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| Autor | Bernd Fischer | |
| Verlag | Fischer, Bernd | |
| Sprache | deutsch | |
| Seiten | 32 | |
| Erscheinungsjahr | 2007 | |
| Extras | - |

Zu Lebzeiten galt er als »umstritten«, eine Vokabel, die man auf jeden stülpt, mit dem man - aus welchen Gründen auch immer - nicht klarkommt. Und bei Ernst Jünger gab es dieser Gründe viele, mit denen er sein Leben lang die Herrschenden und ihre tumben Mitläufer zu ärgern wusste. Schon als Schüler war ihm die kleine Welt des Bürgertums seiner Eltern zu klein; er floh ohne große Umstände nach Nordafrika zur Fremdenlegion. Die nächste Fluchtmöglichkeit bot der Erste Weltkrieg. Nun konnte er weitere, andere Grenzen austesten.

Wie lange hält ein Leben, wie oft halten die Schutzengel ihre Hände über mich. Annäherungen. Grenzerfahrungen. Die Machthaber des Dritten Reiches konnten ihn nicht gewinnen für ihre Sache. Schon früh verbat sich der im Ersten Weltkrieg vom Kaiser mit dem Pour le mérite, dem höchsten Tapferkeitsorden, ausgezeichnete Frontkämpfer, dass der »Völkische Beobachter« ohne Erlaubnis seine Texte nachdruckte. Die Nazizeit überstand Jünger mehr als integer. Er hatte Kontakt zu den Widerstandskreisen in der Wehrmacht, verfasste für den Putsch gegen Hitler die Friedensschrift, die nach Beseitigung des braunen Dämons flächendeckend verteilt werden sollte. Freunden half er unter Lebensgefahr. Andere liefen mit und heroisierten sich nach dem Krieg selbst. Günter Grass konnte so zum moralischen Gewissen Westdeutschlands werden. Jünger dagegen verbrannte Aufzeichnungen und Dokumente, die seinen Freund Ernst Niekisch gefährden konnten, - ohne je darüber zu sprechen. Auf die Frage, wie er auf seine Widerstandsparabel »Auf den Marmorklippen« gekommen sei, sagte er stets nur, er habe sie geträumt. Widerstand aus reiner Geistesmacht. Noch in hohem Alter schockte er die westdeutsche Öffentlichkeit mit seinem Buch »Annäherungen. Drogen und Rausch«, in dem er auch von seinen Erfahrungen mit verschiedenen Rauschmitteln Zeugnis ablegt. Ein CDU-Abgeordneter forderte ein Verbot. So war sein gesamtes, beinahe 103 Jahre währendes Leben eine einzige Annäherung; eine Suche nach Grenzerweiterung, Erkenntnisgewinn.
Immer mehr Menschen sprechen einen heute an und fragen nach einem Einstieg in Jüngers Werk. Doch welches Buch empfehlen? Stets sieht man sich in der Gefahr, doch nur einen winzigen Ausschnitt aus einem derart umfangreichen Oeuvre empfohlen zu haben. Ähnlich problematisch verhält es sich mit der Sekundärliteratur. Die guten Werke, zum Teil schon Jahrzehnte alt, sind umfangreich.
Doch nun scheint es Abhilfe zu geben: Ein Heft, es misst gerade 32 Seiten, führt in Kürze und Prägnanz in Werk und Leben des großen Solitärs der deutschen Literatur ein. Erstaunlich sind bei diesem Umfang Stoffülle und Vollständigkeit. Verfasser Bernd Erhard Fischer hat sich umfassend in die Materie eingearbeitet. Auch aktuellste Forschungsergebnisse finden ihren Niederschlag. So die diversen Decknamen in Jüngers Tagebuch für seine Pariser Geliebte Sophie Ravoux, wie sie Tobias Wimbauer für sein Namensregister der Jüngerschen Tagebücher (Schnellroda 2003) ermitteln konnte.
Das in schwarzem Feinkarton (270 g/ qm) mit aufgeklebtem Titelschild bibliophil gestaltete Heft ist Teil der Reihe »Menschen und Orte« in der Edition A. B. Fischer in Berlin. Weitere Hefte in gleicher Ausstattung gibt es unter anderen über Hermann Sudermann in Blankensee, Arno Schmid in Bargfeld und Wolfgang Koeppen in Greifswald. Der Verlag will jährlich zwei bis drei dieser Hefte herausbringen.
Doch ist es nicht nur der gelungene Text, der das Heft empfehlen lässt. Die atmosphärischen Schwarz-Weiß-Photographien von Angelika Fischer sind quasi das I-Tüpfelchen und lassen den Band wahrlich bibliophil erscheinen.
geschrieben am 24.04.2007 | 522 Wörter | 3159 Zeichen
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