In Amerika gehören sie für Verlage und Autoren seit Jahren zum Tagesgeschäft. Die Rede ist von Literaturagenturen. In Deutschland hingegen „leistet“ sich längst nicht jeder Autor einen Agenten oder lässt sich vertreten. Warum eigentlich nicht? Florian Wendland hat bei der jungen und doch bemerkenswert erfolgreichen Literaturagentur Schmidt und Abrahams – im letzten Jahr erschien das von ihr vertretene Werk „Die Trolle“ im Heyne Verlag – dies erfragt. Freundlicherweise war Frau Natalja Schmidt bereit, uns und unseren Lesern ein wenig ihrer Zeit zu widmen.
Florian Wendland: Guten Tag Frau Schmidt, vielen Dank, dass Sie sich die Zeit genommen haben, uns und unseren Lesern ein paar Antworten zu geben. Die Erste lautet natürlich, welchen Anlass gab es für Sie und Frau Abrahams eine Literaturagentur zu gründen?
Natalja Schmidt: Guten Tag, Herr Wendland. In den vergangenen fünf Jahren hat sich auf dem deutschen Buchmarkt viel bewegt, was die Phantastik angeht. Die Fantasy hat einen ziemlichen Imagewandel erlebt, ganz neue Aufmerksamkeit von Seiten der Leser erhalten und findet sich plötzlich auch hierzulande auf den Bestsellerlisten. Als freiberufliche Lektorin konnte ich diesen Trend beobachten und als Fantasy- und SF-Fan hat mich diese Entwicklung natürlich gefreut. Trotzdem konnte ich auch sehen, dass viele Nachwuchsautoren kaum eine Chance haben, von Verlagen wahrgenommen zu werden. Und hier wollten Julia und ich mit der Agentur ansetzen. Inzwischen haben wir auch Historische Romane im Portfolio, auch ein sehr spannendes literarisches Feld.
Florian Wendland: Ich denke, dass gerade die Nicht-Autoren unter unseren Leser gerne einmal erfahren würden, was genau eine Literaturagentur tut. Könnten Sie das vielleicht kurz umreißen?
Natalja Schmidt: Eine Literaturagentur versteht sich als Schnittstelle zwischen Autoren und Verlagen. Die meisten Lektorate großer Publikumsverlage bekommen täglich eine große Menge unverlangt eingesandter Manuskripte; viel mehr, als man dort gründlich prüfen kann. Wir treffen eine Vorauswahl und nehmen Autoren unter Vertrag, von deren Potenzial wir überzeugt sind. Wir arbeiten mit unseren Autoren an ihren Texten, unterstützen sie dabei, diese auf Verlagsniveau zu bringen, und stellen Autor und Werk dann geeigneten Verlagen vor. Überdies helfen wir auch bei der Vertragsgestaltung, der Rechteverwertung und der Werbung. Dabei arbeiten wir – wie alle seriösen Agenturen – auf Provisionsbasis, d.h. wir bekommen nur dann Prozente, wenn wir ein Werk auch wirklich vermittelt haben.
Florian Wendland: Nach welchen Gesichtspunkten wählen Sie die Autoren aus, die Sie zu vertreten gedenken?
Natalja Schmidt: Zunächst muss ein Manuskript zu den von uns vertretenen Genres passen. Es sollte den Leser neugierig machen, dazu verführen, weiter lesen zu wollen. Dann ist es hilfreich, wenn das MS stilistisch und orthographisch bereits ein gewisses Niveau besitzt. Aber der wichtigste Punkt ist, dass uns der Text inhaltlich wirklich überzeugt.
Florian Wendland: Auf Ihrer Webseite steht, dass Sie als freiberufliche Lektorin für diverse Verlag (u.a. den Heyne Verlag) tätig sind. Inwiefern hilft Ihnen diese persönliche Beziehung zu den Verlagen bei der Vermittlung neuer Manuskripte?
Natalja Schmidt: Eine genaue Branchenkenntnis und gute persönliche Kontakte sind für eine Agentur sehr wichtig. Ohne zu wissen, wie Verlage ihre Programme gestalten, könnten wir keine fundierten Angebote machen.
Florian Wendland: Können Sie einen gewissen Einfluss auf die Verlage nehmen, wenn Sie von einem Buch besonders überzeugt sind?
Natalja Schmidt: Einen gewissen Einfluss kann man schon nehmen, auch und gerade, um ungewöhnlicheren Manuskripten einen besseren Start zu verschaffen. Aber der verantwortliche Lektor muss – ebenso wie wir – letztlich von den Marktchancen überzeugt sein, sonst funktioniert eine Vermittlung natürlich nicht.
