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Mein fast perfektes Leben


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Rezension von

Anna Kneisel

Mein fast perfektes Leben „Ich hatte eine Frau. Ihr Name war Hailey. Ich habe sie verloren – und mich dazu.“ Doug ist 29 und hat schon durchgemacht, was die Wenigsten in seinem Alter erleben mussten: er hat seine Frau Hailey bei einem Flugzeugabsturz verloren. Nun ist er voller Wut und Trauer, er findet auch nach einem Jahr nicht ins Leben zurück - das will er auch gar nicht, aus Angst, sich mit dem Verlust abzufinden. Nicht einmal das Abdriften seines Stiefsohns Russell auf die schiefe Bahn rüttelt ihn wach, obwohl er zu diesem eigentlich einen guten Bezug hat. Stattdessen betrinkt er sich regelmäßig, bemitleidet sich selbst und ist auf alles und jeden einfach wütend, besonders auf diejenigen, die ihn mitleidig nach seinem Befinden fragen, denn, so konstatiert er: Mitleid ist wie ein Furz: bei sich selbst kann man es tolerieren, bei anderen jedoch nicht. Der Ich-Erzähler wohnt in einer amerikanischen Kleinstadt, in der jeder jeden kennt und so auch jeder über Haileys Schicksal bescheid weiß. Und je schlechter es Doug geht, umso besser kommt seine Kolumne an, die er für ein Magazin schreibt. Zum Glück hat Doug seine durchgeknallte Familie - bestehend aus einer ehemaligen Schauspielerin als Mutter, einem verwirrten Vater, einer unberechenbaren Zwillingsschwester und einer irgendwie unterkühlt wirkenden jüngeren Schwester. - die ihn zur Ordnung ruft oder aber manchmal noch tiefer in den Wahnsinn zu treiben scheint. Als seine Zwillingsschwester Claire sich von ihrem Mann trennt und bei Doug einzieht, bemüht sie sich, ihn abzulenken und aus seinem Selbstmitleid herauszuholen. Er soll wieder anfangen zu leben, sich zu verabreden, unter Leute kommen… und sie beglückwünscht ihn dafür, als er den Avancen seiner verheirateten Nachbarin nachgibt. Trotz all seiner traurigen Aspekte strotzt der Roman gleichzeitig vor aberwitzigen Dialogen und Szenen, denn der Protagonist tappt von einer absurden Situation in die nächste. Diese Mischung ist ungewöhnlich und lässt den Leser eine Gefühlsachterbahn erleben, denn wenn einem zunächst zum Weinen zumute ist, möchte man im nächsten Moment schon wieder laut lachen. Trotz seines Themas ist es Jonathan Tropper gelungen, aus seinem Roman auf den ersten Blick leichte Lektüre zu machen, ein wenig Kitsch, Doug ist sozusagen ein männliches Gegenstück zu Holly aus Cecilia Aherns „P.S. ich liebe dich“, gleichzeitig finden sich aber auch überzeugende Innenansichten; Doug ist erstaunlich selbstreflektierend und –ironisch, der Leser empfindet Sympathie für diesen liebenswerten und faulen Loser, der sich selbst auch gern mal als Arschloch bezeichnet. Irgendwie hat man Verständnis dafür, dass er seinen inneren Schweinehund manchmal ein wenig zu sehr von der Leine lässt, dass er dieser Versuchung einfach nicht widerstehen kann, obwohl er es doch besser weiß. Mit teilweise recht vulgärem Wortschatz – Tropper nimmt kein Blatt vor den Mund – und viel schwarzem Humor bietet sich in „Mein fast perfektes Leben“ eine Möglichkeit, das Thema Trauer und seine Bewältigung aus einem Blickwinkel zu betrachten, der nachvollziehbar und dennoch humorvoll wirkt und dabei liest sich dieser Roman flüssig und unterhaltsam, eine schöne Freizeitlektüre.

