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Das Begleitbuch zu Ernst Jünger „In Stahlgewittern"


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Rezension von

Daniel Bigalke

Das Begleitbuch zu Ernst Jünger „In Stahlgewittern" Er glaubte an den Vormarsch der voranschreitenden Perfektion technischer Mittel, daran, dass der Kampf als Substanz der menschlichen Natur bestehen bleibt und sich nur die Mittel dazu ändern – Ernst Jünger. Die totale Mobilmachung war ihm nicht nur ein nationaler Prozess, sondern einer, der auf der ganzen Erde mit forcierter und unaufhaltsamer Modernisierung zum Tragen kommt. Es ging in seinem Denken um den „Eudaimonismus der Massenseele“ (Gehlen) als Haupwaffe des Kollektivs, um die Ausdehnung der Toleranzgrenze, die Vorherrschaft der Gesinnungsmoral und die Privatisierung der Interessen, wenn er von der Ersetzung des Feindes durch das Kollektiv spricht. Immer aber auch spielt das Verlustbewusstsein eine Rolle. Ernst Jünger hat mit seinem ersten Werk „In Stahlgewittern“ (1920), erstmals erschienen in einem sächsischen Kleinverlag, nicht nur sein meistverkauftes Buch geschrieben, sondern einen Klassiker der Weltkrieg-Literatur hinterlassen, der in seiner literarischen Qualität unübertroffen ist. Der schwedische Archäologe Nils Fabiansson legt hier einen Begleitband vor, der über die Entstehungsgeschichte dieses Werkes informiert. Der Band enthält zahlreiche Abbildungen, darunter Reproduktionen aus den Tagebüchern Ernst Jüngers, Abbildungen aus seinen Aufzeichnungen und Kladden, die hier erstmals veröffentlicht werden und entsprechend beeindrucken. Das Werk Jüngers wird nachvollziehbar und vor allem als solches rekonstruierbar, welches aus der Hand eines Mannes im Kampfe, während der Aktion, vor, im und nach der Schlacht – zunächst in flüchtigen Stichpunkten und anschließend ausformuliert – entstand. Der Autor liefert zahlreiche Hinweise für Leser und Touristen, die heute die damalige Westfront besuchen und sich ein genaues Bild verschaffen wollen. Alte Aufnahmen werden aktuellen Fotos gegenübergestellt, der Schauplatz des Krieges und damit die Handlung von Jüngers Buch werden als Handlung mitreißend entfaltet. Zu den Abbildungen zählen nicht nur die Reproduktionen aus den Tagebüchern Ernst Jüngers, sondern auch Bilder der diversen Gefallenenfriedhöfe der Westfront sowie Kartenausschnitte, die vom Kampfgeschehen in Jüngers handschriftlichen Skizzen zeugen. Das Luminar war für Jünger ein Instrument zur Rekonstruktion des Gewesenen. Es resultiert aus ihm die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen. Sein Ziel war die Wiederherstellung der Harmonie in einer unablässig fortschreitenden Welt. Analog dazu kann auch dieses Buch gewissermaßen als Luminar verstanden werden. Es rekonstruiert das Geschehene auf anschauliche Weise und behält die Entwicklung des Erstlingswerkes Jüngers im Blick. Es vermittelt dem Leser, dass jeder seinen eigenen Krieg führt, täglich, unbewusst, dass die Träume, Wünsche und Affekte Landschaften erschließen, in denen zivile Konventionen nicht gelten. Vortrefflich zur Geltung kommen im Buch Fabianssons entsprechend die geistesgeschichtlichen Linien, vor denen allein Jünger zu beurteilen sinnvoll ist: Tradition der deutschen Kriegsliteratur, Große Mobilmachung, Mobilisierung der gesamten Gesellschaft, Überwindung der als ungerecht angesehenen Verhältnisse, die Qual des Schreibers in den Glaubenskriegen der Moderne, Immanenz und Transzendenz. Das Naturschöne wird zur Erfahrung einer in glücklichen Augenblicken schon jetzt erlösten Welt und zum Anlass eines Erlösungswunsches, den es auszuhalten gilt. – Gefühle, die für Jünger auch und vor allem (nur) im Krieg möglich waren. – Ein überfälliges Buch.