Florian Wendland: Ihr erstes vermitteltes Projekt („Die Trolle“, Heyne Verlag, Christoph Hardebusch) kam direkt beim großen Heyne Verlag unter und stand auf diversen Bestseller-Listen mal weiter oben, mal weiter unten. Waren Sie damals überzeugt davon, dass die Geschichte derart gut von dem Publikum abgenommen würde? Zumal die Geschichte ja in einer renommierten Serie erschienen ist, die eine gewisse Erwartungshaltung weckt.
Natalja Schmidt: Natürlich waren wir von der Qualität von Christoph Hardebuschs Manuskript sehr überzeugt. Ein so großer Erfolg, wie er den „Trollen“ beschieden war, lässt sich aber kaum vorhersehen. Das hängt von vielen Faktoren ab, und ich würde sagen, Herr Hardebusch war mit einer großartigen Geschichte zur richtigen Zeit am richtigen Ort. 1001 Spiele Spiele Spiele Rennspiele Kinder Spiele Karten Spiele Spielaffe
Florian Wendland: Wie viele neue Anfragen erhält Ihre Agentur denn etwa pro Monat und wie hoch ist der Prozentsatz der verwendbaren Angebote?
Natalja Schmidt: Die Zahl der Anfragen geht eigentlich stetig nach oben, insbesondere seitdem wir in mehreren Genres große Veröffentlichungen auf den Weg bringen konnten. Zur Zeit erhalten wir ca. 12-20 Manuskriptangebote pro Monat. Wir vertreten aber insgesamt nur 20 Autoren, also kann man sich vorstellen, dass nur ein sehr geringer Prozentsatz wirklich verwertbar ist.
Florian Wendland: Die von Ihnen vertretenen Buchprojekte sind ja bereits durch eine strenge Qualitätskontrolle gelaufen... wie hoch schätzen Sie die Wahrscheinlichkeit für die von Ihnen vertretenen Projekte bezüglich eine Veröffentlichung ein?
Natalja Schmidt: Das ist eigentlich ganz einfach: Wenn wir nicht an die Erfolgschancen eines Projektes glauben würden, hätten wir uns nicht zu einer Vertretung des Autors entschlossen. Einige Manuskripte brauchen allerdings mehr Zeit als andere, weil sie z.B. nicht direkt und konkret in ein geplantes Programm passen.
Florian Wendland: Stehen die Verantwortlichen in den Verlagen Manuskriptangeboten von Ihrer bzw. generell von Literaturagenturen offener gegenüber als zum Beispiel unverlangt eingesendeter Manuskripte?
Natalja Schmidt: In Amerika ist es bereits gängige Praxis, dass Manuskripte, die nicht von Agenturen kommen, von vielen Lektoraten gar nicht mehr gelesen werden. Das ist hierzulande zwar noch nicht so, aber auch für den deutschen Buchmarkt werden die Agenturen immer wichtiger. Agenturen streuen die Manuskripte nicht einfach, sondern bieten sie gezielt an, nach persönlichem Kontakt mit den Ansprechpartnern. Angebote, die von Agenturen kommen, passen im Idealfall bereits direkt zu einem freien Programmplatz. So sparen wir den Lektoraten Zeit und Arbeit, den Autoren wiederum den Frust kurzer Standardabsagen.
Florian Wendland: Können Sie etwaigen Nachwuchsautoren zum Schluss noch ein paar Tipps mit auf dem Weg geben oder die Do’s-and-Don’ts kurz umreißen?
Natalja Schmidt: Ein gewisses Durchhaltevermögen ist wichtig, man sollte sich nicht zu schnell entmutigen lassen. Und ein Autor sollte bereit sein, an seinem Werk noch weiter zu arbeiten, auch wenn er schon das Wörtchen „Ende“ darunter geschrieben hat. Schreiben beinhaltet auch viel Handwerk, und das kann man lernen. Viele Verlage und Agenturen haben bestimmte Vorgaben, was die Einsendung unverlangter Manuskripte angeht, und man tut sich sicher einen Gefallen, diese auch zu beachten. Und zum guten Schluss: Schreiben, schreiben, schreiben, denn dadurch lernt man am meisten.
Florian Wendland: Ich bedanke mich im Namen von webcritics.de und unserer Leser. Vielen Dank für das aufschlussreiche Gespräch.
Webseite der Literaturagentur: http://www.schrift-art.net