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Denken mit Oscar Wilde


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Rezension von

Matthias Pierre Lubinsky

Denken mit Oscar Wilde Oscar Wildes Leben glich einer Achterbahnfahrt. Mit den besten Voraussetzungen ausgestattet, machte er etwas draus. Aber es war nie genug. Er wollte mit aller Gewalt Weltruhm erlangen. Und er erlangte Weltruhm. Er wollte bewundert werden und wurde bewundert. Sein Anspruch war, das Leben zum Kunstwerk zu erheben. Dies gelang ihm. Im Nachhinein betrachtet allerdings anders, als er es sich vorgestellt hatte. In seinem einnehmendsten, intimsten Text, dem Brief De profundis, den er seinem achtzehn Jahre jüngeren Geliebten Lord Douglas aus dem Zuchthaus schrieb, gelangte Wilde zu tiefer Selbsterkenntnis: »Vielleicht wird auch meine Kunst, genau wie mein Leben, auf eine tiefere Note gestimmt, die meinen Leidenschaften einen volleren Klang verleiht und meinen Impulsen eine größere Spontaneität. Nicht die Breite, die Tiefe ist das wahre Ziel der modernen Kunst.« In keiner anderen publizistischen Form kann die Essenz des Wildeschen Denkens so herauskristallisiert werden, wie in einer Zusammenstellung seiner Aphorismen. Diese Sammlungen gibt es, seit Gesamtausgaben Wildes veröffentlicht wurden. Eine wird nun nach zwanzig Jahren vom Diogenes Verlag wiederveröffentlicht. »Form ist das Geheimnis des Lebens. Gib der Trauer Ausdruck, und sie wir dir kostbar werden. Gib der Freude Ausdruck, und dein Entzücken steigert sich…« hat der Herausgeber dem Bändchen vorangestellt und damit eine geistige Klammer geschaffen, eine Art von Motto, das über den klugen und modernen Gedanken des Iren stehen könnte. Unterteilt sind die poetischen Geistesblitze in Kapitel wie »Dandy im Spiegelbild«, »Wir alle sind Könige« oder »Magie de Schönheit«. Der Gewinn dieser inhaltlichen Gruppierung ist, dass der Leser quasi von Wilde selbst an die Hand genommen wird, weil sich die einzelnen Aussagen ergänzen und wie ein Baum weiter verzweigen. Das regt auch zum eigenen Weiterdenken an. Der kleine Band beginnt mit folgender intimen Beichte des am 30. November 1900 in Paris Verstorbenen: »In mir wächst eine leidenschaftliche Liebe zu allem Geheimnisvollen. Für mich ist das die einzige Möglichkeit, dem modernen Leben den Schein des Rätselhaften und Wunderbaren zu erhalten. Die alltägliche Begebenheit wird zauberhaft, wenn man sie vor den anderen verborgen hält. Ich sage auch nie, wohin ich fahre, wenn ich verreise. Mein ganzes Vergnügen wäre dahin, wenn ich es täte. Möglich, daß es töricht ist, aber mir bringt diese Gewohnheit ein wenig Romantik ins Leben.« Dieser Ausspruch Wildes ist stimmig als premierer ausgewählt, vermag er doch über die Art des Wildeschen Denkens eine Menge zu verraten. Wilde wollte aufhören, an einer Gesellschaft zu leiden, die er verachtete. Mittelmaß, Verlogenheit und falsches Philistertum waren ihm zuwider. Wilde durchdenkt seine Lage, seine Machtmittel, und beschließt, die Zeit mit ihren eigenen Gesetzen zu schlagen. Dazu passte, das eigene Leben zum – alleinigen – Kunstwerk zu stilisieren. Wilde war in dem Sinne hypermodern, dass er seiner Zeit weit voraus war. Bei ihm entfaltet sich das Leben nicht mehr als großartiges Schauspiel. Das schauspielernde Subjekt ist das einzige, was sichtbar bleibt. Es ist nicht mehr getragen von einer Kunstmotivation. Ein künstlicher Rahmen bildet die gefrorene Hülle des artifiziellen Subjektes. Oscar Wilde hat Andy Warhol vorweggenommen. Aphorismen-Sammlungen von Oscar Wilde gibt es viele. Dies ist die beste. Ein Taschen-Brevier für Dandys 2009.