„Ich hatte eine Frau. Ihr Name war Hailey. Ich habe sie verloren – und mich dazu.“

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Doug ist 29 und hat schon durchgemacht, was die Wenigsten in seinem Alter erleben mussten: er hat seine Frau Hailey bei einem Flugzeugabsturz verloren. Nun ist er voller Wut und Trauer, er findet auch nach einem Jahr nicht ins Leben zurück - das will er auch gar nicht, aus Angst, sich mit dem Verlust abzufinden. Nicht einmal das Abdriften seines Stiefsohns Russell auf die schiefe Bahn rüttelt ihn wach, obwohl er zu diesem eigentlich einen guten Bezug hat. Stattdessen betrinkt er sich regelmäßig, bemitleidet sich selbst und ist auf alles und jeden einfach wütend, besonders auf diejenigen, die ihn mitleidig nach seinem Befinden fragen, denn, so konstatiert er: Mitleid ist wie ein Furz: bei sich selbst kann man es tolerieren, bei anderen jedoch nicht.

Der Ich-Erzähler wohnt in einer amerikanischen Kleinstadt, in der jeder jeden kennt und so auch jeder über Haileys Schicksal bescheid weiß. Und je schlechter es Doug geht, umso besser kommt seine Kolumne an, die er für ein Magazin schreibt.

Zum Glück hat Doug seine durchgeknallte Familie - bestehend aus einer ehemaligen Schauspielerin als Mutter, einem verwirrten Vater, einer unberechenbaren Zwillingsschwester und einer irgendwie unterkühlt wirkenden jüngeren Schwester. - die ihn zur Ordnung ruft oder aber manchmal noch tiefer in den Wahnsinn zu treiben scheint. Als seine Zwillingsschwester Claire sich von ihrem Mann trennt und bei Doug einzieht, bemüht sie sich, ihn abzulenken und aus seinem Selbstmitleid herauszuholen. Er soll wieder anfangen zu leben, sich zu verabreden, unter Leute kommen… und sie beglückwünscht ihn dafür, als er den Avancen seiner verheirateten Nachbarin nachgibt.

Trotz all seiner traurigen Aspekte strotzt der Roman gleichzeitig vor aberwitzigen Dialogen und Szenen, denn der Protagonist tappt von einer absurden Situation in die nächste. Diese Mischung ist ungewöhnlich und lässt den Leser eine Gefühlsachterbahn erleben, denn wenn einem zunächst zum Weinen zumute ist, möchte man im nächsten Moment schon wieder laut lachen.

Trotz seines Themas ist es Jonathan Tropper gelungen, aus seinem Roman auf den ersten Blick leichte Lektüre zu machen, ein wenig Kitsch, Doug ist sozusagen ein männliches Gegenstück zu Holly aus Cecilia Aherns „P.S. ich liebe dich“, gleichzeitig finden sich aber auch überzeugende Innenansichten; Doug ist erstaunlich selbstreflektierend und –ironisch, der Leser empfindet Sympathie für diesen liebenswerten und faulen Loser, der sich selbst auch gern mal als Arschloch bezeichnet. Irgendwie hat man Verständnis dafür, dass er seinen inneren Schweinehund manchmal ein wenig zu sehr von der Leine lässt, dass er dieser Versuchung einfach nicht widerstehen kann, obwohl er es doch besser weiß.

Mit teilweise recht vulgärem Wortschatz – Tropper nimmt kein Blatt vor den Mund – und viel schwarzem Humor bietet sich in „Mein fast perfektes Leben“ eine Möglichkeit, das Thema Trauer und seine Bewältigung aus einem Blickwinkel zu betrachten, der nachvollziehbar und dennoch humorvoll wirkt und dabei liest sich dieser Roman flüssig und unterhaltsam, eine schöne Freizeitlektüre.

geschrieben am 09.05.2010 | 480 Wörter | 2755 Zeichen

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