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Auf der Suche nach dem Einhorn


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Rezension von

Frank Drehmel

Auf der Suche nach dem Einhorn Wir schreiben das Jahr 1471. Juan de Olid, ein junger Gesandter des Konnetabels von Kastilien, erhält vom spanischen König einen Geheimauftrag: im fernen Afrika soll er das legendäre Einhorn jagen, dessem Horn man wundersame Kräfte zuschreibt: nicht nur, dass es ein Heilmittel für jegliche Art von Gift sein soll, auch die Stärkung der Manneskraft gehört zu seinen sagenhaften Eigenschaften. Wagemutig bricht Juan de Olid in Begleitung eines Geistlichen, einer Jungfrau – Donna Josefina -, welche der Sage nach das wilde Tier zähmen können soll, sowie eines kleinen Trosses, bestehend aus Armbrustschützen und Gesinde, gen Schwarzen Kontinent auf. Doch die Reise steht unter keinem guten Stern. Dass die Armbrustschützen sich von Beginn als wenig loyal erweisen und eine „Amour fou“ dafür sorgt, dass der Gruppe die Jungfrau abhanden kommt, ist dabei das kleinere Problem; als gravierender erweisen sich die Händel der jeweiligen lokalen Herrscher, in die die Gruppe während ihrer Reise in das Unbekannte immer wieder verstrickt wird. Ein ums andere Mal versuchen die Machthaber – angefangen beim Kalifen vom Marrakesch bis hin zu afrikanischen Stammesoberhäuptern – die spanischen Kämpfer zu instrumentalisieren und gegen die eigenen Feinde ins Feld zu schicken. Und so sorgen nicht nur Krankheiten, Verrat, Sklavenhändler und wilde Tiere dafür, dass die Gruppe im Laufe der Zeit, die sich nach Monaten und schließlich vielen Jahren bemisst, ständig kleiner wird, sondern auch der Blutzoll, den die Spanier auf den Schlachtfeldern leisten, trägt dazu bei, dass die Expedition für alle zu einer endgültigen Reise ohne Wiederkehr zu werden droht In Abstimmung mit dem Autor Juan Eslava Galán, eines auf mittelalterliche Festungen spezialisierten Historikers, dessen Roman „En Busca Del Unicornio“ dem Comic zugrunde liegt, haben Ruiz und Miralles ein Werk von verstörender Intensität und bemerkenswerter Authentizität geschaffen. Verstörend und authentisch insofern, als eine Gesellschaft zum Leben erweckt wird, deren Haltungen und Ideale so gar nicht mit dem zu tun haben, was heute gemeinhin als „political correctness“ bezeichnet wird. Ruiz' Figuren sind in ihrem Umgang untereinander und mit anderen Kulturen bzw. Völkern gleichermaßen roh wie naiv, chauvinistisch und vorurteilsbeladen wie neugierig, pragmatisch wie stark im Glauben, sind also ganz Kinder einer voraufklärerischen Epoche, deren Kontext sich auch in der Sprache widerspiegelt, der sich der Autor bedient. Vom Story-Aufbau her beschreitet Ruiz einen eher gemächlichen Weg, nimmt sich Zeit, seine Figuren einzuführen, den generellen Hintergrund zu beleuchten und die jeweiligen Konflikte, die aus dem Zusammenprall unterschiedlicher Welten resultieren, plausibel nachzuzeichnen. Andererseits ist er auch bereit, das Tempo zu forcieren, das Abenteuerliche dieser Geschichte zu betonen, wenn die Spannungsbögen zu sehr abflachen. Insofern scheint der Erzählfluss sanft zu wogen zwischen Ruhephasen und temporeicher Aktion. Nicht weniger bemerkenswert als die Geschichte ist das Artwork Ana Miralles, das einerseits um historische Genauigkeit bemüht ist, andererseits vergleichsweise einfach und klar – gerade auch in der Figurenzeichnung sowie der Panelanordnung - gehalten ist, mit leichten Linien und sanften, aquarellierenden, nebeneinander gesetzten Farben. Immer wieder jedoch wird, wenn es die Handlung erfordert, die Weichheit, die visuelle Leichtigkeit von Impressionen expliziter Gewalt und fast schon abstoßender Brutalität durchbrochen, die summa summarum das Album eher zu einer Erwachsenen-Lektüre machen. Editorisch komplettiert wird das Hardcover-Album durch ein sechsseitiges Interview mit den Kreativen, welches mit zahlreichen Skizzen aus Miralles Sketchbook unterlegt ist und in dem sowohl der erzählerische als auch der künstlerisch Ansatz dezidiert erläutert werden. Fazit: Ein historisch authentisches Comic, das in erster Linie Freunde des gehobenen Abenteuerromans und weniger Fantasy-Fans bzw. Anhänger temporeicher Hau-Drauf-Action ansprechen dürfte.