Oscar Wildes Leben glich einer Achterbahnfahrt. Mit den besten Voraussetzungen ausgestattet, machte er etwas draus. Aber es war nie genug. Er wollte mit aller Gewalt Weltruhm erlangen. Und er erlangte Weltruhm. Er wollte bewundert werden und wurde bewundert. Sein Anspruch war, das Leben zum Kunstwerk zu erheben. Dies gelang ihm. Im Nachhinein betrachtet allerdings anders, als er es sich vorgestellt hatte.

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In seinem einnehmendsten, intimsten Text, dem Brief De profundis, den er seinem achtzehn Jahre jüngeren Geliebten Lord Douglas aus dem Zuchthaus schrieb, gelangte Wilde zu tiefer Selbsterkenntnis: »Vielleicht wird auch meine Kunst, genau wie mein Leben, auf eine tiefere Note gestimmt, die meinen Leidenschaften einen volleren Klang verleiht und meinen Impulsen eine größere Spontaneität. Nicht die Breite, die Tiefe ist das wahre Ziel der modernen Kunst.«

In keiner anderen publizistischen Form kann die Essenz des Wildeschen Denkens so herauskristallisiert werden, wie in einer Zusammenstellung seiner Aphorismen. Diese Sammlungen gibt es, seit Gesamtausgaben Wildes veröffentlicht wurden. Eine wird nun nach zwanzig Jahren vom Diogenes Verlag wiederveröffentlicht. »Form ist das Geheimnis des Lebens. Gib der Trauer Ausdruck, und sie wir dir kostbar werden. Gib der Freude Ausdruck, und dein Entzücken steigert sich…« hat der Herausgeber dem Bändchen vorangestellt und damit eine geistige Klammer geschaffen, eine Art von Motto, das über den klugen und modernen Gedanken des Iren stehen könnte. Unterteilt sind die poetischen Geistesblitze in Kapitel wie »Dandy im Spiegelbild«, »Wir alle sind Könige« oder »Magie de Schönheit«. Der Gewinn dieser inhaltlichen Gruppierung ist, dass der Leser quasi von Wilde selbst an die Hand genommen wird, weil sich die einzelnen Aussagen ergänzen und wie ein Baum weiter verzweigen. Das regt auch zum eigenen Weiterdenken an.

Der kleine Band beginnt mit folgender intimen Beichte des am 30. November 1900 in Paris Verstorbenen: »In mir wächst eine leidenschaftliche Liebe zu allem Geheimnisvollen. Für mich ist das die einzige Möglichkeit, dem modernen Leben den Schein des Rätselhaften und Wunderbaren zu erhalten. Die alltägliche Begebenheit wird zauberhaft, wenn man sie vor den anderen verborgen hält. Ich sage auch nie, wohin ich fahre, wenn ich verreise. Mein ganzes Vergnügen wäre dahin, wenn ich es täte. Möglich, daß es töricht ist, aber mir bringt diese Gewohnheit ein wenig Romantik ins Leben.« Dieser Ausspruch Wildes ist stimmig als premierer ausgewählt, vermag er doch über die Art des Wildeschen Denkens eine Menge zu verraten.

Wilde wollte aufhören, an einer Gesellschaft zu leiden, die er verachtete. Mittelmaß, Verlogenheit und falsches Philistertum waren ihm zuwider. Wilde durchdenkt seine Lage, seine Machtmittel, und beschließt, die Zeit mit ihren eigenen Gesetzen zu schlagen. Dazu passte, das eigene Leben zum – alleinigen – Kunstwerk zu stilisieren. Wilde war in dem Sinne hypermodern, dass er seiner Zeit weit voraus war. Bei ihm entfaltet sich das Leben nicht mehr als großartiges Schauspiel. Das schauspielernde Subjekt ist das einzige, was sichtbar bleibt. Es ist nicht mehr getragen von einer Kunstmotivation. Ein künstlicher Rahmen bildet die gefrorene Hülle des artifiziellen Subjektes. Oscar Wilde hat Andy Warhol vorweggenommen.

Aphorismen-Sammlungen von Oscar Wilde gibt es viele. Dies ist die beste. Ein Taschen-Brevier für Dandys 2009.

geschrieben am 25.02.2009 | 505 Wörter | 2969 Zeichen

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