Er glaubte an den Vormarsch der voranschreitenden Perfektion technischer Mittel, daran, dass der Kampf als Substanz der menschlichen Natur bestehen bleibt und sich nur die Mittel dazu ändern – Ernst Jünger. Die totale Mobilmachung war ihm nicht nur ein nationaler Prozess, sondern einer, der auf der ganzen Erde mit forcierter und unaufhaltsamer Modernisierung zum Tragen kommt. Es ging in seinem Denken um den „Eudaimonismus der Massenseele“ (Gehlen) als Haupwaffe des Kollektivs, um die Ausdehnung der Toleranzgrenze, die Vorherrschaft der Gesinnungsmoral und die Privatisierung der Interessen, wenn er von der Ersetzung des Feindes durch das Kollektiv spricht. Immer aber auch spielt das Verlustbewusstsein eine Rolle.

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Ernst Jünger hat mit seinem ersten Werk „In Stahlgewittern“ (1920), erstmals erschienen in einem sächsischen Kleinverlag, nicht nur sein meistverkauftes Buch geschrieben, sondern einen Klassiker der Weltkrieg-Literatur hinterlassen, der in seiner literarischen Qualität unübertroffen ist. Der schwedische Archäologe Nils Fabiansson legt hier einen Begleitband vor, der über die Entstehungsgeschichte dieses Werkes informiert. Der Band enthält zahlreiche Abbildungen, darunter Reproduktionen aus den Tagebüchern Ernst Jüngers, Abbildungen aus seinen Aufzeichnungen und Kladden, die hier erstmals veröffentlicht werden und entsprechend beeindrucken.

Das Werk Jüngers wird nachvollziehbar und vor allem als solches rekonstruierbar, welches aus der Hand eines Mannes im Kampfe, während der Aktion, vor, im und nach der Schlacht – zunächst in flüchtigen Stichpunkten und anschließend ausformuliert – entstand. Der Autor liefert zahlreiche Hinweise für Leser und Touristen, die heute die damalige Westfront besuchen und sich ein genaues Bild verschaffen wollen. Alte Aufnahmen werden aktuellen Fotos gegenübergestellt, der Schauplatz des Krieges und damit die Handlung von Jüngers Buch werden als Handlung mitreißend entfaltet. Zu den Abbildungen zählen nicht nur die Reproduktionen aus den Tagebüchern Ernst Jüngers, sondern auch Bilder der diversen Gefallenenfriedhöfe der Westfront sowie Kartenausschnitte, die vom Kampfgeschehen in Jüngers handschriftlichen Skizzen zeugen.

Das Luminar war für Jünger ein Instrument zur Rekonstruktion des Gewesenen. Es resultiert aus ihm die Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen. Sein Ziel war die Wiederherstellung der Harmonie in einer unablässig fortschreitenden Welt. Analog dazu kann auch dieses Buch gewissermaßen als Luminar verstanden werden. Es rekonstruiert das Geschehene auf anschauliche Weise und behält die Entwicklung des Erstlingswerkes Jüngers im Blick. Es vermittelt dem Leser, dass jeder seinen eigenen Krieg führt, täglich, unbewusst, dass die Träume, Wünsche und Affekte Landschaften erschließen, in denen zivile Konventionen nicht gelten. Vortrefflich zur Geltung kommen im Buch Fabianssons entsprechend die geistesgeschichtlichen Linien, vor denen allein Jünger zu beurteilen sinnvoll ist: Tradition der deutschen Kriegsliteratur, Große Mobilmachung, Mobilisierung der gesamten Gesellschaft, Überwindung der als ungerecht angesehenen Verhältnisse, die Qual des Schreibers in den Glaubenskriegen der Moderne, Immanenz und Transzendenz. Das Naturschöne wird zur Erfahrung einer in glücklichen Augenblicken schon jetzt erlösten Welt und zum Anlass eines Erlösungswunsches, den es auszuhalten gilt. – Gefühle, die für Jünger auch und vor allem (nur) im Krieg möglich waren. – Ein überfälliges Buch.

geschrieben am 24.04.2008 | 466 Wörter | 3076 Zeichen

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