Wir schreiben das Jahr 1471. Juan de Olid, ein junger Gesandter des Konnetabels von Kastilien, erhält vom spanischen König einen Geheimauftrag: im fernen Afrika soll er das legendäre Einhorn jagen, dessem Horn man wundersame Kräfte zuschreibt: nicht nur, dass es ein Heilmittel für jegliche Art von Gift sein soll, auch die Stärkung der Manneskraft gehört zu seinen sagenhaften Eigenschaften.

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Wagemutig bricht Juan de Olid in Begleitung eines Geistlichen, einer Jungfrau – Donna Josefina -, welche der Sage nach das wilde Tier zähmen können soll, sowie eines kleinen Trosses, bestehend aus Armbrustschützen und Gesinde, gen Schwarzen Kontinent auf. Doch die Reise steht unter keinem guten Stern. Dass die Armbrustschützen sich von Beginn als wenig loyal erweisen und eine „Amour fou“ dafür sorgt, dass der Gruppe die Jungfrau abhanden kommt, ist dabei das kleinere Problem; als gravierender erweisen sich die Händel der jeweiligen lokalen Herrscher, in die die Gruppe während ihrer Reise in das Unbekannte immer wieder verstrickt wird. Ein ums andere Mal versuchen die Machthaber – angefangen beim Kalifen vom Marrakesch bis hin zu afrikanischen Stammesoberhäuptern – die spanischen Kämpfer zu instrumentalisieren und gegen die eigenen Feinde ins Feld zu schicken. Und so sorgen nicht nur Krankheiten, Verrat, Sklavenhändler und wilde Tiere dafür, dass die Gruppe im Laufe der Zeit, die sich nach Monaten und schließlich vielen Jahren bemisst, ständig kleiner wird, sondern auch der Blutzoll, den die Spanier auf den Schlachtfeldern leisten, trägt dazu bei, dass die Expedition für alle zu einer endgültigen Reise ohne Wiederkehr zu werden droht

In Abstimmung mit dem Autor Juan Eslava Galán, eines auf mittelalterliche Festungen spezialisierten Historikers, dessen Roman „En Busca Del Unicornio“ dem Comic zugrunde liegt, haben Ruiz und Miralles ein Werk von verstörender Intensität und bemerkenswerter Authentizität geschaffen. Verstörend und authentisch insofern, als eine Gesellschaft zum Leben erweckt wird, deren Haltungen und Ideale so gar nicht mit dem zu tun haben, was heute gemeinhin als „political correctness“ bezeichnet wird. Ruiz' Figuren sind in ihrem Umgang untereinander und mit anderen Kulturen bzw. Völkern gleichermaßen roh wie naiv, chauvinistisch und vorurteilsbeladen wie neugierig, pragmatisch wie stark im Glauben, sind also ganz Kinder einer voraufklärerischen Epoche, deren Kontext sich auch in der Sprache widerspiegelt, der sich der Autor bedient.

Vom Story-Aufbau her beschreitet Ruiz einen eher gemächlichen Weg, nimmt sich Zeit, seine Figuren einzuführen, den generellen Hintergrund zu beleuchten und die jeweiligen Konflikte, die aus dem Zusammenprall unterschiedlicher Welten resultieren, plausibel nachzuzeichnen. Andererseits ist er auch bereit, das Tempo zu forcieren, das Abenteuerliche dieser Geschichte zu betonen, wenn die Spannungsbögen zu sehr abflachen. Insofern scheint der Erzählfluss sanft zu wogen zwischen Ruhephasen und temporeicher Aktion.

Nicht weniger bemerkenswert als die Geschichte ist das Artwork Ana Miralles, das einerseits um historische Genauigkeit bemüht ist, andererseits vergleichsweise einfach und klar – gerade auch in der Figurenzeichnung sowie der Panelanordnung - gehalten ist, mit leichten Linien und sanften, aquarellierenden, nebeneinander gesetzten Farben. Immer wieder jedoch wird, wenn es die Handlung erfordert, die Weichheit, die visuelle Leichtigkeit von Impressionen expliziter Gewalt und fast schon abstoßender Brutalität durchbrochen, die summa summarum das Album eher zu einer Erwachsenen-Lektüre machen.

Editorisch komplettiert wird das Hardcover-Album durch ein sechsseitiges Interview mit den Kreativen, welches mit zahlreichen Skizzen aus Miralles Sketchbook unterlegt ist und in dem sowohl der erzählerische als auch der künstlerisch Ansatz dezidiert erläutert werden.

Fazit: Ein historisch authentisches Comic, das in erster Linie Freunde des gehobenen Abenteuerromans und weniger Fantasy-Fans bzw. Anhänger temporeicher Hau-Drauf-Action ansprechen dürfte.

geschrieben am 01.05.2010 | 563 Wörter | 3545 Zeichen

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