es mag zunächst befremdlich erscheinen, sich den Begriff Krankheit nicht als Gegensatz zur Gesundheit vorzustellen; geht mit der Besserung einer Krankheit im Allgemeinen doch ein gesteigertes Wohlbefinden einher. Wie jedoch bereits Platon wusste, handelt es sich dabei eher um das Wiedererlangen einer mittleren Befindlichkeit – die zwischen Gesundheit und Krankheit situiert ist – als um das Erreichen 'der' Gesundheit. Der weniger kranke Zustand führt den Patienten also wieder ein Stück weit in Richtung Gesundheit – näher zum Ausgleich, jedoch nicht zu einer absoluten Gesundheit. Das Ziel einer medizinischen Behandlung kann daher eigentlich nicht – von einem übergeordneten Standpunkt aus gesehen – die vollkommene Gesundheit des Menschen sein, sondern vielmehr dessen Wieder-Balancierung zwischen den Lebenspolen Gesundheit und Krankheit.

Krankheit und Gesundheit, beide bilden nach Hess und Hess-Cabalzar das Leben ab. Ohne Leben gibt es weder Krankheit noch Gesundheit, da beide elementare Bestandteile des Werdens eines Menschen sind. Wo der Mensch aufhört zu werden, stirbt er. Dies ist auch die Antwort der beiden Autoren auf die Frage nach dem – medizinisch verwirklichbaren – ewigen Leben: Es existiert nicht, da Leben immer Werden und Vergehen in sich einschließt, und die Ausschaltung der einen Seite immer auch die Negation der anderen Seite nach sich ziehen würde. Ein Stein wäre demnach vielleicht als ewig lebend zu bezeichnen, da er aufgrund seines fehlenden Werdens auch keinen Tod zu gewärtigen hat. Dass aber im Laufe der Zeit auch er Veränderungen erfährt, etwa indem er vom Wasser abgeschliffen oder von Druck in seiner Gestalt verändert wird, ist ein anderes Thema – hier geht es zunächst um den Menschen und nicht um Steine.

Mit der von Hess und Hess-Cabalzar stark gemachten Perspektive des werdenden Lebens tun sich eine Fülle neuer Möglichkeiten und Zugangsweisen für die Genesung von Patienten auf. Im Verbund mit dem Lebensphilosophen Wilhelm Schmid und den Grundlagen der Kunst sowie der Psychologie und der Psychoanalyse wagen sich die Autoren auf ein hochgradig fruchtbares Feld, das bisher wenig bestellt wurde und daher einiges an Ertrag verspricht. Wer sich als medizinisch Interessierter oder etwa als selbst von Krankheit Betroffener über die Verwirklichngsmöglichkeiten dieses neuen Denkansatzes in der Medizin informieren möchte, der findet bei Hess, Hess-Cabalzar und Schmid eine theoretisch-praktische Zusammenstellung vor, die neben Erfahrungsberichten aus dem klinischen Alltag eigene Forschungsthesen formuliert und dem Leser im Ganzen einen vielversprechenden Einblick in den medizinsichen Betrieb gewährt.

geschrieben am 22.10.2007 | 751 Wörter | 4527 Zeichen

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